In der verlassenen Kennicott Kupfermine, Alaska

Nach Anyox eine weitere Kupfermine, die ich in Alaska besucht habe. Während die Ghosttown Anyox jedoch verlassen ist und sich dort nur noch geheimnisvolle Ruinen befinden ist Kennicott gut erhalten. Zur Zeit wird die Anlage von den Amerikanern vorbildlich restauriert und hat zu Recht den Status von einem „National Historic Landmark“.

Die Produktionsanlagen von Kennicott Mine sind daher nur im Rahmen einer Gruppenführung zu besichtigen, aber ich finde das okay. Es ist schön zu sehen, dass dieses Industriedenkmal gepflegt und erhalten wird. Auch wenn einem das private herumstöbern darin vorenthalten wird.

Drohnen Bild Kennicott Mine Alaska mit Gletscher und Bergen im Hintergrund
Die Kennicott Mine (Wikipedia) am Rand der vergletscherten Berge in Alaska.
Blick auf die Gletscher Moränen vom Dach der Kennicott Mine aus
Der Gletscher ist als Folge der Klimaerwärmung längst geschmolzen. Unter der Moränenlandschaft sind jedoch noch einzelne Eistümpel.

Hier oben, im Turm der Produktionsanlage wurde das Metallhaltige Gestein aus den umliegenden Minen per Seilbahn angeliefert. Der gesamte Komplex wird zwar als Mine bezeichnet, aber streng genommen ist das lang gezogene Gebäude eine Mühle, Sortieranlage und Logistikhub.

Hand hält grün schimmerndes kupferhaltiges Erz und einen normalen Stein
Zunächst wurde das kupferhaltige Gestein zermahlen, idealerweise waren die Brocken nur noch so gross wie Murmeln. Hier halte ich zwei Brocken in der Hand, die sich vom Gewicht her sehr unterschieden haben.

Ich fand die Fotos von der Gestein zermahlenden Mühle wenig aussagekräftig. Der grün vor sich hin schimmernden und sehr schwere Kupfererz Brocken erzählt eine viel spannendere Geschichte.

Halle in der Kennicottt Mine
Auf mehreren Ebenen waren Sortieranlagen, die aus vibrierenden Tischen bestanden. Wasser und Vibrationen trennten taubes Gestein und das Kupfererz.
Rüttelplatten in der Kennicott Mine zum Sortieren von Gestein und Erz
Diese primitiv aussehenden Anlagen waren sehr effizient. Und es waren derer viele, als Besucher klettert man auf steilen, engen Leitern durch mehrere Ebenen mit diesen wasserbetriebenen Sortiertischen.
Werkstatt der Kennicott Mine mit Aussicht durch Fenster
In der Werkstatt. Die Techniker der Anlage hatten einen phänomenalen Ausblick.

Ingegesamt war die Arbeit jedoch sehr hart, insbesondere in den weiter oben liegenden Minen. 12 Stunden Schichten, Lärm und mindestens 8 Monate lang beissende Kälte in der Wildnis Alaskas.

Werkzeugkiste mit Ersatzteilen in Kennicott Alaska
Ein tolles Detail: Arbeitsmaterial, Ersatzteile und viele Werkzeuge wurden nicht geplündert.
Genietete Tanks der Ammoniak Laugerei in Kennicott
In der Ammoniak Laugerei. Hier wurde auch noch das letzte Gramm Kupfer aus dem ansich tauben Gestein herausgepresst.
Kennicott Mine mit rotem Office vom Manager davor
In das Gebäude unten links sind Güterzüge eingefahren, um die Säcke mit dem sortierten Kupfererz aufzuladen. Rechts ist das Office vom Generalmanager & Ingenieur Steven Birch zu sehen.
Maschinenhalle vom Heizkraftwerk in Kennicott
Das inzwischen perfekt restaurierte Heizkraftwerk, um Elektrizität und Dampf zu produzieren.

Anders als in Anyox (Bericht dazu) hatte die Anlage keinen Smelter, um reines Kupfer zu produzieren. Das Erz, was bis zu 70% Kupfer enthalten konnte wurde mit der Bahn nach Cordova (Google Maps) transportiert um es von dort aus nach Washington State zu verschiffen.

Eine weiterer Unterschied ist, dass die Mine in Anyox aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen wurde, obwohl noch genug förderungswürdiges Erz im Gebirge gewesen wäre. Die Kennicott Mine schloss jedoch im Jahr 1938, weil die abbauwürdigen Erzschichten erschöpft waren. Der Profit betrug letztendlich 200 Millionen US Dollar, eine für die damalige Zeiten enorme Summe und reicher Lohn für die Investoren.

Uns wurde erzählt, dass die Mine sehr kurzfristig verlassen wurde. Als die Mine erschöpft war gab es genau einen Zug, um die Menschen nach Cordova zu bringen – danach war die Anlage schlagartig verlassen.

Technisch stellt der Minenkomplex eine Meisterleistung dar. Die Mine wurde ab 1903 mit Kapital von so angesehenen Investoren wie JP Morgan und der Familie Guggenheim errichtet. Allein der Bau der Bahnlinie kostete 25 Millionen wobei die laufende Wartung des Schienenstrangs weitere, enorme Beträge verschlang. Jeden Frühling mussten Holzbrücken ersetzt werden, die den schmelzenden Eis Massen der umliegenden Gletscher nicht stand gehalten hatten.

Eingefallene Trestle Bridge in Alaska
Eine halb verfallene Trestle Brücke über einen der unzähligen Gebirgsbäche.

Die Anfahrt zur Kennicott Mine ist heute bei weiten micht mehr so abenteuerlich wie vor 125 Jahren. Als nur die fragile Bahnlinie existierte, um Menschen und Material hinaus in die Wildnis zu transportieren.

LKW fährt in Alaska über eine lang gezogene Brücke mit tiefer Schlucht
Unterwegs auf einer modernen Brücke, Richtung Kennicott. Die heutige Piste von Chitina nach McCarty und weiter zur Kennicott Mine läuft auf der ehemaligen Bahnlinie entlang.

Daher ist sowohl die Anfahrt als auch die Abreise eine ganz eigene Reise in die Vergangenheit. Man nimmt den Weg den die Menschen damals in die Gletscher Mine genommen haben und den des wertvollen Erzes.

Campinglatz mit Blick auf die Berge und Gletscher in McCarty Alaska
Kennicott lohnt sich für Overlander nicht nur wegen der Mine. Der Campingplatz ist mit 35$ zwar unverschämpt teuer und bietet nur einen Schotterparkplatz – ohne alles. Aber dafür ist die Aussicht super und im kleinen McCarty gibt es durchaus ein paar gute Restaurants zum einkehren. Zwei, drei Tage kann man hier locker verbringen, die Fahrt hier raus in die Wildnis lohnt sich.
Drohnen Bild Kennicott Mine Alaska
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