Die meisten Overlander fahren im Sommer von Vancouver aus nach Prince George, um etwas weiter nördlich auf den berühmten Alaska Highway abzubiegen. Eine Alternative ist, von Vancouver Island aus mit der Fähre von Port Hardy nach Prince Rupert zu fahren. Dann folgt man der BC 37, um kurz vor Whitehorse zum Alaska Highway zu gelangen.
Das spart knapp 500 Kilometer Strecke und mit Vancouver Island (oder später Haida Gwaii) lassen sich zwei spektakuläre Inselwelten besuchen, anstatt eine eher langweilige Piste abzuspulen. Ich hab von Port Hardy nach Prince Rupert verschifft und beschreibe hier detailliert die Prozeduren im Hafen und was für die Reise beachtet werden sollte. Insbesondere, wenn man die Autofähre spontan nehmen will.
Streckenoption A: Fahrt von Vancouver nach Whitehorse, 2350 Kilometer Schnellstrasse.
Streckenoption B: Fähre nach Vancouver Island, 500 Kilometer von Victoria nach Port Hardy, Fähre nach Prince Rupert, 1375 Kilometer auf dem Alaska Highway bis Whitehorse
Option B ist nicht unbedingt billiger und schon gar nicht schneller, aber definitiv abwechslungsreicher & interessanter.
Die Linie wird von bcferries.com (Webseite) bedient. In der Sommer Saison legt alle 48 Stunden ein Schiff von Port Hardy ab. Abfahrt ist morgens um 7:30h, das Schiff ist rund 17 Stunden unterwegs und erreicht Prince Rupert nach Mitternacht. Im Winterhalbjahr werden weniger Fahrten angeboten.
Ein Fahrplan, der sich zwischen Täglich / Saisonal umschalten lässt ist hier:
www.bcferries.com/routes-fares/schedules/seasonal/PPH-PPR
Ich bin eher spontan unterwegs und plane nicht monatelang im voraus. Daher war ich zunächst enttäuscht, als mir das online Buchungssystem angezeigt hat, dass die Autofähren rauf Richtung Alaska wochenlang im voraus ausgebucht waren.
Die gute Nachricht ist jedoch: immer wieder kommt es zu Absagen und über das Online Kontingent hinaus gibt es noch mehr Stellplätze auf dem Schiff. Ich hab mich im Hafen von Port Hardy auf die Warteliste setzen lassen und wurde am nächsten Morgen gebucht. Wie sich dann herausgestellt hat, waren tatsächlich noch viele Raummeter auf der Fähre frei.
Insbesondere in der Vorsaison sind die Chancen daher sehr gut, auch ohne Reservierung mitzukommen – oder wenigstens 48 Stunden später auf der nächsten Fähre mitzureisen.
Die Prozeduren im Hafen von Port Hardy sind wie folgt:

Mit bestätigter Reservierung / bezahlter Buchung: sei spätestens 2 Stunden vor der Abfahrt im Hafen. Bei der Einfahrt sind zwei Häuschen für die Ticket Kontrolle. Dort wird dir eine Linie vom Hauptparkplatz zugewiesen, auf der du dich einordnest.
Im Office rechts findest du Snackautomaten und ein WC. Freies WLAN ist im gesamten Hafen verfügbar.
Spontan, ohne Reservierung: komm am Nachmittag vor der Abfahrt in den Hafen. Wahrscheinlich sind die zwei Häuschen für die Ticket Kontrolle nicht besetzt, melde dich daher im Office und lass dich auf die Warteliste für das nächste Schiff setzen, falls eine sofortige Buchung nicht möglich ist.

Koordinaten der Hafen Einfahrt: 50.72535,-127.45407 (Google Maps)
Du benötigst: Reisepass, Handy Foto vom Nummernschild, gegebenenfalls Buchungsnummer und Kreditkarte.
In meinem Fall wurde mir ein Stellplatz auf dem Hangaround Parkplatz zugewiesen und ich hab im Hafen die Nacht verbracht. Früh morgens um 5:00h klingelte dann der Wecker und ich hab im Office für den LKW die Überfahrt gebucht. Auf dem bezahlten Ticket steht, in welche Linie auf dem Hauptparkplatz man rollen soll. Das Boarding beginnt ab 6:30h, um 7:30h ist Abfahrt.

Wie sich in meinem Fall herausgestellt hat war das Schiff am 03.06.2026 nicht komplett ausgebucht. Vermutlich wäre es möglich gewesen, morgens um 5:00h zum Hafen zu fahren, um last minute zu buchen.

Die Methode, am Nachmittag vorher in den Hafen zu rollen und sich auf die Warteliste setzen zu lassen ist jedoch failsafe und vermeidet Stress. Wenn das erste Schiff in der Hauptsaison tatsächlich ausgebucht ist hat man eventuell 48h später bei der nächsten Autofähre Glück.
In dem Fall ist man auf der Warteliste nach oben gerutscht.
Übernachten im Hafen ist unproblematisch und kostet theoretisch 22 CAD, die in meinem Fall aber nicht eingefordert wurden. WLAN ist im gesamten Hafen verfügbar und direkt bei dem Hangaround Parkplatz ist ein Zapfstelle für Wasser. Zwischen 20:00h und 4:00h ist es theoretisch ruhig, aber es können Kühllaster dort parken die einen unglaublichen Krach machen können.
Je länger und höher das Fahrzeug ist und so unwahrscheinlicher ist eine erfolgreiche, spontane Buchung. Vanlifer haben daher erheblich bessere Chancen als Camper, Reise LKWs oder Overlander Fahrzeuge die auf einem Reisebus aufgebaut sind.
Kosten: ich hab im Juni 2026 folgendes bezahlt: 208.90 CAD für einen Passagier und 559.10 CAD für ein Oversized Vehicle 22′. Zusammen 768 CAD = rund 475€. Interessanterweise war die spontane Buchung am Desk günstiger als der Online Preis.
Die Prozeduren im Hafen von Prince Rupert:
Von Prince Rupert aus bedient der Fährhafen die Ziele Port Hardy und Haida Gwaii (Wikipedia). Früher, vor Covid19, konnte man von hier direkt weiter nach Alaska verschiffen. Aber diese Linie wurde während der Pandemie eingestellt – und danach nie wieder aufgenommen.
Koordinaten der Hafen Einfahrt: 54.29327,-130.35297 (Google Maps)


FAQ für die Autofähre „Northern Expedition“
Meine Erfahrung bezieht sich auf die 2009 in Deutschland gebaute Northern Expedition (Position bei Marinetraffic), mit der ich im Juni 2026 unterwegs war. Auf der Linie fährt noch die etwas kleinere Northern Adventure (Marinetraffic), mit ähnlichen Bedingungen.
Autodeck, Deck 2
Das Autodeck ist während der Fahrt geschlossen. Es war aber etwa alle 2 bis 3 Stunden möglich, für 15 Minuten zum Fahrzeug zu gelangen. Die Fähre ist roll on / roll off, ohne Wenden.
Dusche
Auf Deck 5 haben die vorderen Herren / Damen Toiletten eine Dusche. Die Benutzung kostet 5 CAD, inbegriffen ist dabei ein Handtuch plus Seife für 2 CAD. Den Schlüssel gibt es beim Purser / der Rezeption auf Deck 4.
Hunde
Müssen während der Passage im Fahrzeug bleiben. Es gab jedoch mehrfach die Möglichkeit, zwischendurch nach den Tieren zu sehen und mit ihnen unten im Fahrzeugdeck etwas herumzulaufen.
Internet
An Bord gibt es kein Internet / WLAN. Mobilfunk ist nur gelegentlich an ausgewählten Anlegestellen wie in Klemtu oder Bella Bella verfügbar.
Ich hab die Lücke mit meinem Starlink Mini Dish gefüllt, den ich mit einem Akku hinten auf dem Aussendeck platziert hab. Aber das ganze macht keinen Spass, weil man damit ungemütlich daussen sitzt. Zwischendurch etwas Arbeiten, Recherchieren oder in der freien Zeit am Blog weiter schreiben war eher umständlich.
Erst ca 35 km / eine Stunde vor Prince Rupert gibt es wieder zögerlich Mobilfunk.
Kabinen
Für die Unterbringung stehen Kabinen zur Verfügung, die online oder auf Deck 4 beim Purser / der Rezeption gebucht werden können. Die Fahrt ist mit rund 17 Stunden zwar sehr lang, tagsüber lohnt sich eine extra Kabine jedoch nicht. Bei Jetlag oder wenn man aus anderen Gründen einen Rückzugraum braucht jedoch durchaus eine Option.
Kino
In der Raven Lounge (Deck 4) laufen immer mal wieder Spielfilme auf Englisch.
Restaurant
Das Bord Restaurant bietet bewährtes wie Burger, Nudeln und Getränke. Die Qualität ist nur durchschnittlich.
Seekrank
Seekrank zu werden ist an Bord der Northern Expedition eher unwahrscheinlich. Und das sage ich als jemand, der stark betroffen ist und das Thema von A bis Z erforscht hat. (Artikel wie man NICHT seekrank wird)
Die Autofähren sind zwischen den Inseln unterwegs und die Passage verläuft sehr ruhig, solange es nicht stürmisch ist.
Shopping
Shop till you dock – ist das Motto der Mini Boutique an Bord. Ich hab interessante, englische Reiseliterautur über Haida Gwaii, Vancouver Island und den wilden Norden Kanadas entdeckt. Dazu eine Auswahl Anziehsachen, Souveniers und Kinderspielzeug.
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