Island Hochland Tour, nach Laugafell

Inzwischen hab ich mich vom Vulkan verabschiedet, mit Wehmut. Und Dankbarkeit, das Naturschauspiel erleben zu dürfen. Denn Ende August war das Schauspiel bereits wieder vorbei und der Vulkan hat sich wieder schlafen gelegt.

Dafür geht es nun ins Hochland.

Wer Island etwas kennt, kann sicherlich mit dem Begriff „F26 Sprengisandur“ etwas anfangen. Diese Piste durchquert Island schräg von süd-westen nach nord-osten. Die F26 ist damit der klassische Einstieg ins Hochland. Ich bin aber relativ rasch auf die westlich parallel dazu verlaufende, historische Sprengisandur Piste ausgewichen.

Dezenter Hinweis im Hrauneyjar Hochlandcenter, dem letzten Aussenposten der Zivilisation. Dort ist die letzte Tankstelle vor der wenig später beginnenden Steinwüste. Am Anfang ist die 26 noch asphaltiert, dann kommt Piste. Da der Diesel Verbrauch drastisch steigt, wenn man nur mit 30 km/h irgendwo entlang langrumpeln kann, muss man etwa die doppelte Menge Sprit einplanen. In diesem Fall für 500 Kilometer. Ich war aufgetankt, hatte 300 Liter Diesel im Tank + 100 Liter Reserve, das sind unter optimalen Bedingungen bis zu 1500 Kilometer im Truck. Macht garantierte 700 km im Hochland. Tatsächlich waren es beim Rausfahren und nachtanken in Varmahlid nur rund 130 Liter. Der DAF war sparsamer als gedacht, aber Sicher ist Sicher.
Im Hochland kündigt sich nun der Herbst an. Ende August ist der Sommer so gut wie vorbei.
Allein unterwegs im Hochland, auf einer der ältesten & am wenigsten befahrenen Piste Islands. Ich bin hier auf der historische Sprengisandur unterwegs, parallel zur 26. Die Landschaft im Hochland läßt sich am ehesten als Steinwüste beschreiben. An den Flüssen blitzt etwas spärliche Vegetation auf. Selten sind ein paar Vögel als Begleiter zu sehen.
Hier treffen zwei Flüsse aufeinander. Der milchige Fluss kommt vom Gletscher. Bei dem klaren, der weniger kalt ist, handelt es sich um einen Quellfluss.
An einer Stelle führt die historische Sprengisandur über einen Wasserfall. Dort hab ich leider ein spektakuläres Foto verpasst: Truck oben auf der Furt, darunter der kleine Wasserfall. Ich hab das zu spät gesehen, nämlich erst, als ich die Furt durchquert hatte. Die sehr steinig war, mit Löchern & derben Geschaukel. Nochmal zurück, rückwärts – nur für ein Foto – kam nicht in Frage. Koordinaten 64.712, -18.399
Eine der Furten, Luftbild. Dank Drohne, inzwischen hab ich gelernt damit umzugehen.

Die Aufnahme ist interessant, weil man gut sehen kann, wie sich die Furt entwickelt hat. Auf dem Bild kommt das Wasser von links, es hat Sedimente wie Sand und kleine Kiesel etwas mitgenommen. Die Furt muss man daher in einem kleine Bogen durchqueren. Rechts ist die Furt flacher als links.

Als ich dort unterwegs war, hatten die Furten sehr wenig Wasser und waren ohne Risiko passierbar. Ich schätze im nachherein, daß die Furt auf dem Foto maximal 40cm hatte, nicht mehr. Und kaum Strömung. Durch so unkritische Furten fährt der DAF einfach durch, ab Werk ist der Truck für 70cm Wasser ausgelegt. Nach der Schneeschmelze oder tagelangem Regen kann es im Hochland aber ganz anders aussehen.

Oft ist kaum zu erkennen, wo es langgeht … und die Strecke ist echt steinig. Das war noch eine der netten Ecken. Wie eine Mondlandschaft und tatsächlich hat die NASA auf Island für die Mondlandung geübt. Irgendwo hier oben im Hochland ist Neal Armstrong im Raumanzug herumgestapft, als Test für den Mond. Der genaue Ort ist nicht bekannt, es könnte auch an mehrere Ecken gewesen sein. Mich erinnert das daran, dass es gar nicht so viele Gegenden auf der Erde gibt, die für uns Menschen bewohnbar sind …

Papierkarten kann man komplett vergessen, wenn man ins Hochland will. Als Übersicht ganz amüsant, für eine zuverlässige Navigation jedoch unbrauchbar. Das mache ich mit der Navigator App und freien OSM Karten.

Der Navigator war als Android App nie dafür ausgelegt, auch in der Wildnis zu funktionieren. Topografische Höhenlinien kennen die Karten auch nicht. Die Navigation funktioniert mit den freien OSM-Karten aber erstaunlich gut. Auf Zeitangaben sollte man sich jedoch nicht verlassen. Mittlerweise hat diese App einen so hohen Stellenwert bei der Navigation, daß sie mehrfach redundant im Truck vorhanden ist. Kostenpunkt: 8 Euro für ein paar Premium Optionen und um Werbeeinblendungen auszuschalten. Die OSM Karten sind weltweit gratis und werden regelmässig aktualisiert.

Ohne den Navigator wäre der Trip rauf auf den Stromboli nicht möglich gewesen. In Island hat mir diese Software erneut treue Dienste geleistet.

Auch unter dem Aspekt, daß es in Island nicht gern gesehen wird, wenn man die Piste verlässt. Der Navigator hat den richtigen Weg auch bei verwehten Spuren und in Schwemmgebieten zuverlässig angezeigt.

Puhh endlich in Laugafell. Ein kleiner Campingplatz, mitten im Hochland. Kein Strom, aber warmes Wasser ! Ab ins Bad daher, die Wanne hat 35 Grad. Baden draussen in den natürlichen, heissen Quellen: das Highlight schlechthin in Island.
Rund um die Wasserstellen, die dank des warmen Bodens eine etwas höhere Umgebungstemperatur haben, blühen Blumen.
Im Hochland von Island ist der Sommer im August aber bereits wieder vorbei. Nachts friert es und es ist jederzeit mit Schnee zu rechnen, der liegen bleiben kann. Der Laugafell Campingplatz liegt auf etwa 800 Meter Höhe. Macht -1 Grad pro 100 Meter Höhenmeter = -8 Grad weniger als unten an der Küste. Wo 12 bis 15 Grad schon warm sind. Im Winter ist es hier oben bitterkalt und verlassen.

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