Überlegungen zu Schusswaffen in den USA und eine Spurensuche im Mandalay Bay Hotel und in Las Vegas.
Ein eher spezielles Projekt war es, in Las Vegas auf Spurensuche nach dem Attentat vom 1. Oktober 2017 zu gehen. An diesem Tag erschoss ein Massenmörder, den ich hier nicht namentlich nennen werde vom 32 Stock des Mandalay Bay Hotels aus 58 Menschen. Diese hatten auf dem benachbarten Route 91 Country Musik Festival fröhlich gefeiert. Das Attentat hatte abgesehen von den 58 Toten über 400 durch Projektile oder Splitter verletzte Menschen zur Folge. Viele davon schwer verletzt und für den Rest ihres Lebens behindert.
Der Massenmord wurde von dem Einzeltäter mit mehreren nachträglich zu Schnellfeuergewehren umgebauten Waffen begangen. Bei dem Anschlag wurden die Menschen, die keinerlei Chance hatten in Deckung gehen zu können auf eine Distanz von 300 bis 450 Metern wahllos erschossen.
Ich habe mich gefragt: welche Spuren sind heute noch sichtbar ? Mit welchen Massnahmen haben das betroffene Hotel und die Stadt Las Vegas reagiert ?
Diese Recherche dokumentiert Spuren und beleuchtet gleichzeitig Amerikas sorglosen Umgang mit Waffen.

Im Zaun stecken ein paar verwelkte Blumen, hat dort jemand als Andenken hinterlassen. Der Täter schoss vom rechten Gebäudeflügel des Mandalay Bay aus in die hier feiernde Menge. Bis heute ist das furchtbare Ereignis in der Erinnerung der Bewohner von Las Vegas das Äquivalent zum Anschlag vom 11. September.
Zufall oder nicht: das Datum 1.10.2017 enthält in europäischer Schreibweise die in Deutschland übliche Notrufnummer der Polizei 110. Dagegen enthält die amerikanische Schreibweise vom Datum 09/11 die Zahl 911. Die 911 ist die Notrufnummer der US Polizei.


Reaktion vom Management des Mandalay Bay Hotels
Das Hotel Management hat nach dem Attentat umfangreiche Renovierungen veranlasst. Als wichtigste Massnahme wurde das Zimmer versiegelt. Die Etagen wurden neu nummeriert. So wurde der 32. Stock in den 57. Stock unbenannt.
Das Hotelzimmer 32-135, von dem aus der Massenmörder geschossen hat ist nicht mehr zugänglich. Es liegt am Ende eines langen Hotelflurs. Dort wo eigentlich eine Tür sein müsste ist heute eine Wand mit einem schlichten Bild.

Nichts erinnert an dieser Stelle an die Geschehnisse vom 01.10.2017


Vom Massenmörder wurde der Türspion durch eine Videokamera ersetzt, um den Flur im Blick zu behalten. Ich muss leider konstatieren, dass der Attentäter ein ziemlich gutes Schussfeld hatte. Er schoss tatsächlich durch die Tür auf Angestellte des Hotels und verletzte diese.
Allein durch das eher zögerliche Vorgehen der Sicherheitskräfte und den frühen Suizid vom Attentäter kam es nicht zu einem Schusswechsel und weiteren Toten im Flur.


Vor der Tür hatte der Attentäter einen Servierwagen abgestellt, an dem eine weitere Videokamera angebracht war. Das Kabel der Webcam führte zu einem Notebook im Raum 32-134.

Es befällt einen ein etwas mulmiges Gefühl, wenn man dort herumläuft. Für die meisten Gäste handelt es sich um einen völlig normalen, langgezogenen Hotel Flur mit austauschbaren, geschmacklosen Bildern, die KI generiert sein könnten. Was sich hier dramatisches abgespielt hat erschliesst sich einem nur, wenn man vorher umfangreiche Recherchen unternommen hat.
Das Wissen um die Tat, die psychedelisch leuchtenden Teppiche und die Optik des endlosen Flures verursacht den unheimlichen Eindruck, dass man sich an einem Ort befindet wo etwas ganz entschieden nicht okay ist. Weil es kein Tageslicht gibt oder überhaupt Fenster die nach draussen gehen verstärkt sich das ungute Gefühl noch. Ich hab mich nicht wie in einem Hotel sondern eher wie an einem Tatort gefühlt, wo ein ausländisches Regime geschickt etwas vertuscht hat.
Dabei trifft das Hotel meiner Meinung nach keine Schuld. Der 64-jährige Schütze war vorher nur als exzessiver Spieler aufgefallen, was vom Management sicherlich sogar noch begrüsst wurde. Er hat sein völlig sinnloses Leben in Spielsalons ohne Uhren & Tageslicht verbracht, ohne mit seinem vielen Geld oder seiner Zeit etwas nützliches anzufangen.
Auf der anderen Seite stellt sich schon die Frage wie es ein einzelner Attentäter schaffen kann, 23 automatische Gewehre und über 1000 Schuss Munition unbemerkt in ein Hotelzimmer zu schaffen. Wobei das nur die halbe Geschichte ist, die Spitze vom Eisberg. Meiner Meinung nach wirft das rangeschaffte Arsenal ganz allgemein ein Schlaglicht auf den Waffenwahn in den USA. Das insgesamt angelegte Waffenlager in seinen drei Häusern war nämlich enorm, monströs trifft es fast noch besser.
Aus dem Untersuchungsbericht geht hervor, dass der Attentäter seit dem Jahr 1982 krasse 67 Schusswaffen gekauft / gehortet hat. Der Fundus hat sich dabei aus Gewehren, Pistolen, Revolvern, Schrotflinten und sehr vielen AR-15 Schnellfeuergewehren (immer das gleiche Modell !) zusammen gesetzt.
Was macht ein Mensch der nur zwei Hände hat mit 67 Gewehren und Pistolen ? Fand das niemand merkwürdig ?
Ich halte es für technisch komplett ausgeschlossen, dass dieses Arsenal z.B. mit Waffenschränken ausreichend gesichert war. Diese Waffen hätten leicht in die Hände gefährlicher krimineller Banden fallen können, um zukünftig als schlagkräftige Privatarmee aufzutreten. Aus dem veröffentlichten Polizeibericht geht hervor, dass von den gekauften Waffen 18 Stück spurlos verschwunden sind. Super.
Selbstverständlich kann man auch mit einem einzigen Gewehr und 1000 Schuss Munition genug Schaden anrichten, aber der Besitz von 67 Schusswaffen durch eine einzelne Person sollte Fragen aufwerfen. In dem Fall stimmt charakterlich garantiert etwas nicht. Die Einstellung der Amerikaner scheint dazu jedoch völlig naiv zu sein.
Dazu kommt dass in den USA Munition frei erhältlich ist, im Supermarkt. Der Massenmörder hatte tausende Schuss Munition gehortet und unzählige Magazine. Die meisten Gewehrpatronen hatten panzerbrechende Projektile.

Scharfe Munition gibt es ohne ID und der lustige deutsche Akzent war bei der Bestellung auch kein Problem. Willkommen in den USA.

9mm um auf Kojoten zu schiessen (oder für Übungen) ist ja noch irgendwie verständlich. Aber:
Zu welchem Zweck werden in den USA Patronen an Privatpersonen abgegeben die panzerbrechende Wirkung haben ?
Aus dem Polizeibericht geht hervor, dass der Attentäter zwischen den Jahren 2015 und 2017 rund 95.000 $ für Waffen ausgegeben und 600.000 $ in Casinos verspielt hat. Sowohl in Europa als auch in den USA wird bei Überweisungen über 10.000$ / 10.000€ von der Bank automatisch eine Warnung an die Behörden veranlasst, wegen „Terror Finanzierung“.
Fast 100.000$ für Waffen auszugeben schien jedoch keinerlei Bedenken (Terrorgefahr …?) ausgelöst zu haben.
Die Schiesserei, während der über 1000 Schüsse abgegeben wurden um 58 Menschen zu töten und über 400 zu verletzen dauerte nur 10 Minuten. Danach erschoss sich der Attentäter. Passend dazu hat Las Vegas eine der höchsten Suizidraten der Vereinigten Staaten.
JET-A Tank gegenüber dem Mandalay Bay Hotel & Resort
Schräg gegenüber vom Mandalay Bay Resort liegt der Internationale Flughafen von Las Vegas. Der Attentäter hat zusätzlich versucht, einen von zwei Treibstoff Tanks mit JET-A Treibstoff in Brand zu schiessen.

Im Healing Garten, Reaktion der Stadt Las Vegas
Die Stadt Las Vegas hat für die Angehörigen der Opfer eine Gedenkstelle eingerichtet. In einem kleinen Park wurden 58 Bäume gepflanzt, für jeden Toten einen.




Der Healing Garden befindet sich etwa hier: 36.15967,-115.15351 (Google Maps)

Eine Erklärung für die sinnlose Grausamkeit gibt es nicht und der Autopsie Bericht vom Attentäter ist unauffällig. Im Blut wurden lediglich geringe Rückstände von einem Beruhigungsmittel gefunden, aber dafür hatte der Mann ein Rezept. Weder Drogen noch ernsthafte Erkrankungen wie ein Gehirntumor liessen sich nachweisen. Eine minimal erhöhte Konzentration von Quecksilber im Blut liess sich mit dem bevorzugten Verzehr von Meerestieren erklären. Der 64-jährige Mann hätte eine durchschnittliche Lebenserwartung von weiteren 20 – 25 Jahren bei guter Gesundheit gehabt.
Der Attentäter hatte Geschwister, war jedoch kinderlos. Zeugenaussagen belegen, dass der Täter nicht religiös war.
Die entsetzliche Tat von damals bleibt völlig unerklärlich.

Ich hab versucht mit einzelnen Mitarbeitern vom Hotel zu sprechen. Insbesondere hätte mich der heutige Zustand von den Hotelzimmern interessiert und ob es persönliche Erlebnisse / Einschätzungen gibt.
Die Mitarbeiter haben jedoch Redeverbot und werden vom Management des Hotels mit sofortiger Kündigung bedroht, falls sie auch nur eine einzige Bemerkung zu dem Attentat vom 01.10.2017 fallen lassen.
Ich hatte mir das schon gedacht. Meinen geliebten eRoller hatte ich an dem Tag sogar extra vor dem Hotel geparkt und nicht drinnen abgegeben, weil ich es ziemlich wahrscheinlich fand sofort getresspasst zu werden. Und achtkantig rauszufliegen.
Einige Mitarbeiter haben (auch vorher schon) trotzdem mit mir gesprochen, aber ich kann nicht wiedergeben was ich erfahren habe. Denn diese Informationen lassen Rückschlüsse auf die Quelle zu.
Ich finde das Schade. Gerne hätte ich an dieser Stelle die Sicht des Hotels geschildert, zumal das Mandalay Bay Resort & Casino meiner Meinung nach keine Schuld an dem Massaker trifft. Ja, es gab begünstigende Faktoren. Aber die Hauptschuld hat der Attentäter mit seinem erweiterten Suizid (Wikipedia). Und der Möglichkeit, problemlos an eine Lieferwagenladung Schnellfeuergewehre + ein paar hundert Kilo Schutzwesten durchschlagende Munition zu gelangen.
Ausserdem ist alles inzwischen 8 Jahre her, was die Möglichkeit eröffnet die Geschehnisse von damals aufzuarbeiten und zu reflektieren.
Die Stadt Las Vegas hat das mit dem Healing Garden sehr früh getan. Das Mandalay Bay Hotel möchte jedoch am liebsten so tun, als wäre das alles nicht passiert.
Quellen: Artikel zum Massenmord in Las Vegas vom 01.10.2017 Wikipedia
Kopie vom Untersuchungsbericht