Tücken beim Tanken in Island. Die Anbieter Olis, Orkan und N1 im Test.

Wenn deine Kreditkarte an den automatischen Tanksäulen der drei Anbieter Olis, N1 und Orkan in Island einwandfrei funktioniert, brauchst du nicht weiter zu lesen. Insbesondere Touristen mit VISA Debit Kreditkarten könnten in Island jedoch Probleme bekommen. Und Leute ohne Kreditkarte.

Problem: die Kreditkarte funktioniert stets drinnen im Shop, aber nicht an den automatischen Tanksäulen. Die Tanksäulen draussen sind etwas wählerisch. Bezahlen kann man dort nur mit Kreditkarte und vorab aufgeladene Guthabenkarten.

In meinem Fall ist die Kreditkarte eine VISA Debit einer ausländischen Bank speziell für Reisende. Sie hat eine vierstellige PIN, keine Jahresgebühr und keine Auslandsgebühren, mit sehr hohem Cashback.

Ursache scheint zu sein, daß die automatische Tanksäule zunächst einen Betrag reservieren (abbuchen) und erst in einem zweiten Schritt korrekt abrechnen will. Das führt zur Ablehnung der Karte. Die Herausgeber der Karte und die Tankstellenbetreiber schieben sich dabei gegenseitig den schwarzen Peter zu.

Im Supermarkt, Museum, Campingplatz, im WWW und so weiter funktioniert bei mir alles wie gewohnt. Um Diesel oder Benzin zu bekommen gibt es dann nur eine Möglichkeit: tagsüber mit Kreditkarte (oder Bargeld) im Tankstellen Laden Guthabenkarten kaufen – und damit draussen an der Tanksäule bezahlen. Die Guthabenkarten der drei Anbieter kann man dabei auf Vorrat kaufen, um sie später an abgelegenen, automatischen Tanksäulen ohne angeschlossenen Shop zu verwenden. So müssen es in Island auch Menschen ohne Kreditkarte machen. Wer gar keine Kreditkarte hat muss tagsüber viel Glück beim Bezahlen haben – manchmal ist eine Freigabe der Tanksäule möglich – oder Guthabenkarten kaufen.

Da mein DAF T244 nicht zu den sparsamsten Fahrzeugen gehört hatte ich oft Gelegenheit, das auszuprobieren und zu testen. Die Tankstellenanbieter findet man in der Nähe der Rundstrasse. Im Hochland sind bis auf eine einzige Ausnahme keine Tankstellen. Im Notfall kann man es dort nur bei Hüttenwirten oder anderen Reisenden versuchen.

Tatsächlich ist das Problem mit den ausländischen Kreditkarten bei allen Anbietern bekannt. Ich musste das nie erklären. Stets hab stets zu hören bekommen: ja ja das wissen wir, ich kann dir die Tanksäule frei geben und du kannst drinnen bezahlen (N1 in Isafjördur). Oder: ja ja, das ist ganz oft ein Problem, aber wir haben 10.000 ISK Guthabenkarten für dich, die du hier am Tresen kaufen kannst (N1 in Pingeyri).

N1

N1 hat mit fast 100 Tankstellen das dichteste Netz (Karte) Guthabenkarten gibt es für 3000, 5000 und 10000 ISK.

Eine Webseite, um das Guthaben der Plastikkarten abzufragen ist hier: www.n1.is/en/service/prepaid-card

An der Tanksäule hantiert man dann solange mit den Plastikkarten herum, bis der Tank voll ist oder die Karten aufgebraucht sind. An ausgewählten, größeren N1 Tankstellen kann man auch drinnen bezahlen.

Das geht so: drinnen Bescheid sagen, welche Tanksäule freigegeben werden soll. Dann tanken und danach im Shop bezahlen. Direkt am Tresen funktioniert jede Kreditkarte problemlos oder cash.

Eine Hand hält 6 blaue Guthabenkarten vom Anbieter N1 und eine Papier Quittung fest. Auf einer Guthabenkarte aus Plastik ist die Beschriftung Innkort prepaid card zu sehen.

Technisch funktioniert es mit den Guthaben Karten so: zuerst steckt man die Guthabenkarte in die Tanksäule. Die Tanksäule weiss nun, auf welches Guthaben zugegriffen werden soll. Die Karte ist nur der Ausweis oder Schlüssel, hat selber aber keine Speicherfunktion.

Abgerechnet wird erst, wenn der Zapfhahn wieder eingehängt wird. Wenn man weniger als für das maximale Guthaben tankt, verliert man kein Geld. Dieses Verfahren ist bei allen Anbietern mehr oder weniger gleich.

Sämtliche Karten sind Einwegprodukte und Müll (Plastikmüll), wenn das Guthaben aufgebraucht wurde.

Technisch könnte man das viel besser lösen: wirklich alle Kreditkarten zum funktionieren bringen (vorzugsweise) oder es ermöglichen, die Guthabenkarten mehrmals zu verwenden oder neu aufzuladen.

Aber Konzerne, die Öl verkaufen, damit es in Autos verbrannt wird haben kein Problem damit, massenhaft aus Öl hergestellte Einweg Plastikkarten zu verkaufen. In dem Fall wird das Öl als Plastik verbrannt und nicht im Auto. Das Ergebnis ist das gleiche.

Olis

Beim Anbieter Olis, der meist mit einem Grill 66 vergesellschaftet ist hatte ich gelegentlich die Möglichkeit, vor dem Tanken an der Pumpe einen Knopf für „drinnen bezahlen“ zu drücken. In dem (Glücks-)Fall tankt man voll und zahlt anschließend drinnen im Shop. So wie in Deutschland.

Mit Olis habe ich grundsätzlich gute Erfahrung gemacht. Sehr hilfsbereit und mit günstigem Grill + Shop ein guter Anlaufpunkt, um das nötigste zu kaufen.

Eine Übersicht über das Tankstellennetz ist hier: www.olis.is/solustadir/thjonustustodvar

Als einziger Anbieter ist Olis damit exakt ein Mal im Hochland tätig. Der letzte Aussenposten zur Zivilisation ist in Hrauneyar an der F26, im Highlandcenter. Ein paar Kilometer westlich, wo die F26 auf die F208 trifft. Stand der Information: Juli 2022.

Olis vertreibt Guthabenkarten mit 3000 und 5000 ISK. In Varmahlid gab es damit Probleme. Ich hatte 10 Guthabenkarten für jeweils 5000 ISK gekauft, um damit nacheinander jeweils rund 15 Liter Diesel in den Tank zu füllen.

Eine Olis Tanksäule mit grünem Bildschirm, Kartenleser und Zahlen Tastatur. Unter dem Ausgabefach für die Papier Quittung liegen 7 benutzte, gelbe Olis 5000 ISK Guthabenkarten aus Plastik.
Eine schöne Beschäftigung: Sprache wählen, Karte einstecken, irgend einen Betrag über 5000 wählen, sparsame 14,5 Liter tanken, Zapfhahn wieder einhaken – und das ganze von vorn.

Die Tanksäule hat dann allerdings nur Diesel für 4950 rausgerückt. Bei ersten Mal hab ich das noch für einen Zufall gehalten, aber nachdem zehn Karten zehn Mal 50 Kronen weniger rausgerückt haben war klar: das hat System und ist so vom Anbieter programmiert worden. Womit ich nicht einverstanden war.

Eine digitale Anzeige von einer Tanksäule, die 4950 Krone und 14,39 Liter anzeigt. Weiter unten steht der  Preis 341,5 Kronen pro Liter.

Ich hab daraufhin das Team in der Tankstelle gebeten, mit die fehlenden 500 Kronen auszuzahlen. Was dort für ein ziemliches Erstaunen gesorgt hat.

Offenbar ist es in Island üblich, es für Gottes Ratschluss zu halten, wenn man um 10 x 50 = 500 Kronen betrogen wird. Ich bin aber nicht besonders gläubig. Nachdem die drei (zum Schluss etwas verunsicherten) Studenten an der Kasse meinten, sie hätten nur eine Hotline Nummer und morgen wäre der Manager da hab ich entgegnet: ich übernachte jetzt draussen im Truck auf eurem Parkplatz. Morgen früh bin ich in der gleichen Angelegenheit wieder hier. (Anmerkung: mit guter Begründung 2000 ISK für den Campingplatz gespart)

Tatsächlich hab ich am nächsten Morgen erneut die fehlenden 500 Kronen eingefordert. Ich hab (wirklich ganz freundlich) klar gemacht, daß ich mich im Recht sehe und auch warum und erst wieder gehe, wenn die Angelegenheit in meinem Sinne geklärt ist. Diesel für 500 Kronen oder Geld. Die 500 Kronen wurden mir dann durch die anwesende Managerin in bar ausgezahlt. Die Olis Mannschaft in Varmahlid ist vermutlich heil froh, mich nach dem Sommer endlich wieder auf dem Schiff Richtung Dänemark zu wissen.

Beim Anbieter Olis ist es daher ratsam, auf eine faire Abrechnung zu achten, um nicht barbiert zu werden. Fraglich ist, ob das System hat und Olis in ganz Island bei jeder Karte 50 ISK stibitzt – oder nur in Varmahlid. Oder nur bei mir.

Ich habe für Olis keine Möglichkeit gefunden, das Guthaben online abzufragen.

Orkan
Eine Tankstelle in Island von Orkan mit pinken Tanksäulen und Shop. Der Shop hat ein pinkes Dach und ein Schild mit Magasin. Im Hintergrund sind Berge.
Eine Orkan Tankstelle – der kleine Laden in Bilduladur war leider geschlossen.

Auch Orkan verkauft Guthabenkarten. Eine Abfrage vom Kontostand der Prepaidkarten ist hier möglich: www.orkan.is/stada-inneignarkorts

Das Netz ist mit 70 Standorten nicht so dicht wie bei den beiden anderen Anbietern und nur in Ausnahmefällen hat Orkan eigene Shops angedockt.

Eine Karte über das Tankstellennetz ist hier: www.orkan.is/english

Diesel Alternative Litud Olia ?

Litud Olia (bei Olis) oder Velaolia (Orkan) heisst übersetzt etwa „eingefärbtes Öl“. Technisch handelt es sich um Dieselkraftstoff, der steuerlich begünstig ist und mit einem meisst grünen Farbstoff markiert wurde. Dieser Treibstoff ist für Trecker, Baumaschinen, dieselbetriebene Wasserpumpen und ähnliches vorgesehen. Man bekommt ihn nur mit einer Kundenkarte.

Schade. Es wären 280 Kronen anstatt 340 Kronen pro Liter gewesen. Ich hatte gehofft, daß das Diesel für alte Motoren ist. Daher Diesel einfacher Qualität, der zum Beispiel nicht mit modernen common-rail Motoren + Abgasreinigung läuft. So wie im Iran, dort gibt es Euro-2 Diesel mit Schwefel und Euro-4 Diesel schwefelarm.

Scheidet leider aus. Falls man Litud Olia Diesel verfeuert gibt es vermutlich irgend eine Strafe, wenn man erwischt wird.

Fazit: Tanken in Island – was ist am allerwichtigsten ?

Das Netz aus Tankstellen ist in Island dicht und orientiert sich an der Ringstrasse und den größeren Ortschaften. Falls die eigene Kreditkarte an den Tanksäulen nicht funktioniert, läßt sich das bei allen Anbietern mit tagsüber im Shop gekauften Guthabenkarten kompensieren. Wenn die Kreditkarte bei einem Anbieter streikt, funktioniert sie vermutlich auch nicht bei anderen Anbietern.

Wer in Island in das Hochland mit seinen offroad F-Strassen will, muss ausreichend Diesel oder Benzin mitnehmen. Im Hochland gibt es praktisch keine Möglichkeit zu tanken.

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