Reparatur der Kaltstart / Start Pilot Anlage

Ich hab vor kurzem den Startpilot Behälter ersetzt. Der Plexiglasbehälter hatte sich im Laufe der Zeit zersetzt und war zerbrochen. Die Anlage wird verwendet, um bei sehr kalten Temperaturen ein Kaltstartmittel in die Luftansaugung vom Cummins Motor einzuspritzen. Der DAF T244 hat zwar einen Diesel Motor, der besitzt jedoch keine Vorglühanlage. Er startet direkt und einfach so, wenn man den Schlüssel umdreht.

Bislang hat der DAF T244 das mit seinem treuen Cummins bei mir auch im Winter bei -10 Grad getan. Ab welchen Minusgraden es wirklich erforderlich ist, das Kaltstartmittel zu verwenden weiß ich leider nicht.

Anbei Mal ein Bild von der Aktion:

Das ganze funktioniert wie folgt:

Im Cockpit ist in der Mittelkonsole eine Pumpe eingebaut, die Überdruck erzeugt. Die Pumpe ist wie eine kleine Fahrradpumpe aufgebaut und funktioniert auch genau so. Bei tiefgefrorenem Motor wird in den Start Pilot Vorratsbehälter draußen beim Hauptschalter mit Startpilot Flüssigkeit aus einer Dose eingefüllt. Nun wird zwei Mal gepumpt, bei komplett leerer oder neuer Anlage wohl auch mehr.

Der erzeugte Überdruck (Eingang) presst den Inhalt vom Startpilot Behälter in die Luftansaugung hinter dem Turbo (Ausgang). Beim starten zündet das verdunstende und leicht entzündliche Mittel auf jeden Fall. Der Motor ist dann in Bewegung und für einen Moment lang warm genug, um auch Diesel zu zünden. Läuft.

Der Gag ist: kaum einer weiß etwas über dieses Feature oder nutzt es anscheinend. Und der Super-Gag kommt erst noch: bei mir waren die Leitungen vertauscht. Das heißt, es konnte überhaupt nicht funktionieren. 30 Jahre lang nicht.

Die Pumpe ging nur ganz schwer und irgendwie passierte da gar nix, als ich das ganze zum Schluss in ein Glas Wasser gehalten hab. Aus dem am Ausgang (!) angeschlossenen Röhrchen, was ich dann abgeschnitten hab blubberte es dann jedoch und die Pumpe ging plötzlich wie vorgesehen. Die Leitungen wurden offenbar im Werk von Leyland DAF Paccar bei der Montage vertauscht !

Ein neuer Startpilot Behälter mit komplettem Schraubensatz
Eigentlich war bei mir ja nur der Plexiglas Behälter kaputt. Das Teil komplett zu ersetzen kann aber nicht schaden, denn oft hat sich das Rückschlagventil zugesetzt oder die Abdeckung schließt nicht mehr richtig.

Das gleiche System wird auch beim Mercedes Unimog eingebaut. Dort gibt es das alte System (wie im DAF T244) und ein etwas moderner aussehendes mit stylischem Behälter. Das sieht so aus, als könnte man es ebenfalls verwenden. Die Anschlüsse scheinen exakt die gleichen zu sein. Danke an der Stelle an Thomas vom DAF T244 Forum für den Hinweis, daß der DAF das System von Mercedes hat !

Kosten tut das ganze zwischen 80,- und 120,- Euro, wenn man direkt vom Händler für Original Ersatzteile (Mercedes) kauft. Ich hatte zwei Optionen: A) abbauen, weil kaputt und viel zu teuer oder B) irgendwo billig ersteigern und ersetzen, obwohl der Einsatz irgendwie fraglich ist. Ich hab dann bei ebay einem Privatanbieter 35,- Euro geboten, er hat dem Angebot zugestimmt und so bin ich nun über die Option B zu meinem gekommen.

Die Anlage (das Patent) stammt wie gesagt von Mercedes. Im Gegensatz zum Bremsenreiniger oder dem Startpilot aus der Sprühdose vom Baumarkt ist die Zusammensetzung bei dem Anlasskraftstoff (so die offizielle Bezeichnung) anders. Bremsenreiniger hat natürlich einen vergleichbaren Effekt, der ist ausserdem billiger und leichter zu beschaffen bzw man hat ein, zwei Dosen zu Reinigungszwecken sowieso an Board.

Weil der Anlasskraftstoff verdunstet, ist ein Drucksystem notwendig, was zusätzlich für die exakte Dosierung sorgt. Der Anschluss bei dem Startbehälter ist ja auch etwas speziell und nur für die bei Mercedes zu kaufenden Dosen. Die Teilenummer von Mercedes für die Startpilot Flasche ist dann die:

A0005550010 / Preis ca 40 Euro

Die Einspritzung ist hinter dem Luftfilter und dem Turbo. Das ist vermutlich besser als bei einer Startpilotdose aus dem Baumarkt, die in die Luftansaugung gehalten wird und den Filter / Turbo passieren muss. Denn aufschrauben wird der gewöhnliche LKW Fahrer den Luftfilter vermutlich nicht, bei derben minusgraden.

Motorschonender wäre es wohl, vorgewärmte Luft zu verwenden (Heißluftfön, wäre mit meiner Elektrik im Aufbau tatsächlich machbar) oder gleich das Kühlwasser vorzuwärmen.

Allgemeiner Konsens scheint zu sein, daß Motoren, die so eine Startpilot Anlage haben (=dafür vorgesehen sind) keinen Schaden nehmen, wenn sie exakt so wie vom Hersteller geplant mit dem richtigen Mittel korrekt dosiert gestartet werden. Daß Motoren nach Startpilot süchtig werden ist ein ganz altes Forums Märchen. In dem Fall ist der Motor verschlissen und muss revidiert werden, er hat jedoch keine Abhängigkeit entwickelt.

Meiner Meinung nach ist der Schwachpunkt bei großer Kälte wie -20 Grad aber am ehesten die Batterie. Beziehungsweise: die zwei Batterien, die beide gleichzeitig tiefgefroren einen hohen Strom liefern müssen. Wenn nur eine der beiden in Serie geschalteten Batterien schwächelt, fließt nicht genug Strom in den Anlasser.

In dem Fall nützen einem Startpilot & Co dann rein gar nichts.

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