Die Ansichten darüber, was in Island eine Touristenfalle ist und was nicht, gehen naturgemäss weit auseinander. Für den einen sind 100 Euro für die „Blaue Lagune“ pure Abzocke. Für den nächsten Besucher war das Bad eventuell das Highlight des gesamten Island Urlaubs.
Einige Isländer haben jedenfalls folgendes festgestellt: hey, wir haben den teuersten Diesel Europas, Restaurants sind unbezahlbar und die Autofähre kostet 5000 Euro pro Campingwagen. Probieren wir doch mal aus, womit wir – noch mehr Kohle – machen können. Genug Touristen sind offenbar bereit, einfach jeden Preis in diesem schönen Land zu bezahlen.
Bei vielen Attraktionen in Island stimmt das Verhältnis zwischen Preis und Leistung ganz offensichtlich nicht.
„Soup of the day“ Tomaten auf den Augen ?

Die Tagessuppe wird in vielen Island Reiseblogs oder den beknackten Islandforen als preiswerte Möglichkeit empfohlen, sich in einem Restaurant zu verpflegen. Restaurants sind in Island jedoch nie günstig (einzige Ausnahme: IKEA).
Vielleicht war der Tagessuppen-Tipp vor 25 Jahren mal toll, aber das ist heute anders. Ein Teller Tomatensuppe für rund 2000 ISK = ca 14,50 € ist kein Sparpreis, sondern Abzocke.
„Tagessuppe“ ist zu dem Preis nur unter den folgenden Bedingungen empfehlenswert: 1) man darf eine zweite Portion nachnehmen 2) es gibt Brot und Butter dazu 3) eventuell Getränke. Dann passt es.
Gute Erfahrung hab ich beispielsweise im Gisli Eirikur Helgi Kaffihus Bakkabrædra in Dalvik (Google Maps) gemacht. Dort gab es eine Tagessuppe auf Wunsch mit einer weiteren Portion, eine Brotauswahl, Salat und sogar Kaffee zum fairen Pauschalpreis.
Caves of Hella mit geschönter Wikinger Romantik

Die Wikinger Höhlen in Hella liegen verkehrsgünstig direkt an der Ringstrasse 1 und werden von vielen Touristen besucht. Die Besichtigung umfasst drei Höhlen. In manchen findet man eingeritzte Runen, welche eine lange Nutzungszeit als Lager oder möglicherweise Versammlungsstelle vermuten lassen.
Eine Führung ist (das ist jetzt keine Überraschung) Pflicht. Für einen Erwachsenen und zwei Jugendliche hab ich damals 11.700 ISK bezahlt = 85 Euro. Wir waren etwas enttäuscht von dem Besuch, denn im Internet findet man Fotos von magisch ausgeleuchteten, geheimnisvollen Höhlen.
Die Realität ist deutlich trister. Der Touristen Guide ist bemüht, jede noch so winzige Kleinigkeit oder Entdeckung als etwas ganz Besonderes zu präsentieren. Pro Führung werden bis zu 50 Personen durch die Höhlen geschleust, macht jedes Mal um die 1200 Euro Umsatz.
Das Vollstopfen der Höhle mit Touristen ist für den Bauern jedenfalls viel lukrativer, als die Höhle (wie seit Generationen üblich) mit Heu vollzustopfen.
Die winzigen DC-3 Flugzeugwrack Reste bei Vik

Dabei ist die Situation dort wie folgt: Im Sommer pilgern Heerscharen von Besuchern raus zum Solheimasandur Strand. Einsam wird es selten, mit dem eigenen Fahrzeug dorthin fahren kann man (aus gutem Grund) seit langem nicht mehr. Vom Wrack ist kaum noch etwas übrig. Das meiste wurde demontiert oder abgebrochen, Graffiti und Tags sind allgegenwärtig.

Wandern kann man trotzdem, aber ein Schild warnt vor: langem Weg, schlechtem Wetter und dass man unterwegs verloren gehen kann. Die ganze Situation dort ist eine der bemerkenswertesten Touristenfallen in Island.
Walfleisch Snack und geräucherte Pagageientaucher

Walfleisch soll nicht mal besonders gut schmecken. Trotzdem werden diese Tiere gejagt (abgeschlachtet) und landen in Island als fragwürdige „kulinarische Abwechslung“ auf dem Teller der Touristen.
Solange bis Islands Regierung ein Einsehen hat und das nicht länger erlaubt.
Von einer Wal Besichtigung mit dem Boot, die ab 10.000 ISK nicht viel teurer ist als ein lächerlicher Probierteller für 6.500 ISK hat man als Erlebnis viel mehr. Puffins lassen sich im Frühsommer beim Brüten beobachten, gratis. Das ist im Gegensatz zu „Puffins am Spiess“, die einfach nur da oben rein und da unten wieder rausgehen ein bleibendes, unvergessliches Erlebnis.
Reportage aus Grimsey und einer grausamen Puffin Jagd, die ich dort erlebt habe.
Alles zur „Meet Us Don’t Eat Us“ Kampagne in Island: www.ifaw.is/about-the-campaign
Der teure Vadlaheidi Maut Tunnel östlich von Akureyri

In der Nähe vom Maut Tunnel.
Autos zahlen im Jahr 2026 satte 2152 ISK, LKW zahlen 6255 ISK. Wer das nicht sofort online oder im Voraus begleicht, zahlt rund 1500 ISK oben drauf. Der Tunnel ist nur 7,4 km lang, auf der 83 und der 84 drum herum fahren ist etwa 15 km länger und gratis. Mit schönem Blick auf den Fjord.
Island Pullover „designed in Island“
Anstatt einen Lopapeysa Pullover aus asiatischer Billigfertigung zu kaufen, der nur so aussieht wie ein Island Pullover – rate ich zum Original. Ein Island Pullover von einer echten isländischen Oma gestrickt. Gibt es in vielen Cafes oder kleineren Läden für Handarbeit.
Nur mit der Hand waschen, am besten nur mit kaltem Wasser.
Weitere Beispiele:

Parkgebühren an Naturattraktionen: An immer mehr Wasserfällen & Aussichtspunkten wird in Island inzwischen kassiert. So beim Seljalandsfoss und Thingvellir. Gratis Natur, der Parkplatz nicht.
Kerid Krater: Eintritt für einen Spaziergang von etwa 20 Minuten um einen Kraterrand. Dabei gibt es in Island unzählige Vulkan Krater, zu denen man völlig gratis spazieren kann.
Puffin Bootstouren ab Reykjavik: Teuer, und die Vögel sieht man vom schaukelnden Boot aus nur in der der Ferne. Leider etwas abgelegen, aber dafür gratis und viel näher ran geht es am Latrabjarg. (Artikel mit Beispiel Fotos)
Nordlicht Touren bei schlechter Prognose: Die Busse fahren trotzdem raus. Mein Vorschlag: check die Möglichkeit Polarlichter zu sehen mit einer passenden App und fahr selbst aus der Stadt raus.
Die eigenen Augen zu benutzen ist gratis.
Fragwürdige Zusatzversicherungen bei Mietwagen / Mietcampern: Wie Kies, Sand oder einen Asche Schutz oder kostenpflichtige Fotos von Vorschäden. Wasserschäden, die bei offroad Touren in den Furten Islands viel wahrscheinlicher passieren sind dagegen nie versichert.
Wasser in Flaschen kaufen: Das Leitungswasser in Island ist hervorragend, teilweise haben sogar Bäche Trinkwasserqualität.