Abgelegener geht es kaum. Ich bin in Anyox unterwegs, einer einstigen Kupfer und Goldminenstadt mit ehemals über 3000 Bewohner. Der Ort ist nur mit dem Boot zu erreichen und zusammen mit seinem Nachbarort Kitsault offiziell für Besucher gesperrt. Mir war es jedoch gelungen, in Gingolx / Kincolith einen Fischer zu engagieren, der mich für einen Tag dort rausgefahren hat.
Mit nur 6 Stunden hatte ich nicht viel Zeit. Highlights wie den aufgegebenen Friedhof hab ich daher verpasst. Aber: ich bin raus in die Berge zum Staudamm gelangt. Ein architektonisches & industrielles Meisterwerk, woran ich mich für immer erinnern werde. Errichtet um 1920 herum, mitten im Nirgendwo.

Reise nach Anyox, 20km vor der Wildnis Alaskas
Nach Anyox zu gelangen ist bereits das erste Abenteuer. Im Grunde ist der Ort nur mit einem eigenen Boot erreichbar. Ich hatte mich daher einen Tag lang in dem kleinen Fischerort Gingolx (oder auch Kincolith) umgehört. Wer denn wohl bereit wäre, mich nach Anyox zu schippern. Tatsächlich meine ein Fischer, er hätte ein Boot und würde den Tagestrip mit mir machen.

Larry ist Fischer und stellt für gewöhnlich dem Heilbutt nach. Seine Familie zählt zu den Ureinwohnern Nordkanadas. Obwohl er über 70 ist zieht es ihn nach wie vor raus aufs Meer. Sei es zum fischen, um Hochseeangler raus in die Jagdgründe des Nordpazifiks zu fahren oder um Touristen wie mich herumzuschippern.
Ich hab später erfahren, dass mein Besuch möglicherweise eine extrem seltene Ausnahme gewesen ist. Anyox wurde früher zusammen mit Kitsault durch Northern BC Jet Boat Tours besucht. Dem einzigen Anbieter überhaupt, der eine mehrtägige Abenteuertour von diesem Kaliber im Programm hatte. Aber nach Streitigkeiten wegen mitgebrachter Youtube Teams und Leuten mit Metallsuchern waren dem Anbieter weitere Touren untersagt.
Dazu kommt, dass Anyox zwar eine Ghosttown ist, aber nicht vollständig verlassen wurde.


Dieses Granulat lässt sich zu abrasiven Sandstrahlmitteln weiter verarbeiten. Soweit ich es gesehen hab wird in der Mine vorbildlich gearbeitet. Offensichtliche Umweltschäden hinterlässt der Abbau der Minen Tailings daher nicht – eher im Gegenteil.

Ich war dort sofort willkommen und später hat mir Swede sogar ein Quad als „Taxi“ in die Berge geschickt, damit ich auf dem Rückweg vom Damm nicht so weit laufen muss.






Das Schicksal hat leider auch das Kraftwerk in Anyox getroffen, so dass dort nur noch charmant vor sich hinrostende Reste zu entdecken sind.

Praktisch alle Häuser sind in den Jahren 1942 und 1943 Feuern zum Oper gefallen, nachdem die Mine im Jahr 1935 die Förderung eingestellt hat. Vieles ist dem Zahn der Zeit zum Opfer gefallen, die Industrieanagen wurden abgebaut, geplündert oder einfach sich selbst überlassen.



Der Damm hat allerdings überdauert und ist natürlich ein absolutes Highlight, wenn man in Anyox ist. Diese filigrane Konstruktion wurde durch den Betonbau Pionier John S Eastwood (Wikipedia EN) im Jahr 1920 errichtet. Als Besonderheit konnte dieser Damm durch diese Fächerbauweise mit signifikant weniger Beton gebaut werden als zur damaligen Zeit üblich.
Möglich war das jedoch nur, weil der Felsuntergrund eine stabile Basis für den Betonbogendamm bilden konnte.

Ironischerweise hat diese Massnahme den Damm vor weiterer Zerstörung bewahrt.



Sie steht nicht weit entfernt vom eigentlichen Staudamm, der selbst rund 4km von Anyox entfernt ist. Hier oben gab es keine Bergwerkschächte und eine Dampflokomotive wäre dort auch nicht sinnvoll gewesen.


Mein Besuch war leider nur kurz. Sechs Stunden ! Nur so wenig Zeit zu haben, um diesen ungewöhnlichen Lost Place zu erkunden hat mich wirklich geschmerzt. Ausserdem konnte ich mir nicht wirklich Mühe mit den Bildern geben.
Aber der Tag mit Larry Stevens war rum und so bin ich schweren Herzes in sein Boot geklettert, um zurück nach Kincolith gebracht zu werden.
