Die Pacific Road US 1 und die US 101 winden sich am Pazifik entlang, einer malerischen Küste wo nur Wellen, rauhe Klippen und prächtige Sonnenuntergänge gibt. Surfstrand reiht sich an Surfstrand, unterbrochen allein durch kleine Hafen Siedlungen – und natürlich der gigantischen Metropol Region San Francisco.
Glück für mich: die legendäre Küsten Strasse #1 war jahrelang wegen mehrerer Erdrutsche gesperrt und nicht durchgehend befahrbar. Die US 1 wurde erst vor kurzem wurde wieder für den Verkehr freigegeben. Ich war im Februar 2026 auf dieser Panoramastrasse unterwegs, die zu den schönsten in den USA zählt. Während unzählige Baufahrzeuge immer noch damit beschäftigt waren, neu gebauten Abschnitten den letzten Schliff zu verpassen und Spuren der massiven Erdarbeiten zu beseitigen.
Entdeckt hab ich auf der US 1 viele wilde Strandabschnitte und epische, kurvenreiche Pisten entlang der Küste. Leider jedoch gepaart mit Stress bei der Stellplatzsuche, denn insbesondere in Kalifornien ist an der Road 1 viel Land gesperrt, Camping verboten oder alles in Privatbesitz. Ich hab die US 1 und die 101 von Süden nach Norden befahren und schildere hier meine Erlebnisse.
Los geht es in Morro Bay, in der Küstenstadt der Millionäre:

Stadt der Millionäre, weil die Restaurants & Supermärkte deutlich teurer waren als auf meinem bisherigen Roadtrip. Eine Tüte Milch für 8$, selbst der China Imbiss kostete schon 35$ und sowas …

Ich hab dort sehr faire 35$ pro Nacht bezahlt, Statepark Preis, Koordinaten: 35.40155,-120.86828 (Google Maps)
Bezahlbare Campingplätze sind in Kalifornien direkt an der Pazifik Küste ansonsten selten. Der Strandcampingplatz in Morrow Bay ist eine Ausnahme und ideale Ausgangsbasis (oder Schlusspunkt) für einen ausgedehnten Road Trip auf der US 1 & 101 entlang der Küste.

Obwohl ich dort im Februar unterwegs war konnte ich barfuss am Strand herum laufen. Tagsüber war es in der Sonne angenehm warm.

Die USA sind riesig und die Küsten verlaufen vergleichsweise gerade von Norden nach Süden. Für uns ist das nichts besonderes, aber in den USA sieht man (abgesehen von Florida) nur an der Pazifikküste solch prächtige Sonnenuntergänge. An der Ostküste sind dann Sonnenaufgänge das Highlight.
Die meisten Amerikaner kennen stimmungsvolle Sonnenuntergänge im Meer daher nur von Bildern.




William Hearst Castel
Kurz hinter Morro Bay liegt in nördlicher Richtung das Hearst Castle. Ein schlossartiges Anwesen, was sich der sehr vermögende Zeitungsverleger William Hearst in den 1920er Jahren in den Bergen gebaut hat. Long story short: er hatte es satt, zu zelten.

Ich finde, dass sich ein Besuch vom Schloss lohnt selbst wenn man sich nicht für Architektur oder amerikanische Geschichte interessiert. Das Anwesen sollte bei einem Küsten Roadtrip entlang der US 1 nicht ausgelassen werden.





Die Anlage hat etwas, einen ganz besonderen Touch. Insbesondere für Europäer ist die Besichtigung durchweg erheiternd. Ungefähr so muss man sich ein kopiertes Schloss mit kitschigen Stilelementen diverser europäischer Kirchen, Schlösser und Jagdhäuser vorstellen.
Bei dem der Besitzer über unbegrenzt Geld, aber keinerlei Geschmack verfügt.



Um daraufhin einen Rittersaal mit langer Tafel, Silbergeschirr, Flaggen und Kronleuchtern auszustatten. Und: mit Sitzbänken, die in einer spanischen Kirche abmontiert wurden. Das ganze Schloss ist wahllos mit in Europa zusammengekauften Baudenkmälern ausgestattet. Dazu einem wahllosem Mix mit Kopien ägyptischen, römischen und griechischen Marmorstatuen. Oder neueren Statuen ausgedachter Fabelwesen. Wild durcheinander, mit bunten Fenstern, antiken Teppichen, Truhen und vom Stil her nicht zueinander passenden Möbeln.

Aber irgend wie auch sehr typisch amerikanisch, auf eine gewisse alte Art. Diesen Touch hab ich das erste Mal in der Old Faithful Lodge (Artikel dazu) vom Yellowstone Nationalpark verspürt.
Zur Ehrenrettung lässt sich sagen: William Hearst war nachweislich ein ausgezeichneter und sehr freigiebiger Gastgeber. Es waren sehr oft Gäste zu besuch die sich ausnahmslos wohl gefühlt haben und denen es an nichts gemangelt hat. Europa oder Elemente aus dem nahen Osten zu kopieren war der damalige Zeitgeist, als Amerika (fläschlicherweise) noch keine eigene Kultur zugewiesen wurde.

Viel hämische Kritik von meiner Seite, daher zum Schluss Bilder vom Schwimmbad. Mit Millionen italienischer Mosaik Steine. Dieser Teil der Anlage ist wunderschön & wirklich gut gelungen:




Der Küstenabschnitt von Morro Bay bis San Francisco
Die Pazifik Road US 1 folgt der Küste zwischen Morrow Bay und San Francisco für etwa 400 km. Die enge, zweispurige Strasse windet sich durch eine Steilküsten Landschaft, die sich den Angriffen des Meeres widersetzt. Camper haben es schwer: die Campingplätze sind fast immer ausgebucht und Stellplätze am Meer mit „no camping“ Schildern garniert. Solange man im teuren Kalifornien ist – bleibt das meist so und oft genug verlangen Campingplätze weit mehr als 100$ pro Übernachtung. Immer noch freche 35$ für dry camping (oft nur Parkplatzcamping) empfindet man fast als Wohltat.






San Francisco hab ich einen eigenen Artikel (link dazu) gewidmet. Es bleibt jeden selbst überlassen die Stadt auf einem US 1 Road Trip entweder nur kurz anzuschneiden – oder mehrere Tage in der Metropole zu verbringen. Im Hafen von Sausalito gibt es Parkplätze, die sicher sind und lediglich 20$ pro Tag kosten. Von dort aus geht für 14$ eine Fähre in die Innenstadt – oder man nimmt den Bus.
Von San Francisco über Mendocino nach Eureka – und dem Redwood Nationalpark.
Kurz nachdem man San Francisco hinter sich gelassen hat ist das Küstenfeeling wieder da: kleine Badeorte reihen sich aneinander, Sandstrände wechseln sich mit schroffen Küstenabschnitten ab. Highlight ist nach ca 250 km das schnuckelige Mendocino.


Nach San Francisco fragt man sich unwillkürlich, wie so eine heile Welt möglich ist und wo sie die ganzen Drogen Zombies gelassen haben. Vielleicht irgendwo im Keller eingesperrt ?



Südlich von Mendocino ist Fort Ross, ein kurzer Zwischenhalt lohnt auch hier. Ein restauriertes Fort ehemals russischer Pelzhändler.



In den Baumriesen Wäldern von Nordkalifornien & Oregon
In Leggitt mündet die 1 in die Küstenstrasse 101. Aber nicht ohne vorher ein riesiges Waldgebiet zu durchqueren, auf eng gewundenen Strassen. Während rund um Morro Bay noch Palmen und sehr trockene Luft das Klima bestimmt haben ist es oberhalb von San Francisco feuchte, kühle Meeresluft, die ausgedehnte Laubwälder mit riesigen Bäumen gedeihen lässt.
Deutlich kühler und regnerischer. Dieser Abschnitt heisst „Lost Coast“ und ist besonders unzugänglich. Die 101 verläuft bis Eureka nicht an der Küste, Abstecher zum Meer sind an der Lost Coast nur auf abenteuerlichen Pisten möglich.
Spätestens hier bemerkt jeder Reisende, dass das waldreiche Kanada nicht mehr weit sein kann. Ich war dort Ende Februar unterwegs: das war mir deutlich zu kalt. Das gesamte Winterhalbjahr ist hier sehr regnerisch.





Zwischen Phillipsville und Pepperwood lässt sich ein sehr langer Abschnitt der alten 101 befahren. Er windet sich durch die uralten Baumbestände. Unzählige Parkbuchten laden zum Verweilen ein. Wer nicht genug Zeit für Wanderungen im Nationalpark hat sollte diese Nebenstrecke der 101 unbedingt entlang fahren.
Nach Eureka findet die 101 zur Küste zurück und folgt dieser. Ab hier wird es dann erneut schwierig, Stellplätze für die Nacht zu finden. Campingplätze sind meist teuer, unter 45$ findet sich selten etwas und gratis Stellplätze sind entweder nicht vorhanden oder nicht ansprechend.


In Rockaway Beach wurde ich endgültig vom kalten, ungemütlichen Wetter eingeholt:

Das Bild oben hab ich in Rockaway Beach gemacht.
Bis der Schnee weg war hab ich zwei Nächte auf einem Touristenparkplatz campiert: 45.61298,-123.94547 (Google Maps).
Dort gab es Steckdosen (!), eine Münzwäscherei, ein geöffnetes Strand Restaurant / Cafe, WC mit Wasser – eigentlich perfekt ! Aber leider auch ein „no camping“ Schild, wie überall dort an der Küste.
(Hat zum Glück keinen interessiert)

Eigentlich ist dieser Abschnitt der Westküste total interessant. Es gibt unzählige kleine Fischerdörfer mit niedlichen Restaurants, die frisch gefangene Muscheln & Krabben anbieten. Wale beobachten ist auch möglich.
Aber: es war Februar, arschkalt und das Visum fast abgelaufen.
Ich hab daraufhin die China Heizung angemacht, resigniert und mir einen Heimflug von Vancouver nach Hannover gebucht.
Gern wäre ich noch um den Mount Olympus in Washington herumgekurvt, aber die wenigen verbliebenen Visa Tage hätten es so oder so nicht zugelassen. Somit habe ich mehrere heisse Quellen verpasst, um mich wenigstens dort etwas aufzuwärmen.
Aber vielleicht ergibt sich dazu ja eine Gelegenheit bei meinem nächsten USA Besuch.
