Als Reisender aus Europa muss man sich in den USA oder Kanada auf Campingplätzen an neue Steckdosen gewöhnen. In Europa haben wir auf den Stellplätzen einfach nur „die blaue Steckdose“ (CEE 16A) oder gewöhnliche 230 Volt Schuko Steckdosen. Beide sind einphasig und liefern bis zu 16 Ampere. Sie unterscheiden sich im Grunde nur darin, wie wetterfest sie sind.
In den USA gibt es dagegen gleich drei verschiedene Typen 120 V Steckdosen auf den Campingplätzen – mit ganz unterschiedlichen Spezifikationen.

Die Steckdosen haben 120 Volt mit 60 Hertz und sind wie folgt belegt:

15 Ampere Steckdose: 120 Volt einphasig, diese ist auch im US Haushalt üblich.
30 Ampere Steckdose: 120 Volt einphasig, aber mit 30A für doppelt so viel Strom ausgelegt.
50 Ampere: zweiphasig, 2 Phasen mit 120 Volt und bis 50 Ampere
Auf dem Bild vom Campingplatz Stromkasten kann man die Doppelsicherung mit 2 x 50A für die NEMA 14-50 gut sehen.
Normale 120V US Haushaltsgeräte können daher mit einem simplen Adapter problemlos an einer NEMA TT-30 oder NEMA 14-50 Steckdose betrieben werden. Bei der NEMA 14-50 wird dabei einfach nur eine Phase und der Neutralleiter verwendet.
Typische Strom Adapter auf Campingplätzen in den USA & Kanada
Camper haben in den USA typischerweise eine NEMA TT-30 Kupplung oder eine NEMA L5-30 Kupplung für die externe Stromversorgung. Auf manchen Plätzen, die nur einen „gewöhnlichen“ 120 Volt NEMA 5-15 Anschluss haben, ist daher ein Adapter nötig.

Manchmal haben amerikanische Camper aber einfach nur ein fest installiertes Kabel, um sich mit der NEMA TT-30 Steckdose zu verbinden.
Spezielles Adapter Kabel von USA NEMA 14-50 (120 Volt zweiphasig) auf EU CEE 16A (230 Volt einphasig)
In den meisten Overlander Fahrzeugen, die von Europa in die USA oder nach Kanada verschifft werden, ist vermutlich ein Akku Ladegerät oder Wandler verbaut, der extern 230 Volt 50 Hz benötigt. Mein Victron MultiPlus war nicht für die Eingangsspannung 120 Volt 60 Hz ausgelegt, die in den USA oder Kanada üblich ist.
Daher hab ich vor der Abreise extra ein Akku Ladegerät vom Typ „Victron Phoenix Charger 24 Volt 25A“ für Spannungen von 90 – 265 Volt mit 50 Hz oder 60 Hz nachgerüstet. Leistung: 600 Watt. Die sauberste Lösung ! Hier ein Artikel über die Vorbereitung von meinem LKW vor der Verschiffung nach Kanada.
Mit einem selbst gebastelten Adapterkabel könnte man jedoch die zweiphasigen NEMA 14-50 Steckdosen anzapfen und aus den zwei Phasen 240 Volt Wechselspannung für einen 230 Volt Wandler entnehmen. Strom: bis zu 16 Ampere. Mein Victron MultiPlus kann damit Batterien mit bis zu 70 Ampere laden: 24 Volt x 70 Ampere = 1680 Watt.
Das Adapterkabel muss wie folgt verkabelt werden:

Bitte beachten: da die US Steckdose satte 50 Ampere abliefert müssen die Phasen im Kabel jeweils mit einer 16 A Sicherung versehen werden. Oder: beim Wandler oder Akku Ladegerät im Fahrzeug ist eingangsseitig jeweils eine 16 A Sicherung für Phase und Neutralleiter vorhanden.
Kabeltyp: 2,5 mm² pro Ader –> H07RN-F 3G2,5 oder USA Standard SOOW 12/3 (12 AWG 3,3 mm²)
Folgende Bedingungen müssen für den Wandler im Fahrzeug erfüllt sein:
- Das Gerät verträgt 240 V (besser bis 260 V) und 60 Hz oder lässt sich so programmieren
- Im Fahrzeug gibt es keine feste Brücke zwischen N (Neutralleiter) und PE (Schutzleiter)
- Vor dem Einstecken wird die Steckdose vom Stromkasten mit einem Multimeter durchgemessen
Genauer: am Stromkasten muss vor der Verwendung geprüft werden, ob zwischen N (Neutralleiter) und X 120 Volt anliegen und ob zwischen N und Y 120 Volt anliegen. Ich würde mich nicht blind darauf verlassen, dass der Stromkasten korrekt verkabelt ist, sondern es selber prüfen.
Beachtet werden muss ausserdem, dass die Bord Spannung im Fahrzeug dann ebenfalls 240 V mit 60 Hz sein kann. Das hängt ganz vom verbauten Wandler ab. Während zum Beispiel Notebook Netzteile problemlos für 60 Hz ausgelegt sind, kann das bei Haushaltsgeräten wie einem Kühlschrank anders sein.
Es muss daher geprüft werden, ob der Wandler grundsätzlich 230 Volt mit 50 Hz im Aufbau bereitstellt egal was aussen anliegt – ober ob er die 60 Hz eventuell durchreicht.
Dieses Adapter Kabel kann man nicht kaufen, sondern nur selber bauen. Den Wandler im Ausland mit zwei US-Phasen zu betreiben würde ich als Grauzone beschreiben. Machbar, aber experimentell.
An der Stelle zwei Hinweise: 1) diese Bauanleitung ist nur für Menschen geeignet, die sich mit Stromanschlüssen, Verkabelung, Messen mit einem Multimeter, genau genommen Starkstrom auskennen / damit beruflich vertraut sind. 2) Ich übernehme keinerlei Verantwortung, falls es warum auch immer bei dir zu Hardware Schäden kommt.
Wermutstropfen (Wikipedia) bei diesem Adapter Kabel Projekt: 50 Ampere Steckdosen sind auf einfachen Campingplätzen eher selten zu finden. Hauptsächlich findet man NEMA 14-50 in den teuren RV Parks mit full-hook-up für grosse Rigs.