Südliches Alberta, das klingt so wie südliche Arktis und fast genau so verlassen ist diese Prärie Landschaft an der Grenze zu Montana / USA auch. Ländlich geprägt, mit kilometerlangen Feldern bis zum Horizont, gelegentlich unterbrochen durch kleine Siedlungen. Eine super Gegend, um einen Getriebeschaden zu reparieren – aber der Reihe nach …
ZF Getriebeprobleme ! Das war praktisch die Geburtsstunde von diesem Internet Blog als ich damit begonnen habe, über den DAF T244, seine Technik, ersten Ausflügen mit dem LKW und notwendige Reparaturen zu schreiben. Ein damals von einem cholerischen Lebenskünstler erworbenes schrottreifes ZF Getriebe (Story dazu) für den DAF T244 musste nicht nur teuer instand gesetzt, sondern im Laufe meiner Reisen immer mal wieder aufgepäppelt werden. Immerhin hat es bislang rund 120.000km gehalten.
In Alberta wurden die Probleme damit jedoch unübersehbar. Neben klonkenden Laufgeräuschen im Leerlauf und einem immer wieder fest hängenden Rückwärtsgang hatte ich nach weniger als 10.000 km komplett schwarzes, verbranntes Öl im Getriebe so dass mir klar war: nun muss dringend etwas geschehen.
Beim erneuten Öl Einkauf für das Getriebe im südlichen Alberta und der Suche nach einer Gelegenheit, sowohl das Öl selber zu tauschen als auch zu entsorgen bin ich auf die kleine „TruckPro“ Werkstatt in Taber gestossen.
Dort sassen drei Mechaniker an einem Tisch und meinten, sie hätten gerade nicht besonders viel zu tun. Würden sich jedoch zutrauen, das ZF aufzumachen und nach Fehlern zu suchen.
Das fand ich bemerkenswert, wahrlich speziell. Bislang hatten es in Kanada mehrere Werkstätten schlichtweg abgelehnt, sich mit meinem europäischen ZF Getriebe zu beschäftigen. Keine Teile, keine Erfahrung, nicht das nötige Werkzeug. Ich hab daher spontan zugesagt und das kleine Team hat noch in der selben Stunde damit begonnen, das Getriebe auszubauen und zu untersuchen.

Der Motor muss an einer Kette abgehängt werden, da er sich die Aufhängung mit dem Getriebe teilt. „Wie bei MACK“ war der Kommentar der Mechaniker dazu.
Tatsächlich ist es keine komplett dumme Idee, notwendige LKW Reparaturen in Kanada machen zu lassen.
Die Arbeitskosten sind günstiger als in den USA, dabei hilft auch der starke Euro. Der Versand von Ersatzteilen aus Europa ist mit FedEx / UPS unproblematisch und inklusive der Zoll Verzögerung innerhalb von einer Woche machbar. In den USA sind Importe aus Europa dagegen zur Herausforderung geworden und die Arbeitskosten höher. In Mexiko hätte man die mit Abstand günstigsten Arbeitslöhne, aber der Import von Ersatzteilen kann zur Geduldsprobe werden.
Wartezeiten von bis zu einem Monat sind beim mexikanischen Zoll durchaus möglich.





Ich hab eine Ersatzteil Liste erstellt und angefangen alles in Europa zu bestellen. Die Stück für Stück eintreffenden Bestellungen wurden zunächst in Hannover gesammelt.
Meine erste Woche in Taber, südliches Alberta

In der Hoffnung, dass der Winter noch etwas auf sich warten lässt – und dass die Ersatzteile im Gegenzug dafür nicht allzu lange auf sich warten lassen.

Problematisch sind auch die ganzen Fliegen, die dort rausgekrabbelt kommen.

Was ich tatsächlich ein klein wenig beunruhigend finde ist die Tatsache, dass hier kein Bus oder sowas fährt. Hier ist eine Bahnlinie, aber nur für Güterzüge die stets mit lautem Tuten durchrollen.
Ohne Auto kommt man aus Taber tatsächlich nicht mehr weg. Ergänzend dazu gibt es in Taber selbst keine Autovermietung. Die nächste wäre in Lethbridge, dort kommt man jedoch nur mit –> einem Auto hin.




Taber war tatsächlich Anlass, dem immer wieder reparierten und aufgepäppelten Scooter doch noch ein Upgrade zu verpassen, um unterwegs ein rasches Nachladen auf wenigstens 80% zu ermöglichen.

Abendstimmung in Taber, Alberta, einer 1-Tims Town.
(1-Tims: wenn die Stadt nur einen Tim Hortons hat. 3-Tims: schon besser)

Gestrandet, aber immerhin hält sich das Wetter, es gibt einen Walmart, viele Restaurants, eine Münzwäscherei, etwas weiter draussen ist ein Campingplatz mit einer gratis warmen Dusche.
Abgesehen von den gelegentlich tutenden Zügen ist es im Hinterhof der Werkstatt sehr ruhig.



Gestrandet in Taber, zweite Woche

Erst haben sie gelacht: „das ist doch ein prima Fischteich, den du da hast“. Aber dann haben sie mir doch geholfen. Beim DAF T244 ist Abschleppen einfach: die Druckluftanlage wird über den Druckluft Anschluss auf der Fahrer Seite mit einem Kompressor oder Druckluft vom Spenderfahrzeug versorgt.
Das Mittelgetriebe auf neutral stellen (Hebel in der Mitte zwischen HI / LO), Bremse lösen, los gehts.
Auf dem Bild hab ich die Hebelstellung dokumentiert und die analogen Druckluftanzeigen im Armaturenbrett mit fotografiert.

Zwischendurch hab ich versucht, die Fliegen mit Fallen zu fangen. Aber in die Köder Fallen sind sie einfach nicht reingegangen, statt dessen wollten sie lieber ruhig zusammen mit mir in meiner Kabine hocken.
Ich hatte bereits überlegt, ob es den Fliegen aus dem Gülleteich vielleicht gesundheitlich nicht gut geht, so dass sie nicht fressen mögen oder ob sie eventuell verwöhnt sind und deswegen nicht in die ordinären Fliegen Köderfallen gehen.

Die Luft riecht im Moment süsslich, je nach Windrichtung, typisch für die Verarbeitung von Zuckerrüben. In Lehrte bei Hannover roch es zur Zuckerrüben Erntezeit auch immer genau so.
Ich hab versucht, eine Führung zu bekommen – keine Chance.





Das sind die Hutterer (Wikipedia), eine streng religiöse Glaubensgemeinschaft mit Kollektiveigentum die rund um Taber verteilt mehrere Kolonien haben. Die Familien sind sehr kinderreich, mit einer sehr traditionellen Rollenverteilung. Anders als die Amischen, die irgendwo im 18. Jahrhundert stehen geblieben sind setzen sie auf ihren Farmen aber moderne Produktionsmittel ein. Und heutzutage übliche Transportmittel wie moderne Pickup Trucks.
Die Kollektivwirtschaft und das konstante Wachstum bei den Familien machen die Hutterer zu einem bedeutenden Player in der Farmwirtschaft Albertas. Zinsgünstige Kredite bei den Banken, um gigantische Felder zu kaufen sind kein Problem, so die Auskunft der Mechaniker mit denen ich mich bei TruckPro darüber unterhalten habe. Wie bei einem Konzern gibt es eine klare Geschäftsidee, die von den Banken verstanden wird, Personal zur Bewirtschaftung ist dauerhaft garantiert, Wachstum sowieso und es wird kein Kapital für unnötige, private Anschaffungen verschwendet.
Mein derzeitiger Lebensstil, nämlich: sich von seinen Lieben zu verabschieden und als Abenteurer in die Welt zu ziehen existiert im Weltbild der Hutterer schlicht und einfach nicht.
Gegenentwurf:

Vielleicht sollte ich zu dem Thema an der Stelle lieber meine Klappe halten, denn jeder Kommentar dazu wird mir vermutlich negativ ausgelegt. Die Claude KI, die meine Texte auf Rechtschreibfehler und inhaltliche Macken korrigiert wird später auf jeden Fall etwas ungutes dazu anmerken, das weiss ich jetzt schon.
Aber ich hab ein Problem mit solchen Leuten. Ja, sicherlich super nett, und wenn ich persönlich etwas tun oder helfen kann – dann mache ich das auch.
Aber diese Frieden, Peace, Good Karma + Ooohhmm Masche nervt mich inzwischen gewaltig. Das kaschiert meiner Meinung nach nur, dass sich Hippies wie dieser hier durchs Leben schnorren, wo es nur geht.
Im Tim Hortons hat er nichts bestellt, sondern war dort nur 20 Minuten auf dem Klo. Als ich dann endlich auch mal konnte – hab ich das Klo verstopft mit Toilettenpapier vorgefunden. Ich hatte mich zuvor noch gewundert, warum der Typ mit einer leeren Wasserflasche rausgekommen ist. Normalerweise füllen die Leute im Klo gratis Wasser auf und kommen nach sehr kurzer Zeit mit einer vollen Flasche wieder raus.
Also hat er nix gekauft, dort einfach nur mit Klopapier Katzenwäsche gemacht und danach war das Klo verstopft. Gesagt hat er nix. Ich war dann derjenige, der die Mitarbeiter im Tim Hortons darauf aufmerksam machen musste.
Im Schaufenster ^^ hängt ein Plakat, dass Tim Hortons Leute sucht. ZUM ARBEITEN.
„We are hiring“ steht dort, direkt neben seinem Anhänger. Echt jetzt. Anstatt zum eigenen Vorteil irgendwie an den „Frieden“ anzudocken, harmlos zu tun und von milden Gaben zu leben.
Gestrandet in Taber: die dritte Woche





Das Werk thematisiert Frühling und Neubeginn nach dem Winter. So lange hab ich aber definitiv nicht vor hier zu verbringen.

Das ist eine Bewegung, die zentral geleitet wird und die ich auf meiner Reise überall in Alberta entdeckt habe. Angestrebt wird eine Spaltung der Nation Kanada, indem die Provinz Alberta herausgelöst wird.

Recherchen von mir zum Hintergrund dieser Leute haben kaum etwas ergeben. So ist zwar eine Finanzierung mit mehreren Millionen Dollars von diesem harmlos klingenden „Alberta Prosperity Project“ bekannt, aber nicht woher die Gelder stammen.
Ein Interesse die Nation zu spalten hätten sowohl Russland als auch die USA und genau solche Kampagnen sehen wir in Europa auch. Mir kam das sofort bekannt vor.
Unterwegs in Taber – bei Nacht !
Am Ende der dritten Woche, die ich gestrandet in Taber verbringe verschlechtert sich das Wetter. Der Winter steht vor der Tür. Genauer: der kanadische Winter – und der ist kein joke. Nachts sinken die Temperaturen auf unter Null und ein eiskalter Regen setzt ein.
Es wird langsam richtig ungemütlich hier und ich mache mir Sorgen um die Fliegen im stinkenden Pond.








Die Ersatzteile sind endlich da ! Die beste Tochter der Welt hat meine Ersatzteil Bestellungen aus Hannover mit UPS nach Taber versendet !


Zusätzlich hatte ich den Synchronring für den vierten Gang falsch bestellt, ein weiterer Fehlschlag.


Das Getriebe war mit Hilfe der versammelten Mannschaft zwar am Freitag Abend rechtzeitig zum Feierabend drin und lief auch, aber die Gänge hakten extrem und waren kaum einzulegen.
Woraufhin die Mechaniker Luis & Carter beschlossen haben, eine Nacht über alles zu schlafen und extra für mich eine Schicht am Samstag einzulegen.

Wir mussten dann eine schwierige Entscheidung fällen: ist es das Getriebe, was nach zwei Tagen Arbeit nochmal raus muss ? Oder ist es doch etwas anderes ?
Letztendlich wurde die Schaltmechanik erneut komplett justiert und dabei folgendes festgestellt: die ausgeleierten Federn haben im Zusammenspiel mit der Gummimanschette für den Schaltknauf verhindert, dass der Schalthebel garantiert in die Nullposition zurück findet.
Schuld waren die beiden ausgeleierten und korrodierten Federn, die ich auch mal hätte bestellen sollen. In dem Moment wussten wir erst mal nicht mehr weiter. In der EU bestellen und nochmal mindestens zwei Wochen warten ?
Ich hab dann gefragt, ob sich der fehlende Federdruck nicht provisorisch durch eine aussen angebrachte Feder ergänzen lässt. Kurzerhand haben wir einen in der Nähe vom LKW auf dem Boden der Werkstatt herumliegenden Gummi Spanngurt verwendet, um für die nötige Spannung zu sorgen.

Der Spanngurt sieht recht robust aus, ich hoffe es hält bis ich die Federn bestellt und bekommen hab.
Vermutlich hätte das Getriebe gar nicht komplett auseinander gebaut werden müssen, aber so genau wollte ich darüber angesichts der Rechnung in Höhe von 6500 kanadischen Dollar nicht nachdenken.
Dafür hab ich nun überall neue Lager und eine neue Gabel für den Rückwärtsgang.
Auf der Haben-Seite sind ausserdem: Kupplung erneuert, Ausrücklager der Kupplung neu, alle Dichtungen gewechselt, Öl neu, Kopf für das Schaltgestänge zerlegt und gereinigt, Getriebe wasserdicht abgedichtet, Schaltgestänge perfekt eingestellt.
Und der LKW fährt erst mal wieder, das ist die Hauptsache. Tschüss Taber ! Nun rasch auf in den Süden, bevor der Winter kommt.
Epilog
Bist Du auch in Taber gestrandet ? Dann ist hier noch eine Tabelle für dich mit den wichtigsten „touristischen“ Punkten in Taber:
| Taber „Attraktion“ | Beschreibung dazu |
|---|---|
| Billigstes Fastfood | McDonalds, mit Abstand. Billiges Fett ab umgerechnet 5€ |
| Schnellstes WLAN | Vor der Bücherei, kein Passwort |
| Gratis Dusche | Legion Campingplatz etwas ausserhalb nördlich, schlechter Zustand |
| Bester Kaffee | mit Abstand im „the loft“ einem Cafe & Modegeschäft |
| Essen mit Ausblick | Coulee Cafe & Catering, gute Mittagsmenüs, sehr guter Salat |
| Bestes China Restaurant | Bamboo House + Hong Kong Restaurant, beide super |
| Beste Dusche | im Aquafun, 3 CAD, nur tagsüber |
| Bestes Brot | im Coop, die Baguette Stangen zum Beispiel |
| Frisches Gemüse | NoFrills und Coop, beide mit deutlich mehr Angebot als Walmart |
| Beste LKW Werkstatt | TruckPro Geeraert, vermutlich sogar in Albertas Top 10 |