KI im Alltag vom Internetblogger

Für viele Internetblogger (oder Youtuber) scheint es naheliegend zu sein, KI vor allem zum Erzeugen von Bildern einzusetzen. Dabei sind die neuen Möglichkeiten, die sich Bloggern durch das Überarbeiten ganzer Artikel durch eine Künstliche Intelligenz (KI) ergeben viel faszinierender. Dieses neue Werkzeug ist bei weitem produktiver und viel zu faszinierend, um damit nur Witzebilder oder Illustrationen zu erzeugen.

Eine KI wie ChatGPT oder Claude kann Texte nicht nur auf Rechtschreibfehler untersuchen, so wie es seit 1990 jede Textverabeitung vermag. Im Jahr 2026 analysiert die KI Texte auf Plausibilität, logische Zusammenhänge und sucht nach sachlichen Fehlern, für die es keine Belege gibt. Wenn ich meine Texte gemeinsam mit einer KI durchgehe habe ich tatsächlich das Gefühl, dass Sinn und Inhalt vollständig verstanden wurde.

Das ist die Arbeit eines Lektors und diese Möglichkeiten hatten bis vor kurzen nur professionell ausgebildete Journalisten, im Team. Oder Verlage mit sehr gut bezahlten Spezialisten. Nun bringt eine KI meine ungeschliffenen, daher eher erzählten Texte in Form und legt den Finger in offene Wunden. Die KI sucht im übertragenen Sinne sogar noch nach Salz zum draufstreuen, falls ich keine stichhaltigen Argumente für bestimmte Formulierungen oder präsentierte Tatsachenbehauptungen habe.

Insbesondere, wenn bereits eine sehr gute Text Grundlage vorhanden ist verpasst die KI dem Artikel dann den letzten Schliff. Ich finde, das macht einige meiner Texte wie den über die East Hastings Street (Link zum Artikel) fast druckreif.

Tipps, das Google SEO (Search Engine Optimisation) zu verbessern gibt es selbstverständlich ebenfalls. Die Bedienung erfolgt stets in einem Chat in erzählender Textform. Im Chat schildert man der KI / AI in einer Mischung aus präzisem aber trotzdem lockeren Tonfall, welche Vorstellung oder Wünsche man an diesem Nachmittag hinsichtlich der Durchsicht des eigenen Artikels hat.

Im folgenden berichte ich von meinen persönlichen Erfahrungen, die ich in letzter Zeit mit Modellen wie ChatGPT, Claude oder DeepL gemacht habe.

DeepL – streckt verschwurbelte Sätze zu lesbaren Ergebnissen

Für mich der Einstieg in die KI-Welt. Mein persönlicher Schreibstil ist manchmal etwas langatmig und ich neige zu verschachtelten Sätzen. Nicht ohne Grund ist mein Google SEO „fresh reading ease“ Rating permanent tief rot, egal was ich im Text versuche. Das alles vermag die KI von DeepL (Webseite) zu entschärfen.

DeepL ist extrem stark darin, Rechtschreibfehler aber auch Satzbaufehler zu korrigieren. Komplizierte Sätze glättet DeepL und behebt Tempusfehler.

Oben hatte ich zum Beispiel ursprünglich geschrieben: „Für viele Internetblogger scheint es naheliegend zu sein, KI für das Erzeugen von Bildern einzusetzen.“

DeepL hat daraus gemacht: „Für viele Internetblogger scheint es naheliegend, KI zum Erzeugen von Bildern einzusetzen.“

Das sind Macken, die ich als fröhlich vor sich hin tippender Internetblogger üblicherweise am Band fabriziere. Sowas würde einem original Schriftsteller, der ein jahrelanges Germanistik Studium hinter sich hat nicht passieren. Der liefert fehlerfeie Ergebnisse direkt ab Werk ab, ohne Nachbessern.

DeepL ist für Internetblogger daher ein prima Werkzeug, um gröbste Fehler im eigenen Geschreibsel zu entdecken und zu eliminieren.

Es besteht allerdings die Gefahr, dass Texte durch DeepL zu sehr gecleant werden. In meinen Texten möchte DeepL ständig prägnante Wörter, die jedoch für meinen Schreibstil wesentlich sind durch etwas weichgewaschenes ersetzen. Manchmal schreibe ich nur wenige Wörter. Markant, um zu betonen. Das alles formt DeepL um und aus interessant wird so banal. Wenn man Pech hat, ist das DeepL Ergebnis dann ein Artikel, der irgendwie beliebig klingt und wie eine Schlaftablette wirkt.

Claude.ai – eine clevere KI mit mitdenkt

Claude von Anthropic (Webseite) lässt sich wie alle anderen hier vorgestellten KI Modelle ebenfalls gratis ausprobieren. Claude hat life Zugriff auf die Webseite und ermöglich eine tiefgreifende, quasi redaktionelle Bearbeitung von Artikeln. Aber auch die Struktur vom Internetblog wird überprüft und Verbesserungen vorgeschlagen.

Als eine der ersten Aufgaben wollte ich eine aktuelle Datenschutzerklärung erstellt haben. Anders als eine reine Textverbesserung muss die KI dabei verstehen, welche Dienste die Webseite nutzt und welche Hinweise an den Benutzer sich daraus ableiten.

Claude hat mir zunächst eine Anwalt Webseite vorgeschlagen, auf der man sich einen Datenschutztext anhand von multible choise Fragen zusammen stellen kann. Das Ergebnis war jedoch enttäuschend und bestand aus schlecht formatiertem HTML mit jeder Menge PREMIUM Platzhaltern. Einfach nur Schrott.

Daraufhin hab ich Claude gefragt: „kannst du das nicht machen ?“ Woraufhin mir die KI nach einer Analyse von 25u.de innerhalb von 30 Sekunden einen ansprechenden Text mit Rechtsbelehrungen gebaut hat. Den konnte ich sofort einfügen, Aufgabe erledigt. Soweit ich es gesehen hab wird alles berücksichtigt, was wichtig ist. Das sehr gute Ergebnis ist hier: Impressum / Datenschutz

Aber nicht nur das. Claude hatte nebenbei entdeckt, das ich die Bemerkung „ohne KI Fälschungen“ im Einleitungs Header von meinem Internetblog hatte. Das war der KI einen ironischen Kommentar wert.

Chat Beispiel mit der Claude KI über KI Fälschungen

Für mich: eine dieser Sternstunden (Wikipedia), wenn man neue Technologie entdeckt und ausprobiert. Nicht nur, dass das Ergebnis sehr gut war … Diese KI hatte über die eigentliche Aufgabe hinaus etwas entdeckt, was ihr aufgefallen war und das behutsam zur Begutachtung auf den Tisch gelegt. Clever.

Als ich das gesehen hab war mir schlagartig klar: KI, das ist inzwischen unfassbar leistungsfähig. Denk mal 10 oder gar 25 Jahre weiter. Und: falls man auf die Idee kommen sollte eine KI anzuschwindeln – muss man sich als Mensch demnächst sehr anstrengen. Ich hab den Header noch in der selben Stunde präzisiert, auf „ohne KI Bilder“.

Ich hatte in meinem Leben bereits mehrere solcher Sternstunden Momente. Wo mir unmittelbar klar geworden ist, dass ich in diesem Moment an der Schwelle zu einem neuen Zeitalter stehe. So zum Beispiel, als ich das kastenförmige, klobige Internetmodem von meinem frisch erworbenen DSL 768/128 Anschluss nicht mehr ausgeschaltet hab. Komisches Gefühl. Vorher musste man sich zum Minutenpreis ins Internet einwählen, nun war das Internet einfach Tag und Nacht an. Mit unbegrenztem Datenvolumen, zum Pauschaltarif. Ein eher schleichender Wandel war später die Entdeckung, was man alles im Internet bestellen kann. Ohne mühsam und zeitaufwändig irgend welche Läden abzusuchen zu müssen.

Noch ein Beispiel: mein erstes mit Napster heruntergeladenes MP3 Musik Album. Ich hab daraufhin eine Woche später meine gesamte CD Sammlung digitalisiert und im Block an einen Plattenladen verkauft. Oder als Brockhaus bekannt gegeben hat, die über einhundert Jahre alte Institution „Brockhaus Enzyklopädie“ einzustellen. Genau so einen epochaler Umbruch ist meiner Meinung nach KI.

Aber zurück zu Claude und seinen Korrektur Vorschlägen.

Ich bin inzwischen diverse Artikel von mir mit der Claude KI durchgegangen, insbesondere die Fehlersuche ist sehr stark. Ein paar interessante Beispiele, entdeckt durch die Claude KI:

Erben Suppe verbessert in Erbsen Suppe im Artikel über die Humanitären Notrationen – dieser Tippfehler fällt nur im Zusammenhang auf, nicht als Rechtschreibfehler.

Im gleichen Artikel war der KI aufgefallen, dass ich im Text einem Linseneintopf beschrieben hab. Dieses Gericht war in einer Aufzählung von 10 Gerichten weiter oben jedoch nicht enthalten. Echt stark.

Stilistisch gab es ebenfalls Anmerkungen. So hatte ich in dem Humanitäre Rationen Artikel aufgezählt, für wen die vegetarischen Gerichte geeignet sind: alle Religionen, aber auch radikale Veganer und die Grünen. Meinung der KI dazu: witzig, passt aber nicht zum eher sachlichen Artikel.

Eine höfliche Formulierung für: schreib das bitte nicht.

Für meinen Artikel über die Drogenscene in East Hastings hat die Claude KI eine tiefe, inhaltliche Analyse unternommen. So hatte ich vom Zusatzstoff Medetomidin erfahren, der den illegalen Drogen beigemischt wird und aus der Tiermedizin stammt. Claude hatte die Ergänzung, dass nach seinen Recherchen Xylazin häufiger ist. Auf diese Zusammenhänge muss man erst mal kommen.

Lesen, verstehen, mit Quellen vergleichen, Vorschläge und Fehler Korrekturen dazu. Ich finde das krass.

Ebenso war Claude mit einer Aussage nicht einverstanden, die ich in einem Interview gewonnen hatte. Dort wurde mir ein Überdosierungsrisiko durch Opiate wie Fentanyl über die Haut genannt. Tatsächlich ist das unwahrscheinlich, dafür konnte mir Claude mehrere Belege / seriöse Quellen nennen. Gefährlich ist jedoch ein oraler oder nasaler Kontakt oder das einatmen von Fentanyl Staub.

An der Stelle musste ich meinen Artikel umschreiben. Trotzdem hat mich tief beeindruckt, wie gut die KI den Sinn hinter einer Aussage verstehen, ihn aber auch in Zweifel ziehen kann.

Das aufspüren von 404 (Seite nicht gefunden) Fehlern war eine weitere Aufgabe, die Claude jedoch nur mittelgut hingekommen hat. Ich vermute, weil dazu viel zu viele Seiten geladen und analysiert werden mussen.

Nicht alle toten Links, von denen ich weiss oder wo sich im laufe der Zeit was geändert hat wurden daher entdeckt. Gefunden hat Claude allerdings einen Artikel von mir über eine Infektion mit Madenwürmern, der unter dem Permalink /Taschenlampe abgelegt war. Ein älterer Text, den ich umgearbeitet hab. Dabei wurde von mir vergessen, den Link zu ändern. Das sieht im Google SEO nicht gut aus, entsprechend dankbar war ich für den Hinweis der KI, das doch mal bitte zu korrigieren.

Zur Ehrenrettung von Claude muss ich dazu sagen, dass ChatGPT / die Google KI das auffinden von 404 Fehlern auch nicht besser hinbekommt. Selbst das grottige schlechte Google SEO Tool hat massenhaft falsch positive Funde und übersieht tatsächliche Fehler.

Manchmal flunkert die Claude KI aber. So hatte sie Bilder anhand meiner Metabeschreibung „analysiert“, sie aber nicht wirklich geladen und begutachtet. Das explizite laden von Bildern musste ich manuell im Chat mit der KI machen. Die Aufschlüsselung der erkannten Elemente war dann aber sehr gut, so wurde bei Luftbildern sogar der Betrachtungswinkel erkannt.

Programmieren – mit Claude

Ich hab keine Ahnung, wie man programmiert. Meine Stärken liegen woanders und ich bin wirklich heilfroh, wie einfach sich WordPress mit Plugins umgestalten lässt. Ohne für jede Kleinigkeit einen dieser hochnäsigen Linux Programmierer aus seinem Elfenbeinturm herausbitten zu müssen.

Eine gewagtes Experiment war es daher, Claude mit Code Änderungen an der Asgaros Forums Software zu beauftragen, die bei mir läuft. Google bemängelt nämlich seit einiger Zeit „fehlende strukturierte Daten“ in meinem Forum. Das sind generierte Datenschnipsel, um den Inhalt besser zu verstehen. Der Typ, der für Asgaros verantwortlich ist hat inzwischen das Interesse verloren, sogar an seinem eigenen Forum. Schade, aber:

Claude meinte, er hätte dafür eine Lösung und könnte das ergänzen …

Chat Beispiel Programmieren mit Hilfe von KI
Links auf dem Bild ist der Chat mit Claude, mit Analysen & Anweisungen. Rechts der erzeugte Code, der online mit Hilfe der KI bearbeitet und verbessert wird. Ergänzt wurde eine ganz bestimmte function.php Datei.

Letztendlich hat es nicht funktioniert. Die Ergänzung hat leider nicht dazu geführt, Daten Schnipsel in meinem Asgaros Forum zu erzeugen und einzufügen. Obwohl die Aktion insgesamt ein Misserfolg war sind die aufgezeigten Möglichkeiten beeindruckend. Und das ganze steht ja noch am Anfang einer rasanten Entwicklung.

Programmierer werden zukünftig nicht mehr Code tippen, sondern nur noch eine KI beaufsichtigen und selten selber Hand anlegen.

Bislang waren Content Creator wie ich, die absolut Null Ahnung vom Programmieren haben wie weiter oben schon angeschnitten auf das Betteln bei Linux-Elitisten angewiesen. Die Fragen von Anfängern im Schutze der Anonymität gern hochnäsig mit RTFM (read the „fudge“ manual) beantworten.

Ich bin tatsächlich jemand, der ständig alles stehen und liegen lässt um irgendwem aus seinem Missgeschick zu helfen. Vermutlich etwas naiv wie ich offenbar bin – denke ich daher immer, andere sind auch so, wenn ich jemanden um Hilfe bitte. Naja, bestimmt nicht in der Computerwelt. Daher ist es mir eine ausserordentliche Genugtuung, wenn ein Grossteil dieser arroganten, digitalen Besserwisser in den nächsten 5 Jahren von einer KI geerdet wird.

Pro / Contra Bilderzeugung durch eine KI

Das erzeugen von Bildern durch eine KI lehne ich jedoch nach wie vor entschieden ab. In meinen Augen handelt es sich um plumpe Fälschung, keine selbst gemachten Fotos zu verwenden. Sich bei Grafiken helfen zu lassen wäre bestimmt noch okay. Aber mit dem generieren von fotorealistischen Reisebildern durch eine KI wird eine rote Linie überschritten.

Nicht immer gibt es Fotos, das ist nun einmal so. Entweder weil man vergessen hat im richtigen Moment den Auslöser zu betätigen. Oder: weil es aus anderen Gründen nicht möglich war. In dem Fall kann man immer noch seine Erlebnisse schildern, so wie ich es bei der Reportage zur Drogenscene in Vancouver (Link zum Artikel) gemacht hab. Dabei ist mir eine sehr eindringliche Beschreibung der Zustände vor Ort gelungen. Und der Leser erfährt mehr über die East Hastings Street Vancouver als durch ein paar Schockbilder.

In meinen Augen ist es Fälschung, wenn in einem Urlaubsbild die Funktion „Personen aus dem Bild entfernen“ verwendet wird. Um ein Jubelbild vom eigentlich überlaufenen Strand in Bali oder dem Jökulsarlon um die Welt zu schicken, wo man augenscheinlich ganz allein unterwegs war. Da sollte man sich lieber fragen, ob man sich A) für den richtigen Urlaub entscheiden hat und B) welchen Stellenwert der eigene Narzissmus / die eigene Eitelkeit eigentlich hat.

Josef Stalin wäre von diesen Möglichkeiten jedenfalls begeistert gewesen. Zu seiner Zeit war das Fälschen von Bildern (und damit der Vergangenheit) noch weitaus komplizierter, um die kommunistische Propaganda immer wieder anzupassen.

Ich finde eine Welt, in der man sich ständig fragen muss ob ein Bild überhaupt noch echt ist oder KI einfach nur grässlich.

Darum gibt es das bei mir nicht. Ich schneide meine Bilder etwas zu oder passe die Farbe / Helligkeit etwas an, das wars.

Wenn ich kein Bild habe – schreibe ich einen Text und erzähle was ich in dem Moment gesehen, erlebt, gerochen, gefühlt und gehört habe. Das kann man sich zur Not auch vorlesen lassen.

KI – bald im Alltag von uns allen ?

Menschen in einem futuristischen Spiegelraum vom Infinity Museum in Las Vegas

Ich würde es cool finden. KI stelle ich mir dabei als ein schlaues Werkzeug vor, was im Alltag Ungereimtheiten aufspüren könnte plus clevere Verbesserungsvorschläge dazu. So wie ich das bei der KI Durchsicht meiner Artikel erlebt hab, nur bitte im Real Life.

Nie wieder einen dummen Callcenter Computer anrufen oder sich über einen unintelligenten „KI Chat“ ärgern zu müssen, wie schön wäre das. Bei den bisherigen Computer Modellen (vor 2026) hat vor allem die Kosteneinsparung im Vordergrund gestanden. Leider nicht, den Kunden wirklich zu verstehen und einen Mehrwert zu bieten. Dösige Experimente wie Cortana von Microsoft, Apples Siri oder das was Amazon mit Alexa versucht hat fand ich einfach nur unausgereift & ärgerlich.

Modelle wie Claude könnten das signifikant ändern und uns gesellschaftlich jedoch auch persönlich voran bringen.

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