Nach der Überdosis Schrottkunst & Subkultur in Slab City war mir an ein paar ruhigen Tagen am Strand gelegen und so hab ich mich zum nahen Bombay Beach aufgemacht. Bombay Beach liegt am Salton Sea, dem grössten See in Kalifornien. Dieser ist eigentlich durch einen Unfall entstanden und hat eine interessante, wechselhafte Geschichte hinter sich.
Den Saltonsee gibt es erst seit 1905. In diesem Jahr brach ein Damm zum Colorado River und mehrere Jahre lang ergoss sich das Wasser aus diesem Fluss in die Salton Senke. Nach einer aufwändigen Reparatur vom Damm – blieb der abflusslose See und wurde zunächst zu einem Paradies für Urlauber. Insbesondere in den 50er und 60er Jahren schossen hier Ortschaften direkt am Seeufer geradezu aus dem Boden. Ferienanlagen, Bootanleger, Hotels und Restaurants entstanden, um die Touristen zu versorgen.
Inzwischen reihen sich jedoch Umweltkatastrophen aneinander. Der See hat keinen Abfluss und nur einen sehr geringen Wasserzufluss. Hohe Verdunstung haben zu einem enormen Salzgehalt von 5% geführt. Es kam wegen viel zu hohem Düngemittel Eintrag durch die Landwirtschaft zu einer Algenblüte mit anschliessenden, massenhaften Fischsterben. Das Ökosystem hier ist umgekippt und tot. Wasserrückgang, tote Fische & Vögel, Schlamm und giftiger Staub haben dem Tourismus einen Todesstoss versetzt. Viele der angrenzenden Siedlungen sind verlassen und verfallen langsam.
Ähnlich wie in Slab City haben am Bombay Beach Künstler das entstandene Vakuum besetzt. Sowohl am Strand als auch im Ort gibt es kreative Kunst, aber eher charmant als brutal. Der Strand ist ein riesiger gratis Parkplatz für Overlander, gespickt mit unaufdringlichen Kunstwerken. Viele der Installationen erwachen nach dem Sonnenuntergang zu neuem Leben und werden magisch beleuchtet, was die Illusion einer alternativen nächtlichen Realität am Saltonsee noch verstärkt. Seemonster, Piratenschiffe, phantasievolle Raumschiffe und unerklärliche Artefakte bevölkern dann dezent beleuchtet den Strand und laden zu einem Spaziergang ein.
Wenn man Glück hat steht der Wind günstig und es muffelt auch nicht so.
Baden würde ich im Saltonsee wegen der fehlenden Erneuerung vom Wasser eher nicht. Dem Staub werden ungesunde Eigenschaften nachgesagt. Immer noch auf der Habenseite sind jedoch: Strand, Sonne, Wasser, Ruhe, Abgeschiedenheit & gratis Parken zwischen Kunst Issues.




Ähnlich wie Slab City ist der kleine Ort Bombay Beach auf Betonplatten erbaut worden. Slab ist im englischen das Wort für „Platte“. Genormter Plattenbau wie in Ostdeutschland, nur nicht in die Höhe sondern als einfache und haltbare Basis für Trailer.




Abends im Ort, das Sky Inn – und Nachts am Strand

Ein ziemlich genialer Anblick, es mögen so um die 50.000 Dollar sein, die hier einfach so an der Wand kleben.

Es macht Spass, Nachts im Ort und am Strand herumzuspazieren. Nach Einbruch der Dunkelheit erwachen viele der Kunstwerke zu neuem Leben. Sowohl im Ort als auch am Strand.



Man kann schon sagen, dass die Bewohner von Bombay Beach etwas aus ihrem Ort gemacht haben. Spieler von GTA IV erkennen den Ort sofort als „Alamo Beach“ wider. Als digitale Parodie ist Bombay Beach damit unsterblich.
Mich hat bei meinem Besuch stark beeindruckt, wie fantasiereich und originell die (es ist leider so) Umweltkatastrophe hier gekontert wurde. Viele Kunstprojekte im Ort und am Strand haben der Tristesse etwas entgegen gesetzt. Bombay Beach ist daher lebenswert und trotz allem ein interessantes Ziel auf einem Road Trip durch die USA.

Ah. Wunderbar. Ich empfehle diesen wunderbaren Film dazu:
https://rocofilms.com/films/plagues-and-pleasures-on-the-salton-sea/