ANYOX. In der Kupfer & Goldmine 20km vor Alaska

Abgelegener geht es kaum. Ich bin in Anyox unterwegs, einer einstigen Kupfer und Goldminenstadt mit ehemals über 3000 Bewohner. Der Ort ist nur mit dem Boot zu erreichen und zusammen mit seinem Nachbarort Kitsault offiziell für Besucher gesperrt. Mir war es jedoch gelungen, in Gingolx / Kincolith einen Fischer zu engagieren, der mich für einen Tag dort rausgefahren hat.

Mit nur 6 Stunden hatte ich nicht viel Zeit. Highlights wie den aufgegebenen Friedhof hab ich daher verpasst. Aber: ich bin raus in die Berge zum Staudamm gelangt. Ein architektonisches & industrielles Meisterwerk, woran ich mich für immer erinnern werde. Errichtet um 1920 herum, mitten im Nirgendwo.

Staudamm von Anyox BC
Der Staudamm von Anyox

Reise nach Anyox, 20km vor der Wildnis Alaskas

Nach Anyox zu gelangen ist bereits das erste Abenteuer. Im Grunde ist der Ort nur mit einem eigenen Boot erreichbar. Ich hatte mich daher einen Tag lang in dem kleinen Fischerort Gingolx (oder auch Kincolith) umgehört. Wer denn wohl bereit wäre, mich nach Anyox zu schippern. Tatsächlich meine ein Fischer, er hätte ein Boot und würde den Tagestrip mit mir machen.

Unterwegs mit Larry Stevens aus Gingolx
An Bord der Free Willy von Larry Stevens – und tatsächlich auf dem Weg nach Anyox.

Larry ist Fischer und stellt für gewöhnlich dem Heilbutt nach. Seine Familie zählt zu den Ureinwohnern Nordkanadas. Obwohl er über 70 ist zieht es ihn nach wie vor raus aufs Meer. Sei es zum fischen, um Hochseeangler raus in die Jagdgründe des Nordpazifiks zu fahren oder um Touristen wie mich herumzuschippern.

Ich hab später erfahren, dass mein Besuch möglicherweise eine extrem seltene Ausnahme gewesen ist. Anyox wurde früher zusammen mit Kitsault durch Northern BC Jet Boat Tours besucht. Dem einzigen Anbieter überhaupt, der eine mehrtägige Abenteuertour von diesem Kaliber im Programm hatte. Aber nach Streitigkeiten wegen mitgebrachter Youtube Teams und Leuten mit Metallsuchern waren dem Anbieter weitere Touren untersagt.

Dazu kommt, dass Anyox zwar eine Ghosttown ist, aber nicht vollständig verlassen wurde.

Anleger für Schiffe der Mine in Anyox
Anyox ist aktuell eine aktive Mine. Dort werden im Jahr 2026 die Tailings der vor rund 90 Jahren geschlossenen Kupfermine aufgearbeitet. Vor Ort war ein Hotelschiff, um die Arbeiter zu beherbergen. Ich hab spontan mitgeholfen, Vorräte aus dem kleinen Tender Boot in das „Flotel“ zu schleppen.
Aktive Mine in Anyox in der abrasives Granulat abgebaut wird
Die Schlacke Rückstände bestehen aus einem scharfkantigen Granulat, es fühlt sich ein wenig wie Vulkanasche an.

Dieses Granulat lässt sich zu abrasiven Sandstrahlmitteln weiter verarbeiten. Soweit ich es gesehen hab wird in der Mine vorbildlich gearbeitet. Offensichtliche Umweltschäden hinterlässt der Abbau der Minen Tailings daher nicht – eher im Gegenteil.

Unterwegs mit Swede dem caretaker in Anyox
Swede, der Minenmanager und Caretaker in Anyox hat mich etwas herumgefahren. Ich habe selten einen so liebenswürdigen und hilfsbereiten Menschen kennen gelernt.

Ich war dort sofort willkommen und später hat mir Swede sogar ein Quad als „Taxi“ in die Berge geschickt, damit ich auf dem Rückweg vom Damm nicht so weit laufen muss.

Generatoren Halle in Anyox
In der Generator Halle von Anyox. Hier wurde das Wasser aus dem Staudamm durch Turbinen geleitet und in elektrische Energie verwandelt.
Alte Schaufelräder einer Turbine
Eindeutig Schaufelräder aus einer mit Wasser betriebenen Turbine.
Generator Gehäuse in Anyox
Turbine oder eventuell Teil von einem Generator.
Rostige Metallhaube in einer aufgegebenen Industriehalle Anyox
Rostiger Kessel mit Nieten
Als die Mine im Jahr 1935 geschlossen wurde wurden alle wichtigen Maschinen entfernt. Auch die Elektrolokomotiven und die Schienen wurden verkauft oder abgebaut.

Das Schicksal hat leider auch das Kraftwerk in Anyox getroffen, so dass dort nur noch charmant vor sich hinrostende Reste zu entdecken sind.

Rostiges Antriebrad und Zahnräder

Praktisch alle Häuser sind in den Jahren 1942 und 1943 Feuern zum Oper gefallen, nachdem die Mine im Jahr 1935 die Förderung eingestellt hat. Vieles ist dem Zahn der Zeit zum Opfer gefallen, die Industrieanagen wurden abgebaut, geplündert oder einfach sich selbst überlassen.

Vier rostige Metallblöcke in der Maschinenhalle von Anyox
Hab leider nicht rausgefunden, welche Funktion diese Blöcke einmal gehabt haben.
Ehemalige Maschinenhalle in Anyox
Eine leicht erhöhte Sicht auf die Maschinenhalle, die ich mit der Drohne gemacht hab.
Drohnen Bild Hydrodamm Anyox

Der Damm hat allerdings überdauert und ist natürlich ein absolutes Highlight, wenn man in Anyox ist. Diese filigrane Konstruktion wurde durch den Betonbau Pionier John S Eastwood (Wikipedia EN) im Jahr 1920 errichtet. Als Besonderheit konnte dieser Damm durch diese Fächerbauweise mit signifikant weniger Beton gebaut werden als zur damaligen Zeit üblich.

Möglich war das jedoch nur, weil der Felsuntergrund eine stabile Basis für den Betonbogendamm bilden konnte.

Die Fächer aus Beton vom Hydrodamm in Anyox
Als die Produktion der Mine 1935 eingestellt wurde und keine Aufsicht über die Anlage mehr möglich war wurden mehrere Löcher in den Damm gesprengt, um das Wasser direkt hindurch zu leiten.

Ironischerweise hat diese Massnahme den Damm vor weiterer Zerstörung bewahrt.

Damm in Anyox
Heute fliesst das Wasser daher ungenutzt durch den Damm. Eine Reaktivierung wäre mit einem gewissen Aufwand verbunden, aber durchaus vorstellbar.
Steuerventile vom Hydrodamm Anyox
Steuerventile, auf dem Damm.
Verrostete Dampflokomotive in Anyox
In einem Sumpfgebiet steht eine alte, ausgediente Dampflokomotive. Vermutlich war diese Eisenbahn am Bau vom Staudamm beteiligt.

Sie steht nicht weit entfernt vom eigentlichen Staudamm, der selbst rund 4km von Anyox entfernt ist. Hier oben gab es keine Bergwerkschächte und eine Dampflokomotive wäre dort auch nicht sinnvoll gewesen.

Blau angelaufene Messing Ventile einer alten Dampflokomotive
Ein Detail der Dampfanlage, blau angelaufen.
Blick nach hinten aus einem schnellen Motorboot
Blick zurück. Wenn das Wetter gut ist und kein Wind herrscht ist man etwa 1,5h unterwegs.

Mein Besuch war leider nur kurz. Sechs Stunden ! Nur so wenig Zeit zu haben, um diesen ungewöhnlichen Lost Place zu erkunden hat mich wirklich geschmerzt. Ausserdem konnte ich mir nicht wirklich Mühe mit den Bildern geben.

Aber der Tag mit Larry Stevens war rum und so bin ich schweren Herzes in sein Boot geklettert, um zurück nach Kincolith gebracht zu werden.

Verfallenes Fabrikgebäude mit Schornstein in Anyox
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