Anleitung zum City Bus fahren: ÖPNV in den USA & Kanada

Kanada und die USA sind Autoland und der öffentliche Nahverkehr (ÖPNV) ist ziemlich unterentwickelt. Insbesondere Ausländer trauen sich selten, in den Städten der USA den Bus zu nehmen und zahlen lieber ein teures Taxi. Trotzdem kann ein Bus das perfekte Verkehrsmittel darstellen, um von einem abgelegenen Campingplatz oder dem Flughafen in die Innenstadt (und zurück) zu kommen.

In diesem Artikel räum ich die gröbsten Hindernisse beiseite, den City Bus fahren ist in den Städten der USA oder Kanadas extrem billig, sicher und weniger umständlich als viele glauben. In Tucson war Bus fahren sogar komplett gratis, bis auf weiteres.

Mein Artikel handelt daher nicht von Überlandbussen wie Greyhound oder Flixbus, sondern explizit vom innerstädtischen Bus Verkehr in Kanada und den USA.

ÖPNV USA & Kanada: Menschen sitzen in einem City Bus
Yepee, Bus fahren in den USA ! Stadtrundfahrt inklusive.

Bus – Vorteile:

  • Extrem billig, Fahrten kosten üblicherweise 2$ bis 3$.
  • Spontane Nutzung
  • Der Camper kann ohne zusammen packen auf dem Campingplatz oder bevorzugten Parkplatz stehen bleiben
  • Keine nervige Parkplatzsuche oder Stau in der Innenstadt. Oder schlimmer noch: bei Grossveranstaltungen
  • In Kombination mit einem kleinen, zusammenklappbaren eScooter ist die innerstädtische Mobilität unschlagbar
  • Uneingeschränkt für Personen im Rollstuhl geeignet
  • Schneller als das Autos, wenn Stau ist. Busse haben oft eigene Fahrspuren
  • Bargeldlos mit App / Kreditkarte möglich.

Bus – die Nachteile:

  • Ohne Recherchen zum Busnetz und den Haltestellen geht es nicht
  • Weiter ausserhalb der City, spät Nachts oder am Wochenende fahren seltener Busse
  • Bei Umwegen und vielen Haltestellen langsamer als das Auto
  • Umsteigezeiten / Wartezeiten sorgen für Verzögerungen
  • Haltestellen haben selten einen Schutz gegen Regen oder Schneefall
  • Man kann durchaus mit Leuten unterwegs sein, die völlig pleite sind oder denen Körperhygiene egal geworden ist.
  • Bei Barzahlung muss passend gezahlt werden.

Bei uns in Europa schwingt beim Thema ÖPNV stets der Umweltgedanke mit: Ressourcen sparen und bloss kein CO2 verursachen. In Städten wie Berlin ist es sogar hip (und problemlos möglich), gar kein Auto zu haben sondern den Alltag komplett ohne zu bewältigen. Das ist in den USA völlig anders, wenn nicht gar undenkbar.

In Amerika ist der Citybus vor allem das Verkehrsmittel der Wahl, wenn man arm ist und kein Auto hat. Strassenbahnen oder so etwas wie eine S-Bahn finden sich nur in den Ballungsräumen oder Grossstädten.

Wie ist das Stadt Busnetz in den USA / Kanada typischerweise organisiert ?

In meiner Heimatstadt Hannover in Deutschland ist das Busnetz sternförmig organisiert. Oft beginnen die Linien am Hauptbahnhof. In den USA hat der Bahnhof jedoch nur selten die Bedeutung eines Knotenpunktes und historisch gewachsene Innenstädte sind ebenfalls nicht selbstverständlich.

Die Buslinien in den USA verbinden daher typischerweise Terminals oder Umsteige und Endstationen, wo die Linie für die Weiterreise gewechselt werden muss. Diese Verteilzentren sind meist über das ganze Stadtgebiet verteilt. Eine Downtown (Innenstadt) mit einem Busbahnhof als Endstation mag es durchaus geben, aber selbstverständlich ist das als Endziel leider nicht.

Übersicht über Bus Terminals in Halifax

Halifax ist ein recht gutes Beispiel, wo die Buslinien oft „Terminals“ ansteuern. Die Fahrt vom weit ausserhalb gelegenen Flughafen würde dann zum Beispiel beim „Bridge Terminal“ enden.

Wenn man bei einem Terminal startet hat das den taktischen Vorteil, dass man sich auf dem Rückweg nicht verfahren kann. Das „Terminal“ steht als Endstation fest und alle Passagiere verlassen dort den Bus.

Navigation und Recherchen zu den Busverbindungen

Abgesehen von den Webseiten oder Apps der Nahverkehrsbetriebe lässt sich Google Maps verwenden, um Buslinien in der Nähe anzuzeigen. Aus Gründen, die nur Google kennt funktioniert das Anzeigen der gesamten Fahrstrecke jedoch nur in der Google Maps App. Nicht in Maps online.

Ich hab diesen Artikel in Alaska geschrieben. Daher habe ich im folgenden Anchorage als Beispiel ausgewählt. Im Grunde ist das „System Bus“ jedoch überall in den USA & Kanada mehr oder weniger gleich.

Grafik erklärt die Verwendung von Google Maps für die Suche nach öffentlichen Verkehrsmitteln und Bus Haltestellen

Aktiviere zum Anzeigen der Bushaltestellen in der Google Maps App das Layer „Öffentliche Verkehrsmittel“. Ein Klick auf die Bushaltestelle zeigt dann den Streckenverlauf an.

Mit einem Blick auf den offiziellen Streckenplan kann man sich einen Überblick über die gesamte Stadt verschaffen. Diese beiden Hilfsmittel reichen im Alltag völlig aus, um sich zu orientieren und im richtigen Bus zu landen.

Grafik mit Ausschnitt von Bus Netz in Anchorage

Lila markiert: unser Standort an dem sich die Linien 10 (rot) und 11 (grün) überschneidet.

Es gibt spezialisierte Apps für den öffentlichen Nahverkehr, aber Google Maps ist an der Stelle universell weltweit einsetzbar und du hast es vermutlich bereits auf deinem Handy vorinstalliert.

Ein Abgleich zwischen der offiziellen Buslinien Karte vor Ort + Google Maps, wohin die Fahrt geht ist üblicherweise ausreichend. Abgesehen davon hilft dir Google Maps während der Fahrt bei der Positionsbestimmung. Damit behältst du im Blick, ob die Richtung noch stimmt oder ob es langsam Zeit wird, auszusteigen.

Falls du kein Internet hast: such dir ein freies WLAN & installier dir fix für ein paar Dollar eine eSIM (Artikel dazu). Zum Zeitpunkt meiner Recherche kosteten reichliche 3GB Datenvolumen für 7 Tage in den USA umgerechnet nur 8€.

Bezahlung vom Bus Ticket

Barzahlung ist stets im Bus möglich, aber es gibt kein Wechselgeld. Der Fahrer kann nicht herausgeben und alles Bargeld (Scheine & Münzen) landet aus Sicherheitsgründen in einer Panzerbox.

In manchen Bussen ist das Bezahlen mit Kreditkarte wie Visa oder Mastercard möglich, selbst bei kleinen Beträgen. Ich rate jedoch dazu, die jeweilige Ticket App zu installieren und darüber eine Fahrkarte mit Kreditkarte zu kaufen. Das System ist praktisch immer gleich, egal in welcher Stadt man sich befindet.

Nimm dir ansonsten ein Bündel 1$ Scheine mit, falls du tatsächlich keine Kreditkarte haben solltest.

So sieht es in der „People Mover M Ticket App“ für Anchorage aus:

Grafik für Bus Ticket kauf mit App in den USA
„Purchase a new pass“ auswählen, um ein neues Ticket zu kaufen. Adult Single = 1x Erwachsener. Bezahlmethode hinterlegen, dann Ticket mit Kreditkarte kaufen.

Die App generiert ein elektronisches Ticket, was man in aller Ruhe vor Fahrtantritt erledigen kann. Wenn der Bus in Sichtweite ist aktiviert man das zuvor gekaufte Ticket, steigt ein und hält das Handy mit dem Bild an das Barcode Lesegerät vorne beim Fahrer.

Geöffnete People Mover Ticket App auf einem Handy für eine Bus Fahrt in den USA
Im Bus. Bild von einem aktiven, elektronischen Barcode Ticket auf dem Handy

Aktivierte Tickets sind zwischen 90 Minuten und 2 Stunden gültig. Ich hab in den Apps selten die Möglichkeit entdeckt, ein Gruppenticket zu kaufen. Daher scheint es in Kanada und den USA notwendig zu sein, pro Person jeweils ein Handy / eine App zu verwenden.

Abgesehen von den Tickets auf dem Handy lassen sich manchmal am Automaten Zehnerkarten oder Monatskarten erwerben. Für Touristen ist das eher uninteressant, weil Bus fahren auch so schon extrem billig ist. Nur in Las Vegas hätte sich in meinem Fall eine Wochenkarte gelohnt, da Einzelfahrten mit 7$ eher teuer waren.

FAQ – Fragen zu den öffentlichen Verkehrsmitteln in den USA

Bezahlung: am besten per App mit Kreditkarte oder passend bar mit 1$ Scheinen bezahlen. Im Bus mit Kreditkarte zahlen funktioniert manchmal auch, check das vorher ab.

eScooter: wenn der eRoller zusammen geklappt und mit einer Hand getragen werden kann ist die Mitnahme im Bus kein Problem. Roller über 30kg oder solche, die man nicht zusammen falten kann sind nicht erlaubt. Es sollte jedoch möglich sein, sie wie ein Fahrrad draussen zu verzurren.

Fahrrad: wird für die Mitnahme vorne am Bus aussen auf einem speziellen Gestell befestigt.

Hunde: gehören im Fahrzeug an die (kurze) Leine. Manchmal sind nur Funktionshunde erlaubt, aber in der Regel ist es den Fahrern egal.

Leute kennen lernen: Eher nicht ! Typischerweise sind die Fahrgäste im Bus zurückhaltend und vermeiden Blickkontakt. Mind your own Business, everybody.

Rollstuhl: im vorderen Bereich sind Bänke zum hochklappen, alle Busse lassen sich zum hineinrollen absenken. Ein und Ausstieg für Menschen mit Behinderung ist stets vorne. Der Fahrer wird dir helfen, den Rollstuhl im Bus gegen wegrollen zu sichern.

Im Rollstuhl oder mit dem Rollator unterwegs zu sein ist in den USA völlig unkompliziert ! Busse werden von vielen älteren Menschen mit Gehbehinderung und Rollator genutzt, nicht nur von Rolli Nutzern.

Schwarzfahren: ich hab keinerlei Kontrollen erlebt. Es hängt allein vom Busfahrer ab wer mit darf und wer nicht. Bei Leuten die offensichtlich komplett pleite sind scheinen die Fahrer mehrheitlich ein Auge (oder beide) zuzudrücken. Wegen 2$ streiten die Amerikaner nicht lange herum und spätere Raids so wie bei uns sind finanziell gesehen sowieso völlig absurd.

Sicherheit: alle Busse in den USA in denen ich unterwegs war hatten eine Videoüberwachung

Meine Erfahrung basiert auf wirklich sehr vielen Fahrten im Bus, die ich in Halifax, Vancouver, Anchorage, Las Vegas, Yuma, Toronto und Tucson unternommen habe. Das System aus städtischen Buslinien, Bezahlung und App ist grundsätzlich gleich, auch wenn die Verkehrsbetriebe vor Ort individuelle Implementierungen haben.

Wenn du einmal verstanden hast wie es läuft ist es in der nächsten US Stadt reine Routine, die passende App für das Ticket zu installieren und ungezwungen in den nächsten Bus zu springen.

City Bus Linie 15 in Tucson USA
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