Island, im gar nicht Mal so kalten Nord-Osten

Eine weiße Dampswolke steigt über dem türkis farbenen See im Krafla Geothermalgebiet auf

Oben im Norden dampft und kocht es. Island zapft mit Geothermalen Kraftwerken halb schlummernde Vulkane an, um mit dem heißen Dampf Strom und Wärme zu erzeugen. Das erste Bild ist in der Nähe vom Krafla Kraftwerk entstanden, welches 1984 bei einem Vulkanausbruch schon Mal fast von etwas Lava verschluckt wurde.

Insgesamt hat sich der Spätsommer im September nochmal versöhnlich gezeigt. Es war vergleichsweise warm, sonnig und trocken in Island, mit wenig Wind. Warm so wie bei uns im Spätsommer.

Gratis Dusche mit warmen Wasser vor dem DAF T244 an der 863 Strasse zum Krafla Kraftwerk.
Eine heisse Dusche, mit 40 Grad. Diese gratis outdoor Dusche ist das ganze Jahr geöffnet und auf dem Weg zum Krafla Geothermalkraftwerk an der 863 zu finden. Ich hab das mit Begeisterung genutzt: Truck passend hingestellt als Umkleidekabine und Windschutz, damit war die Dusche für ein ausgedehntes Bad direkt vor der Tür.
Lagerfeuer in einer Feuerschale am dunklen Strand am Myvatn See Island. Wolken und ein Rest Tageslicht spiegeln sich im See.

Abends, am Myvatn See. An dem Abend war es ziemlich windig, was den kleinen Fliegen dort den Spass verdorben hat, müde Reisende zu ärgern. Myvatn heisst übersetzt Mückensee, tatsächlich sind es aber kleine, lästige Fliegen, die sich für Augen, Nasenlöcher, Haare & Ohren interessieren und dort alles erkunden wollen.

Anders als in Norwegen, wo Feuer machen in den Sommermonaten grundsätzlich und ausnahmslos verboten ist scheint Island keine einheitliche Reglung für Lagerfeuer zu haben. Mich triggert es immer extrem wenn ich sehe, daß Leute im trockenen Wald ein Lagerfeuer machen. Oft nur, um die ansonsten unbenutzte Fiskars Axt für den Instagram Tagesbericht und Amazon Kauf links in Scene zu setzen. Im Gegensatz zu Griechenland, Italien und Spanien wo Feuer machen eher lax gehandhabt wird hat Norwegen seinen Wald jedenfalls noch.

Beim zündeln im trockenen Wald wird ausser Acht gelassen, dass ein guter Mischwald 75 Jahre braucht, um heranzuwachsen. Für ein paar Würstchen, die an einem Abend gegrillt werden wird fahrlässig riskiert einen ganzen Wald abzubrennen. Der braucht ein Menschenleben, um nachzuwachsen und ist Lebenraum für unzählige Tiere.

Mein Lagerfeuer am Strand vom Myvatn See hab ich mit Schwemmholz und einer zersägten Europlalette gemacht. Und ich hatte das okay vom Campingplatz Besitzer.

Menschen baden in Geosea Thermalbad in Husavik mit Blick auf das Meer.
Das Geosea Thermalbad in Husavik.

Die 5500 ISK waren natürlich erst Mal ein Schock, das sind umgerechnet rund 40 Euro. Trotzdem kann man den Besuch mit dem Nature Bad in Myvatn vergleichen – dort ist es sogar noch teurer. Im warmen Badebecken blickt man aufs Meer hinaus, wunderschön.

Eine Gruppe von Menschen beobachtet den Dettifoss Wasserfall in Island.
Am Dettifoss Wasserfall, ebenfalls bei bestem Wetter. Das eher schmutzige Gletscherwasser donnert hier mit einem ohrenbetäubenden Getöse in die Tiefe.
Nahaufnahme vom Dettifoss Wasserfall in Island
Einer der typischen, knuffigen Campingplätze in Island: Camping 66.12 North. In dem gelben Haus ist ein Minimuseum unter gebracht, die kleinen Hütten haben Grassoden als Dach. Campen oder Parken tut man dann direkt auf einer geräumigen Wiese am Meer. Das ganze für 1500 ISK in der ersten nach und nur 1000 ISK für jede weitere. Unbegrenzt heisse Dusche inklusive.
Feuer in einer Feuerschale am Meer
Lagerfeuer, unten am Strand vom Camping 66.12 North. Das ist eine Nachtaufnahme, Abends beim wärmenden Feuer hab ich dort die ersten, zaghaften Nordlichter am Nachthimmel gesehen.
Grünes Autora Nordlicht in Island vor der dunklen Silhouette vom DAF T244
Anfang September muss man etwas Glück haben und das Aurora leuchten ist noch nicht so intensiv. Trotzdem, vor allem wenn man ganz im Norden von Island ist, kann das bereits klappen. Ab 23:00h lohnt es sich, Ausschau zu halten. Auf dem Campingplatz waren ziemlich viele Menschen mit ihren Kindern bis spät in die Nacht wach, um das Schauspiel am Himmel zu verfolgen. Gratis dazu. Es kostet nichts, die eigenen Augen zu benutzen.
Bunt bemalter Cadilac und rotes Auto von Ford
Entdeckung am Strassenrand. Ein farbenfroh tätowierter Cadilac.
Artic Henge Kunstwerk im Nebel
Mystisch: das Arctic Henge Monument im Seenebel. Dieses Freiluftkunstwerk ist noch in der Entstehungsphase. Drin herum laufen kann man bereits, die vier Tore stehen exakt im Norden, Süden, Westen und Osten. Ein modernes Stonehenge ganz im Norden von Island. Nachts kann man interessante Fotos machen: mit Aurora oder Sternenhimmel.
Nördlicher Punkt von Island bei  66.538, -16.196
Als Spaziergang geplant wurde mein Ausflug zum nördlichen Punkt vom Festland Island zu einer kleinen Expedition. Über Felsen und Baumstämme, anstatt über Stock und Stein. Das rostige Schiffswrack markiert bei 66.538, -16.196 ungefähr das Ende der Insel.

Ein ausführlicher Bericht darüber ist hier: www.25u.de/Ausflug zum nördlichsten Punkt von Island

Im September werden geschlossenen Einrichtungen und heruntergefahrene Infrastruktur langsam zu einem Problem. Viele Museen, speziell ein paar der originelleren (Reisebericht über Islands skurrile Museen) hätte ich mir gern noch angesehen.

Dafür war die Übernachtung auf ein paar eigentlich schon geschlossenen Campingplätzen gratis. Klo & Duschen gingen manchmal trotzdem.

Erlebnis in Bakkafjördur:

Der kleine Ort ganz im Norden und vom Meer umgeben besteht nur aus ein paar Häuser. Viele stehen leer. Es gibt ein paar Hallen und die übliche Landschaft aus für die Ewigkeit geparkten Fahrzeugen. Alles zu. Unten an der vor langer Zeit zusammen gebrochenen Hafen Mole ist bei der N1 Zapfsäule ein Mini Grill als einziges Restaurant.

Dort hab ich mich als einzigen Kunden reingesetzt. Aber: niemand da. So hab ich eine Zeit lang einfach nur an nichts bestimmtes gedacht und aus dem Fenster geschaut. Irgendwann kommt ein Isländer, der ebenfalls etwas kaufen will. Er meinte, auf dem Zettel an der Tür steht auf isländisch, daß der Besitzer gerade krank ist. Er hat ihn daraufhin angerufen, wieso seine Tür nicht verriegelt ist. Antwort: leider ist das Schloss gerade kaputt, darum ist die Tür immer auf.

Das ist Island. Nicht so trubelig, alles etwas angerostet, man vertraut einander. Ein Laden kann tagelang über Nacht auf sein, trotzdem fehlt nichts.

Roter Sonnenuntergang

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