Thuraya XT-lite Satelliten Telefon, Test & Vergleich mit Iridium

Telefonieren ohne Handymast, in völlig abgelegenen Gebieten: das ist inzwischen für ganz normale Abenteurer und Touristen bezahlbar. Ich beschreib in diesem Artikel meine Erfahrung mit einem Thuraya XT-lite Satellitentelefon. Dabei stelle ich das Gerät kurz vor, vergleiche es mit anderen Thuraya Handsets und beschreibe die Vor- und Nachteile gegenüber einem Iridium. Die Webseite von Thuraya ist thuraya.com (Stand der Information: Januar 2022)

Das Netzwerk, Satellitentelefone und die Technik hinter Thuraya

Thuraya betreibt zwei Satelliten, die unsere Erde in einer geosynchronen Laufbahn in 36.000 km umkreisen und scheinbar immer an der gleichen Stelle am Himmel stehen. Das Satellitentelefon überbrückt daher Mal eben 36.000 km, technisch eine Meisterleistung. Die beiden Satelliten decken dabei Europa, 90% von Afrika, Russland, große Teile von Asien und Australien ab.

Nordamerika und Südamerika, Südafrika, der Atlantik und weite Teile vom Pazifik werden nicht abgedeckt. Für Weltumsegler und Amerikafans eignet sich ein Thuraya daher nicht.

Im Moment (Dezember 2021) sind vor allem die drei folgenden Satellitentelefon Modelle auf dem Markt:

Das Einsteigermodell Thuraya XT-lite bietet nur die reine Sat Telefonie, SMS und GPS. Es ist leicht staub und spritzwassergeschützt, Form und Funktion erinnern sofort an die GSM Telefone der ersten Stunde. Um es auf den Punkt zu bringen: es telefoniert mit dem Satelliten, mehr nicht. Für den Wecker, Kalender, GPS Wegpunkte usw als einzige Zugabe auf dem Telefon wird man lieber sein richtiges Smartfone verwenden.

Graues Thuraya XT-lite v2 Satellitentelefon, hervorgehoben ist bei der Aufnahme der Mikro USB Anschluss

Es gibt mit v1 und v2 zwei Versionen. Version v1 wird über ein proprietäres USB Kabel aufgeladen, während v2 ein handelsübliches Mikro USB Kabel verwendet. Ich würde bei der Bestellung darauf achten, die neuere v2 Version zu ordern. Ein x-beliebiges Mikro USB Kabel zum aufladen hat man immer dabei oder kann es im Gegensatz zu dem etwas speziellen v1 Ladekabel leicht besorgen – oder ausleihen.

Bei mir läd das v2 Handy den Akku nur richtig voll, wenn ein Netzteil mit 1000 mA oder eine Powerbank verwendet wird. Am Computer angeschlossen (USB hat dort nur 500 mA) wird der Akku nicht korrekt geladen. Gewicht: ca 190 Gramm.

Graues Thuraya XT-lite Satellitentelefon ohne Akku, fotografiert wurde die Rückseite.

Am Thuraya XT-lite läßt sich seitlich ein Ohrhöhrer mit 3,5mm Klinke anschließen, dieser liegt dem Gerät bei. An der Rückseite ist ausserdem eine Anschlussmöglichkeit für eine externe Antenne. Es ist nicht vorgesehen, das Thuraya XT-lite an einer Dockingstation oder mit einer Freisprecheinrichtung zu betreiben. Eine Kamera, Internet oder MP3 gibt es auch nicht. Mir war es jedoch gut genug für Notfälle & nur Telefonieren. Ich hab für ein „gebraucht wie neu“ Gerät mit fittem Akku bei eBay 420 Euro bezahlt.

Ein realistischer Wert für die Akkulaufzeit ist ungefähr 3 Tage Standby, bis zu 4 Stunden Sprechen.

Beim etwas besseren Thuraya XT-pro ist zusätzlich ein Datenmodem eingebaut, was dem „lite“ fehlt. Für dieses Satellitentelefon gibt es eine Docking Station und es läßt sich optional ein spezieller WLAN Hot Spot von Thuraya ankoppeln. Internet über Satellit ist exorbitant teuer, wenn man das privat bezahlen muss. Mit 3,50 Euro pro Megabyte lohnt es sich nur für wichtigste eMails, Wetter Updates oder andere lebensnotwendige Daten.

Vom Thuraya XT-pro gibt es noch eine Dual Version, die einen zusätzlichen SIM Karten Slot hat. Damit kann das Telefon gleichzeitig in einem landbasierten GSM Netz eingebucht sein und dem Thuraya Satelliten. Der GSM Teil kann allerdings nur Telefonie und SMS, keine Datenübertragung.

Falls Geld keine Rolle spielt, wäre das Thuraya X5-Touch mit einem Anschaffungspreis von deutlich über 1000 Euro eine weitere Option. Das ist ein „richtiges“ Satelliten Smartfone mit Andoid 7.1, Touchbildschirm, Dual SIM und GSM/HSPA/LTE. Ein Problem sehe ich darin, daß Satelliten Telefone für eine Nutzungszeit von bis zu 10 Jahren gekauft werden. Wegen dem rapide veraltenden Andoid, dem fest verbauten Akku und fehlender Sicherheitspatches dürfte die Freude an dem Gerät nicht länger als zwei, drei Jahre sein. Apps, die am Datenvolumen nuckeln könnten ein weiteres Problem darstellen, aber vielleicht kann man das einstellen. Ich kenn das Gerät ehrlich gesagt nicht. Gewicht: 265 Gramm

Thuraya SIM Karte, Aufladen mit Guthaben, Telefonkosten

Um das Telefon zu betreiben braucht man zunächst eine SIM Karte für Thuraya. Die hab ich inklusive 10 Units über eBay erworben. Wenn bereits 10 Units auf der Karte sind hat das den Vorteil, daß eine Aktivierung sofort erfolgen kann. Ausserdem sind ein, zwei Testanrufe drin. Eine Aufladung mit mehr Guthaben kann man dann in einem zweiten Schritt machen, später. Oder über einen günstigeren Anbieter.

In meinem Fall war die Karte von Global Telesat Communications (GTC) aus UK, die Aktivierung der SIM erfolgt dann über:

www.gtc.com/activate

Das macht jeder Händler unterschiedlich. Möglich ist durchaus, daß die Karte gleich beim Kauf mit den Daten des Kunden aktiviert wird, solange gleichzeitig Guthaben gekauft wird. In dem Fall ist alles aus einer Hand. Karte rein und es funktioniert. So war es z.B. mit meiner Iridium SIM Karte, die ich bei Satrent (direkt hier bei mir um die Ecke) erworben hab.

Zum Aufladen der Karte mit Guthaben hab ich dann diese Seite verwenden:

www.thurayarecharge.com

Ich hab nirgendwo günstigere Preise entdeckt, bezahlt wird mit Kreditkarte und das Guthaben ist sofort verfügbar. Im Dezember 2021 haben 50 Units 57 Dollar gekostet, umgerechnet rund 50 Euro. Im NOVA Tarif (das sind fast alle Prepaid Karten) zahlt man damit 0,90 Euro pro Minute für einen Anruf nach Deutschland, wenn man selber in Europa und damit in der günstigeren NOVA Zone unterwegs ist. Von Afrika oder dem nahen Osten aus (fast alle keine NOVA Zone) wären es immer noch halbwegs bezahlbare 1,85 Euro. Tunesien wiederum ist „nova“, es gibt daher auch preisliche Ausnahmen.

Das Guthaben auf der Karte kann man wie folgt checken: *151# auf der Tastatur eintippen und den grünen Hörer drücken. Kurze Zeit später antwortet Thuraya mit einer SMS und nennt Guthaben und Ablaufdatum.

Bei Aktivierung der SIM fängt die Karte noch nicht an zu laufen. Die Uhr für die gebuchten Units fängt erst nach dem ersten Telefonanruf an zu ticken. Dann hat man ein Jahr Zeit, das gekaufte Guthaben abzutelefonieren. Ist das Jahr rum werden 39 Units fällig, die auf der Karte als Guthaben drauf sein müssen um die SIM weiter nutzen zu können. Das verbliebene Guthaben verfällt an dem Tag. Es wird zum telefonieren eine komplett neue Aufladung fällig.

Die Tarifstruktur finde ich unübersichtlich. Die „Standard“ Karte hat überall die gleichen Kosten. Mit „NOVA“ Karten telefoniert man in Europa billiger, aber in Afrika und Teilen Asiens z.B. im Iran kostet es mehr als im Standard Tarif. Falls exakt eine Reise in ein ganz bestimmtes Land geplant ist oder ein längeres Projekt macht es im Falle von Thuraya Sinn ganz bewusst entweder eine „NOVA“ oder eine „standard“ SIM zu kaufen. Je nach Reiseziel. Eine Übersicht über die „günstigen“ Nova Länder ist hier:

https://gtc.co.uk/thuraya-nova-zones

Expeditionstechnik Rene Dörr hat dazu eine super übersichtliche Karte gebaut:

Karte der Netzabdeckung von Thuraya in Europa, Asien und Afrika. Erstellt durch Rene Dörr von Expeditionstechnik.de
NOVA Zones und Standard Zone im Vergleich. Recht herzlichen Dank an Rene Dörr von Expeditionstechnik.de für die freundliche Genehmigung ! Danke wegen der Bildrechte + und der freundlichen Nachricht dazu !

Insbesondere in Serbien, im Kosovo, Albanien, Mazedonien usw ist Thuraya günstiger, als wenn man mit seinem bundesdeutschen Handy telefoniert. Diese Länder sind Zone 3. In meinem Fall (O2 Kunde) kostet die Minute dann 1,50. Thuraya wäre zum raustelefonieren daher stets günstiger. In der Türkei (ebenfalls Zone 3) hat mein Handy überhaupt nicht funktioniert – ich war dort tagelang offline.

Im Vergleich zu Iridium bietet Thuraya eine Karte, die immer 365 Tage läuft und abgesehen vom Nova / nicht-nova Tarif Mischmasch im gesamten Abdeckungsbereich der zwei Satelliten funktioniert. Das Telefonieren ist deutlich günstiger als bei Iridium.

Beispiel: bei Iridium kosten 75 Minuten global für einem Monat etwa 135 Euro. Das sind ca 1,80 Euro pro Minute. Nach einem Monat ist eine erneute Aufladung fällig. Bei 75 Minuten global auf 90 Tage verteilt sind es umgerechnet 240 Euro, macht 3,20 pro Minute.

Eine Karte, die 600 Minuten hat und 365 Tage funktioniert läßt sich Iridium mit 790 Euro fürstlich bezahlen. Das Telefonieren kostet dann allerdings nur faire 1,30 pro Minute – mit theoretisch (dazu unten mehr) globaler Reichweite.

Thuraya empfiehlt sich daher, wenn man ein Jahr lang erreichbar sein will, abgesehen vom Mittelmeer wenig auf dem Wasser unterwegs ist und insgesamt wenig telefoniert. Wer viel telefoniert fährt unter Umständen mit Iridium besser, vor allem wenn spezielle Flatrate Tarife gewählt werden. Zum Beispiel: die „unlimited flatrate“ für unbegrenztes quasseln nur von Iridium zu Iridium. Zwei Karten für zwei Geräte kosten ca 100 Euro pro Monat.

Dann bietet Thuraya noch die Möglichkeit, gratis per Internet eine Textbotschaft mit 142 Zeichen aufs Satelliten Handy zu schicken:

Webseite: sms.thuraya.com

Ideal, um völlig umsonst Grüße, recherchierte Koordinaten, Wetter Updates, Warnungen, eine Bitte um Anruf oder anderes wichtiges an das Satellitentelefon zu schicken. Die SMS wird gespeichert und zugestellt, wenn sich das Satellitentelefon das nächste Mal einbucht.

Das Satellitentelefon von Deutschland aus anzurufen ist dann ein ziemlich teurer Spaß und selbstverständlich nicht in den üblichen Flatrates enthalten. Ein Vergleich der Minutenpreise:

TelefonanbieterIridium (008816)Thuraya (0088216)Inmarsat (0087077)
O2 Telefonica Handy (nur Vertrag)8,18 €3,81 €12,50 €
Festnetz Telekom4,65 €4,65 €5,31 €
Call-by-Call 01029, 01030, 01037
01077 Callax, 01027 Dialmex
0,75 €
Call-by-Call 010940,99 € (andere 5 €)
Stand der Information: Dezember 2021

Insgesamt schlägt sich Thuraya am besten. Thuraya ist sowohl aus dem Festnetz als auch aus dem Mobilfunknetz stets günstiger als Inmarsat und nie teurer als Iridium. Es gibt zwei Call-by-Call Anbieter, die den Minutenpreis für Thuraya aus dem Festnetz auf ca 0,75 € drücken. Wenn der Festnetzanbieter Call-by-Call zulässt, in meinem Fall war leider auch oft besetzt. Bemerkenswert ist, daß es für Iridium offenbar überhaupt keinen Call-by-Call Tarif gibt und für Inmarsat nur einen einzigen.

Das in UK beheimatete Inmarsat ist tendenziell immer am teuersten.

Wie funktioniert das Telefonieren ?

Der Thuraya Satellit steht über dem Äquator. Folglich sollte der Himmel Richtung Süden frei sein, wenn man in Europa telefoniert. Da sich der Satellit nicht bewegt, kann die Verbindung eigentlich nicht abreißen, wenn sie einmal steht und man den Kopf still hält. Die Antenne sollte leicht schräg nach Süden zeigen.

Starker Schneefall und Regen kann die Verbindung aber stören. Wenn sich das Telefon beim Satelliten eingebucht hat, steht dann „Thuraya germany“ im Display.

Telefonieren funktioniert grundsätzlich nur draussen, an der frischen Luft und mit direktem Sichtkontakt zum Satelliten. Ist die Antenne eingefahren und das Handy nicht voll auf Empfang versucht der Satellit trotzdem mit mehr Leistung, das Thuraya aufzuwecken. Der Nutzer hat dann kurz Gelegenheit, die Antenne rauszuziehen und einen optimalen Standort mit freier Sicht zum telefonieren zu suchen.

Die Sprachqualität finde ich besser als bei Iridium. Beim Telefonieren ist jedoch eine leichte Verzögerung spürbar. Wer gelegentlich von seinen sparsamen Kumpels über Whatsapp angerufen wird kennt das bereits. Insgesamt sind sowohl Iridium als auch Thuraya eher zum raustelefonieren geeignet und nicht, um angerufen zu werden.

Oberhalb vom sieb­zigs­ten Breiten­grad dürfte Thuraya nicht mehr nutzbar sein. Die Erde ist eben doch eine Kugel.

Wer schon ein Satellitentelefon einpackt sollte zumindest noch an ein einfaches, aber gutes Funkgerät zur Konvoi Kommunikation (idealerweise mit 16x PMR + Seefunk + gegebenenfalls Amateurfunk in einem Gerät) denken.

Satellitentelefon bei Notfällen

Eine Besonderheit von Satellitentelefonen ist, daß man damit nicht die 110 / 112 anrufen kann. Das ist eine lokale Kurzwahl für eine Notrufzentrale. Vermutlich, weil eine Kurzwahl wie 112 zwar in ganz Deutschland (und vielen anderen Ländern) funktioniert, aber zur Notrufzentrale der jeweiligen Stadt geroutet wird. Vom Satellitentelefon aus wäre nicht klar, wer lokal zuständig ist. Sicherlich auch wegen der unbezahlbaren Rückrufkosten.

Daher ist es entscheidend, zum jeweiligen Reiseland Notfalltelefonnummern zu recherchieren wie lokale Rettungszentralen, die Bergrettung, Behörden oder die Notfallhotline der Deutschen Botschaft. Eventuell dann lokale Tourguides, hilfreiche Hotels im Land, Organisationen die Hilfe leisten können. Und natürlich Telefonnummern von Freunden, die daheim erreichbar sind und sich auf eine Reaktion im Notfall vorbereitet haben.

Anrufen kann man im Notfall alles, was Festnetz oder Handy ist aber nicht Kurzwahl.

Das MRCC Bremen +49 421536870 ist eine Rettungszentrale für Seefahrer, sollte aber (als letzter Rettungsanker sozusagen) vielleicht in der Lage sein lebensgefährliche Notfälle an Rettungsorganisationen im Reiseland weiter zu leiten. Außerdem sprechen sie Deutsch.

Mit myGEOS gibt es einen kostenpflichtigen Anbieter, um Rettungsmaßnahmen zu koordinieren – der seitenlange Vertrag nennt allerdings viele kleingedruckte Ausnahmen. Für den Vertrag muss das Gerät vorab registriert werden und es wird eine (durchaus bezahlbare) Jahresgebühr fällig.

Wichtig ist, sämtliche Telefonnummern immer inklusive der Ländervorwahl abzuspeichern. Deutschland hat +49 und die Null der Vorwahl entfällt. Meine Telefonnummer aus dem Impressum ist die 0511-7860502. Im Sathandy müßte folglich +49 511 7860502 ohne die beiden Leerzeichen abgespeichert werden.

Das alles kann man in Ruhe vorab ins Satellitentelefon eingeben und für den Fall des Falles abspeichern.

Regulatorischen Einschränkungen / Verbote

Manche Länder mögen Satellitentelefone gar nicht, weil sie das für Equipment von Spezialagenten halten die damit super geheime Entdeckungen ausplaudern. Ein bekanntes Beispiel ist Indien, wo Satellitentelefone absolut illegal sind. Sie werden bei der Einreise beschlagnahmt, zusammen mit Drohnen.

Russland wünscht vor der Einreise eine Registrierung. Ähnlich wie bei Drohnen oder bestimmten Medikamenten sollte abgecheckt werden, welche Meinung das Reiseland (oder Transitland) zu Satellitentelefonen hat. Grundsätzlich wäre mein Rat, das Satellitentelefon beim Grenzübertritt gut wegzupacken und es im Reiseland nur unbemerkt oder im Notfall zu benutzen. Das gilt selbstverständlich nur für Reisen ausserhalb von Europa.

Thuraya hat zwar keine weltweite Abdeckung, aber im Gegensatz zu Iridium hat Thuraya den Vorteil, kein US Amerikanisches Unternehmen zu sein. Iridium funktioniert – theoretisch – überall und sogar an den Polkappen, wie oft genug betont wird. Aber in der Praxis leider nicht in Ländern, die von den US Sanktionen betroffen sind. Das sind flächenmäßig ziemlich viele, zuzüglich der angrenzenden Seegebiete:

Afghanistan, Irak, Iran, Nordkorea, Libyen, Kuba, Jemen, Venezuela, Sudan, Syrien, Kongo … diese unvollständige Liste kann jederzeit kurzfristig erweitert werden. Falls der amerikanische Präsident morgens beim köpfen vom Frühstücksei und dem lesen der Zeitung neue, unliebsame Staaten entdeckt.

Das Problem hat Thuraya nicht, denn die Gesellschaft sitzt in Abu Dhabi und Dubai.

Insbesondere, wenn eine Reise in den Iran (zwei Wüsten) oder dem vergleichsweise sicheren, kurdischen Teil vom Irak geplant ist, ist ein Thuraya daher die einzige Option.

Ich halte das Werbeversprechen der weltweiten Abdeckung von Iridium daher für irreführend. Es suggeriert, daß telefonieren überall auf dem Erdball möglich ist – was nicht stimmt. Schlimmer noch, bei Iridium ist der Weltreisende gezwungen, immer Mal wieder den aktuellen Zustand vom US Embargo zu recherchieren. Humanitären Hilfsorganisationen wird es in den oben genannten Ländern daher extra schwer gemacht.

Funfact zu Satellitentelefonen

Früher haben sich die Leute um SAR-Werte sorgen gemacht und um 3G Mobilfunkmasten. Heutezutage sind es SARS (ein S mehr) und die 5G-Masten (2G’s mehr). Und was ist mit Satellitentelefonen, die 36.000 Kilometer weit funken ? Inmarsat gibt es seit 1982 !

Völlig lächerlich, was damals für ein Rummel um SAR Werte und UMTS Masten gemacht wurde. Der gleiche Typ ketterauchender Weltverbesserer warnt heute vor Impfungen und bringt 5G Antennen mit Corona in Verbindung.

Welche Anbieter gibt es noch ?

Neben Thuraya und Iridium bekommt man in Europa noch Telefone und Karten für Inmarsat. Inmarsat arbeitet ähnlich wie Thuraya mit geossynchronen Satelliten, die Abdeckung ist abgesehen von den Polkappen weltweit. Die Kosten liegen allerdings deutlich über Thuraya und Iridium. Traditionell findet sich Inmarsat vor allem in der gewerblichen Schifffahrt.

In Amerika ist mit Globalstar ein weiterer Anbieter auf dem Markt. Globalstar hat ähnlich wie Iridium eine Flotte tief fliegender Satelliten. Problem: Globalstar Satelliten sind (im Gegensatz zu den untereinander kommunizierenden Satelliten von Iridium) immer auf den Kontakt zu einer Bodenstation angewiesen. Auf dem Ozean und in abgelegenen Gegenden ohne Bodenstation funktioniert es daher nicht – im Grunde immer genau da, wo man es echt gebrauchen könnte. Wegen der Bodenstation Problematik funktioniert Globalstar in ganz Afrika nicht, obwohl deren Satelliten dort durchaus langflitzen. Hier in Europa gibt es sowieso weder Geräte noch Karten, ich erwähne Globalstar darum eher der Vollständigkeit halber.

Mit Starlink von Elon Musk drängt ein weiterer Anbieter auf den Markt. Starlink verspricht sehr hohe Datenübertragungsraten und Internettelefonie zu fairen Kosten. Bei Starlink ist es zu Zeit so, daß man bei der Bestellung einen Standort festlegen muss. Starlink ist daher gut geeignet, um eine abgelegene Waldhütte mit Internet zu versorgen, aber völlig unbrauchbar für umher reisende Touristen. Abgesehen davon ist es ein US amerikanisches Unternehmen und muss sich schön brav und folgsam an die Sanktionen vom Präsidenten halten. Es würde ähnlich wie bei Iridium sowieso nicht überall funktionieren.

Stand der Information: Januar 2022

4 Kommentare

  1. Sehr geehrter Chris,
    Ich danke Ihnen für die sehr praxisorientierten Ausführungen zur Satelliten-Kommunikation. Für jemanden, der sich erstmalig damit auseinandersetzt um – im Notfall als Tourist mit Wohnmobil – die Reisesicherheit zu erhöhen, sind das sehr hilfreiche Informationen. Bis auf die „naja“ leicht politsch eingefärbten Absätze „Funfact zu Satellitentelefonen“ und ähnliches, kann ich Ihr Wissen gut für eine Kaufentscheidung verwenden.
    Darum nochmals vielen, vielen Dank

    Mit freundlichen Grüßen aus Hamburg

    Jörg Hinzmann

    1. Danke für die Rückmeldung, freut mich sehr !

      Ich arbeite komplett unabhängig und bin auf keine Einnahmen z.B. durch geschönte Beschreibungen und Afiliate-Links angewiesen. Darum sind meine Texte manchmal etwas polemisch oder bissig, aber immer ehrlich. Bei mir wird nie etwas „redaktionell überarbeitet“ und entschärft.

      Einfach drüber weg lesen, wenn ich abschweife … manchmal schreib ich auch nachts um 2:00h noch was und stell es einfach ohne nochmal drüber lesen online. Sorry deswegen.

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