Milde Winter, eine rauhe Küste durchsetzt mit lang gezogenen Sandstränden, Seenebel der durch uralte Wälder zieht und Menschen, die seit jeher von der Fischerei oder der Jagd leben: so könnte man Vancouver Island eigentlich gut beschreiben. In unseren modernen Zeiten ist die Grossstadt Victoria dazu gekommen – mit Anlegemöglichkeiten für riesige Kreuzfahrschiffe. Und eine Tourismusindustrie, die unübersehbar ihre Wurzeln ausgestreckt hat und den Business von ganz Vancouver Island bestimmt.

Erst oberhalb von Campbell River trifft man auf Parkplätze, die kein „no camping“ Schild haben. Oder überhaupt auf Campingplätze, die keine frechen 100 Dollar verlangen so wie die rund um Tofino. Tofino hat sich mit seinen langgezogenen Surf Ständen und Whale Watching Touren dabei zu einem Primärziel für Touristen entwickelt. Im kleinen, benachbarten Küstenort Ucluelet konnte ich tatsächlich noch für faire 40$ in der Marina campen, aber auch hier sind die Auswirkungen der Tourismusindustrie spürbar.
In dieser Reportage aus Vancouver Island berichte ich daher über typische Touristen Attraktionen, die sehenswert sind und verstecktere Ziele, die erst Recht einen Besuch wert sind.
Victoria, Vancouver Island

Victoria wird von bis zu drei Kreuzfahrschiffen pro Tag besucht. Hauptattraktion ist im Sommer die schmucke viktorianische Innenstadt. Üblicherweise lassen sich die Kreuzfahrer in Rikschas zu irgend einem Luxury Wine Tasting oder High Tea kutschieren, nachdem sie aus ihrem Schiff geklettert sind.
Chinatown Victoria ist ein weiterer Anlaufpunkt für viele Besucher. Das Viertel ist viel authentisch ist als der Chinatown Bezirk in Vancouver selbst. Der Hafen läd genau so zum bummeln ein wie die kleine, in der Nähe liegende Fussgänzerzone mit ihren urigen Buchläden, Kramläden zum herumstöbern und gemütlichen Cafes.
Sich hier etwas treiben zu lassen und bei einem Cafe Latte den Touristen zuzuschauen macht durchaus Spass.

(Eigentlich müsste es Kilometer Null heissen, aber egal).

Ein kleiner Park, der nicht von den Reisebussen der Kreuzfahrtschiffe angefahren werden kann.

Typische Reisebusse transportieren 80 Personen und brauchen einen Parkplatz. Der Abkhazi Garden hat weder Platz für das eine noch für das andere. Damit ist der kleine Park eine Oase der Ruhe und idealer Ort, um sich am blühenden Garten zu erfreuen und stilecht mit Leckereien eine britische Teepause einzulegen.
Übernachten für Overlander ist in Victoria schwierig. Es kommt einzig und allein der Bezahl Parkplatz Ecke Kingston Street / Menzies Street in Frage, um die Nacht zu verbringen.
Rund um das angesagte Tofino
Als Overlander habe ich eine objektive und ergebnisorientierte Sicht auf touristische Orte wie Tofino, damit unterscheide ich mich ganz entschieden von typischen Pauschaltouristen. Am aller wichtigsten ist stets eine Antwort auf folgende Frage: wo parke ich den tonnenschweren ex-Militär Allrad LKW über Nacht ?

Was ist nur aus dem Vibe der Surfer geworden, die mit ihrem VW Bus einfach am Strand übernachtet haben ? Den Tag als Surfer am Meer verbringen und mit dem Geräusch der Wellen im Ohr einschlafen ?





Auch hier muss man etwas picken und suchen, aber zwei Sachen sind in Tofino tatsächlich sehenswert.
Zum einen liegt in der Nähe vom Flughafen ein Consolidated PBY „Catalina“ (Wikipedia) Flugzeugwrack im Wald (Google Maps), was hier während des zweiten Weltkriegs abgestürzt ist.



Das Wrack ist von der Strasse aus einen halbständigen Spaziergang über einen gut ausgebauten Weg entfernt. Am Wochenende ist mehr los. Dann teilt man sich das Flugzeugwrack mit Leuten, die unbedingt ihre Musik hören müssen. Oder die trotz eindeutigem Verbot einen Hund dabei haben, der – natürlich – überall mit hin muss. Daher auch für ein Fotos mit ins Wrack hinein.



Ein weiteres Highlight auf Vancouver Island ist die Hot Springs Cove
Von Tofino aus gehen sowohl Flüge als auch Bootstouren zu dieser einmaligen Thermalquelle.
Ich bin jemand, der egal welchen Umweg in Kauf nimmt, um in einer heissen, natürlichen Thermalquelle zu baden. In Island hatte ich fast ein Vierteljahr damit zugebracht, sämtliche der dort auffindbaren Quellen (Artikel dazu) anzufahren und auszuprobieren.
Zur Hot Spings Cove zu gelangen war daher ein Punkt mit top Priorität auf meiner persönlichen Tofino Bucketlist für Overlander.
Die Hot Springs Cove liegt auf einer isolierten Insel, mitten in der abgeschiedenen Wildnis am Pazifik. Das Boot ist mehrere Stunden dorthin unterwegs.




Wer mag, kann sich im Meer abkühlen. Weiter unten sind Badebecken mit kaltem Meerwasser.
Ich war spontan mit Ahous Adventures unterwegs, für den Tagesausflug hab ich ohne zu zögern 300 CAD = 185 € ausgegeben. Auf der Rückreise durch den Fjord haben wir kurz das Boot verlangsamt, um Wale zu beobachten. Ein ereignisreicher Tag, an den ich mich noch lange zurück erinnern werde.
Später hab ich gesehen, dass es von der am Fjord gelegenen Gold River Marina ebenfalls möglich gewesen wäre, mit Airnootka im Flugzeug zur Hot Springs Cove zu gelangen. Von Gold River aus hätte der Flug hin und zurück 250 CAD =155 € gekostet.
Anbei eine kleine Tabelle Anbietern, die zur Hot Springs Cove mit dem Boot fahren oder fliegen
Die Preise und die aktiven Anbieter wurden im Juni 2026 ermittelt.
| Gesellschaft | Transportmittel | Webseite | Startpunkt | Preis in etwa |
|---|---|---|---|---|
| Ahous Adventures | Boot | ahousadventures.com | Tofino | 300 CAD |
| Tofino Whale centre | Boot | tofinowhalecentre.com | Tofino | 240 CAD |
| Jamies Whaling | Boot | jamies.com | Tofino | 265 CAD |
| Aquatic Safaris | Boot | whalesafaris.com | Tofino | 300 CAD |
| Air Nootka | Flugzeug | airnootka.com | Gold River | 250 CAD |
| Atleo River Air Service | Flugzeug | atleoair.com | Tofino | 420 CAD |
| Tofino Air | Flugzeug | tofinoair.ca | Tofino | 400 CAD |
Um die Eingangs aufgeworfene Frage zu beantworten, wo ich den LKW abgestellt hab: direkt vor Ahous Adventures waren mitten in Tofino drei gratis Parkplätze, vor mehreren kleineren Läden. Das ist offiziell Firmengelände und wird nicht von der Stadt Tofino abkassiert. Ahous war zwar nicht der günstigste Anbieter, aber sie hatten dafür einen gratis Parkplatz für die Nacht = zwischen 80 – 100 CAD gespart.

Abgesehen davon hab ich zwei Nächte auf dem Long Beach Parkplatz am Strand gestanden, wo ich mir (warum auch immer) einen Parkschein „bis 16:00h des nächsten Tages“ ziehen konnte. Daher zumindest auf dem Papier über Nacht.
Nicht wirklich okay von mir, dem gesprochenen Wort nach soll man dort angeblich nicht übernachten. Aber das war mir angesichts der erheblichen Bemühungen die im Tofino Area betrieben werden um die Camper & Overlander zu vergraulen herzlich egal. Und mit dem überteuerten 100 Dollar Stellplatz ohne alles vom tristen, raffgierigen Campingplatz nebenan war ich sowieso nicht einverstanden.

Zum Glück waren solche Tricksereien im nördlichen Teil von Vancouver Island und meinem weiteren Verlauf der Reise dann völlig überflüssig.
Der rauhe Westen von Vancouver Island – das echte Kanada
Oberhalb von Campbell River beginnt der rauhe Nordwesten von Vancouver Island. Hier oben gibt es nur noch kleine Fischerdörfer, Holzfällercamps, Fischfarmen und Siedlungen, die ausschliesslich mit dem Boot oder einem Wasserflugzeug erreichbar sind. Frei stehen ist entweder selbstverständlich – oder die kommunalen Campingplatze sind einladend und preiswert.





Truthahngeier hab ich ebenfalls mit dem Fernglas beobachtet.

Abgelegen an einem traumhaft schönen Fjord gelegen, aber mit einem urigen Campingplatz direkt am Meer. Jedoch auch mit vielen Waldstellplätzen und einem gratis Campingplatz mitten im Wald unten am Fluss.

Eine Aktion die ich leider verpasst hab war die Möglichkeit, von Gold River aus auf der UCHUCK III mitzufahren. Das ist ein 1942 gebauter Minenräumer, der umgebaut wurde und im Sund als Frachter unterwegs ist. Jeden Dienstag kann man auf diesem Arbeitsschiff mitfahren, wenn Versorgungsgüter, Ersatzteile und Post an die abgelegenen Orte in den Fjorden ausgeliefert werden.
Die Touren werden von Get West Adventure Cruises angeboten (Webseite). Leider war das Schiff mit einem Ruderschaden in der Werft, bis auf absehbare Zeit. Von meinem Besuch im Hafen von Gold River hab ich daher nur ein einziges Foto mitgebracht:

Ich probier dann Mal Richtung Alaska weiter zu fahren.