Nach Varosha das zweite, sehenswerte Sperrgebiet in Zypern: der historische Flughafen Nikosia. Der ehemalige Flughafen ist diesmal militärisches Sperrgebiet der UN, was umfangreiche Vorbereitungen notwendig gemacht hat. Trotzdem ist bei meinem Besuch zusammen mit Mia & Peer nicht alles glatt gegangen.
In die Gebäude sind wir nicht reingekommen und beinahe hätten wir überhaupt keine Fotos machen dürfen.


Das Gebäude hat vor allem durch jahrzehntelange Vernachlässigung gelitten, kaum durch Kriegsschäden.

Der Flughafen war mit seiner Landebahn für beide Seiten als militärisches Logistikzentrum interessant und daher umkämpft. Aus dem Grund wurde er aber auch geschont und nicht gezielt beschossen. Die UN hat den Flughafen dann besetzt, um ihn für beide Seiten aus dem Spiel zu nehmen.
An diesem Status hat sich bis heute nichts geändert. Unterschiedliche Pläne zur Wiedereröffnung sind bislang im Sand verlaufen.




Ein Besuch muss genehmigt werden, diesen Permit gibt es nur ausnahmsweise. Presseausweis, nicht kommerzielles Internetblog, deutscher Pass und meine umfangreichen Reportagen über Relikte aus der Zeit des kalten Krieges waren jedoch gute Argumente. Trotzdem hatten wir einen Schock Moment. Zunächst waren uns nämlich zwei britische Guides zugeteilt die meinten: sorry, keine Fotos.
Ich hab dann interveniert, bis uns Pepe aus Serbien zugeteilt wurde, der mehr Erfahrung mit Medienvertretern hat. Unter seiner Aufsicht durften wir fotografieren, wie vorab für den Termin vereinbart. Aber wir sind nicht in die Gebäude rein gekommen. Nur ein halber Sieg daher, aber besser als nichts.




Der Krieg zwischen den griechischen und den türkischen Zyprioten hat zahlreiche Menschenleben gekostet. Immer noch herumliegende Patronenhülsen, Einschusslöcher und Flugzeugwracks (dazu gleich mehr) waren unübersehbare Hinweise auf die damalige Auseinandersetzung.



Fahrbare Tunnel hatte dieser Flughafen noch nicht, schliesslich war das Mittelmeer Wetter in den meisten Fällen fabelhaft.
Den Innenbereich hatten wir verpasst, was echt schade war, aber dafür war noch eine Tour zu einer auf dem Flughafen gestrandeten Trident möglich. Zwei dieser Maschinen waren beim Ausbruch des Krieges auf dem Flughafen stationiert und wurden durch die Kampfhandlungen beschädigt.
Eins der Düsenflugzeuge war so stark in Mitleidenschaft gezogen worden, dass eine Reparatur nicht möglich war. Sie diente als Ersatzteilträger für das verbliebenden Trident Düsenflugzeug und wurde teilweise ausgeschlachtet. So fehlen heute die Triebwerke und viel vom Innenleben.








Die Natur hat über 50 Jahre Zeit gehabt, sich das Gelände zurück zu erobern. Schäden an den Gebäuden oder durch Vegetation, die den Asphalt durchbrochen hat sind unübersehbar.



An einem anderen Tag haben wir noch das Flugzeugwrack einer Tupolew besucht. Es liegt etwas ausserhalb vom Flughafen.

Die Tupolew ist ursprünglich über die Landebahn hinaus geschossen und wurde dabei beschädigt. Eigentlich war eine Reparatur geplant, aber die Invasion der türkischen Armee besiegelte das Schicksal von diesem Flugzeug.
Das Flugzeug wurde im Krieg von der türkischen Armee bombardiert und damit zum Totalschaden. Heute kann man die Reste davon in der neutralen UN Sperrzone besichtigen, während man argwöhnisch von türkischen Soldaten beobachtet wird.
Für mich, Mia und Peer war das ein ziemlich spannender Ausflug – und ich hatte echt Glück, einen Permit für das betreten der Sperrzone zu bekommen. Inklusive Fotogenehmigung. Gerne hätte ich noch mehr fotografiert. Insbesondere der ehemalige Wartebereich und der Abflugbereich im Flughafengebäude hätte mich sehr interessiert.
Abgesehen davon wäre es spannend gewesen, mehr über die wichtige Arbeit der UN Soldaten zu erfahren. Aber auch daraus ist nichts geworden: wir hatten ca 90 Minuten Zeit, danach war das kleine Zeitfenster wieder geschlossen, um einen Einblick in die wechselhafte Geschichte vom Flughafen Nikosia zu erhalten.
Reportage mit vielen Bildern vom Innenbereich: www.aerotelegraph.com
Weitere Reportage mit guten Bildern: www.afm-news.de
Eigene Reportage aus dem verlassenen Varosha: Lost Place Varosha, Zypern