Abgerissene Schraube: Reparatur der DAF T244 Lenkung

Ich muss mir irgendwann eine der drei Schrauben von der Lenkstange abgerissen haben. Wann, weiss ich nicht mehr, es könnte eventuell Anfang des Jahres in Italien gewesen sein. Vermutlich die eine Strecke in Sizilien, wo ich den LKW fast umgekippt hab und mit der Planierraupe den Hang hochgezogen werden musste.

Die ganze Geschichte ist hier: Sizilien / Italien im Januar, glücklich im Land der Lasagne

Oder: doch in Island. Die Strecken im Hochland sind durchweg heftig und ich bin mit Mia & Peer ein paar echt fetzige Offroad Tracks gefahren.

Jedenfalls hatte ich beim Einschlagen der Lenkung und dem Rangieren auf dem Parkplatz schon länger immer Mal wieder ein ominöses knacken. Daher tippe ich auf Italien im Januar UND dass der Tüv / Dekra die Sache später glatt übersehen hat. Was ganz schlecht wäre.

In dem Fall wäre es erstaunlich, wie lange der DAF T244 dann noch durchgehalten hat.

Aufbau der Lenkung beim DAF T244

Das Lenkrad wirkt zunächst auf die Servolenkung von ZF Friedrichshafen, die direkt unter dem Lenkrad sitzt. Der Arm aus der Servolenkung wirkt auf das linke Vorderrad und ist dort oben mit drei Schrauben befestigt. Beide Vorderräder sind mit einer Stange verbunden. Ein Rad wird aktiv gelenkt, das zweite zieht mit.

Wenn die vordere der drei Schrauben von dem Lenkhebel abgerissen ist, wird das ganze zunächst noch von den zwei anderen Schrauben gehalten. Aber die arbeiten und hebeln sich langsam raus. Auffällig ist in dem Fall, daß die Lenkung nicht präzise ist und man auf der Landstrasse mehr mit dem Lenkrad arbeiten muss um die Spur zu halten.

Dieses Verhalten hatte ich lange Zeit auf abgenutzte Reifen oder Spurrillen geschoben.

In meinem Fall war eine Schraube abgerissen und zwei lose, in dem Fall ist ein riesen Spalt zu sehen. Der war mir eher zufällig aufgefallen, als ich einen erneuten Ölverlust an der Achse bemerkt hab. Oh Schreck.

Eine erste Notreparatur

Die eiligst aufgesuchte nächste Werkstatt hat in die abgerissene Schraube ein Loch gebohrt, dort ein Gewinde reingeschnitten und eine Schraube drauf gezogen. Kann man zunächst machen, um erst Mal weiter zu kommen. Das würde auch mit Boardmitteln (Akkuschrauber, Bohrer, diverse Schrauben) gehen. Benötigt wird aber eine Senkkopfschraube. Die hatte die Werkstatt nicht, also haben die da „etwas ähnliches“ drauf gebastelt.

Die beiden original Schrauben haben sich aber immer wieder gelösst und die Lenkung war nach wie vor nicht präzise. Wenn man weiss, worauf man achten muss – merkt man plötzlich, dass etwas immer noch nicht okay ist. Zeit für einen zweiten Termin, diesmal in der Hauptstadt Reykjavik bei einer etwas größeren Werkstatt. Dort wollte ich eine 100% Reparatur mit Originalzustand erreichen. Wir haben das Rad abgebaut (Achtung: Linksgewinde !) und alles komplett zerlegt.

Auf dem Foto sieht man, daß die abgerissene Schraube nicht in der Mitte angebohrt wurde.

Die Notfallschraube war auch nicht wirklich konisch beziehungsweise hatte nicht die notwendige Schrägung. Exzentrisch und nicht senkkopf: das war bei jeder Lenkbewegung am arbeiten. Ich kann der kleinen Werkstatt jedoch nicht böse sein. Für eine Notfallreparatur war das okay und die Jungs haben für mich alles stehen und liegen gelassen. Das war Improvisationstalent, damit ich erst Mal weiter konnte.

Wenn man die Lenkung auseinanderbaut muss sowohl die Achse als auch der Radkasten abgestützt werden. Sobald die Lenkstange abgeschraubt ist, kommt einem das sonst alles entgegen.

Die abgerissene Schraube wurde heiss gemacht und dann mit einem Ausdreher rausgezogen. Ich hatte hier ziemliches Glück: sämtliche Gewinde schienen soweit in Ordnung zu sein. Die Gewinde wurden etwas nachgeschnitten und insgesamt für gut befunden.

Drei neue Senkkopfschrauben. Die Lenkung ist wieder zusammen gebaut.

Ein Bild der verwendeten Schrauben, ganz rechts ist die original Schraube. Ich hatte vorsichtshalber zwei verschiedene Längen gekauft: 50mm und 60mm. Die zweite Werkstatt hatte ebenfalls keine Senkkopfschrauben auf Lager, worauf ich aber vorbereitet war. Die erste Besichtigung vom Fahrzeug mit Bestandsaufnahme war am Freitag, wogegen die eigentliche Reparatur für den Montag geplant war. Ich hatte daher Samstag und Montag Morgen Zeit, um im Reykjavik einzukaufen.

Wenn hier in Island etwas kaputt geht, bleiben einen nur Muckellösungen (die nicht unbedingt schlecht sein müssen) oder gleich die Hauptstadt. Nur dort gibt es Fachgeschäfte. So gibt es in Reykjavik mit Fossberg exakt einen Laden, der Helicoil zur Gewindereparatur hat.

Es war ein ziemlicher (ziemlich teurer) Grosseinkauf: M16 (2.0) Senkkopfschrauben in zwei Längen, ein Helicoil System M16 (2.0), um zur Not ein ausgerissenes Gewinde zu reparieren. Vorsichtshalber nochmal ne 24er Nuss und eine bessere Umschaltknarre, um eventuell die Schrauben auf der anderen Seite (Beifahrerseite) zu nehmen. Dort halten drei Schrauben einen Platzhalter fest. Ich weiss aber nicht mit Sicherheit, ob das Senkkopfschrauben sind.

Dazu kam ein Gewindeschneidset M16 (2.0), eine 10mm sechskant Nuss für die neuen Schrauben und ein Ausdrehset für die abgerissene Schrauben.

Das war etwas overkill. Aber wenn man allein im Ausland ist und so ein Problem entwickelt hat – kauft man (wenn man schon Mal in der Hauptstadt ist) lieber einmal alles ein, um das Problem zu 100% zu lösen.

Ausserdem war gerade Vulkanausbruch in Island ! Um da hinzugelangen war mir sehr daran gelegen, den Truck innerhalb von 24h wieder voll einsatzbereit zu haben – dazu war mir jedes Mittel und jede notwendige Ausgabe recht.

Das Helicoil System wurde dann gar nicht benötigt. Dieses System wird verwendet, um kaputte Gewinde zu reparieren. Zunächst wird die stecken gebliebene Schraube rausgebohrt, dabei leidet das ursprüngliche Gewinde sowieso schon. Für M16 Schrauben wird dann ein 16,5 mm Bohrer verwendet, der die Bohrung aufweitet. Als nächstes wird ein neues, übergroßes Gewinde geschnitten. Das notwendige Schneidteil ist Bestandteil vom Helicoil Kit. In das Bohrloch mit übergroßem Gewinde wird nun eine der Spiralen reingedreht und der Zapfen mit einem speziellen Werkzeug abgebrochen. Fertig ist das neue Gewinde für M16 Schrauben.

Ratschlag für Reisende im DAF T244

Ich würde dazu raten, vor einer längeren Reise rechtzeitig Senkkopfschrauben vom Typ M16 Steigung 2.0 in 50mm und 60mm zu besorgen und mitzunehmen. Diese müssen gehärtet sein, was bei Baumarktschrauben nicht gerade der Fall ist. Die gekauften und jetzt verbauten haben die Härte 10.9

Alles andere (Brenner, Werkzeug, Schneidset, Ausdreher) sollte die jeweilige Werkstatt eigentlich da haben. Wenn man sich die Lenkung kaputt fährt, wird es die vordere der drei Schrauben von der Lenkstange sein, die abreisst.

Update, Ergänzung

Die Senkkopfschrauben sollten mit Locktite verklebt werden. Bei mir hatten sich die Schrauben ständig gelockert (Hochland von Island …). Das wurde dann im Hofsos von einem echt fähigen Landmaschinen Mechaniker erledigt.

Ausserdem hat sich die Frage ergeben, ob es eventuell sein kann, dass der Winkel der Senkkopfschraube nicht stimmt. In dem Fall würde sie nicht richtig in der Lagerung sitzen und sich ständig von allein rausdrehen.

Das Bild zeigt links eine der original M16 Schrauben und rechts zwei der neuen Schrauben. Aus der Whatsapp Gruppe (DANKE, ihr Lieben !!) kam dann der Hinweis, daß die Schrauben eingelaufen sind. Sie haben einen Ring gebildet haben. Wäre ein Hinweis auf 45 Grad Winkel Schrauben in einer 60 Grad Lagerung, zum Beispiel. Das wollte ich experimentell mit aufgeklebten Spagetti Nudeln ermitteln.
Der Winkel scheint aber korrekt zu sein. Nun sind sie ja sowieso eingeklebt und ich kann das nur weiter beobachten.

Weiteres Update am 30.08.2022: die drei verklebten Schrauben halten, die Lenkung ist einwandfrei repariert. Ich war mit dem Truck inzwischen auf weiteren, heftigen Pisten in der Askja Region von Island unterwegs, alles war starken Vibrationen und Scherkräften ausgesetzt.

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