Ohne Grenzkontrollen und Visum in die USA einreisen ? Das ist tatsächlich vom kleinen Ort Stewart in British Columbia aus möglich. Eine kleine Strasse führt von Stewart (Kanada) in das 3 km entfernte Hyder (USA), womit man offiziell in Alaska und den Vereinigten Staaten von Amerika ist. Ohne Grenzkontrollen und Visum bei der Einreise – wohlgemerkt.
Die Kanadier kontrollieren bei der (unvermeidlichen, dazu gleich mehr) Ausreise zurück nach Stewart jedoch durchaus und auch gründlich. Spätestens jetzt sollte ich diese so phänomenal klingende Sache besser aufklären …
Hyder (Wikipedia) (Google Maps) liegt tatsächlich auf dem Staatsgebiet der USA, ist jedoch eine Sackgasse und von hohen, eisbedeckten Bergen umschlossen. Im Ort leben gerade einmal 50 Menschen, viele Häuser sind verlassen. Folglich bezeichnet sich Hyder selbst als freundlichste Ghosttown Amerikas.
Der nächste Ort in Alaska ist das 120km nordwestlich gelegene Ketchikan.

Ja, man kann legal ohne Visum in die USA einreisen, aber die Amerikaner haben sich die Grenzkontrollen ganz einfach gespart, weil man nirgendwo hin kann. „Legal ohne Visum in die USA“ in dem man nach Hyder fährt ist daher eine charmante Mogelpackung. Leider kommt man nicht weit, denn hinter Hyder ragen über hundert Kilometer imposant vereiste Berge mit Gletschern auf.


Ein wichtiger Punkt ist: auf der Rückreise wartet eine Grenzkontrolle durch Kanada auf einen. Bei der besser nichts schief gehen sollte, Stichwort abgelaufener Reisepass zum Beispiel oder fehlende KFZ Versicherung. Sonst könnte der Aufenthalt in Hyder länger dauern als erwünscht und sich in einen eisigen Alaska Alptraum verwandeln.
Trotzdem – Hyder ist interessant und als Ghosttown kurios dazu.
Es gibt: eine Bar mit 75% Schnaps, einen Souvenirladen in dem man die Katze nicht streicheln darf, einen Campingplatz auf dem man wegen der Bären nicht zelten darf und eine Filiale der US Post die als einzige Ausnahme im Dorf tatsächlich nur US Dollar nimmt.
Um originelle Postkarten von diesem einmaligen, abgelegenen Ort zu schreiben.
In den Wäldern sind Bären und in den Bergen ein paar Goldminen.




Der Glacier Inn ist gleichzeitig „Bank“, denn dort kann man gratis Geldscheine mit seinem Namen drauf an der Wand festtackern. Um das Geld eines Tages bei der Rückkehr nach Hyder auszugeben.
Ansonsten hatte bei meinem Besuch im Juni 2026 alles zu: sowohl der General Store, als auch die zwei Imbiss Möglichkeiten im Ort waren geschlossen. Ob nur kurzfristig oder „bis auf weiteres“ kann ich leider nicht sagen. Wenig überraschend für eine Ghosttown in Alaska.

Touristisches Highlight ist ein Blick auf den Salmon Glacier und ab Mitte Juli jagen tatsächlich Schwarzbären im Fishcreek nach Lachsfischen. Im Sommer ist Hyder daher ein exzellenter Fotospot.
Zum Gletscher windet sich eine ca 30 km lange Piste hoch. Abgesehen vom grossen Campern ist sie ist bei vorsichtiger Fahrweise mit jedem Fahrzeug zu schaffen, 4×4 ist nicht erforderlich.

Weil man in Hyder ganz offiziell in Alaska ist (dem 49. Bundesstaat der USA) war dieser kleine Ort in der Vergangenheit oft Ausgangspunkt oder Endpunkt von Motorrad Challenges. Ziel war es dabei, alle US Bundesstaaten zu durchfahren. Mit einem Besuch von Hyder / Alaska hakt man ganz gezielt auch diesen eigentlich sehr abgelegenen US Bundesstaat ab.
Die coast-to-coast Ralley von Alaska nach Louisiana einmal quer durch die USA startete ebenfalls in Hyder. Leider hat der Sealaska Inn in Hyder seit Jahren geschlossen – er war hauptsächlicher Anlaufpunkt der Biker. Bei Bikern ist Hyder immer noch sehr beliebt, aber diese Rallyes scheinen sich verabschiedet zu haben.


Theoretisch ist es möglich, zwei mal wöchentlich mit dem Postflugzeug von Taquan Air in andere Städte Alaskas weiterzureisen. Ich rate Europäern jedoch dringend von diesbezüglichen Experimenten ab. Eine Pass- und Visumskontrolle gibt es nämlich trotzdem, zum Beispiel in Ketchikan. Bei einer Zurückweisung (was durchaus im persönlichen ermessen des Grenzbeamten liegt) kann man nicht einfach umkehren, sondern kommt direkt in Abschiebehaft.
Auch so sollte man in Hyder ein wenig auf sich acht geben. Es ist besser, nicht krank zu werden denn es gibt keinen Arzt und keinen medizinischen Notdienst. Polizisten gib es auch nicht, was Caroline aus dem Gift Shop zu folgender Bemerkung veranlasst hat: wir kümmern uns selbst um alles – und hier gibt es viel Wald mit hungrigen Bären …
Obwohl Teil der USA ist Hyder nicht nur räumlich, sondern auch logistisch dicht an Kanada angebunden. In den Geschäften werden (abgesehen von der Post) sowohl kanadische als auch US Dollars akzeptiert. Strom und Wasser kommen, wie man sich leicht vorstellen kann, aus Kanada.
Sogar die Uhrzeit ist kanadisch. In Hyder ticken die Uhren nach der Pacific Time Zone und nicht nach der Alaska Time Zone – eine Kuriosität und harte Rätselnuss für Quizsendungen.
Viel unternehmen kann man im kleinen Hyder daher nicht und die USA ohne Visum zu besuchen bleibt leider eine interessante Reise Kuriosität. Der Blick auf den Gletscher entschädigt jedoch für alles – und mit etwas Glück ist gerade Bären Saison in Hyder und damit Zeit für spannende Tierfotos.
