Die eklatante Drogen & Obdachlosen Situation in Kanada und den USA hab ich in meinem Blog immer mal wieder angeschnitten. Insbesondere in Vancouver sind die Zustände besonders auffällig. In den Strassen versuchen sich wenige Hilfsorganisationen wie die Street Saviours dem Elend entgegen zu stemmen. Unübersehbar deshalb, weil die Lager der Obdachlosen vor allem in der East Hastings Street liegen und damit in unmittelbarer Nähe zu Chinatown und weiteren von den Kreuzfahrt Touristen stark frequentierten Vierteln.
Ich war zunächst als Tourist + Reisereporter in Vancouver, um typische Touristen Highlights wie die mit Dampf betriebene Uhr abzulichten (Artikel dazu). Das Schicksal der Obdachlosen und Drogenabhängigen in Downtown East Hasting (DTES) lässt einen jedoch nicht kalt.
Die schiere Masse der hilfsbedürftigen Menschen macht einen geradezu ohnmächtig und den Obdachlosen geht es wirklich schlecht.

Insbesondere die unmittelbare Nähe zwischen den sehr wohlhabenden Menschen und den Obdachlosen, die absolut nichts mehr besitzen als Drogensucht und ein paar schmutzige Fetzen Stoff auf der Haut hat mich ziemlich beschäftigt.
Es ist bizarr. In der West Hastings Street überlegen die Kreuzfahrt Touristen angestrengt, welchen Geschmack das Topping auf dem veganen Milchschaum von ihrem Fair Trade Signature Bio Soja Double Latte Macchiato haben soll. Nur wenige Schritte weiter, in der East Hastings Street liegt ein beissender Gestank von Urin zwischen denen auf dem Bürgersteig vor sich hin dämmernden Drogenabhängigen in der Luft.
Dort wird offen mit Drogen gedealt und in aller Öffentlichkeit Crack / Meth geraucht als wäre es das normalste auf der Welt.

Für mich nur schwer zu ertragen, mich hat das alles sehr beschäftigt. Einerseits hab ich die Lage vor Ort abgebildet, was natürlich keine angenehmen Bilder in meinem – hochglanz zwanghaft gute Laune Internet Reiseblog(tm) – sind. Trotzdem notwendig. Konsequenzen sind mir sowieso egal, wie immer.
Anstatt anklagende Schockbilder zu machen hab ich mich statt dessen dazu entschlossen, die Arbeit der Hilfsorganisationen in Vancouver darzustellen. Welche alles daran setzen, die Not etwas abzumildern.
Was wiederum auch nicht einfach war, mir wurde teils ein erhebliches Misstrauen entgegen gebracht.
Insite Supervised Injection Site

Die „Insite Supervised Injection Site“ bietet Süchtigen in der East Hastings Street einen sicheren Raum, um Drogen zu konsumieren. Gleichzeitig ermöglicht sie einen Test von mitgebrachten Drogen auf Inhaltsstoffe. So wird in letzter Zeit immer wieder Medetomidin (Wikipedia) gefunden, einem sedierenden Medikament aus der Tiermedizin.
Das Zentrum verteilen gratis Narloxon / Narcan Kits (Wikipedia) gegen eine Überdosierung mit Opiaten. Dies sind neben Heroin vor allem das wesentlich potentere Fentanyl, was in Kanada und den USA zur Namen gebenden Opioid Kriese (Wikipedia) geführt hat.
Ich konnte dort lange mit Blair sprechen, die mir viel über die Drogen Scene in Vancouver erklärt hat. Ausserdem hab ich dort ein eigenes Narloxon Kit für Notfälle geschenkt bekommen.
Plus Einweisung direkt vor Ort, wie es verwendet wird.


Die Kappe bricht am leichtesten nach hinten ab, wenn der weisse Punkt vorne ist.

Die Verwendung ist denkbar einfach und Blair hat mir das kurzerhand demonstriert. Jede der Ampullen aus Glas hat eine Solbruchstelle und kann ohne Werkzeug durch simples abbrechen geöffnet werden. Flüssigkeit aufziehen, Luft wenn möglich nach oben rausdrücken.
Für Abhängige, die eine Überdosis mit Opiaten erlitten haben konkret lebensrettend. In jedem Kit sind 3 Spritzen enthalten, also quasi drei mal +1 UP Extraleben im Fall einer ansonsten tödlichen Opiat Überdosis.
Für die Anwendung erfolgt die Injektion in den Muskel, daher zum Beispiel direkt in den Oberarm. Etwa da, wo ein Seemann einen Anker tätowiert hätte. Oder Oberschenkel Beinmuskel. Falls keine Überdosierung mit Opiaten vorliegt ist die Injektion folgenlos. Man kann daher nicht viel falsch machen.
Die Sicherheits Spritze funktioniert genau ein mal und zieht nach der erfolgten Injektion automatisch die Nadel ein.
Überdosierte kann man an blauen Lippen / Sauerstoffmangel / fehlender Atmung erkennen. Für eine Mund zu Mund Beatmung ist in dem Kit ein „Adapter“ enthalten um nicht direkt mit dem Patienten in Kontakt zu kommen.
Die „Insite Supervised Injection Site“ ist in der 139 East Hastings Street, Position 49.28148, -123.10131 (Google Maps) www.vch.ca (Webseite)
Die lebensrettenden Narloxon Kits sind mir danach immer mal wieder in den Strassen von Vancouver aufgefallen.

Ourloam Vancouver Jesus Table
Eine weitere Hilfsorganisation ist die christliche Ourloam (Website), deren Wurzeln in Korea liegen. Ich hab sie ebenfalls in der East Hastings Street getroffen, wo sie frisch zubereitete Reisgerichte an Bedürftige verteilt haben.

SSOS Street Saviours Outreach Society
Eine weitere Hilfsorganisation ist SSOS Streetsaviours.org (Webseite) (Facebook), die drei mal pro Woche stets Nachts in den Strassen unterwegs ist. Zunächst schien es unmöglich die Arbeit dieser Gruppe zu dokumentieren, aber dann ergab sich überraschend doch eine Gelegenheit.
Die Street Saviours kritisieren vor allem den poverty tourism in Vancouver und ich stand zunächst in Verdacht, etwas ähnliches zu planen. Die Not der hilflosen Menschen wird dabei ausgenutzt, um Schockbilder zu erstellen oder um mit Youtube Videos Geld zu verdienen.
Ich hab dann argumentiert dass es für eine „erfolgreiche“ poverty tourism Kampagne naheliegender wäre, einfach tagsüber loszulegen anstatt erst umständlich einer Hilfsorganisation beizutreten. Die stets Nachts bei viel schlechteren Lichtverhältnissen und höherem Risiko unterwegs ist. Trotzdem verstehe und respektiere ich die Bedenken und mit „poverty tourism“ habe ich bei der Gelegenheit eine neue englische Redewendung gelernt.
Für die Street Saviours ist Reputation auf der Strasse und ein ungehinderter Zugang zu den Süchtigen am wichtigsten. Aktion Bilder kommen daher nicht in Frage, Fotos von Abhängigen waren mir verboten. Ich hab verstanden warum und habe mich an diese Abmachung gehalten.
Die Organisation arbeitet auf Rundgängen auch nicht mit der Polizei zusammen.
Auch in diesem Beitrag sind Bilder von Drogenabhängigen, die ich allerdings an anderen Tagen gemacht habe. Meiner Meinung nach einigermassen respektvoll. Diese Bilder (5 um genau zu sein) sind notwendig, um die Situation in der East Hastings Street zu verdeutlichen. Wesentlich mehr meiner Bilder (genau 20) dokumentieren Hilfsmassnahmen oder haben dekorativen Charakter, zeigen in der Hauptsache jedoch nicht hilflose Drogensüchtige.
Die Süchtigen Vancouvers haben oft nichts mehr. Weder eine Unterkunft, noch Einkünfte abgesehen von Staatlicher Hilfe / Sozialleistungen. Drogen sind der einzige Mittelpunkt im Leben, soziale Kontakte über die Drogenscene hinaus existieren oft nicht mehr. Die Street Saviours versuchen die Not auf nächtlichen Rundgängen mit Nahrungsmitteln, Getränken und Narcan Kits wenigstens etwas zu lindern.
Und mit einem respektvollen Umgang. Message: wir können nicht allen helfen, aber wenn wir vor Ort sind hören wir zu – und tun unmittelbar was notwendig ist.

Zusätzlich werden Artikel für den sicheren Drogenkonsum ausgegeben wie frische Spritzen oder Kits zum sicheren aufkochen von Opiaten.
Oft sitzen die Drogenabhängigen in kleinen Gruppen zusammen und bewachen sich gegenseitig. Beim nächtlichen Rundgang wurden aber auch einzelne Abhängige entdeckt, die im Drogenrausch geschlafen haben. In dem Fall beobachten die Street Saviours die schlafenden Menschen eine Weile und achten auf vital Anzeichen, eventuell blaue Lippen oder fehlende Atmung. Eingegriffen wird nicht, wenn der Drogenabhängige einfach nur schläft, selbst in einer scheinbar unbequemen Körperhaltung. In dem Fall ist alles in Ordnung, auch wenn es mir schwer fällt, das zu schreiben.
Ich hatte Zweifel, ob Drogenabhängige die teils extrem zitterig und motorisch eingeschränkt sind das Narloxon Kit korrekt einsetzen können. Das Team meinte aber, oft wären Konsumenten vor Ort die gerade nicht drauf wären und helfen könnten. Oder Passanten, notfalls. Hauptsache, das Gegengift ist überhaupt vor Ort. Ausserdem gibt es ja drei Versuche.

Alles war jedoch innerhalb von einer Stunde weg. Die Menschen hatten grossen Hunger und auch als der Wagen bereits geleert war wurde nachgefragt, ob wir noch etwas hätten. Für mich war es erschreckend zu sehen, dass wirklich jeder Cent für Drogen ausgegeben wird, offenbar jedoch fast nichts für Nahrungsmittel.
Wenn der Wagen leer ist bleiben nur Candy und Hilfsmaterial wie frische Spritzen zum verteilen. Insbesondere von Ashe & Kaylee gab es oft aufmunternde Komplimente zum Outfit der Menschen, denen wir Nachts begegnet sind. Ein sofort ansteckender Optimismus.
Grobe Schätzungen wie die der Union Gospel Mission (Webseite) gehen von mindestens 7.000 eher jedoch 10.000 Betroffenen in der Strasse aus. Das Team konnte daher nur einen sehr kleinen Teil der Bedürftigen erreichen.
Die kleine Crew setzt sich aus Freiwilligen zusammen, die nach ihrer Arbeit mithelfen. Einige Teilnehmer haben einen fachlichen, medizinischen Hintergrund. Andere helfen einfach so mit, die Stullen schmieren sich schliesslich nicht von allein.
Poverty Journalism anstatt Poverty Tourism – Journalisten der Neuen Züricher Zeitung NZZ in der East Hastings Street
Mein zweiter Abend mit den Street Saviours ist etwas anders verlaufen als der vorhergehende. Diesmal war ein zweiköpfiges Fernsehteam der Neuen Züricher Zeitung (Webseite) dabei, bestehend aus der Journalistin Nicole Krättli und dem Kameramann Till Haener. Um in den Strassen content für eine grob umrissene Reportage zu sammeln.
Meiner Meinung nach wurden damit nach aussen kommunizierte Grundsätze der Street Saviours intern missachtet.

Nur wegen dem Fernsehteam waren den Street Saviours von den Behörden Crack Pipes aus Glas zum verteilen geliefert worden. Ein Artikel, der normalerweise rar ist und streng rationiert werden muss. Nun standen plötzlich zwei randvolle Kisten damit auf dem Tisch. Ich hatte den Nachmittag über ebenfalls Crack Pipes in Vancouver aufgetrieben, was interessante Fragen an mich aufgeworfen hatte. So von Verkäufern, die sich zuvor aufgeregt über mich in einer von mir nicht unterstützten Sprache unterhalten haben.
Wenn mir jemand vor kurzen gesagt hätte, dass ich demnächst durch Vancouver kurven würde um Crackpfeifen zu kaufen – ich hätte laut aufgelacht. Aber so war es an dem Tag.
Auf unserem nächtlichen Rundgang durch East Hastings waren wir gerade dabei, Sandwiches an zwei Frauen zu verteilen – als die auf sie gerichtete riesige Kamera der NZZ von den beiden Bedürftigen entdeckt wurde. Beide haben entsetzt aufgeschrien und sich zurück gezogen. Sie fühlten sich reingelegt und waren nur schwer zu beruhigen.
Die beiden Frauen waren obdachlos, drogenabhängig, in Not und hungrig. Es lag auf der Hand, dass sie angelockt durch etwas zu essen in dieser Situation nicht gefilmt werden wollten. Zumindest nicht ohne Ankündigung und schon gar nicht so wie bei einer Tierfütterung im Zoo. Mit mehr Leuten in der Gasse hätte diese Situation völlig eskalieren können.
Auch im weiteren Verlauf von unserem Rundgang wurden immer wieder ungefragt Filmaufnahmen der Drogenabhängigen gemacht, um den Zuschauern daheim in der fernen Schweiz den „Horror auf der East Hastings Street“ nahe zu bringen.
Wenn man nichts mehr hat ausser Drogensucht und ein paar schmutzigen Fetzen auf der Haut gibt es immer noch etwas, was man verlieren kann: seine Würde an ein von Nicole Krättli angeführtes Kamerateam der Neuen Züricher Zeitung NZZ.
Was ist wahrscheinlicher ? Dass eine Sendung für das Schweizer Fernsehen über die Vancouver Drogenscene der East Hastings Street irgend etwas an der Situation ändert ? Oder dass dieser nur in Europa gezeigte Content dafür gedacht ist, die braven Schweizer Zuschauer in ihren gemütlichen Eigenheimen wohlig zu gruseln ?
Meiner Meinung nach wurden die Street Saviours als Türöffner ausgenutzt, um einen Kontakt zu den Leuten in der Downtown East Hastings herzustellen. Sie wurden schlicht als kostenlose Local Guides eingespannt. Man könnte auch sagen: als Wergwerfagenten missbraucht. Allen (bis auf zwei Personen) war klar, dass das Erlebte absolut nicht in Ordnung gewesen war.
Die Geschehnisse wurden noch vor Ort kontrovers im Team diskutiert. Während wir einem Spülwagen mit Wasser ausgewichen sind, mit dem die Stadt Vancouver Nachts versucht den beissenden Urin Gestank und Müll in den Gassen wegzuspülen. Und der Schweizer Kameramann gerade damit beschäftigt war, ein paar Ratten unter einer Mülltonne zu filmen.
Ich hab den beiden dann ernsthaft vorgeschlagen, doch einfach alleine loszuziehen um Drogenabhängige auf eigene Faust zu filmen. Das wollten Nicole Krättli und Till Haener jedoch auch nicht. Ich kenne das Ergebnis ihrer ambitionierten Filmerei noch nicht, so dass ich mir eigentlich kein Urteil erlauben kann. Möglicherweise nimmt eine Dokumentation über die Street Saviours Outreach Society im fertigen Produkt tatsächlich mehr Raum ein als gefilmte, halb verhungerte Drogenabhängige.
In meinen Augen ist es jedoch methodische Inkompetenz, Abhängige nicht einfach tagsüber nach ihrem Schicksal zu befragen anstatt Nachts unter dem Schutz einer privaten non profit Hilfsorganisation. Die für diese einmalige Aktion langfristig ihren guten Ruf unter den Bedürftigen verspielt.

Ich hab in der Nacht noch eine weitere, wichtige Beobachtung gemacht. So hatte ich einen Moment gebraucht, um mit dem Wagen voller geschmierter Sandwiches eine Bordsteinkante zu überwinden. In dem Moment war der Rest der Street Saviours (abgelenkt vom Team des Schweizer Fernsehens) ein paar Schritte weiter gezogen.
Plötzlich war ich allein umringt von etwa 10 Obdachlosen, die etwas zu essen und zu trinken haben wollten. Mir ist in dem Moment total mulmig geworden und ich war für ein paar bange Minuten auf mich allein gestellt. Dort war auch keine Strassenlaterne. Ich so, zu mir selbst: das könnte jetzt auch schief gehen mit dir und vielleicht etwas hektisch werden.
Trotzdem – und das war wirklich erstaunlich – waren die Menschen um mich herum völlig diszipliniert. Der Reihe nach hat jeder ein Sandwich, einen Snack und wer wollte einen Becher Wasser bekommen und auch nicht mehr verlangt.
Es war sichtbar genug für alle da und jeder der Obdachlosen und/oder Drogenabhängige hat geduldig auf seinen Anteil gewartet. Kein Grund zur Sorge daher. Ich hab mich rasch entspannt und einfach routiniert verteilt was benötigt wurde. Dann waren die anderen Street Saviours auch wieder umgedreht und zur Stelle.
Den Leuten einfach das zu geben was sie konkret benötigen ohne Stress zu machen oder etwas dafür zu verlangen funktioniert erstaunlich gut. Meine Erfahrung, dass die Abhängigen erstaunlich friedlich auf Hilfskräfte wie die SSOS reagieren hat sich an weiteren Abenden widerholt.
Ganz zum Schluss, da war es fast schon Mitternacht, ist das Schweizer Fernsehteam dann auf die Idee gekommen, die Abhängigen der East Hastings zunächst um Einverständnis zu bitten bevor die Kamera raus kommt. Einige der Obdachlosen wollten sich nicht äussern, andere schon.
Dabei sind tatsächlich authentische, lebhafte, sehr gute Interviews entstanden.
Wenn man als Fernsehteam in der East Hastings Street filmen will könnte es daher eine gute Vorgehensweise sein das TV Team tagsüber gut sichtbar an einer Strassenecke zu positionieren um dann jemanden loszuschicken, der die Leute einläd. Wer sich dem wartenden Team freiwillig nähert bekommt eine Gelegenheit, etwas für das Fernsehen oder Youtube zu sagen. Ganz ohne die Leute aufzuscheuchen und Nachts in den Gassen zu überfallen.
Falls sich jemand dafür interessiert, warum Journalisten in Europa das gleiche Ansehen haben wie Kredithaie, Abmahnanwälte, Prospektverteiler oder Typen die mit einem Laubbläser herumlaufen: meine Beobachtung könnte diese Frage beantworten.
Zac, der Koordinator der Street Saviours meinte später: sie hätten mich zunächst schlecht einschätzen können, weil ich einfach so aufgeschlagen wäre um sofort loszulegen. Meine bevorzugte Vorgehensweise. Aber ich hätte mich letztendlich anständiger verhalten als die beiden Journalisten von der renommierten Neuen Züricher Zeitung NZZ.
Kollege Harrison meinte, er wäre froh gewesen dass ich dabei gewesen und einiges zu dem fragwürdigen Duo von der NZZ Neue Züricher Zeitung gesagt hätte. Und er hätte mir als Abschiedsgeschenk noch eine schwarz verkohlte Crack Pfeife ins Gepäck geschmuggelt.
Humor in der East Hastings.
Von den Street Saviours hab ich zum Abschied tatsächlich mehrere Narloxon Kits erhalten, die nun im LKW mitfahren. Und ich wurde von Harrison nochmals gründlich in die Verwendung eingewiesen.

Das Carnegie Community Center in der East Hastings Street Vancouver
Mitten in der East Hastings Street mit seinen hunderten auf dem Bürgersteig dösenden Drogenabhängigen gibt es mit dem Carnegie Community Center (Google Maps) eine kleine Oase der Ruhe und Hoffnung. Im Gemeindezentrum befindet sich eine Bücherei, WiFi Internet, saubere Waschräume, sichere Ruhemöglichkeiten und eine kleine Kantine.

Man speist mit etwas wilden Leuten dort, aber das Klima ist angenehm. Ich bin vermutlich der einzige, dem aufgefallen ist dass kein Plastik Einweggeschirr & Besteck verwendet wurde. Geradezu nobel, für Kanada.
Und ich war dort garantiert zu 100% der einzige deutsche Tourist – im gesamten Monat, was im Grunde etwas schade ist.
Besonders ist mir die Tresen Chefin Christie in Erinnerung geblieben ! Ich war zunächst unsicher, ob ich überhaupt berechtigt für eine so günstige Mittagsmahlzeit bin. Diese Sorge hat sie schnell ausgeräumt und auch so dafür gesorgt, dass sich jeder Gast, der im Sozialzentrum etwas essen möchte, wohl und willkommen fühlt. Egal in welchem Zustand man dort hinkommt.
Für 10$ pro Tag kann man dort ein Frühstück, Mittagessen und Abendbrot bekommen. Zugegeben mit Abstrichen beim Ambiente, aber die Qualität reicht locker an ein kleines Restaurant heran.
Bei meinem zweiten Besuch hatten sich am Freitag Nachmittag in der Kantine lokale Künstler versammelt. Mitten in diesem völlig chaotischen, in Drogen und Elend versinkenden Stadtteil Vancouvers gibt es eine aktive Künstler Community, die sich zum zeichnen trifft.


Ich hab mich dann spontan selber als Motiv zur Verfügung gestellt. Wenn ich es recht überlege, bin ich zuvor noch nie in meinem Leben gezeichnet worden. Nun gleich drei, vier mal ? Und das mitten in East Hastings …?

Zwischendurch wurden wir unterbrochen, weil jemand Geld brauchte oder einer der Gäste im Speisesaal grundlos am fluchen war oder etwas verschüttet wurde. Trotzdem war dort spontan eine Insel der Ruhe, Kultur, Konzentration und Kontemplation entstanden.
So wie sich schneeweisse, scharfkantige Eiskristalle auf einer schmutzigen Pfütze bilden können.
Community Garden in der 769 East Hastings Street

Dieser Stadtgarten wird von den First Nations der Uya’am Gaak betrieben und bietet den Bewohnern die Möglichkeit, sich teilweise selbst zu versorgen.
Das Anlegen von einem Garten fördert durch körperliche Betätigung die Gesundheit, sorgt für Entspannung, Ablenkung und stärkt durch die Arbeit an der frischen Luft die Muskeln und das Immunsystem. Etwas durch eigene Hand aufwachsen zu sehen und die Arbeit in einer Gemeinschaft hat einen unbestrittenen, positiven Effekt auf die Psyche.
Watari 320 Sozialzentrum, 320 Alexanderstreet Vancouver

Kristin Kozuback, die Leiterin vom Watari Sozialzentrum hatte spontan ein paar Minuten Zeit für mich. Und das obwohl sie alle Hände voll damit zu tun hat, das kleine Gemeindezentrum durch den Tag zu manövrieren.
Das Watari 320 hilft den Obdachlosen an diesem Standort seit 2019 durch eine wöchentliche Lebensmitteltafel, eine Kantine mit gratis Mahlzeiten, einer Kleiderkammer und einer Wäscherei. Es gibt Duschen, die pro Tagesschicht von bis zu 30 Personen in Anspruch genommen werden. Darüber hinaus bietet das Zentrum eine Vermittlung sowohl von Entzugsstellen als auch rechtlicher Beratung.
Mit Kristin hatte ich ein sehr aufschlussreiches Gespräch darüber, wie Drogensucht zu stande kommt. Sie meint, dass ca 40% aller männlichen Obdachlosen / Drogenabhängigen in ihrem Zentrum durch Arbeitsunfälle oder allgemeine Unfälle drogenabhängig geworden sind.
Ein typischer Einstieg ist das Verschreiben von Oxycodon durch Ärzte. Einem starten Schmerzmittel und nach kurzer Zeit abhängig machenden Opiat.
Watari 320 in der 320 Alexander Street Vancouver (Webseite) Koordinaten: 49.28400,-123.09818 (Google Maps)
Drogen & Drogensumpf East Hastings Street, Downtown
Erstaunlicherweise fand ich es mitten im Drogensumpf der East Hastings einerseits extrem krass, komischerweise jedoch auch irgendwie friedlich. Das soll nicht darüber hinweg täuschen, dass Drogenabhängige absolut nichts mehr zu verlieren haben. Wer auf Drogen angewiesen ist begeht selbstverständlich Straftaten und wird auch vor Gewalt nicht zurück schrecken. Aber den meisten Drogenabhängigen geht es einfach nur völlig elend und sie sitzen apathisch im Dreck auf der Strasse.
Aber es gab tatsächlich spassige Momente, kaum vorstellbar in all dem Elend. So hab ich an einem weiteren Tag in der Canegie Kantine mit einem Typ zusammen gesessen, der mir lang und breit erklärt hat was ihm in DTES schon alles geklaut worden wäre. Um mich im nächsten Satz darauf hinzuweisen, dass ihm das Ringelschloss von meinem eRoller lächerlich simpel vorkäme und er könne das in unter 20 Sekunden aufmachen.
Beim nächtlichen Rundgang mit den Street Saviours sind wir auf ein Pärchen gestossen, was unter freiem Himmel auf einer Matratze lag und sich unter einer dünnen Stoffdecke versteckt hat. Sie wollten nicht raus kommen, was okay war und wir haben uns durch die Stoffdecke hindurch unterhalten und gefragt, was sie brauchen. Neben Sandwiches und Jogout wollten sie ein paar Kondome haben. Das haben wir wie gewünscht auf der Schaumstoff Matratze abgelegt.
Den meisten Schwerstabhängigen geht es jedoch sehr schlecht. Typisch ist, einfach nur auf dem völlig verdreckten Bürgersteig zwischen Urinpfützen vor sich hin zu dösen. Manche wandern benommen herum. Eingefallene Münder und stark gealterte Gesichter sieht man oft. Methamphetamin hat die schädliche Nebenwirkung, dass die Zähne krank werden und ausfallen. Insbesondere Frauen kaschieren das gern mit einer Corona Gesichts Maske. Wer hätte gedacht, dass Corona mal für solch einen akzeptierten Modetrend sorgen würde.
Originell war auch ein angetrunkener Schwarzer der uns allen ernstes verklagen wollte weil wir Kondome verteilt haben.
Oft beobachtet habe ich Hautentzündungen und Süchtige, die sich ständig überall kratzen.

Ein Ausweg scheint mir nur schwer möglich zu sein. Therapieplätze sind praktisch unbezahlbar und rar.
Ich hab abschliessend noch die Einnahmen und Ausgaben für Drogenabhängige in Kanada, speziell East Hastings Vancouver recherchiert. So beträgt die staatliche Fürsorge zwischen 500$ – 750$ (Kanadische Dollar). Denen stehen jedoch sehr hohe Mitpreise z.B. für ein WG Zimmer gegenüber, die in akzeptablen Wohnvierteln zwischen 800$ – 1500$ liegen. In der Downtown Eastside sicherlich weniger.
Ich hatte tatsächlich die Nerven Drogenabhängige der Downtown East Hastings zu fragen, wie viel Geld sie pro Monat für Drogen (Fentanyl, Meth) benötigen. Antwort: zwischen 1000 – 1500$. Es gibt daher eine erhebliche Lücke zwischen staatlicher Hilfe und den Drogenkosten, die mit prekärer Arbeit und Kriminalität gefüllt werden muss.
Es mag absurd klingen, aber Drogen sorgen zynischerweise für eine Tagesstruktur. Drogen sind eine Aufgabe fürs Leben und Vollzeitjob zugleich.
Die Droge sagt dir, wann du aufstehen musst und was du zu tun hast um sie zu beschaffen. Egal wie und egal mit welchem persönlichen Risiko. Abhängige sind damit zu den unmöglichsten Dienstleistungen fähig.
Optiate helfen über jede Art von Schmerzen hinweg, die einen normalerweise ins Bett zwingen würden. Stoffe wie Methamphetamin haben zudem die Eigenschaft, Hunger und Kältegefühle zu dämpfen. Unter Drogen funktioniert der menschliche Körper schmerzfrei ohne Ruhepausen selbst unter extremen, tödlichen Verschleiss. Konsequenz ist rascher, körperlicher Verfall und die Möglichkeit einer drogeninduzierten Schizophrenie.

Es gibt keinen Urlaub von der Droge, keine Auszeit und selten einen Weg zurück. Die Droge kümmern sich nicht darum, wer du bist oder wo du herkommst. Veränderungen im Gehirn so zum Beispiel vom Belohnungszentrum (Wikipedia) sind irreversibel, der Drogenrausch ist dann die einzige Möglichkeit, diesen teuflischen Mechanismus zufrieden zu stellen. Ein Drogenabhängiger hat daher keine Freude mehr an gutem Essen, Familie oder einem abwechslungsreichen, erfüllten Leben. Sondern nur noch an: der Droge. Ein kaum zu brechender Fluch.
Für viele Abhängige, die körperlich völlig am Ende sind ist eine Überdosis mangels Alternativen dann der einzige technisch darstellbare Ausweg. Oder: Zwang, wie der einer Strafanstalt.
Ob dieser Artikel mit einer Beschreibung der Zustände in Vancouver möglicherweise hilft, es zumindest in Europa gar nicht erst soweit kommen zu lassen ? Ich hoffe es aufrichtig.
Problematisch ist an der Stelle jedoch, dass Fentanyl unkompliziert in der Herstellung ist. Anders als bei Heroin müssen nicht erst irgendwelche Blumen gepflanzt und mühsam das austretenden Harz gesammelt werden, was dann auch noch verderblich ist und rasch weiter verarbeitet werden muss. Oder es kommen Käfer und fressen die Blumen. Statt dessen reichen ein paar billige, chemische Grundstoffe und die Kenntnisse von einem Chemiestudenten. 100x stärker, zu einem Bruchteil vom Preis.
Daher ist meine Befürchtung vermutlich berechtigt, dass wir in Europa ebenfalls eine Opioid Kriese bekommen werden mit Zuständen wie in Vancouver.
Was mir persönlich allerdings auch klar ist: ich hab die Situation vor Ort in Vancouver nur punktuell betrachten können, als Momentaufnahme. Ich bin weiter gekommen als andere, habe aber nur an der Oberfläche gekratzt. Mir fehlen wirklich extrem viele Hintergrund Informationen über die gesamte Lage vor Ort oder Drogensucht überhaupt. So zum Beispiel, welche Mechanismen eine wirkungsvolle Bekämpfung verhindern und welche Entwicklung die Drogenscene in Vancouver in alle den Jahren genommen hat.
Eine sehr umfangreiche Quelle ist dazu die englische Wikipedia, hier ein Artikel zu East Hastings Downtown
Interessant war an der Stelle ein Interview, was ich mit der Besatzung von einem Krankenwagen geführt hab. Ich wollte wissen, was der typische Einstieg in eine East Hastings Street Drogenkarriere ist. Drei zumindest begünstigende Faktoren wurden mir genannt.
Erstens: familiäre Schwierigkeiten, insbesondere Armut in entwurzelten Familien der First Nations / Indianer. Es sind jedoch alle Gesellschaftsschichten betroffen.
Zweitens: bei Verletzungen gab es Medikamente wie Oxycodon zunächst auf Rezept, was eine Opiat Abhängigkeit verursacht hat. Danach sind die eigentlich völlig gesunden Menschen auf Opiate vom Strassenmarkt umgestiegen und schwerstabhängig geworden. Der bürgerliche Weg von gelegentlichen Traditionsdrogen wie Alkohol & Tabak hin zu harten Drogen vom Schwarzmarkt. Sogar inklusive Krankenversicherung.
Drittens: Langeweile, Perspektivlosigkeit, falsche Freunde und Experimentierlust bei Jugendlichen.
Diese Angaben wurden später in weiteren Interviews mehr oder weniger bestätigt.
Mir ist später beim Schreiben aufgefallen, dass ich und die beiden Sanitäter uns völlig ungezwungen mitten zwischen den Drogenabhängigen über Drogensucht unterhalten haben. So als wären die gar nicht da. Ein wenig so wie sich ein Landwirt mit einem Tierarzt zwischen seinen Kühen über Viehzucht unterhalten würde. Darüber hab ich mich später ein klein wenig über mich selbst geärgert.
Aber vielleicht war es einfach menschlich, die Umgebung der East Hastings Street in der Situation nicht an sich ranzulassen und so im Gespräch unter Nicht-Drogenabhängigen Vertraulichkeit zu schaffen.
Insgesamt begünstigend für Vancouver ist, dass die Winter milde ausfallen und Obdachlosigkeit daher weniger riskant ist. Zunehmend kritisch dürfe sich für Bettler auswirken, dass kaum noch jemand Bargeld verwendet.

Sehr symbolisch ! Eine Demo für Drogen und ein Weg, der einem ein High verpasst. Aber ohne Ziel. Dann kommt der Absturz …
Geradezu deprimierend war ein Gespräch, was ich mit einem (total netten) Polizisten geführt hab der von einem nicht gekennzeichneten Polizeiauto aus die Touristen neben der Steam Clock beobachtet hat. Er meinte: Fentaly wäre bereits stark genug um allein durch Hautkontakt bei einem nicht Süchtigen eine tödliche Überdosierung auszulösen. Aber nun würden sie vermehrt Carfentanyl (Wikipedia) in den Strassen sehen. Fentanyl für Elefanten und Nashörner.
Das wäre noch 100x stärker als das langweilige old style Fentanyl – und unter den Bedingungen der East Hastings hinsichtlich einer Überdosierung kaum zu handeln.

Ich finde, den Kampf gegen Drogen kann man doch nicht Krieg nennen. Ein Krieg geht irgendwann zu Ende.
Gibt es eine Lösung für die harte Drogen Scenen wie die in Vancouver ?
Über die teils erstaunlichen Hilfsangebote und sehr engagierten Projekte in der East Hastings Street habe ich hier ausführlich berichtet. Von unglaublich lieben, hilfsbereiten, warmherzigen und besorgten Menschen die alles unternehmen, um die Not zu lindern.
Zur bitteren Wahrheit gehört jedoch auch, dass eine signifikante Verbesserung seit Jahren nicht in Sicht ist, soweit ich es recherchiert habe. Ähnlich ist es in Deutschland, zum Beispiel in der Bahnhofsgegend in Frankfurt oder auch in meiner Heimatstadt Hannover. Hinter dem Hauptbahnhof der Verspätungsbahn.
Was ich in dem Zusammenhang absurd finde ist die Tatsache, dass abhängig machende Drogen wie Tabak und Alkohol problemlos im Supermarkt erhältlich sind. Genauso körperlich abhängig machende Opiate wie Fentanyl oder Oxycodon sind jedoch nicht frei erhältlich. Praktisch nur auf dem Schwarzmarkt.
Der Chef einer Bier Brauerei ist ein von der Gesellschaft geschätzter, anerkannter, erfolgreicher Geschäftsmann. Der zum Ende seiner geschäftlichen Laufbahn (während der er praktisch die ganze Zeit über Leichen von Alkohol Kranken hinweg stapfen musste) für irgend ein soziales Engagement auch noch das Bundesverdienstkreuz kriegt.
(Beispiel: Michael Weiss, Löwenbräu. Otto Guthier ausdrücklich für „sein Lebenswerk im Weinbau“ oder Gunter Endress der Brauerei Endress)

Dagegen zählt ein Dealer von Opiaten der im Grunde exakt das gleiche macht – in der alternativen Wirtschaft – hierzulande zu den Berufskriminellen. Ihm droht Knast und selbstredend gibt es zur Rente (sofern erreicht) kein Bundesverdienstkreuz umgehängt.
Offenbar bin ich der einzige, der das merkwürdig findet.
Eine Lösung könnte daher darin bestehen, den Süchtigen das Zeug was sie brauchen einfach zu geben – und damit hat es sich. Oder es im Supermarkt zu einem vernünftigen Preis zu verkaufen. Im gleichen Regal, wo auch Reemtsma Zigaretten, Pillen, Vapes, Löwenbräu Bier, Schnaps und Otto Guthiers Wein ist.
Jegliche Form der Beschaffungskriminalität oder Prostitution würde man damit sofort eliminieren und die munter herumkurvenden Fentanyl Dealer auf ihren eBikes müssten sich eine andere Beschäftigung suchen. Pizza ausliefern zum Beispiel. Meiner Meinung nach wäre das glatt bezahlbar. 1.000$ pro Monat für Drogen wären bei 10.000 Süchtigen 10 Millionen $ im Monat, das geht echt.
Kriege werden immer wirtschaftlich gewonnen, bis dem Gegner keine Ressourcen mehr zur Verfügung stehen um zu gewinnen oder um den Konflikt am laufen zu halten. Nicht anders ist es meiner Meinung nach mit den Drogen, denen man wirtschaftlich den Kampf ansagen müsste.
Zwang, Verbote und Kontrollen haben sich als weitestgehend erfolglos erwiesen.
Hilfreich wäre die gesellschaftliche Einsicht, dass sich manche Menschen nun mal leider ungesund verhalten. Sei es durch Magersucht, Alkohol, Tabak, Tablettensucht, Kokain, Opiaten oder (ganz simpel) durch viel zu viel Essen. Dicke werden akzeptiert und sogar Leute die sich in Thailand beim sorglosen herumvögeln HIV geholt haben bekommen eine extrem teure Therapie. Auf kosten der Allgemeinheit. Warum nicht auch für Leute die genau so ungesund leben und harte Drogen konsumieren ?
Gebt den Abhängigen das verfluchte Scheiss Zeug einfach und wir sind einen Haufen Sorgen los und sparen wahrscheinlich auch noch eine Menge Geld.
Als Reisender zwischen Arm und Reich
Ich hab zum Abschluss noch ein Bild, was zwar nicht aus Vancouver stammt, aber den Kontrast zwischen Arm und Reich nicht besser hätte auf dem Punkt bringen können. Und es zeigt unsere geradezu rücksichtslose Gleichgültigkeit gegenüber Ausgestossenen.
Das Bild zeigt eine möchtegern schick angezogene Frau, die in High Heels vor einer Louis Vuitton Filiale für ein Foto posiert. Neben ihr liegt eine ignorierte, bettelnde Person. Das Bild hat Mia in Paris gemacht, die Aufnahme ist brillant.
In Betracht ziehen muss man leider eine bettelnde Person, die nicht wirklich in Not ist sondern einer organisierten Gruppe angehört. Trotzdem hat das Bild eine Symbolkraft, die einen einfach nur umhaut.

(Jubiläum: das hier ist Artikel Nr. 400 in meinem Blog ! Die anderen 399 Artikel sind auch gut, viel Spass beim schmökern. Neuer Meilenstein erreicht im Mai 2026)
Wenn du Wirkung erreichen willst, müsstest du deine Artikel vielleicht doch mal einer Zeitung anbieten!!