Eigentlich ist der Goldrush in Alaska seit 120 Jahren vorbei, aber in Dawson City gibt es tatsächlich immer noch Gold. Rund um die ehemalige Boomtown wird die Erde nach wie vor mit schweren Maschinen umgegraben, um das wertvolle Edelmetall zu bergen. Den Charme einer Goldsucherstadt hat sich Dawson City jedoch bewahrt und wenn man schonmal im Yukon ist steht ein Besuch ganz oben im Pflichtprogramm.
Wenn es einen Goldrausch gegeben hat, dann hier.
Ein erster Eindruck mag sein, dass Dawson natürlich ziemlich touristisch ist. Aber wenn man über die hölzernen Bürgersteige an den liebevoll restaurierten, bunten Holz Häusern vorbei läuft erwacht die Zeit der Goldsucher lebhaft.



Tatsächlich war die Goldsuche im Yukon so relevant für Kanada, dass heutzutage jedes Yukon Nummernschild immer noch einen Goldsucher mit Goldwaschpfanne zeigt.



Dies muss der Anblick gewesen sein, den Jack London hatte als er mittellos in den Yukon gereist ist um nach Gold zu suchen. Gold hat er kaum gefunden, aber seine Abenteuer Geschichten aus der kaum erschlossenen Wildnis machten ihn schlagartig berühmt – und tatsächlich reich.

Das sehenswerte, lokale Museum erzählt viele Geschichten von Goldsuchern und Geschäftsleuten, die im Yukon reich geworden sind. Aber die meisten Goldsucher kamen nicht nur zu spät, um sich einen ertragreichen Claim zu sichern sondern waren an die harten Bedingungen im Yukon absolut nicht gewöhnt.
Erfolg hatten jedoch nur die ersten Goldsucher und dann Geschäftsleute, die in der Lage waren das Goldschürfen mit einem hohen Kapitaleinsatz zu industrialisieren. Viele Relikte aus dieser Zeit lassen sich immer noch rund um Dawson City finden.


So eine dampfbetriebene Dredge (Goldbagger bei Wikipedia) baggert Steine und Sand aus der Tiefe von bis zu 30 Metern nach oben, um sie vollautomatisch nach Gold durchzuwaschen.

Selber Gold waschen kann man in einigen freien oder aufgegebenen Claims in Dawson City versuchen. Lohnend ist der Goldabbau jedoch nur noch für heutige Firmen, die selbst mit 3 Gramm Gold pro Tonne Gestein zufrieden sind.



Authentisch ? Nachgemacht ? Ein ehemaliges Museum ? Es bleibt der Fantasie des Betrachters überlassen.


Die Panoramastrasse verläuft in etwa 1000 Meter Höhe oberhalb der Baumgrenze auf Bergkämmen. Mit einer phänomenalen Aussicht auf die Berge, bei gutem Wetter. Die klimatischen Bedingungen sind hier draussen harsch, im Winter ist die Piste gesperrt. Tipp von mir: hol dir an der sehr entspannten Grenze zur USA den speziellen Top of the World Einreisestempel im Reisepass !
Ganz zum Schluss hab ich noch einen herrlich makabren Spass, den man in Dawson City erleben kann.

Das sind zwei inzwischen leicht mumifizierte menschliche Zehen. Im Sourdough Saloon kann man sich einen davon in einen Drink geben lassen, den austrinken – um dabei die tote menschliche Zehe zu küssen !
Hört sich gruselig an, aber diese Dawson City Tradition ist eine riesige Gaudi im Sourdough Saloon. Es machen tatsächlich Besucher mit, von denen man es nicht erwarten würde. Ein paar Zehen wurden auch schon verschluckt, weil die Leute nicht aufgepasst haben. 3 versehentlich, 2 weitere jedoch absichtlich. Inzwischen ist die Strafe dafür auf 2500$ raufgesetzt worden.
Ganz so einfach ist es schliesslich nicht, abgehackte Zehen für die Touristen heranzuschaffen.

Abgesehen von der lebensmittelrechtlichen und regulatorischen Fragestellung, wie man Leichenteile in einem Restaurant in einem Drink servieren kann stellt sich natürlich die Frage: woher kommen die abgetrennten Zehen überhaupt ? Auf Grund von gelegentlichen Missgeschicken müssen diese ja immer mal wieder ersetzt werden.
Die erste in Alkohol eingelegte Zehe, mit der diese Mutprobe in Dawson City begründet wurde war 1973 ein Zufallsfund aus einem Schuppen. Bis diese an einem Abend versehentlich verschluckt wurde. Inzwischen werden unfreiwillige Unfälle mit einem Rasenmäher jedoch auch notwendig gewordene Amputationen (Rauchen, Diabetes) genannt. Ein Zehendiebstahl kamen ebenfalls schon vor, diese wurde aber per Brief zurückgegeben.
Makaber, aber bei dem Dawson City Ritual haben in über 50 Jahren mehr als 138.000 Leute mitgemacht. Pro Abend lassen sich meiner Beobachtung nach bis zu 75 Gäste eine abgetrennte, menschliche Zehe in den Drink geben, um diese zu küssen.
„You can drink it fast, you can drink it slow – but the lips have gotta touch the toe.“
Spassige Zeiten in der Goldgräberstadt Dawson City.
