DAF T244 Schlachtfest bei Cartnmore in Oberwiesen

Der Kollege Cartnmore hat sich mehrere DAF T244 besorgt bzw reserviert, die vom Zustand her am ehesten als Schlachtfahrzeuge zur Ersatzteilgewinnung zu gebrauchen sind. So war ich auf das Mittelgetriebe scharf, Sundancer braucht für seinen im Oman stehenden DAF noch die Steckachse vorne, Cartmore braucht Teile für seine klappernde Achse und und und …

Anbei Mal ein paar Fotos dieser Aktion:

Der Tieflader von Christian / Cartnmore mit dem zu zerlegenden DAF T244
Scheiben, Sitze und das Armaturenbrett hatte er schon nicht mehr. Freitag Mittag wurde das Fahrzeug runter in die Werkstatt bewegt.

Selbst in dem Zustand ^^ war der Truck fahrbereit und ließ sich aus eigener Kraft bewegen. Der Motor war top und ließ sich mit zwei Schraubenschlüssel starten / kurzschließen.

Der DAF T244 ist ein wirklich extrem robustes Fahrzeug und zum fahren braucht er nicht viel – wie man sieht fährt er auch ohne Elektrik oder einem Armaturenbrett …

Das Lager früh morgens um 7:00 am Samstag. Samstag und Sonntag sollten urspünglich die beiden Basteltage sein.
Gemeinsame Bastelstunde. Wenn es ungefährlich war, durfte der Jüngste zuschauen, was die Großen machen. Ansonsten war Playmobil spielen und Chillen in meiner Kabine angesagt.
Die Pritsche (ca 850 kg) kommt runter
Das Abbauen der Pritsche war eine ziemliche Arbeit. Die saß nämlich bombenfest.
Leider war das Zeitfenster ziemlich eng. Der Besitzer der Werkstatt hat uns nur dem Samstag Vormittag gegeben. Am Sonntag war er nicht nochmal bereit, das Tor aufzuschließen. Somit ist der DAF nur zur Hälfte zerlegt worden.

Ein gescheites Lagerfeuer gehört natürlich zu so einem Treffen dazu
Lagerfeuer Abends … auf einer etwas höher gelegenen Wiese mit Blick auf das Dorf und ins Tal. Unser Nachtlager. Mit sternklarem Himmel, Nachts jagenden Hornissen und einer Streuobstwiese nebenan für gesunde Snacks.
Nicht nur für den kleinsten war es ein langer Tag – mit vielen Erlebnissen und Eindrücken.

Ich hatte aus Hannover zwar die längste Anfahrt, hab meinen Besuch aber nicht bereut. Solche Aktionen sind aus mehreren Gründen interessant: man kann Gleichgesinnte treffen, halbwegs günstig an Teile rankommen, basteln üben und so sein Fahrzeug kennen lernen, ohne viel kaputt machen zu können. Ich bin ja kein KFZ Profi – daher brauchte ich erst Mal eine ganze Weile, um in den flow zu kommen. Welches Werkzeug brauch ich jetzt, wo ist ein Rohr als Hebel, was schlachte ich wie am besten aus.

Geplant war ursprünglich, das Fahrzeug auch am Sonntag weiter zu zerlegen. Das hat leider nicht geklappt, da am Sonntag niemand da gewesen wäre, um aufzuschließen. So kam es dann für mich zwei Wochen später zu einem erneuten Besuch bei Cartnmore, um mein bereits bezahltes Getriebe abzuholen.

Mit Christian (aka Cartnmore) hab ich meinen ersten, echten Rocker kennen gelernt. Christian gehört den Outlaws MC Donnersberg an – daß es verschiedene Sorten Rocker gibt war mir bis dahin nicht geläufig, ich mußte das zunächst recherchieren. Direkt vor der Tür parkt ungesichert eine Harley Davidson, die komischerweise niemand klaut und den Hof bewacht ein obligatorischer Wachhund. Sein Gesicht ziert eine wilde Bartmähne, um die jeder sturmerprobte Wikinger neidisch gewesen wäre und seine Arme lassen prächtige Tatoos bis zu den Schultern hinauf sehen. Das Tatoo „Harley“ auf der einen Seite und „Davidson“ auf der anderen verrät eine lebenslange Markentreue zu diesem Hersteller und seiner Philosophie.

Gut, es gibt natürlich solche und solche – aber wer Vorurteile gegenüber Rockern hat, sollte vielleicht einfach mal einen kennen lernen. Christian z.B. geht einer geregelten Arbeit nach: er fährt seit Jahren unfallfrei Sattelschlepper. Aktuell gibt es wieder eine sehr nette Partnerin, aber bis dahin kümmerte er sich alleinerziehend um seinen 7-jährigen Sohn. Liebevoll und zuverlässig. Gesellschaftlich ist er ausgesprochen gut vernetzt. Egal ob wir gemeinsam im Imbiss saßen oder unterwegs waren: überall kannte er wen, hatte Bekannte und wurde durchweg freudig begrüßt. Und bei ihm zu Hause lag auch nichts herum, was ich irgendwie merkwürdig gefunden hätte. Ganz im Gegenteil, ich war dort bei ihm drei Nächte untergebracht und hab eine unaufgeregte und ehrliche Gastfreundschaft erlebt, die ich so nur von meinen Reisen im Ausland kenne.

Offensichtliche Parellele zu Reisen in ferne Länder: wenn man völlig fremden und vielleicht etwas wild aussehenden Menschen aufgeschlossen und freundlich entgegen tritt, sind diese meistens ebenfalls freundlich und interessiert an einem.

Aber bis ich zu meinem Getriebe kommen sollte, mußte zunächst Christians DAF T244 noch vor dem Wochenende TüV-fertig gemacht werden. Das war ein denkbar knappes Zeitfenster. Es gab viel zu tun und Christian stand richtig unter Strom: wir haben gemeinsam eine ausgeschlagene Antriebswelle umgebaut (es war doch nicht die Achse, die kaputt war), Druckluftleckagen gesucht und repariert, die Elektrik / Beleuchtung durchrepariert, alle Reifen umgebaut und die Seitenspiegel ersetzt. In einer befreundeten Werkstatt wurde noch rasch der Kotflügel geschweißt – eine typische Dauerbaustelle am T244. Ausserdem mußte die Seilwinde wieder abmontiert werden, die mochte der TüV nicht. Dann waren da noch die Reifen, die für AndyCi fit gemacht werden sollten, der war bereits auf der Autobahn und im anrollen.

Kampf mit den Reifen: die Sprengringfelgen waren korrodiert und der Sprengring saß fest. Die Gummireifen wollten dann auch nicht von der Felge runter. Normalerweise läßt sich der Sprengring lösen, wenn der Wulst von den drucklosen Reifen runter gedrückt wird. Bei den Reifen, die wir dabei hatten, ist uns das erst beim zweiten Reifenhändler geglückt.

Notreparatur direkt auf dem Hof vom TÜV. Wir hatten da offenbar eine kleine Macke übersehen …
Zwischendurch ein Anruf ! Christian, deine Schafe sind ausgebüchst … Also mußten wir noch schnell mit dem Geländewagen die Schafe im Wald suchen und wieder einfangen.
Dort in der Gegend: ein cooler Lost Place mit verlassenen Linienbussen. Hab ich von der Strasse aus beim spazieren gehen fotografiert. Leider ist das Gelände nicht weiter zugänglich

Wirklich auf den letzten Drücker, bevor in der Werkstatt wieder die Tore verschlossen wurden, haben wir dann noch das Mittelgetriebe aus dem Schlachtfahrzeug ausgebaut. Es gab noch leichte Diskussionen zwischen mir und Christian, ob der Tachosensor nun im Preis mit drin gewesen wäre – und ausserdem die Aufnahmeklaue für die Welle. Er: du hast nur das Getriebe ohne Anbauteile bezahlt. Ich: bezahlt hab ich ja wohl das ganze Dings Bums, so wie er ist. Nachdem die Klaue aber in der Werkstatt partout nicht ab ging, durfte ich mit dem Block – so wie er war – von dannen ziehen.

Worüber ich heil froh bin: denn falls ich das Mittelgetriebe tatsächlich einmal unterwegs brauche und mir schicken lasse, muss es leicht und – mit Bordmitteln – umzubauen sein. Wir haben die Klaue selbst mit Profiwerkzeug nicht gelößt bekommen, unterwegs und im Ausland ergeht es einem da kaum anders – und dann steht man da.

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