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Ausrüstung, die erprobt wurde

Reise Apotheke ++

Ich hab in einem anderen Blog Eintrag ja schon einmal meinen gepimpten Erste Hilfe Kasten vorgestellt, daher folgt heute ein Blick in meine aufgemotzte Reise Apotheke ++

Hey, cool, würdest du dich von einem dir komplett unbekannten Typ medizinisch beraten lassen, der zwar „medizinisch interessiert“ ist, aber ganz früher Mal Radio und Fernsehtechniker gelernt hat ? Und nun als LKW / Reise Quereinsteiger in der Welt unterwegs ist ?

Vermutlich nicht. Und so will ich den Artikel hier auch verstanden wissen.

Jeder Mensch hat eigene, medizinische Bedürfnisse, die eine individuelle Beratung durch einen Arzt erforderlich machen. Bei mir sind es z.B. Tabletten gegen Allergien, die mitreisen müssen. Meine Schilderung soll nur eine Anregung für deine ganz individuelle Reise Apotheke sein, mehr nicht. Eine Reise Apotheke hängt ausserdem stark vom jeweiligen Reiseland ab. In Afrika sollte man Malaria im Kopf haben, in Australien giftige Tiere, was für Skandinavien beides nicht zutrifft, dafür sind dort Zecken – und so weiter … eine schlagkräftige Reise Apotheke hängt daher sehr vom Reiseziel und deiner Persönlichkeit ab.

Das Konzept meiner Reise Apotheke ++ ist jedenfalls folgendes: entweder die Medikamente bekommen das schwere Problem tatsächlich in den Griff, oder Schmerzmitteln und Antibiotika verschaffen einem ein Zeitfenster von 48 Stunden, um in die nächste Großstadt mit einem Flughafen und Ärzten zu gelangen.

Mit dem „Doppelplus“ meine ich, daß in der Reise Apotheke nicht nur apothekenpflichtige Medikamente (+) jenseits vom normalen Haushaltsbedarf enthalten sind, sondern tatsächlich hoch wirksame Medizin, die man nur auf privat Rezept beim Arzt seines Vertrauens bekommt: ++

Ein Notarzt Koffer hätte +++, aber mit dem Inhalt dessen könnte ich dann echt nicht mehr umgehen. Den Einsatz hoch wirksamer Schmerzmittel oder auch Antibiotika kann man als medizinischer Laie aber gerade noch so handeln. Nicht anders ist es, wenn einem der Arzt sowas verschreibt und es einem für zu Hause mitgibt.

Unterwegs sind jedenfalls folgende Verletzungen wahrscheinlich: Schnittwunden, Verbrennungen, Abschürfungen, leichte Entzündungen, Fiber, Durchfall. Für das verarzten von Schürf und Schnittwunden ist der Erste Hilfe Kasten zuständig. Für alles andere Medikamente aus der Reise Apotheke.

Hoffentlich passiert mir das nie, aber schwere Fälle, die einen Arzt erfordern können sind zum Beispiel ein Knochenbruch, eine Blinddarmentzündung oder Zahnschmerzen. Das ist dann definitiv ein Fall für den Arzt / Notarzt – aber wenn keiner da ist ? Dieser Frage stellen sich z.B. auch Seeleute, mitten im Atlantik. Für den Fall verschaffen einem Schmerzmittel und Antibiotika ein gewisses Zeitfenster, um mit einem halbwegs klaren Kopf einen Arzt aufzusuchen.

Wie wichtig so eine schlagkräftige Reise Apotheke selbst mitten in Europa sein kann hat mir die Corona Krise gezeigt.

So hatten in Frankreich die Zahnärzte zu, ausnahmslos. Selbst in einer großen Stadt wie Carcassonne mit rund 50.000 Einwohnern gab es nicht einen einzigen Zahnarzt, der geöffnet hatte – obwohl bei 50.000 Einwohnern sicherlich damit zu rechnen ist, daß
mindestens 10 Leute pro Tag ein ernsthaftes Problem mit einem Zahn entwickeln. Die hatten dann aber Pech. So wie ein Einsiedler Typ in Rennes-le-Bains, der mangels adequater Zahnpflege in der Einsamkeit höllische Zahnschmerzen entwickelt hatte. Der war dann ziemlich froh über die zwei Tramadol von mir, um die Nacht erst Mal schlafen zu können. Ibuprofen waren bereits ohne Effekt, die hatte er wie Smarties gegessen. Bevor er sich dann am nächsten Tag in die Hände irgend eines Nofall Zahnklempners (Notaufnahme) begeben hat, der den Zahn (wie auch immer) gezogen hat. Er hatte Glück, mich mit meinem medizinisch hochgelevelten Truck zu treffen.

Antibiotika, die gegen bakterielle Entzündungen helfen und Schmerzmittel stellen keine Heilung von einem entzündeten Blinddarm oder Zähnen da, um bei dem obigen Beispiel zu
bleiben. Aber beides kann helfen, zunächst funktionierend zu bleiben, um einen geeigneten Mediziner aufzusuchen oder um nach Europa ausgeflogen zu werden. Der hauptsächliche Gedanke bei meiner Reise Apotheke ist tatsächlich, auch mit mittelschweren Verletzungen funktionstüchtig und handlungsfähig zu bleiben.

Grundsätzlich ist es zwingend notwendig, sich mit jedem mitgeführten Medikament genau vertraut zu machen. Damit meine ich nicht nur die richtige Dosierung, sondern auch die Wirkung. Bei einer Sepsis kann das falsche Antibiotika wirkungslos sein, eine Überdosierung von Paracetamol kann eine kaputte Leber zur Folge haben. Was schlimmer ist, als die bisschen Kopfschmerzen, die man eigentlich behandeln wollte. Mit der laienhaften Anwendung von Medikamenten kann man leicht mehr Schaden anrichten als Nutzen – und bei einer Wikipedia Eigenbehandlung sollte man möglichst keinen Weg wählen, der nicht umkehrbar ist. Schwierig ist auch eine korrekte Diagnose. Bei einer Schürfwunde ist das Problem offensichtlich, bei Fieber und Bauchschmerzen nicht unbedingt.

Auf der anderen Seite kriegen es ja sogar Junkies auf schlecht beleuchteten Toiletten hin, sich eine intravenöse Injektion zu setzen und ich kenne als Gegenbeispiel genug Ärzte, die bei einer simplen Erkältung (verursacht durch Viren) dann Antibiotika (gegen Bakterien) verschreiben.

Aber genug dieser Überlegungen, kommen wir zu den Mittelchen in meiner Reise Apotheke ++, was eine nützliche Anregung auch für deine Reise Apotheke sein kann:

Schmerzmittel / leichte Schmerzen:

Paracetamol
Ibuprofen (auch Fieber senkend)
Aspirin

Scherzmittel / mittlere bis starke Schmerzen:

Tramal / Tramadol (aus der Gruppe der Opiate, Abhängingkeitspotential) Metamizol (Nebenwirkungen …)

Muskelentspannung

Benzodiazam (Abhängingkeitspotential)

Ortoton

Antibiotika

Doxycyclin (Breitbandantibiotikum, auch Malaria Chemoprophylaxe)

Metronidazol

Amoxicillin (Breitbandantibiotikum)

Cefurox (Sepsis, gramnegative Erreger)

Penhexal (Phenoxymethylpenicillin) nur grampositive Erreger, bestimmte Streptokokken

Durchfall / Reisekrankheiten

Loperamid (gegen Durchfall, im Notfall z.B. bei Flugreisen)

MCP (gegen Brechreiz)

Emesan (Antihistaminika, Reisekrankheit, Angstlösend)

Erkältung, Atemwegserkrankung

Prospan Hustensaft

Ambroxol Hustensaft

Halsschmerztabletten

Parasiten

Zecken, Mücken Spray

Permethrin (Milben)

Vermox (Würmer)

Nicht jedes Medikament, was in Deutschland legal ist, ist das auch im Reiseland. So hatte ich wegen der Tramal und der Benzodiazepine in der Ukraine ziemliche Probleme. Die Mitnahme von einem Medikament, was in Richtung Opiate, Schmerzmittel, Betäubung geht (Tramadol z.B.) sollte man daher nochmal ganz genau vor der Reise abchecken. Hilfreich kann dann ein Brief vom Arzt sein, daß man bestimmte Medikamente benötigt. Praktische Erfahrung hab ich damit allerdings nicht. Eventuell bleibt nur der Schmuggel.

Ich hab oben Loperamid gegen Durchfall und MCP gegen Erbrechen genannt: das sollte man nur im begründeten Notfall nehmen. Wenn man etwas falsches gegessen hat, ist es eine natürliche und gesunde Reaktion vom Körper, das oben und unten auszuwerfen und rasch wieder loszuwerden.

Ganz zum Schluß nochmal der eindringliche Hinweis, daß Internet Blogs keine medizinische oder gar reisemedizinische Beratung durch einen Arzt ersetzen.