Finnland 2021, unterwegs im Elch Area Karelien & Lappland

Eigentlich hatte ich im Sommer vor, nach russisch Karelien zu reisen. Aber leider war nicht absehbar, wie lange es dauern würde, ein Visa für Russland zu bekommen. Oder ob das überhaupt vor dem frühen Einbruch des Winters klappen würde. So hab ich dann umdisponiert und kurz entschlossen eine Fähre für mich und den DAF T244 nach Helsinki, Finnland gebucht.

Finnland hatte die Grenzen für Geimpfte nämlich gerade wieder aufgemacht, und das war ich inzwischen doppelt und dreifach.

Sonnen Untergang auf dem Sonnendeck der Finmaid auf dem Weg nach Helsinki
Unterwegs nach Finnland, mit stimmungsvollem Sonnenuntergang auf der Finmaid.

Finnland ist eine gute Wahl für Overlander, denn frei stehen ist unproblematisch und auf eine LKW Maut verzichtet Finnland: grandios. Besser noch: auf vielen Stellplätzen gibt es neben dem obligatorischen Plumpsklo eine Feuerstelle und gratis Brennholz. Oft liegt sogar eine Axt bereit, um Kleinholz zu machen. Bei uns in Deutschland undenkbar. Das Brennholz wäre nach einer Woche weg und die Axt sowieso. Entweder geklaut oder „aus Sicherheitsgründen“ entfernt, weil sich irgend eine Mami aufgeregt hat. Nicht so in Finnland, wo einfach noch ganz normale Leute wohnen und leben.

Die sich gern eine schöne, gemeinsame Zeit machen. Ich hab mein Vagabundenleben echt genossen und liebend gern direkt auf dem Feuer einer der vielen Raststellen gekocht.

Ein finnischer Rastplatz mit Feuerstelle und Blick auf einen See. Ich wärme mit am Feuer die nackten Füße.
Chillen am See. Mit Feuerstelle und bereit liegenden gratis Brennholz, fertig gehackt und durchgetrocknet. So gehts doch auch.
Birkenpilze und Steinpilze auf einem Tisch aus Holz
Finnlands Wälder sind im August voll mit Pilzen, die meisten sind essbar. Die Pilz Saison geht im Süden bis Ende September. Gratis Stellplatz am See – und das Mittagessen pflückt man sich einfach !

Über die essbaren Pilze und Beeren in Finnland hab ich einen eigenen Eintrag im Blog fertig.

Eine Pilzpfanne brutzelt auf einem offenem Holzfeuer
Hier ist eine Steinpilz Pfifferling Pfanne auf dem Feuer gelandet.

Wer nach Finnland fährt, sollte sich das Buch „Kriegsroman“ von Väino Linna als Reiselektüre besorgen. Man kann sagen, daß dieses Antikriegsbuch praktisch jeder in Finnland gelesen hat oder zumindest kennt. Der Roman ist 2014 in einer aktualisierten, unzensierten Neuübersetzung im EvM Verlag erschienen und beschreibt eindrücklich und ungeschönt das Schicksal einer finnischen Maschinengewehr Kompanie im zweiten Weltkrieg.

„Unser“ zweiter Weltkrieg ist mir präsent. Aber mir war gar nicht klar, daß die noch junge Demokratie Finnland, die soeben einen blutigen Bürgerkrieg überwunden hatte während des zweiten Weltkriegs sogar zwei Mal gegen Russland gekämpft hat. Im ersten Krieg, dem Winterkrieg, wurde Finnland grundlos von Stalin überfallen. Im zweiten Krieg, dem Fortsetzungskrieg kämpfte Finnland an der Seite Deutschlands gegen Russland, um die im ersten Krieg verlorenen Gebiete zurück zu erobern. Finnland konnte seine demokratische Grundordnung zwar verteidigen, ist aus beiden Auseinandersetzungen jedoch als Verlierer hervorgegangen und musste im Anschluss riesige Gebiete an Russland abtreten.

So den Großteil von Karelien mit der Hafenstadt Vyborg, ausserdem verlor Finnland den Meerzugang zur Barentsee.

Es wäre interessant gewesen, die damaligen Schlachtfelder aufzusuchen, aber die liegen nun leider im heutigen Russland. Finden lassen sich jedoch die Überreste der Salpa-Linie, einer rund 1200 km langen Verteidigungsanlage. Diese wurde gebaut, um die Ostflanke Finnlands gegen Russland zu schützen. Die damaligen Schützengräben entdeckt man im Wald, wenn man aufmerksam unterwegs ist und oft sind Sehenswürdigkeiten wie diese als „Salpalinja“ ausgeschildert. Einfach Mal rechts ran und abbiegen, wenn so ein Schild auftaucht, es lohnt sich !

Eingefallener Schützengraben der Salpa Linie
Ehemalige Schützengräben mit Ausbuchtungen für MG Nester, um eine Halbinsel Richtung Osten zu verteidigen. Ein Bestandteil der Salpa Linie.
Panzer Sperre aus Steinquardern der Salpa Linie
Eine Panzersperre im Wald, aus aufgerichteten Stein Quadern. In der Nähe findet man oft Reste von Unterständen. Manchmal sind diese sogar restauriert. Aber meistens lassen nur Ausbuchtungen im Boden erahnen, was dort aus Holz gebaut einmal gestanden hat oder eingegraben war.
Unter Wasser stehender Bunker der Salpa Linie Finnland mit Blick in den Innenraum und verrosteter Tür
Ein mit Wasser vollgelaufener Bunker. Hinten in der runden Öffnung war eines der MG positioniert. Diesen Bunker hab ich verlassen mitten im Wald entdeckt. Bunker wurden in der Regel paarweise errichtet. Den zweiten hab ich dann jedoch nicht gefunden, vermutlich komplett überwuchert.

Aber zurück zu den Wäldern Finnlands ! Dort ist ja noch viel mehr zu finden als ein paar alte Bunker. Die eigentlichen Schätze des Waldes bestehen im Sommer aus Beeren, den Pilzen, den stillen Seen, den vielen Rastplätzen und der Tierwelt. Im Winter ist Wintersport angesagt – um ehrlich zu sein nicht so mein Ding. Ich mags lieber chillig & warm.

Übersicht Wald und Seen in Finnland an einem bewölkten Tag
Unterwegs in Finnland, an einem etwas regnerischen Tag, mit Blick auf seine Seen und Wälder.
Wald mit unterschiedlichen Grüntönen
Nach dem Regen. Mir war überhaupt nicht bewusst, wie viele verschiedene Grüntöne es gibt.
Hafen mit kleinen Freizeitbooten von Flokka in Finnland Wolken spiegeln sich im Hafenbecken
Stellplatz im fast verlassenen Hafen von Lokka, am Ende der Welt.

Je weiter man nach Norden fährt, um so einsamer und urtümlicher wird es. In Lappland war ich mit Nachtfrost konfrontiert, Ende August wohlgemerkt. Auf der Strasse muss man aufpassen, daß man keine Rentiere überfährt.

Live Übersetzung mit Google Lens
In Finnland kam eine neue Technik massiv zum Einsatz: Google Lens. Hier um zu übersetzen, ob es sich wirklich um Küchensalz handelt – oder um irgend ein Scheuermittel oder eine andere Chemikalie. Das Handy blendet die Übersetzung direkt ins Bild ein.

In der finnischen Sprache ähnelt absolut nichts den Wörtern im Deutschen, Englischen oder Französischen. Finnisch ist sprachlich von Europa so weit entfernt wie Chinesisch oder Indisch. In Norwegen oder Schweden blitzen dagegen oft Wörter auf, die man irgendwie wieder erkennt.

Ein Beispiel aus Norwegen: Gamle Kongevei. Gamle klingt schon nach gammelig und alt, Konge wie King Kong = König, vei wie Weg. Auf die mögliche Bedeutung kommt man daher nach etwas raten und kombinieren: alter Königsweg. Das funktioniert in Finnland überhaupt nicht. Mücke heißt Hyttynen, Lagerfeuer Nuotio und Tisch Pöytä.

Zum Glück gibt es inzwischen Google Lens. Das ganze ist bestenfalls Beta, der Sinn stimmt nicht immer. Durch die Übersetzung von Finnisch nach Englisch (Googles Sprache) und dann nach Deutsch wird das Ergebnis nicht besser. Trotzdem ist es eine Erleichterung, bei der Speisekarte ungefähr herauszubekommen, was man bestellt. Einfach nur durch das zücken vom Handy mit Google Lens drauf. Im Supermarkt, im Restaurant, unterwegs. Das hat mich in Finnland oft in die richtige Richtung geführt.

So heißt Yhteisömetsä z.B. Gemeinschaftswald, da sind dann Feuerplätze mit bereit liegendem Feuerholz und ein gratis Stellplatz.

Waldsee in Finnland
Frühstücks an einem kleinen See ohne Namen. Meistens fängt der Tag bei mir mit schwarzem Tee und Müsli an … extrem praktisch und abgesehen von frischer Milch die vorhanden sein muss mit Null Vorbereitung.
Hochmoor in Finnland im Herbst
Mir ist in einem dieser Hochmoore einmal eine Elchkuh begegnet, die zusammen mit einem jungen Elch den Weg überquert hat. Elche sind vom Körperbau her und mit ihrem schlacksigen Gang ideal geschaffen für sumpfige Landschaften. Rentiere trifft man häufiger, viele Finnen haben dagegen noch nie einen Elch in freier Natur gesehen !
Hochmoor in der Nähe von Tankavaara
Ein Hochmoor in der Nähe von Tankavaara, was – nicht nur – Gold und Goldschürfer bietet.
Wald in Finnland mit rot verfärbten Blaubeersträuchern
Herbst in Lappland, Anfang September. Die Blaubeersträucher haben sich rot gefärbt. Die Natur bereitet sich auf den langen Winter vor.
weißes Rentier mit blauem Halsband
Rentiere sieht man in Lappland viel. Rentiere sind scheu, aber wenn man sich ruhig verhält und etwas Glück begegnet man einem ganz in der Nähe.

Oft sind Rentiere direkt am Strassenrand und äsen dort Zweige oder Gras ab. Daher muss man in Lappland noch vorsichtiger Auto fahren als ohnehin schon. Denn mitunter beanspruchen die Rentiere den Verkehrsraum für sich und tanzen in einer Reihe über die Strasse wie Revuegirls. Dem sollte man sich nicht mit mehr als 80 km/h nähern, um rechtzeitig bremsen oder ausweichen zu können.

grünes Nordlicht am Nachthimmel
Je weiter man nach Norden kommt, um so wahrscheinlicher wird es, daß man Nachts ab 23:00h Nordlichter sieht.
Was sollte man in Finnland zu beachten ?

Hauptsächliches Problem in Finnland: die automatischen Tankstellen kommen mit den Debit Kreditkarten aus Deutschland nicht klar. Denn die wollen immer einen Betrag reservieren und dann abbuchen, was getankt wurde. Diese Funktion unterstützen jedoch nur echte Kreditkarten, die am Monatsende vom Konto abbuchen, soweit ich es einschätzen würde.

Abhilfe: an manchen Tanksäulen kann man (undokumentiert) die 7 drücken und dann drinnen bezahlen, wenn der Mitarbeiter an der Kasse das Terminal manuell frei gibt. Oder Geld abheben mit Kreditkarte – dann cash bezahlen, das klappt aber auch nicht mit jedem Geldautomaten.

Ich hab in Finnland (für Skandinavien) erstaunlich gut & günstig in Restaurants gegessen. Ein Mittagsgericht kosten oft nur zwischen 12 – 15 Euro, inklusive Getränk und Salat. Kaffee ist in der Regel unlimited. Das war ich aus Norwegen oder Dänemark ganz anders gewöhnt.

Kaffee in Finnland – das ist praktisch der Treibstoff der Finnen und in keinen Land Europas wird pro Kopf mehr Kaffee konsumiert als in Finnland. Dafür ist Alkohol vergleichsweise teuer – und als Gastgeschenk gern gesehen. Deutsches Bier läßt sich prima als Tauschobjekt, Gruß aus der Heimat, Dankeschön oder kleine Bestechung verwenden, wobei ich Starkbier mit 7,5% aufwärts geladen hatte.

Auf den Strassen ist Abblendlicht Pflicht, in der Nähe von Ortschaften ist das Geschwingigkeitslimit 60 und in Ortschaften dann 40 oder 50 km/h.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.