Läuft der Cummins 6BT im DAF T244 mit Jet-A / Kerosin ?

Ich hab im Yukon ein seit Jahren dort herrenlos herumstehendes Fass mit Jet-A Fuel entdeckt – mit dem scheinbar niemand etwas anfangen konnte. Da Jet-A (oder Kerosin) gewöhnlichem Diesel stark ähnelt, hab ich mir die Frage gestellt, ob mein alter ex-Militär Truck eventuell auch damit läuft. DAF hat im T244 einen 6BT Motorblock von Cummins verbaut, der mit einer mechanischen Einspritzpumpe von Lucas mit Diesel versorgt wird.

Das Design mit zwei in Serie geschalteten Diesel Filtern (Infos dazu) ist sehr robust und verträgt problemlos Treibstoff in schlechter Qualität.

Ein Barrel Jet-A sind immerhin 205 Liter Dieselersatz, was in Kanada an der Tankstelle rund 260€ einspart. Jet-A hat zwar einen etwas schlechteren Brennwert als Diesel, aber bei etwa 20 – 22 Liter Verbrauch auf 100 km kann man beim DAF T244 trotzdem mit ungefähr 750 – 850 km geschenkter Reichweite rechnen.

Es war daher Zeit für eine Recherche – und praktische Experimente !

Vergleich zwischen Diesel und Jet-A / Kerosin

Diesel und Jet-A sind chemisch betrachtet ziemlich ähnlich, beide gehören zu den Öl-ähnlichen Kraftstoffen. Dieselmotoren mit Selbstzündung finden sich in Autos, Lastkraftwagen oder Booten. Jet-A wird in Turbinen verwendet, wie sie in Hubschraubern und Düsenjets eingebaut sind.

Jet-A hat im Vergleich zu Diesel drei Nachteile: es enthält keine Schmierstoffe, ist weniger zündwillig und hat mehr Schwefel als ULSD Diesel. Das alles ist für den Cummins 6BT Motorblock kein Problem, potentiell ergeben sich jedoch Probleme mit der Einspritzpumpe und (falls vorhanden) mit der Abgasnachbehandlung. Kerosin in einem modernen Motor mit Common Rail Einspritzung, AdBlue, Katalysator und einem Partikelfilter zu verbrennen ist daher komplett ausgeschlossen.

Die im DAF T244 verbaute Diesel Einspritzpumpe von Lucas hat eine Schmierung durch das Motoröl. Damit ist sie besser für trockene Kraftstoffe wie Jet-A geeignet als Einspritzpumpen, die nur durch den Diesel Kraftstoff selbst geschmiert werden. Trotzdem hat die Lucas CAV einen Hochdruckteil, der beim reinen Betrieb mit Jet-A oder Kerosin einem höheren Verschleiss ausgesetzt wäre und eine Schmierung durch den Kraftstoff selbst benötigt.

Nach meinen Recherchen ist allein die mit dem Cummins 6BT gelegentlich verbaute Denso EP-9 ohne Anpassungen mit reinem Jet-A oder Kerosin lauffähig. Ich hab dazu folgende Tabelle erstellt:

KraftstoffDenso EP-9Stanadyne DB-4Lucas CAV
Diesel mineralischOKOKOK
Bio Diesel oder HVO100OKOKOK
Kerosin / Jet-A / Jet-A1OKnur mit Ölzusatznur mit Ölzusatz
JP-5OKnur mit Ölzusatznur mit Ölzusatz
JP-8OKnur mit Ölzusatznur mit Ölzusatz
JP-4 / Jet-Bneinneinnein
Benzinneinneinnein

JP-5 und JP-8 sind noch halbwegs gängige NATO Treibstoffe für Turbinenjets. Jet-4 und Jet-B haben einen Benzin Anteil von 65% und kommt deswegen auf gar keinen Fall in Frage. Benzin ist für Dieselmotoren tödlich.

Vor einem Jet-A-Test im DAF T244 rate ich dazu, den Ölstand zu prüfen. Kerosin ist dünnflüssiger als Diesel, steigender Ölstand könnte daher auf eine undichte Lucas Einspritzpumpe hinweisen.

Jet-A1 im DAF T244 + das Mischungsverhältnis mit Diesel und Öl

Leider hab ich für den 6BT Motorblock selbst keine offizielle Freigabe für Jet-A, Jet-A1 oder Kerosin von Cummins gefunden – nur für die Einspritzpumpen. Aber aus der Freigabetabelle für diverse Einspritzpumpen – in Kombination mit dem Cummins 6BT – lässt sich ableiten, dass Jet-A im 6BT im Prinzip problemlos möglich ist.

Auch so gibt es zum Thema „Dieselmotor mit Jet-A oder Kerosin betreiben“ kaum Informationen im Internet. Hintergrund dürfte sein, dass Jet-A wesentlich teurer und unter normalen Umständen schwieriger zu bekommen ist als Diesel. Dokumentierte Experimente so wie meines mit eigenen Fahrzeug scheinen sehr selten zu sein. Willkommen bei dieser Premiere !

Zunächst hab ich 50 Liter Jet-A auf ungefähr 250 Liter sauberen Diesel aufgefüllt – und gut gemischt. Damit lief der Truck unauffällig, lediglich die Abgase rochen etwas anders. Rechnerisch 17%. Ein 10% Zusatz Jet-A sollte dem DAF T244 daher überhaupt nichts ausmachen. Weder dem Motorblock noch der Lucas Einspritzpumpe.

Auf der sicheren Seite ist man jedoch durch Zugabe von Zweitakt-Öl, ATF Automatikgetriebeöl, Motoröl oder speziellen Zusätzen zur Schmierung. Ich hab Folgendes eingekauft:

Orangenes Jet-A Fass und drei Plastikflaschen mit Diesel Zusätzen um das Kerosin im DAF T244 zu verwenden
Diesel Fuel Conditioner, ATF Getriebeöl und gewöhnliches 10W30 Motoröl. Stilsicher wurde im Yukon die Marke „Klondike“ gekauft.
Öffnen von einem Ölfass ohne Fassschlüssel nur mit zwei Eisenstangen oder Schraubenziehern
Für das Öffnen vom Fass gibt es als Werkzeug einen sogenannten Fassschlüssel. Mit zwei dicken Schraubenziehern oder wie im Bild gezeigt mit einer Eisenstange oder einem Rest Moniereisen geht es auch.

10W30 Motoröl ist dünnflüssiger als das 15W40, das als Motoröl normalerweise im Cummins 6BT verwendet wird. Am preiswertesten, um das Jet-A zu schmieren.  

ATF (Automatikgetriebeöl) gibt es „roh“ oder mit Zusätzen für die Nass Schmierung bestimmter Quad Kupplungen. Das sind Additive, welche die Reibung beeinflussen, diese sollten besser nicht in Verbrennungsmotoren eingesetzt werden. Beim Kauf darauf achten.

ATF hatte bei mir einen interessanten Nebeneffekt: der Motor sprang besser an. In letzter Zeit brauchte mein Cummins im T244 immer ein paar Runden mehr, um orgelnd anzuspringen. Ich hatte das auf die Kälte im Yukon (10°C ?) geschoben oder abgenutzte Einspritzdüsen, aber mit dem ATF Blend aus Diesel und Kerosin war er praktisch sofort wach.

Bitte beachten: Automatikgetriebeöl ist rot eingefärbt. Im unwahrscheinlichen Fall, dass der Diesel mal kontrolliert wird, muss man dann erklären, wie es zu dieser Farbe gekommen ist. Heizöl, das sich theoretisch ebenfalls problemlos im DAF T244 verbrennen lässt ist nämlich rot, während Diesel gelb ist.

Diesel Fuel Conditioner sind speziell dafür entwickelt worden, die Injektoren und die Einspritzpumpe zu schmieren. Für das Experiment mit dem Jet-A eine gute Wahl, wenn man so etwas bekommen kann. Abgesehen davon sind in den Mitteln meist Stoffe enthalten, die ein Ausflocken von Paraffin verhindern. Das Mischungsverhältnis muss für Jet-A höher sein als auf der Verpackung angegeben.

Mit Zweitakt-Öl ist man ebenfalls auf der absolut sicheren Seite, da es für die aschefreie Verbrennung bestimmt ist. Es ist jedoch teurer als gewöhnliches Motoröl.

An der Stelle nochmals der Hinweis, dass diese „Diesel Optimierung“ nur für klassische Diesel Motoren mit mechanischer Einspritzpumpe geeignet ist. Nicht für Common Rail und nicht für Fahrzeuge mit Abgasnachbehandlung, daher praktisch alle modernen Motoren. Wir reden hier vom DAF T244.

Mischungsverhältnis zwischen Diesel, Jet-A und Ölzusätzen

Beim Diesel Conditioner war auf der Packung 1 Liter von dem Produkt auf 1000 Liter Diesel angegeben. Damit ist jedoch die Optimierung von normalem Diesel gemeint, nicht trockenes Jet-A.

Da in einfachen Zweitaktmotoren ein Mischungsverhältnis von 50:1 (also 2% Ölanteil) verwendet wird sollte der Öl Anteil im Diesel für die Lucas Einspritzpumpe vermutlich nicht darunter liegen.

Ich hab 2 Liter Motoröl auf 100 Liter Jet-A verwendet (2%) jedoch zusätzlich noch >100 Liter normalen Diesel aufgefüllt. Auf der sicheren Seite ist man, wenn Jet-A nur zur Hälfte zum Diesel zugegeben wird plus zusätzlicher, reichlicher Schmierung. Diese würde dem Motor oder der Einspritzpumpe „auch so“ ganz gut tun, ohne Jet-A Experimente.

Den Luxus zu verdünnen hatte ich glücklicherweise, da vom Yukon bis nach Alberta rund 3000 Kilometer vor mir lagen und ich – so oder so – oft tanken musste. Jet-A zu verwenden war kein Notfall, sondern eher Experiment. Pech war halt die Gesellschaft von einem Fass Jet-A in meiner Kabine, was ich mitführen musste. Im Notfall sollten 98% Jet-A und 2% Motoröl im DAF T244 aber wie Diesel funktionieren.

Richtiges Mischen vom zusätzlichen Schmieröl mit dem Diesel oder dem Jet-A

Es reicht nicht aus, die Zusätze einfach in den Tank zu kippen. Der Diesel oder das Kerosin muss damit gründlich gemischt werden.

Dabei hilft eine Beobachtung, die ich gemacht habe. Während normale Leute Milch in den Kaffee kippen und dann mit einem Löffel umrühren, geben Handwerker erst die Milch in die Tasse und füllen dann mit Kaffee auf.

Damit ist die Milch im Kaffee perfekt ohne Umrühren vermischt. Ich empfehle, es mit dem Öl im Jet-A / Diesel genau so zu machen.

Optimal ist daher, wenn der Tank fast leer ist. Dann misch man das Schmieröl mit dem Kerosin. Beispielsweise, indem 200 ml Öl in einen 20 Liter Reservekanister gegeben und mit Kerosin kräftig durchgeschüttelt werden.

Wenn jetzt mit Diesel vollgetankt wird ist Öl, Jet-A und das Schmieröl perfekt homogen durchgemischt.

Die Aktion in Kanada – mit dem Kerosin Fass !

DAF T244 LKW auf einem Schotterparkplatz mit zwei Ölfässern

Entdeckt hab ich das noch original versiegelte Fass mit dem JET-A am Rande von einem Übernachtungsparkplatz. Ich war auf dem Top-of-the-World Highway unterwegs und eigentlich mitten in der Wildnis. Das Fass war ein wenig im Matsch eingesunken, deswegen bereits angerostet und zusammen mit ein paar anderen Abfällen / ausgedienten Maschinen offenbar ein aufgegebenes Überbleibsel von einem Mining Camp.

Gedacht ist Jet-A für Hubschrauber – die waren jedoch längst abgeschwirrt und woanders in Einsatz.

Ölfass mit vier grünen Reserve Kanistern vor einem LKW
Finders / Keepers ! Ich hab zunächst einen Teil von dem Sprit in meine Reservekanister umgetankt. 80 Liter sind in den Kanistern gelandet, ca 50 Liter direkt im Tank.
Jet-A Fass mit 205 Litern wird mit Hilfe einer Leiter in eine LKW Kabine gerollt
Den Rest wollte ich aber auch noch haben. Daher hab ich das immer noch sehr volle, schwere Fass in die Kabine gerollt und spontan mitgenommen.
Verzurrtes Öl Fass in einer engen LKW Wohnkabine
In meiner Kabine war es daher für ein paar Tage voll und etwas ungemütlich.

Die Aktion hat mir einiges an Kritik eingebracht. Sowohl in der T244 Whatsapp Gruppe als auch im MMF Forum (Webseite) überwog die Meinung, dass ich den Sprit eventuell jemanden geklaut hätte.

Meiner ehrlichen Einschätzung nach gehörte das jedoch niemanden mehr und stand dort seit – mehreren Jahren – herrenlos (Wikipedia EN) herum. Die zwei Fässer, von denen eins leer war, sind nicht etwa verloren worden. In dem Fall gäbe es im rechtlichen Sinne einen Besitzer. Statt dessen wurden sie dort vor langer Zeit aufgegeben und sich selbst überlassen. Von irgend welchen erfolglosen Goldsuch Firmen, die mit ziemlicher Sicherheit sowieso längst pleite sind.

Ich meine, es wäre speziell in Kanada (oder den USA) nur eine Frage der Zeit gewesen bis jemand darauf Schiessübungen gemacht hätte. Überall in Nordamerika stehen abgefackelte Autowracks und ausgediente Haushaltsgeräte in der Landschaft herum, auf die aus Spass mit Schrot und Projektilen gefeuert wird.

Im Grunde habe ich dort auf dem ungesicherten, öffentlich zugänglichen Parkplatz eine weitere Umweltschweinerei verhindert (passender Artikel meiner Müllsammel Aktionen dazu).

Oder gar einem massiven Waldbrand. Indem ich das Jet-A (einen Brandbeschleuniger in einem rollbaren Behälter) aus dem bereits durchrostenden Fass einer vernünftigen Verwendung zugeführt habe.”

Für die Lagerung von Sprit Fässern in improvisierten, abgelegenen Camps gibt es in Kanada von der Regierung verordnete, sehr vernünftige, umfangreiche regulatorische Auflagen zum Schutz der Umwelt. Keine dieser vorgeschriebenen Vorsichtsmassnahmen wie ein Auffangbecken für 110% vom Betriebsstoff, Korrosions und Witterungsschutz oder einen Brandschutz habe ich dort auf dem provisorischen Parkplatz entdeckt. Das stand da einfach nur so herum.

Leeres Kerosin Fass steht in einer Anlage für die Aufbereitung von Abfällen aus der Ölindustrie
Good bye Kerosin Fass !

Als das Fass leer war, hab ich es in einer Aufbereitungsanlage für ölhaltige Schlämme und Bohrwasser abgegeben. Die Anlage war auf meinem Weg. Etwas ungewöhnlich für Privatpersonen, aber mir wurde versichert, dass ich dort genau richtig wäre und dass sie eine gute Verwendung für meinen Fund hätten.

Ein Problem ist leider, dass die Leute in Deutschland, die sich über mich aufgeregt haben, keine Ahnung haben was in Kanada und den USA eigentlich los ist. Die haben ja keine Vorstellung, was hier leider massenhaft herumsteht, vor sich hin rostet und wie viel eigentlich noch brauchbares Zeug einfach so weggeschmissen wird.

Wenn man als Abenteurer in der Welt unterwegs ist, hat man eine andere Perspektive. Abweichend von Leuten, die immer nur in Deutschland von einem Fahrzeug Treffen zum nächsten tingeln und sich bei 250km Anreise beschweren, dass es ja „diesmal bereits ziemlich weit gewesen wäre“. Dafür aber alles ganz genau nehmen und abenteuerliche Experimente nie im Sinn hätten.

Insgesamt war das Kerosin Experiment erfolgreich !

Der Truck lief wie immer, bis zu 50% Kerosin oder Jet-A verträgt der DAF T244 kombiniert mit einer Öl Zumischung auf jeden Fall problemlos. Einschränkung dazu: dies war kein Langzeittest, sondern ein einmaliges Experiment.

Dieses Wissen lässt sich mit ein paar grundsätzlichen Überlegungen und Abwägungen dazu vermutlich sehr gut auf vergleichbare Fahrzeuge übertragen.

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