Humanitarian Daily Ration: Inhalt & Test, HDR als Zivilschutz

Die Humanitarian Daily Ration ist das zivile Gegenstück zur militärischen Notration und kommt aus den USA. Enthalten sind zwei Nahrungs Rationen mit vegetarische Tagesgerichten, Snacks und Zubehör wie Gewürze und ein Plastiklöffel. Ähnlich wie die militärischen MRE (Meal Ready to Eat) der US Army kann das Gericht kalt gegessen werden, wenn ein erhitzen z.B. im Wasserbad nicht möglich ist.

Anders als beim patenten MRE sind jedoch weder ein chemischer Kocher noch Getränkepulver enthalten.

Lachsfarbene Humanitarian Daily Ration aus den USA

Die Packungen sind so design, dass sie unverpackt lose aus einem tief fliegenden Flugzeug abgeworfen werden können. Dieser Streueffekt verhindert, dass sich einzelne, bewaffnete Personen in Krisen Gebieten eine ganze Palette schnappen können. Anfangs war dabei die Farbgebung unglücklich: die ersten in Afghanistan abgeworfenen HDR’s waren gelb, genau wie die Submunition der dort verwendeten Clusterbomben vom Typ BLU-97.

In Afghanistan hatte die ungeschulte Bevölkerung daher Probleme zu unterscheiden, ob die Amerikaner gerade die guten Sachen oder die bösen Sachen aus ihrem Flugzeug warfen. Daraufhin sah sich die Amerikanische Regierung genötigt, die Nahrungsrationen für die Zivilisten zukünftig Lachsfarben zu verpacken. Die Farbgebung der Bomblets für die Islam Terroristen wurde bei Gelb belassen.

In das Design der Menüs sind umfangreiche Überlegungen eingeflossen. Jede Menge weltweiter religiöser Tabus haben dafür gesorgt, dass die Mahlzeiten aus rein vegetarischen Gerichten bestehen. Tagesgerichte ohne Fleisch: das ist der kleinste gemeinsame Nenner für Moslems, Hindus, Juden, Katholiken, radikale Veganer und die Grünen. Und allen anderen Erdbewohnern mit einer westlichen Sozialisierung. Denn auch in westlichen Krisen Gebieten wie dem Kosovo oder in christlichen Ländern Afrikas kamen die Humanitarian Daily Ration zum Einsatz.

Erwarten kann der Finder solch einer luftverlegten, robusten Nahrungspackung zwei einzeln verpackte Gerichte. Enthalten sind zusätzliche Snacks wie Marmelade oder Erdnussbutter – diese können mit zerbröselten Keksen auch an Kleinkinder verfüttert werden. Der gesamte Inhalt kommt auf etwa 2200 Kalorien und reicht für einen Tag.

Obwohl die Packungen mit Menü 1, Menü 2 und so weiter beschriftet sind scheint der Inhalt zufällig zu sein. Anders als bei den MREs gibt es nicht 24 verschiedene Packungen, sondern ca 10 Hauptgerichte von denen jeweils zwei zufällig in der Verpackung landen. Das Zubehör ist immer ähnlich.

Die möglichen Gerichte sind:

Graupel Eintopf in Tomatensauce
Reisgericht mit Gemüse
Rote Bohnen und Reis
Bohnen mit Reis in Tomatensauce
Erbsen in Tomatensauce
Bohnen mit Kartoffeln
Bohnensalat
Gelber Reis
Kräuter Reis
Nudeln in Tomatensauce

Insbesondere die energiehaltigen Kekse können im Gehen verzehrt werden. Daher auch dann, wenn man gerade auf der Flucht oder aus anderen Gründen in Bewegung ist. Alles ist nochmal extra einzeln verpackt. Die Humanitarian Daily Ration widersteht Kälte, Hitze, Wasser, Dreck und überlebt wie schon geschrieben den Abwurf aus dem Flugzeug.

Die offizielle Lagerfähigkeit wird mit 3 Jahren angegeben, dürfte aber deutlich darüber liegen.

Typischer Inhalt einer Humanitarian Daily Ration

Inhalt von einer Humanitarian Daily Ration

Neben den zwei Hauptgerichten gibt es zwei grosse Kekse, Cracker, Kuchen mit braunem Zucker, Erdnussbutter und Erdbeer Marmelade. Das immer gleiche Zubehör besteht aus einem Löffel, Papier Serviette, Zucker, Salz, schwarzem Pfeffer und einer extra Portion rotem Pfeffer. Das ebenfalls beiliegende Feuchtetuch enthält keinen Alkohol.

Im „Menü 5“ war folgendes, wobei die Hauptgerichte Zufall sind:

Hauptgerichte Vegetable Barley Stew – vegetarischer Graupeneintopf in Tomatensauce
Peas in Tomato Sauce – Erbsen in Tomatensauce
Kekse Cracker (bei uns auch als Panzerplatten bekannt)
Toasted Pastry Kuchen, brown suggar
Shortbread Cookie
Oatmeal Cookie
Sweets Erdbeer Marmelade + Erdnuss Butter
Zubehör Serviette, Löffel, Salz, Zucker, Pfeffer, roter Pfeffer, Feuchtetuch

Die Graupen in Tomatensauce fand ich lecker, sehr tomatig und leicht pikant mit Pfeffer, Karotten & Zwiebeln abgeschmeckt.

Hauptgericht Graupen in Tomatensauce aus einer Humanitarian Daily Ration

Bei den Erben in Tomatensauce waren meine Erwartungen gering. So kaufe ich Erbsen grundsätzlich tief gefroren und nicht in Dosen, weil Konsistenz und Geschmack viel besser sind. Als tomatisierte Erbsen waren sie im HDR aber durchaus schmackhaft, vor allem wenn dem Gericht mit etwas Pfeffer nachgeholfen wurde.

In zwei weiteren Packungen hatte ich 2x erneut die Erbsen in Tomatensauce, jedoch auch den Linseneintopf und Reis mit Gemüse.

Die Gerichte Rice with Vegetables und Lentil Stew aus einer Humanitarian Daily Ration
Beides ein klein wenig klebrig, so dass man es sogar mit Stäbchen essen könnte. Erneut war ich vom Geschmack positiv überrascht.

Der Reis mit Gemüse war bissfest und beide Mahlzeiten hatten Soja Stückchen, die fast die faserige Konsistenz von Fleisch hatten. Zwiebelpulver, ein wenig Pfeffer, Karottenpulver und Knoblauchpulver als Gewürz haben beiden Portionen den nötigen Pepp verpasst. Mein Urteil: durchaus schmackhaft.

Cracker und Erdnussbutter in einer Humanitarian Daily Ration
Die Cracker Platten mit der Erdnuss Butter.

Pro Tip: zusätzlich den extra Zucker und etwas von dem Salz auf die Erdnussbutter. Ernährungsberater würde bei sowas Schnappatmung kriegen, aber diese Kombination schmeckt echt ziemlich lecker.

Analyse vom HDR Inhalt mit Pro & Contra. Und: die versteckten Vitaminbomben der Amerikaner !

An der Verpackung der Humanitarian Daily Ration erkennt man sofort, dass das Produkt aus der gleichen US Fabrik kommt, in der auch die US Army MREs hergestellt und verpackt werden. Die Hersteller in den USA verfügen dabei über eine jahrzehntelange Erfahrung in der Produktion von militärischen Notrationen. Abgesehen von der robusten und erprobten Verpackung haben die Humanitarian Daily Rations daher noch etwas anderes von den MREs geerbt: eine massive Anreicherung mit lebenswichtigen Vitaminen.

Die Liste der gesunden Nahrungsmittelzusätze ist bei der Humanitarian Daily Ration sehr lang.

Ich hab in den Keksen, aber auch in den Hauptgerichten oder der Erdnussbutter die folgenden zugesetzten Vitamine entdeckt: Niacin, B1 Thiamin, B2, Riboflavin, Vitamin A, Vitamin C, Vitamin D … dazu Zink, Eisen Magnesium und vieles mehr.

Insgesamt ist in den Gerichten jedoch viel zu viel Zucker enthalten.

Im Gegensatz zum ursprünglichen MRE aus dem die Humanitarian Daily Ration entwickelt wurde fehlen leider Getränke oder Getränkepulver. MREs enthalten im Gegensatz zu den britischen oder deutschen Militärrationen auch keine Tabletten zur Wasseraufbereitung. Nicht einmal Streichhölzer liegen der HDR bei, was wirklich naheliegend wäre.

Obwohl sauberes Wasser oder die Aufbereitung vom Wasser zu Trinkwasser in Krisen Gebieten eine hohe Priorität hätte fehlt das gänzlich in der Humanitarian Daily Ration. Ich vermute, weil nur Komponenten aus dem US MRE Sortiment verwendet wurden. Dort kommen Chlortabletten ganz einfach nicht vor.

Ich vermute, dass der ebenfalls weggelassene chemische Kocher als zu teuer oder als viel zu kompliziert für die Zielgruppe empfunden wurde. Während die original MREs mit 24 verschiedenen Packungen eine hohe Variation aufweisen und sich bei zwei Mahlzeiten pro Tag erst nach 12 Tagen wiederholen ist das bei der Humanitarian Daily Ration ebenfalls viel simpler.

10 Gerichte, die sich geschmacklich ähneln machen so ein HDR nicht gerade zu einem Favoriten für Liebhaber militärischer Feldrationen.

Das Konzept ist erkennbar für die Linderung akuter Notsituationen und nicht für einen längeren Zeitraum gedacht.

Preislich kostet eine Humanitarian Daily Ration in der Herstellung etwa 5$. Das ist deutlich unter den Produktionskosten von einem MRE, die bei geschätzt 15$ – 18$ liegen.

Überlegungen zum privaten Zivilschutz in Deutschland

Die Humanitarian Daily Ration bekommt man zu einem relativ vernünftigen Preis. Da die Diskussion in Deutschland um zivile Notvorräte für Krisenzeiten gerade wieder aufgeflammt ist habe ich mich zu diesem umfangreichen Test entschlossen. Es wäre durchaus überlegenswert, sich die sehr lange lagerfähig bleibenden HDR’s zu beschaffen und zusammen mit Wasservorräten und Notkochern zu bunkern.

Starkregen, Schneekatastophen, Unwetter wie die Flutkatastophe vom Ahrtal oder auch der Corona Lockdown haben gezeigt, dass auch in der Industrienation Deutschland privater Zivilschutz Sinn macht. Insbesondere abseits grosser Städte sollte man ein paar Tage auf sich allein gestellt zurecht kommen.

Meiner Meinung nach kann man das sehr gut mit einem Camping Kocher, Notrationen wie diesen hier und abgepackten Wasser Vorräten bewerkstelligen. Das alles könnte man in einer grossen Segeltuchtasche verstauen, die man im Notfall rasch vom Keller in ein Auto umladen kann.

Ich fand die HDRs durchaus lecker, aber die fehlenden Getränke sind aus meiner Sicht ein Nachteil. Mein Favorit sind und bleiben daher die original US Army MREs und die Bundeswehr EPAs (Testbericht dazu) aus Deutschland. MRE wegen dem beiliegenden Kocher und der Möglichkeit, sie während der Fahrt zuzubereiten. Damit grundsätzlich auch an ungewöhnlichen Orten oder auf Trecks. Die Bundeswehr EPAs benötigen zwar einen extra Kocher, sind dafür aber sehr reichhaltig. Sie haben sehr viele Getränke an Bord und bringen einen im Gegensatz zum MRE durch den ganzen Tag.

Englische Wikipedia zu der Humanitarian Daily Ration (Webseite)

Eigener Bericht zu BP-5 Notrationen aus Seenot Rettungsinseln

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