Schweden – coast to coast (Teil 2)

Visingsö hat direkt am Fähranleger einen sehr guten Campingplatz, der in der Urlaubszeit oft komplett belegt ist. Ganz im Norden und ganz im Süden gibt es aber zwei prima Stellplätze. Dort waren wir mehrere Tage.

Schlossruine am Hafen von Visingsö
Visingsö, der kleine Rastplatz im Süden der Insel. Nur Plumpsklo und kein Trinkwasser, wir waren trotzdem happy.
Ganz in der Nähe: ein gemütlicher Aufenthaltsraum mit Sitzecke, Sofa und was zu lesen (auf schwedisch)
Diese Borstenviecher haben wir auf einem unserer Speziergänge entdeckt und mit Rosinen gefüttert. Zufrieden grunzend haben die uns in guter Erinnerung.

Auf dem Foto oben ist unser Sandstrand Lager im Norden von Visingsö. Unter der Woche hatten wir diese Ecke komplett für uns allein. In der Zeit haben wir uns da richtig ausgebreitet: Zelt aufgebaut, einen Frühstückstisch da hin geschleppt, viel gespielt, gelesen, gechillt …

Blick aus dem Fenster, auf unseren Privatstrand

Einen ziemlich genialen Stellplatz hatten wir auch auf der See Insel Bolmsö, zu dem Zeitpunkt hatte ich bereits die Fähre für die Rückfahrt gebucht und dachte schon wieder an Hannover: 57.00791 / 13.71802

Dort auf dem Platz war die Situation wie folgt: eigentlich wollten die Betreiber nur noch Bed & Breakfast anbieten, der Camping Platz hatte deswegen seit 5 Jahren geschlossen. Wegen Corona war an Bed & Breakfast aber nicht mehr zu denken. Daraufhin hat die Familie beschlossen, den Campingplatz provisorisch wieder zu eröffnen. Für uns ein Glücksfall, den genau solche Plätze liebe ich. Einerseits eine gewisse Infrastruktur, die es bequem macht wie unbegrenzt heiß duschen und der Möglichkeit, das Chemieklo zu entsorgen. Andererseits viel Platz, Ruhe und wenig Leute, da keiner Bescheid weiß und den Platz ansteuert. Perfekt für uns.

Ausser mir waren noch zwei schwedische Riesencamper da, die gemeinsam am nächsten Tag abgefahren sind. Bolmsö selber hat ausser der sehr schönen Natur nicht viel zu bieten und es ist dort auch sehr schwer, einen LKW Stellplatz direkt am Wasser zu finden. Die nächste Einkausmöglichkeit ist erst 10 km weiter in Ljungby. Aber wir hatten genug dabei und da unten am Wasser war es wirklich schön und sehr ruhig gelegen.

Auf Bolmsö haben Peer und ich dann auch Max wieder getroffen, den wir vorher an unserem Standplatz am Vänern kennen gelernt hatten.

Max ist ein ziemlich cooler outdoor Typ und super drauf. Aktuell jobbt er für eine Firma, die sich auf SAP spezialisiert hat, davor hat er mehrere Jahre in China verbracht und ist viel in der Welt herumgekommen. Wir hatten uns daher viel zu erzählen und haben dort auf dem
Campingplatz ganze Vormittage mit ausgedeht Frühstücken, Schnacken und Kaffee trinken verbracht. Obwohl er gut verdient, schmeißt er sein Geld nicht aus dem Fenster und macht statt dessen sparsam richtig gut Urlaub. Anstatt wahllosem Konsum spart und investiert er lieber, um eines Tages von den Erträgen leben zu können. Genau mein Ding, obwohl ich nicht wie er den Mut gehabt hatte, mitten in der Corona Krise Lufthansa Aktien zu kaufen. Unterwegs war er einem der Firmenwagen, für den er noch nicht einmal den Sprit zahlen mußte. Obwohl er nur mit einem PKW, kleinem Zelt, Schlafsack und einem einfachen Kochset ausgerüstet war, hatte er vor unserem Treffen auf Bolmsö einen mehrtägigen Ausflug in die noch komplett verschneiten Nuaturparks im Norden von Schweden hinter sich. Um auf Schnee liegend zu übernachten. Ich war beeindruckt. Dabei muss ich gleichzeitig zugeben, daß ich das dicke Plus an Komfort in meinem LKW bestehend aus Bett, 1500W Kaffeemaschine, Gefrierfach (mit HägenDaz) Eis und mollig warmer Dieselheizung schon sehr schätze.

Sein Lebenskonzept war einfach, aber genial. Durch die clevere Urlaubskonstruktion mit dem Firmenwagen und der gratis Zelt Übernachtung überall mußte er lediglich Supermarkteinkäufe bezahlen, mehr nicht. Sein Notebook, um Kontakt mit der Firma zu halten, hat er an meiner Aussensteckdose aufgeladen, was wegen Solarstrom ebenfalls gratis war. Ansonsten brauchte er nix und war schlank unterwegs. Clever.

Campingplatz Bolmsö, Spätnachmittags

Max, Peer und ich hatten jedenfalls in etwa die gleiche Wellenlänge. Viel draussen sein, sich nicht stressen und gemeinsam grillen und chillen: das war genau nach unserem Geschmack. Wir sind dort mehrere Tage gemeinsam geblieben.

Bei den folgenden zwei Fotos weiß ich nicht mehr genau, wo ich sie gemacht hab:

Das war irgendwie hinter einer kleinen Abzweigung. Ich weiß noch, daß ich schnell von der Strasse runter mußte, weil ich ein Schild „Vägstation“ entdeckt hatte. Das wollte ich nicht unbedingt ausprobieren, daher zack rein in den nächsten Waldweg. Ich hab allerdings auch ein gewisses Händchen dafür, solche Orte zu finden.

Dort haben Peer und ich nach dem Schreck erst Mal Pause gemacht. Um auf einem kleinen Bahnhof einen verlassenen Zugrestaurant Wagen aus den 60er Jahren zu entdecken, dazu einen Lokschuppen, in dem gerade eine Dampflock restauriert wurde.

Ein schönes und interessantes Erlebnis hatten wir dann noch am Oppmannasjön, das ist der See links vom Ivö See.

Zunächst hatte ich mit dem T244 die Insel Ivö angesteuert, denn bislang hatten wir mit „schwedischen Inseln, die in einem schwedischen See liegen“ immer richtig gelegen. Das sollte sich mit Ivö ändernd, denn dort hat es mir gar nicht gefallen. Ivö wird von einem bis auf den letzten Zentimeter vollgepackten riesen Campingplatz dominiert, der einem gleich bei der Ankunft am Hafen einen Schlag ins Gesicht verpaßt. Sämtliche Stellmöglichkeiten auf der Insel sind (bis auf zwei) mit no camping / no parking versehen. Und diese beiden Parkplätze waren nicht nur schlicht trostlos, sondern so dermaßen mit Mücken verseucht, daß sich sogar ein Finne gewundert hätte: in Finnland sind noch mehr Mücken als üblicherweise in Schweden.

Hier waren wir verkehrt, doch die Zeit wurde knapp und eigentlich waren wir erneut mit Max verabredet, der nur eine knappe Stunde hinter uns war. So hab ich dann, als es schon dunkel wurde, den Badeplatz von Österslöv angesteuert, am Rabelövssjön. Zeitgleich mit Max traf ich ein. Erster Eindruck: sehr schön gelegen, aber leider schon belegt. An der einen Feuerstelle war eine arabische Großfamilie, an der zweiten vier arabisch aussehende Männer, die gerade dabei waren, Feuerholz aufzuschichten.

Ich: „okay, es wird dunkel, woanders können wir eigentlich nicht mehr hin – ich frag die jetzt einfach, ob wir uns dazu gesellen können“. Gesagt, getan, obwohl Max und Peer sichtlich kein gutes Gefühl bei der Sache hatte. Ich hatte ebenfalls Bilder feiernder Großfamilien in den Parks von Hannover im Kopf, wo es selten ohne Krach, Respektlosigkeit und liegen gebliebenen Müll abläuft.

Die ersten Minuten waren daher etwas ungemütlich. Es war auch eine gewisse
Überwindung. Von den vier Männern konnte nur einer ein ganz klein wenig Englisch, wir dagegen kein Wort Arabisch oder Schwedisch. Ich hab dann die gleiche Methode wie auch schon im Iran angewendet, nämlich sich durch Bilder zeigen, Google Translate, Gesten und so weiter verständlich zu machen. Nach kurzer Zeit war das Eis gebrochen und wir wußten: okay, die sind eigentlich ganz nett – und das dachten die vier wohl auch von uns.

Die vier kannten sich, waren Kurden aus dem Norden des Irak und gemeinsam über die Türkey, Österreich und sogar durch Deutschland geflüchtet. Hier in Schweden hatten sie eine neue Heimat gefunden. Die vier haben uns Fleischspieße mit Brot spendiert und als ich gesehen hab, daß sie schwedisches Bier trinken hab ich aus dem LKW „richtiges“ deutsches Bier geholt – was sehr gut angekommen ist. Ich konnte berichten, daß ich von Kurden im Norden der Türkei schon einmal sehr gastfreundlich aufgenommen wurde. Um Mitternacht war der Abschied richtig herzlich und ich hab nebenbei erfahren, daß der Norden vom Irak um deren Heimat Sulaymaniyah herum ein vergleichsweise sicheres Reisegebiet sein soll. Die Tradition der Gastfreundschaft haben die vier aus ihrer Heimat nach Schweden mitgebracht und sie in Europa nicht vergessen.

Spät Abends am Rabelövssjön, mit Peer und Max. Dort hat man einen 240 Grad rundum Blick über das Wasser.
Der gleiche Platz, Frühstück am nächsten Morgen. Max hatte in seinem Zelt auf einem Steg im Schilf übernachtet.

Kurze Zeit später war es dann soweit, sich auf den Rückweg nach Deutschland zu begeben. Auf Peer und mich wartete die Fähre von TT Line von Trelleburg nach Travemünde. Kostenpunkt für den LKW mit zwei Personen: 100 Euro. Spektakulär !

Wie schon auf der Hinfahrt war auch auf dieser Linie nichts los. Zusammen mit meinem Truck sind exakt drei andere Autos mit auf die Fähre gerollt. Einsames Kind vor dem Fernseher. Für Verpflegung hatten wir vorsichtshalber selbst gesorgt.
In der Schiffs Lobby mit der Rezeption ist eigentlich pausenlos Betrieb. Während der Corona Kriese konnte man hier jedoch ungestört stundenlang ein Nickerchen machen. Ohne gestört zu werden und ohne dass jemand Anstoß daran genommen hätte.

Peer hab ich dann pünktlich zum Beginn des „richtigen“ Schulunterrichts wieder in Hannover abgeliefert. Der dann gleich wieder für ihn vorbei war. Denn dafür, daß wir aus der Reihe getanzt sind haben uns die Lehrer beim Gesundheitsamt verpfiffen – und die haben uns eine 14 tägige Quarantäne verordnet. Wegen „Schweden“, obwohl wir durchweg sehr wenig Kontakt hatten. Naja, da kamen dann ein paar dämliche e-mails und weiter kontrolliert hats keiner. Aber nett war das nicht gerade von Peers Lehrerschaft.

Die Bundespolizei (ohne Alltagsmaske !) in Travemünde hatte dagegen einfach nur unsere Pässe kontrolliert, sich offen begeistert vom T244 gezeigt und uns eine gute Heimreise gewünscht …

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