Hexenschuss – Instant Heilung in unter 6 Stunden

Ein Hexenschuss, medizinisch Lumbago, ist eine Muskelverpannung die man sich einhandelt, wenn man den Rücken verdreht, falsch bewegt oder belastet. Seltener: die Wirbelsäule hat einen Knacks. Bei mir ist es so, daß ich die Quittung immer am nächsten Tag bekomme, daher wenn ich am Vortag Motorteile geschleppt  oder schwere Kisten im Lager umgeräumt hab.

So auch letztes Jahr im Sommer: locker 6 Wochen lang bin ich in verdrehter Schonhaltung krumm herum gelaufen, um den höllischen Rückenschmerzen zu entgehen. Mal schlimmer, Mal etwas besser. Letztendlich wurde es erst nach einer  mehrmaligen Behandlung mit Wärme und Elektrostimulation besser. Ausserdem Schmerzmitteln, die dafür sorgen, daß man die verspannte Rückenmuskulatur trotzdem bewegt und diese sich wieder lockert.

Herbst 2018 hab ich auf Wangerooge (ich liebe die letzten warmen Herbst Tage an der Nordsee) den Fehler gemacht, mit ganz dicken Socken, zu engen Schuhen und schwer bepackt lange Wanderungen zu machen. Dazu kam das stundenlange Schwenken von einem Metallsuchgerät am Strand. Aus einem leichten ziehen in der Hüfte wurde am nächsten Tag der bislang beste
Hexenschuss meines Lebens. Ich bin überzeugt davon, daß mir nichts passiert wäre, wenn ich komplett barfuss unterwegs gewesen wäre, aber für solche Überlegungen war es nun zu spät.

So lag ich am Tag vor der Abreise in der Ferienwohnung, und das im wörtlichen Sinne. Die Schmerzen im Rücken waren von der Hüfte nach oben gewandert und auszuhalten war es nur noch liegend auf dem Boden. Aufrichten war nicht mehr, die Schmerzen waren deutlich oberhalb meiner Schmerzgrenze und gingen in Richtung: dir bohrt jemand eine brennende Magnesiumfackel in den Rücken und drückt zusätzlich Natodraht rein. Ich angelte nach meinem Handy und rief die Rettungszentrale.

Was dann passierte war in der Kurzform folgendes: die beiden Rettungssanitäter verpassten mir einen Zugang in der Vena basilica der Ellenbeuge. Der inzwischen ebenfalls erschienene Notarzt verpasste mir drei Spritzen. Die Schmerzen verschwanden. Ich konnte (etwas wackelig) endlich wieder aufs Klo und fand, daß es anschließend Zeit für ein Nickerchen wäre. Das Rettungsteam sah es ähnlich, die Idee wurde gut geheißen. Der Arzt verschrieb noch Ibuprofen 600 und verabschiedete sich ebenfalls.

Ein paar Stunden später, so gegen 18:00h wachte ich auf und war geheilt.

Komplett.

Wir waren eigentlich mit zwei befreundeten Familien auf Wangerooge, es war mir wichtig, am letzten Abend beim gemeinsamen Abschiedsessen dabei zu sein. Ich marschierte (vorsichtshalber barfuss) komplett durch den Ort zu unserem Ferien-Abschieds-Treffen ins Restaurant und bestellte mir eine Hühnersuppe. „Hey, chris lebt ja wieder“.

Frage: wie hatte der Notarzt den besten Hexenschuss der Welt in unter 6 Stunden beseitigt ? Und zwar nachhaltig, ich schreibe dies zwei Wochen später und bin nach wie vor frei von Beschwerden. Mein Hausarzt hatte für eine nicht Mal halb so gute Version von einem Hexenschuss 6 Wochen gebraucht – oder es hatte sich eventuell sogar von alleine geheilt.

Zeit für Nachforschungen. Ich ließ mich am kommenden Vormittag in der Praxis blicken, um den Notarzt für sein Werk zu loben und um rauszukriegen, was er mir gegeben hatte. Gedanke: genau sowas sollte man dabei haben, wenn man im Ausland offroad unterwegs ist und mitten in der Wüste gerade seinen LKW aus dem Sand gebuddelt hat.

Auf den ostfriesischen Inseln, wo teilweise genau ein Schiff pro Tag fährt, ist es jedenfalls so, daß es bei ernsten, medizinischen Problemen nur zwei Optionen gibt. Erste Option: der Patent wird nach Wilhelmshaven oder Wittmund ausgeflogen. Zweite Option: der Arzt kriegt es hin. In meinem Fall mit sehr wirksamen Medikamenten. Auf Wangerooge haben sie dafür unübersehbar einen extrem fähigen Profi. Eine Dauerlösung für „Rückenprobleme“ ist das natürlich nicht, es besteht garantiert ein Abhängigkeitpotential und einen Drogentest würde ich in der nächsten Zeit vermutlich vergeigen. Und die Frage, wie man legal Opioide wie Piritramid bekommt und zusätzlich noch ins Ausland mitnehmen kann stellt sich ausserdem.

Die Medikamente waren jedenfalls:

Vergentan, intravenös, ein Mittel gegen Erbrechen als Vorbereitung für das Schmerzmittel

Piritramid-Hameln, intravenös, ein Opioid. Davon wurde immer nur etwas gespritzt und dann einige Minuten gewartet. Zum Schluss war bei mir die Ampulle leer, aber dafür spürte ich keine Schmerzen mehr.

Tramal-Diazepam, intra muskulär rechts in die Hüfte. Das ist ein Beruhigungsmittel, es sorgt ausserdem für Muskelentspannung.

Die Nachbehandlung erfolgt dann mit Ibuprofen 600, die haben bei dieser  Dosierung allerdings Nebenwirkungen, von denen man wissen sollte. Das sind  am ehesten noch Darmblutungen / schwarzer Stuhl und Ibu 600 dürfen auf gar keinen Fall gleichzeitig mit Asperin genommen werden. Ich hab (eher vorsichtshalber) 4 Tabletten verteilt auf 2 Tagen genommen.

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