Dawson City, im grössten Goldsuchgebiet aller Zeiten

Eigentlich ist der Goldrush in Alaska seit 120 Jahren vorbei, aber in Dawson City gibt es tatsächlich immer noch Gold. Rund um die ehemalige Boomtown wird die Erde nach wie vor mit schweren Maschinen umgegraben, um das wertvolle Edelmetall zu bergen. Den Charme einer Goldsucherstadt hat sich Dawson City jedoch bewahrt und wenn man schonmal im Yukon ist steht ein Besuch ganz oben im Pflichtprogramm.

Wenn es einen Goldrausch gegeben hat, dann hier.

Ein erster Eindruck mag sein, dass Dawson natürlich ziemlich touristisch ist. Aber wenn man über die hölzernen Bürgersteige an den liebevoll restaurierten, bunten Holz Häusern vorbei läuft erwacht die Zeit der Goldsucher lebhaft.

Historische Front Street mit Läden und Restaurants in Dawson City  Yukon Kanada
Der Vibe von damals mit kleinen Restaurants und Geschäften ist immer noch zu spüren.
Front Ansicht vom Dawson City General Store Supermarkt
Selbst der Supermarkt ist in der Dawson City 1895er Optik gehalten.
Goldnugget im Wert von ca 5000€
Im Souvenirladen. Mit dem Fund von so einem Goldnugget wäre man schlagartig um etwa 5000€ reicher.

Tatsächlich war die Goldsuche im Yukon so relevant für Kanada, dass heutzutage jedes Yukon Nummernschild immer noch einen Goldsucher mit Goldwaschpfanne zeigt.

Dampflokomotiven im Lok Schuppen Dawson City Yukon
Im Lok Schuppen. Die Eisenbahn war abgesehen von den Schiffen eine wichtige Lebensader in Dawson City.
Blick vom Dawson City Dome Berg auf die Stadt
Ein abendlicher Überblick über Dawson City, dort oben ist ein cooler Übernachtungsplatz.
Nachbau von einem historischen Raddampfer im Klondike River Dawson City

Dies muss der Anblick gewesen sein, den Jack London hatte als er mittellos in den Yukon gereist ist um nach Gold zu suchen. Gold hat er kaum gefunden, aber seine Abenteuer Geschichten aus der kaum erschlossenen Wildnis machten ihn schlagartig berühmt – und tatsächlich reich.

Kopie von Claim Dokumenten mit der Unterschrift von Jack London und kleine Pfannen mit Goldnuggets
Jack Londons Unterschrift auf der Registrierung von einem Claim

Das sehenswerte, lokale Museum erzählt viele Geschichten von Goldsuchern und Geschäftsleuten, die im Yukon reich geworden sind. Aber die meisten Goldsucher kamen nicht nur zu spät, um sich einen ertragreichen Claim zu sichern sondern waren an die harten Bedingungen im Yukon absolut nicht gewöhnt.

Erfolg hatten jedoch nur die ersten Goldsucher und dann Geschäftsleute, die in der Lage waren das Goldschürfen mit einem hohen Kapitaleinsatz zu industrialisieren. Viele Relikte aus dieser Zeit lassen sich immer noch rund um Dawson City finden.

Dredge No 4 im Bonanza Creek n der Nähe von Dawson City
Mit rauchenden und lauten Ungetümen wie dieser Dredge wurde die Gegend rund um Dawson umgegraben. Eine Aufnahme von der Dredge No 4 aus dem Jahr 1912, als der Goldabbau weitestgehend industrialisiert wurde.
Verfallene Gold Dredge in der Nähe von Dawson City
Nur wenige der ehemals über 60 Dredges haben die Zeit überdauert.

So eine dampfbetriebene Dredge (Goldbagger bei Wikipedia) baggert Steine und Sand aus der Tiefe von bis zu 30 Metern nach oben, um sie vollautomatisch nach Gold durchzuwaschen.

Wurmartige Abraumhalden von Goldbaggern im Yukon
Die Goldbagger haben riesige, wurmartige Abraumhalden hinterlassen.

Selber Gold waschen kann man in einigen freien oder aufgegebenen Claims in Dawson City versuchen. Lohnend ist der Goldabbau jedoch nur noch für heutige Firmen, die selbst mit 3 Gramm Gold pro Tonne Gestein zufrieden sind.

Lost Place Dawson City Schiffsfriedhof mit altem Raddampfer
Der Dawson City Schiffsfriedhof – auf der anderen Seite vom Klondike River. Vom kommunalen, abgelegenen Campingplatz ist es nur ein kleiner Spaziergang.
Antriebsrad von einem Raddampfer in einem Wald
Hier wurden ausgediente Raddampfer für alle Ewigkeiten geparkt. Ein magischer Ort.
Ghost Town Holz Häuser Fassade in der Nähe von Dawson City
Überhaupt ist Dawson City ein prima Ort für Lost Place Enthusiasten. Rund um Dawson gibt es Entdeckungen wie den Schiffsfriedhof, aber auch verlassene Orte wie diese Sammlung aus Holzhütten.

Authentisch ? Nachgemacht ? Ein ehemaliges Museum ? Es bleibt der Fantasie des Betrachters überlassen.

Zwei ausgediente, gelbe Caterpillar Muldenkipper
Moderne Überbleibsel der letzten Generation von Goldsuchern.
Parkplatz mit Aussicht über die Berge auf dem Top of the World Highway.
Dawson City ist noch aus einem weiteren Grund eine Reise wert: danach beginnt der Top of the World Highway (Wikipedia), Richtung Alaska.

Die Panoramastrasse verläuft in etwa 1000 Meter Höhe oberhalb der Baumgrenze auf Bergkämmen. Mit einer phänomenalen Aussicht auf die Berge, bei gutem Wetter. Die klimatischen Bedingungen sind hier draussen harsch, im Winter ist die Piste gesperrt. Tipp von mir: hol dir an der sehr entspannten Grenze zur USA den speziellen Top of the World Einreisestempel im Reisepass !

Ganz zum Schluss hab ich noch einen herrlich makabren Spass, den man in Dawson City erleben kann.

Mutprobe mit abgetrennte Zehe im Sourdough Saloon, Dawson City

Das sind zwei inzwischen leicht mumifizierte menschliche Zehen. Im Sourdough Saloon kann man sich einen davon in einen Drink geben lassen, den austrinken – um dabei die tote menschliche Zehe zu küssen !

Hört sich gruselig an, aber diese Dawson City Tradition ist eine riesige Gaudi im Sourdough Saloon. Es machen tatsächlich Besucher mit, von denen man es nicht erwarten würde. Ein paar Zehen wurden auch schon verschluckt, weil die Leute nicht aufgepasst haben. 3 versehentlich, 2 weitere jedoch absichtlich. Inzwischen ist die Strafe dafür auf 2500$ raufgesetzt worden.

Ganz so einfach ist es schliesslich nicht, abgehackte Zehen für die Touristen heranzuschaffen.

Sour Toe Cocktail Mutprobe in Dawson City mit Capitän

Abgesehen von der lebensmittelrechtlichen und regulatorischen Fragestellung, wie man Leichenteile in einem Restaurant in einem Drink servieren kann stellt sich natürlich die Frage: woher kommen die abgetrennten Zehen überhaupt ? Auf Grund von gelegentlichen Missgeschicken müssen diese ja immer mal wieder ersetzt werden.

Die erste in Alkohol eingelegte Zehe, mit der diese Mutprobe in Dawson City begründet wurde war 1973 ein Zufallsfund aus einem Schuppen. Bis diese an einem Abend versehentlich verschluckt wurde. Inzwischen werden unfreiwillige Unfälle mit einem Rasenmäher jedoch auch notwendig gewordene Amputationen (Rauchen, Diabetes) genannt. Ein Zehendiebstahl kamen ebenfalls schon vor, diese wurde aber per Brief zurückgegeben.

Makaber, aber bei dem Dawson City Ritual haben in über 50 Jahren mehr als 138.000 Leute mitgemacht. Pro Abend lassen sich meiner Beobachtung nach bis zu 75 Gäste eine abgetrennte, menschliche Zehe in den Drink geben, um diese zu küssen.

„You can drink it fast, you can drink it slow – but the lips have gotta touch the toe.“

Spassige Zeiten in der Goldgräberstadt Dawson City.

Historische Holz Häuser Fassaden in Dawson City Yukon
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