Test Island Landkarten – 5 Anbieter im Vergleich

Wer in Island abseits der Ringstrasse N1 unterwegs sein will, kommt um eine gute Landkarte und eine zuverlässige Offline / Offroad Navigation nicht herum. Obwohl die Navigation z.B. mit dem Navigator (Android) und den kostenlosen OSM-Karten nahezu perfekt funktioniert, ist eine Ergänzung mit Papierkarten immer noch sinnvoll.

Die digitalen OSM-Karten enthalten zwar jeden noch so kleinen Track und alle bekannten Wanderwege, aber sobald man etwas herauszoomt verschwinden diese. Der Navigator (oder andere Navigationslösungen) erledigen Navigation und Standortbestimmung daher sehr gut, selbst auf offroad Jeep Tracks, aber es fehlt ein Überblick. Auch Höhenunterschiede, Berge und Schluchten werden nicht bei allen Navigationslösungen angezeigt, obwohl das ernsthafte Hindernisse sein können.

Trotz ausgereifter Navigationssysteme haben Papierkarten daher immer noch eine wichtige Funktion. Die Übersicht einer Landkarte möchte ich ungern missen. Wenn man wissen möchte, was noch so alles in der Nähe liegt ist diese grosse Übersicht Gold wert.

Es mag banal klingen, aber ein weiterer Vorteil von Papierkarten ist, dass man darauf herummalen kann. Ergänzungen wie Notizen und Koordinaten funktionieren nur auf einer Karte aus Papier intuitiv. Ich trage zum Beispiel regelmässig ein, wo ich wann gestanden hab und markiere Orte oder Entdeckungen, die man zu einem späteren Zeitpunkt unbedingt nochmal aufsuchen müsste. Manchmal sind auf Karten auch Aussichtspunkte oder Besonderheiten eingezeichnet, die digital fehlen.

Zu dem Zweck hatte ich mir für meine Island Reise 2022 (Bericht) direkt auf dem Schiff die 1:400.000 Island Karte von Freytag & Bernd besorgt. Das war natürlich ein typischer Chris-in-letzter-Minute-Kauf. Genau so wie die damals hastig („oh Gott ich muss doch das Schiff kriegen“) in Flensburg erworbene Windjacke + das Paar Wanderschuhe. Mit der Karte war ich jedoch nicht besonders zufrieden. Zum einen war die Version aus dem Schiffs Kiosk von 2018 und damit veraltet – ausserdem hatte sie wirklich viele Fehler. Strassen, die es gar nicht gab, Mautstrassen die es nicht mehr gab, neue Tunnel die nicht eingezeichnet waren und so weiter …

Für die Islandreise 2024 wollte ich diesmal gründlicher vorbereitet sein. Ich hab mir daraufhin aktuell verfügbare Island Karten besorgt, um diese miteinander zu vergleichen. Keine Karte im eigentlichen Sinne, aber für abenteuerliche Hochland Abstecher unverzichtbar ist das „Trackbook Island, 77 Hochland Routen“, welches detaillierte Routenbeschreibungen enthält. Daher wird es in diesem Vergleich ebenfalls mit besprochen.

Es gibt wesentlich mehr Anbieter von Island Landkarten als diese 5 hier getesteten Herausgeber. Bestimmte Angebote habe ich aber nicht in Betracht gezogen. So machen Strassenkarten in der Auflösung 1:650.000 kaum Sinn.

Bei der Auflösung 1:300.000 entspricht 1 Zentimeter auf der Karte 3 Kilometern. Dementsprechend werden Karten ab 1:500.000 (1 Zentimeter = 5 Kilometer) viel zu ungenau.

Ein Angebot, was als „Adventure Map mit App“ bezeichnet wurde hab ich ebenfalls ausgeschlagen. In solchen Mogelpackungen geht es eher darum, eine App aufs Handy zu schmuggeln, um damit TripAdvisor oder BookingCom aufzurufen. Mit echtem Abenteuer und ernsthafter Navigation im Hochland hat so ein Nepp nichts zu tun. Solche Anbieter kaufen sowieso nur Karten von den anderen Anbietern ein, um etwas drauf zu pflanzen. Da bleibt man lieber gleich beim Original.

Kommen wir zu den interessanten, ernst zu nehmenden Teilnehmern für meinen Island Karten Test !

Island Landkarten: hier sind die Test Kandidaten !

Test 6 Island Landkarten von den 5 Anbietern Freytag & Berndt, Mal og menning, Experience Verlag, ITMB und maps of iceland
6 Karten von den 5 Anbietern Freytag & Berndt, Maps of Iceland, ITMB, Mal og menning und das Island Trackbook der Experience GmbH von Matthias Göttenauer & Melinda Lindenblatt
HerausgeberNameAuflösungISBNEANGewichtPreis
Freytag & BerndtIsland Ringstrasse & Golden Circle 20231:400.000978-3-7079-2191-59783707921915160g12,90€
Mal og menningHaledid Hochlandkarte1:300.0009979-3-2398-1978997932398370g15,80€ – 21,50€
Freytag & BerndtIsland Reiseatlas mit Spiralbindung1:150.000978-3-7079-2230-19783707922301650g39,90€
International Travel MapsIceland & Reykjavik1:400.000817712935878100g12,95€
Maps of IcelandCentral Highlands1:250.000978-9935-25-448-19789935254481310g59.00 U$D
Experience GmbHTrackbook Island 77 Hochlandrouten, 4. Ausgabe 20221:300.000978-3-00-066840-19783000668401670g29,80€
Grafik mit Abdeckung der getesteten Island Papier Landkarten
Diese Grafik zeigt, welchen Bereich von Island die Karten jeweils abdecken. Die wasserfeste Karte von ITMB deckt ebenfalls Island komplett ab. (Bildrechte/Material von Google)

Freytag & Berndt, Island Karte Ringstrasse & Golden Circle, 1:400.000

Diesmal lag mir eine Karte von Freytag & Berndt aus dem Jahr 2023 vor, die im Vergleich zur alten 2018er Karte gründlich überarbeitet wurde. Der unsinnige Maut Tunnel bei Akureyri, den man unbedingt umfahren sollte ist inzwischen verzeichnet.

Die Freytag & Berndt Karte hat ein helles Design und ist damit sehr gut lesbar. Neben Wasserfällen sind Furten und Sehenswürdigkeiten, viele Badestellen, Campingplätze und Aussichtspunkte eingezeichnet. Dafür kaum Höhenmeter und leider verdecken die grossen Symbole an manchen Stellen Strassen. Im Falle von Akureyri sind viel Icons einfach übereinander neben der Stadt gruppiert. So erfährt man zwar, dass Akuryri einen Golfplatz und einen Campingplatz hat – aber nicht wo und in welcher Richtung.

Detailaufnahme einer Island Karte mit falsch eingezeichneter Piste zwischen der F249 und der F261
Ein paar Macken wurden in der Ausgabe 2023 noch nicht behoben. So sieht es in diesem Abschnitt so aus, als könne man von der F249 in der Thorsmörk nach Norden zur F261 fahren, das ist aber definitiv nicht möglich. Wichtige Furten sind allerdings verzeichnet.

Update: ich hab Freytag & Berndt auf diesen Fehler hingewiesen. Noch während ich am Artikel geschrieben hab kam die Rückmeldung, dass die nächste Ausgabe der Karte dahingehend korrigiert wird. Vorbildlich !

Die Vorderseite ist mit einer vollständigen Islandkarte bedruckt, komplett auseinandergefaltet hab ich rekordverdächtige 135 cm x 100 cm gemessen. Auf der Rückseite ist eine Island Detailkarte mit der Auflösung 1:150.000, welche den Golden Circle abbildet. Damit sind die touristischen Hotspots rund um Reykjavik gemeint: Reykjanes Halbinsel, Gullfoss, Geysir, Hveragerdi und der Nationalpark Thingvellir.

Ergänzt wird das ganze sogar noch durch eine dritte Karte mit dem Stadtzentrum von Reykjavik.

Trotz einiger Ungenauigkeiten ist die Karte von Freytag & Berndt daher eine exzellente Wahl für alle Island Urlauber. Vor allem, wenn ein Besuch vom Hochland nicht geplant ist und sich die Reise nur auf die Ringstrasse (Hringvegur) oder den „Golden Circle“ im Süden und die Hauptstadt Reykjavik beschränkt.

Zwei Island Karten im Grössenvergleich nebeneinander
Die Freytag & Berndt Karte (links) ist im Vergleich zur Hochland Karte von Mal og menning (rechts) ab Werk sehr praktisch gefaltet.

Obwohl die Freytag & Berndt Karte grösser ist, verbraucht sie im Auto auf dem Schoss weniger Platz, weil sie in eine Island Nordhälfte und eine Südhälfte gefaltet ist. Umschalten von Nord auf Süd durch umdrehen, nicht benötigte Abschnitte kann man zusammen gefaltet lassen. Dann blättert man sich einfach von West nach Ost durch, was sehr praktisch ist.

Reykjavik und der Golden Circle ist in der Ansicht „innen“, daher auf der Rückseite der Karte wenn man sie vollständig auffaltet.

Fazit: Optimale Übersicht mit drei Island Karten zum Preis von einer. Clever gefaltete, super handliche All-In-One Island Karte für N1 Roadtrip & Golden Circle. Mit sparsamen 12,90€ die günstigste Karte im Test !

Mal og menning, Haledid Hochlandkarte, 1:300.000

Die Haledid Island Karte von Mal og menning beschränkt sich auf die unzugängliche Mitte der Insel mit seinem die meiste Zeit des Jahres verschneiten Hochland. Nur im Sommer lohnt es sich, diese Karte zur Hand zu nehmen – denn nur dann sind die Pisten für geländegängige Fahrzeuge geöffnet.

Im Vergleich zur Karte von Freytag & Berndt ist die Detailgenauigkeit bei Mal og menning besser. Höhenunterschiede sind wesentlich präziser abgebildet, es sind mehr Pisten eingezeichnet und für Wanderungen unzugängliches Gebiet erkennt man leicht. Die GPS Koordinaten von wichtigen Kreuzungen sind rot in der Karte eingetragen. Wichtige Furten sind verzeichnet. Die Karte stellt daher eine optimale Ergänzung zu einem vorhandenen GPS Navigationssystem dar.

Freytag & Berndt macht das anders, auf deren Karten sind bestimmte Kreuzungen mit einer blauen Nadel markiert. Auf der Karte ist dann mit blauer Schrift die Entfernung in Kilometern zwischen den beiden Punkten eingetragen. Wichtige GPS Punkte muss man daher irgendwie anhand der geographischen Koordinaten Linien selbst ermitteln und sich ansonsten auf seinen Tageskilometer Zähler verlassen.

Details von zwei Island Karten mit unterschiedlicher Auflösung
Kartenvergleich ! Links die Karte von Mal og menning, rechts das gleiche Gebiet auf der Karte von Freytag & Berndt. Grüne Pfeile markieren Pisten, die auf der zweiten Karte nicht eingezeichnet sind.

Ich fand die Mal og menning Karte nicht so gut lesbar. Strassen und Pisten sind nicht deutlich hervorgehoben wie auf der Karte von Freytag & Berndt. Kleine Symbole wie das für den Campingplatz in der Nähe der Askja sind schlecht zu erkennen. Ich hab das in dem Beispiel oben auf beiden Karten mit einem grünen Kreis markiert, um den Unterschied zu zeigen.

Die Karte hat die Abmessungen 100 cm x 70 cm. Auf der gesamten Rückseite sind Bilder und Kurzbeschreibungen von besonders schönen Zielen im Hochland abgedruckt wie dem Vulkan Hekla, der Sprengisandur Route oder dem Hochtemperaturgebiet Kerlingarfjöll. Ganz nett, aber eine weitere Detailkarte zum Beispiel von dem interessanten Gebiet rund um Landmannalaugar mit seinen zahlreichen Offroad Pisten wäre interessanter gewesen. Oder von den teilweise mit 2WD befahrbaren und gut zugänglichen Routen der Askja.

Eine Islandreise wird jedenfalls kaum spontan unternommen, um sich dann mithilfe der Rückseite einer Landkarte on the fly über das Reiseland zu informieren.

Mal og menning existiert als Verlag seit 1937 und hat seinen Sitz direkt in Reykjavik. Eine Karte von diesem Anbieter zu nutzen wäre auf jeden Fall 100% authentisch für einen kernigen Islandurlaub.

Fazit: detaillierte Hochland Ergänzungskarte für vorhandene Navigationssysteme mit vielen GPS Wegpunkten. Inspirierende Postkartenmotive / Island Sehenswürdigkeiten als Bonus auf der Rückseite. Mit nur 70 Gramm Gewicht ideal für Wanderungen.

Freytag & Berndt, Island Reiseatlas mit Spiralbindung, 1:150.000

Der Reiseatlas von Freytag & Berndt aus Österreich stellt Island auf satten 114 DIN A4 Seiten in der sehr hohen Auflösung von 1:150.000 dar. Stand der Daten ist November 2023. Ich würde den Ringatlas als den „grossen Bruder“ der oben besprochenen Freytag & Berndt Strassenkarte bezeichnen. Die Karten haben das selbe helle und gut lesbare Design. Höhenlinien, kleine Bäche, Aussichtspunkte, Grenzen der Nationalparks und Wanderwege sind perfekt abgebildet.

Vergleich zwischen zwei Island Landkarten in der Auflösung 1:150.000 und 1:400.000 am Beispiel Langanes
Die Auflösung der 1:150.000 Karte (links) ist enorm. Hier ein Vergleich zur 1:400.000 Karte aus dem gleichen Verlag. Der Ausschnitt zeigt einen Zipfel der Langanes Insel im Nordosten von Island.

Natürlich reicht die „einfache“ Strassenkarte mit 1:400.000 für eine sichere Routenführung oder Übersicht völlig aus, vor allem in Verbindung mit einem Navigationssystem. Der hoch auflösende Reiseatlas verzeichnet allerdings viele zusätzliche Merkmale wie weitere Flussdurchfahrten (schwarzer Pfeil im Bild) oder die in den 50er Jahren aufgegebene Siedlung Skolar.

Die Spiralbindung vom Atlas bringt es leider mit sich, dass in der Mitte immer eine Lücke entsteht. Dadurch sieht es manchmal so aus, als würden Strassen nicht weiter führen. Wenn man umblättert, überlappen die Karten stets etwas. In der Mitte, da wo die Ringspirale sitzt, ist das jedoch nicht der Fall.

Vergleich zwischen einer Island Karte mit 1:400.000 und 1:150.000 anhand der Stadt Akureyri
Links ist die Karte mit der geringeren Auflösung. Die Umfahrung vom „Maut / Toll“ Tunnel östlich von Akureyri über die 83 und die 84 ist leicht zu erkennen.

Auf der Karte rechts im Bild (das ist der Atlas mit 1:150.000) verschwinden die Einmündungen dagegen zwischen den Spiralen. Gut zu erkennen ist eigentlich nur die N1, der kostenpflichtige Tunnel ist auch nicht gesondert markiert. Das ist mir aber nur an wenigen Stellen aufgefallen.

Technisch ist es auch nicht anders zu lösen als so. Als Flächenkarte wären es sonst 114 DIN A4 Karten mit 0,0625 Quadratmeter = 7,125 Quadratmeter. Die Landkarte wäre einseitig bedruckt ungefähr so gross wie die Grundfläche von meiner Wohnkabine …

Im Vergleich zur preiswerteren 1:400.000 Karte ist jedoch viel mehr Platz, um zum Beispiel für die Stadt Akureyri die genaue Lage vom Flughafen und den ausserhalb liegenden Campingplatz einzuzeichnen.

Auf GPS Markierungen oder Koordinaten verzichtet der Atlas allerdings komplett, schade. Alle heissen Quellen zum Baden haben sie auch nicht erwischt. Höhen- und Breitengrade sind zwar als blaue Linie auf der Karte eingezeichnet, aber nicht weiter beschriftet. GPS Angaben an wichtigen Kreuzungen hätte ich nicht schlecht gefunden, so wie Mal og menning es macht. Insbesondere im Hochland, dort sind selten Wegweiser. Platz genug wäre dafür reichlich auf der Karte gewesen.

Wie bei der kleineren Karte auch belässt es Freytag & Berndt nicht dabei, nur eine Island Karte als Autoatlas heraus zu geben. Auf weiteren 12 Seiten sind im Reiseatlas Detailkarten von 18 mittleren Städten wie Akranes, Höfn, der Vestmannaeyjar oder Selfoss enthalten. Einzig und allein die Stadtkarte von Grindavik dürfte nicht mehr aktuell sein: dort hat ein Vulkan gerade alles etwas umgebaut.

Dem Grossraum Reykjavik sind 11 Seiten gewidmet, sogar die Nachbarorte von Reykjavik wie Mosfellsbaer im Norden oder Hafnafjördur im Süden sind enthalten.

Freytag & Berndt rundet den Atlas noch etwas ab. Abgesehen von dem detailreichen Kartenmaterial sind noch einige Seiten enthalten, die auf Deutsch und Englisch besonders lohnenswerte, touristische Ziele auf der Vulkaninsel vorstellen. Beeindruckende Landschaftsbilder vom Jökulsarlon, den Westfjorden oder den Nationalparks sind ganz nett und wecken zweifelsfrei Vorfreude auf den bevorstehenden Island Urlaub – aber für technisch notwendig halte ich das in einem Reiseatlas nicht.

Lobenswert ist jedoch die abgedruckte Liste von Campingplätzen und eine schematische Übersicht aller Busverbindungen in Island. Eine Island Karte zum selber einzeichnen der Reiseroute oder für Notizen ist ein weiteres, nettes Gimmick. Lässt sich als nettes Augenzwinkern der Österreicher verstehen: wir haben da ein wahnsinnig gutes Produkt und wir haben versucht an echt alles zu denken.

Fazit: Erfolgreiche Fortsetzung vom 3-Karten-in-1 Konzept, welches kaum Wünsche offen lässt. Extrem detailreicher Island Kartenatlas in unübertroffen hoher Auflösung inklusive extra Stadtkarten. Umfangreicher Allrounder für Hochland und Ringstrasse. Karte mit höchster Auflösung im Test und trotz kleinerer Macken ein wahnsinnig gutes Produkt. 40€ sind teuer, aber angemessen.

International Travel Maps, Island Karte 1:400.000 – wasserfest !

Vom ITMB Verlag aus Canada kommt eine weitere Island Karte im Format 1:400.000. Diese ist als Besonderheit wasserfest und kann nicht beschädigt werden, wenn man als Wanderer oder auf dem Mountainbike Regenschauern, wilden Gletscherbächen & tosenden Wasserfällen ausgesetzt ist.

Wie die Karte von Freytag & Berndt ist die ITMB Karte clever gefaltet, bei identischen Abmessungen und gleicher Auflösung. Auf der Vorderseite ist der südwestliche Teil von Island mit der Hauptstadt Reykjavik bis Vik abgebildet, durch simples umdrehen schaltet man auf den nordwestlichen Teil von Island mit den Westfjorden um. Ein komplettes umfalzen wechselt auf den seltener besuchten Ostteil der Insel. Das dürfte für die meisten Besucher optimal sein und spart Platz im Cockpit.

Leider war meine Karte aus dem Jahr 2019 und damit komplett veraltet. Die eingezeichnete Auto Fähre zwischen Reykjavik und Akranes fährt schon seit langen nicht mehr, weil der (nicht eingezeichnete !) Tunnel durch den Hvalfjördur diese Aufgabe übernommen hat.

Wasserperlen auf einer wasserfesten Island Landkarte
Die Karte ist tatsächlich wasserfest. Ich hab sie längerer Zeit stehendem Wasser ausgesetzt, ohne dass ihr das geschadet hätte.

Bedenklich finde ich, dass auf der gesamten Island Karte keinerlei Flussdurchfahrten eingezeichnet sind. In dem Bild oben mit dem Wassertest ist die F249 in der Thorsmörk eingezeichnet. Insbesondere die Furten der Thorsmörk (Wikipedia) sind im Frühsommer während der Schneeschmelze geradezu episch. In der Krossa sind bei der Abzweigung zum Campingplatz nicht nur Geländewagen, sondern auch schon schwere, geländegängige Offroad Reisebusse abgetrieben.

Über die Möglichkeit von so ernst zu nehmende Furten wie die auf der F249 möchte man vermutlich rechtzeitig Bescheid wissen, wenn man in Island im Mietwagen unterwegs ist. Die Thorsmörk ist zudem ein bekanntes und viel besuchtes Ziel für Islandurlauber. Aber mit dieser Karte ist man dafür denkbar schlecht vorbereitet.

Trost: sie nimmt keinen Schaden, wenn man es trotzdem versucht und Wasser ins Auto eindringt.

Fazit: praktische & leichte Island Karte, die wasserfest ist – allerdings ohne verzeichnete Furten und veraltet. Nur empfehlenswert, wenn Schutz gegen Feuchtigkeit oberste Priorität hat.

Maps of Iceland, Central Highlands, 1:250.000

Die „Central Highlands Karte“ kann man nur online erwerben (Shop), mit 59 Dollar wird ein stolzer Preis aufgerufen. Da der Anbieter im Ausland sitzt gilt nicht das Deutsche Widerufsrecht, falls einem die teure Karte nicht zusagt. Die Karte kommt direkt aus Reykjavik, Island. Vom Kauf bis zur Lieferung sind über zwei Wochen vergangen: nichts für Eilige !

Zum Preis von 59 Dollar = 56,42€ kamen in meinem Fall noch 12,63€ für Zoll dazu. Der Kaufpreis war damit happige 69,05€

Dafür bildet die Karte das Hochland in der Auflösung 1:250.000 ab und zeigt praktisch alle Jeep Tracks. Die Auflösung wird einzig und allein noch durch den Ringatlas von Freytag & Berndt geschlagen. Aber detaillierter als die meisten der im Handel erhältlichen Island Papier Karten ist die „Maps of Island“ auch so schon.

Das Kartenmaterial selbst besteht aus 16 Karten im Format DIN A4, welche das Island Hochland abbilden. Netto bleiben 13 Karten übrig, da Seite 13 nur einen weissen Gletscher abbildet, auf Seite 15 eigentlich nur die Ringstrasse drauf ist und Seite 16 abgesehen von einem unwichtigen und winzigen Zipfel die Kartenlegende enthält.

Der Rest vom Ringbuch besteht aus 16 Doppelseiten, wo auf Englisch und Isländisch „Points of Interest“ erklärt werden. Nicht alle rot markierten „points of interest“ Punkte aus der Karte tauchen dabei im hinteren Teil des Ringbuchs auf. Ich hab hinten weder etwas zum extra markierten Eyvindarver entdeckt noch eine Erklärung zum Skrokkalda. Statt dessen wird dort nochmal alles zum Gullfoss durchgekaut und sogar die teure Touristenfalle Hrunalaug findet eine Erwähnung.

Zwei Island Karten mit der Auflösung 1:250.000 und 1:150.000 im Vergleich
Hier ein direkter Vergleich zwischen der Hochlandkarte von Maps of Iceland links und dem Ringatlas von Freytag & Berndt rechts. Der Vergleich zeigt das Gebiet rund um den Hagöngulon westlich vom Vatnajökull.

Bei einem sorgfältigen Vergleich fällt auf, dass in der Hochlandkarte von Maps of Iceland im Vergleich zum Produkt von Freytag & Berndt einige zusätzliche Jeep Tracks rot eingezeichnet sind. So zum Beispiel der offroad Track am Köldukvislarjökull (Vatnajökull) entlang, den ich auf dem Bild oben mit roten Pfeilen markiert habe.

Fraglich ist allerdings, in welchen Zustand dieser Track direkt am Gletscher entlang ist und insbesondere, ob die Furten durch die ableitenden Flüsse überhaupt zu machen sind. Ausserdem liegt diese Strecke im Nationalpark (auf der Karte von Freytag & Berndt grün hervorgehoben). Nationalparks sind im Material von „Maps of Iceland“ jedoch nicht eingezeichnet.

Für uns Besucher aus Europa gelten in den Nationalparks jedoch strengere Regeln.

Fazit: Sehr dünn. Die 16 Blätter mit Karten sind zusammen exakt 1,4 mm dick. Preis / Leistung nicht angemessen.

Melinda Lindenblatt & Matthias Göttenauer, Trackbook Island 77 Hochlandrouten

In dem Trackbook sind 77 abwechslungsreiche Island Pistentracks präzise beschrieben. Die meisten befinden sich im Dreieck der Gletscher Myrdals Jökull, Vatnajökull und Hofsjökull – dem klassischen Island Hochland. Aber es gibt auch ein paar spannende Abstecher zu interessanten Zielen, die über die ganze Insel verteilt sind.

Streng genommen keine Karte. Dieses Buch sollte aber auf gar keinen Fall im Gepäck fehlen, wenn eine Tour mit dem Geländewagen in das Hochland von Island geplant ist.

Ausschnitt aus einem Island Trackbook mit Island Landkarte im Hintergrund
Los geht es stehts mit einer Kurzvorstellung der bevorstehenden Route, Länge in Kilometern und einer Einschätzung, für welche Fahrzeuge die Strecke geeignet ist. Die Autoren empfehlen zusätzlich die Karten von Mal og menning mit GPS Punkten und verwenden diese auch (etwas verkleinert) im Buch.

Piktogramme markieren dann zusammen mit Kilometerangaben Punkte auf dem Track wie Abbiegungen, Furten oder markante Landschaftsmerkmale. Ein genauer Tageskilometerzähler ist daher notwendig. Die Aufmachung mit Pikogrammen sieht zunächst etwas ungewöhnlich aus. Das Abfahren der Punkte funktioniert nach kurzer Eingewöhnung dann aber erstaunlich gut. Diese aufs notwendigste reduzierte Navigation ist auch für Alleinfahrer sehr gut geeignet.

Als Besonderheit wird genau auf die Beschaffenheit von Furten eingegangen. Wie tief kann die Furt sein ? Ist mit Steine, starken Strömungen oder Querrillen zu rechnen ? Natürlich kann der Wasserstand abhängig von der Jahreszeit und der Tagesform vom jeweiligen Gletscherfluss stark schwanken. Aber meines Wissens nach informiert kein Buch besser als dieses über ausgewählte Strecken im Hochland von Island inklusive der zu bewältigenden Furten. Die jeweiligen Strecken sind optimal beschrieben und vorbereitet.

Ideal ist das Trackbook für gut ausgestattete, grosse & leistungsstarke Geländewagen. Ich war mit dem Buch 2022 mit meinem DAF T244 Truck im Hochland unterwegs. Die leichten grünen und die blauen Strecken sind durchweg gut auch mit grösseren Fahrzeugen machbar, teilweise sogar mit einem Bulli. Viele rote 4×4 only Strecken halten jedoch knackige offroad Herausforderungen bereit und sind für besonders breite & schwere Fahrzeuge nicht immer geeignet. Rot geht meiner Erfahrung nach grundsätzlich nur mit Allrad, Mut, Zuversicht und ordentlich Bodenfreiheit.

Schwarze Strecken (siehe Ausschnitt oben) sollten nur im gut ausgerüsteten Konvoi gefahren werden – da musste ich als Alleinreisender leider passen und ehrlich gesagt haben mir die roten 4×4 Abenteuerpisten bereits vollauf gereicht.

Mir ist aufgefallen, dass viele der sorgfältig recherchierten und präzise beschriebenen Pisten noch irgend ein (manchmal etwas verstecktes) Highlight haben: heisse Quellen am Wegesrand, Lava oder Eishöhlen, fotogene Furt über einen Wasserfall (Track 17) oder interessante Ruinen.

Einziger Wermutstropfen: die Strecken sind immer nur in einer Richtung beschrieben. Will man in der umgekehrten Richtung fahren ist etwas umdenken notwendig.

Beachtet werden muss ausserdem, dass das Hochland nur wenige Monate im Sommer geöffnet ist.

Vergleich zwischen einer Island Trackbook Karte und einer handelsüblichen Island Landkarte
Ein Kartenvergleich zwischen dem Trackbook links und der Karte von Mal og menning rechts. Ich hab rechts blaue und schwarze Pfeile eingefügt.

Auf der Karte rechts sind Pisten rund um den Langisjor See abgebildet. Dabei sehen die vielen gestrichelten Pisten auf der Karte identisch aus. Aber wenn man das mit der Karte links aus dem Trackbook vergleicht entdeckt man, dass die blau markierte F235 Piste zum Langisjör als Track 47 „blau, einfach“ zu fahren ist. Die Piste weiter nördlich haben die Autoren jedoch als Track 46 mit der Schwierigkeitsstufe „schwarz, sehr schwierig“ markiert.

Aus der einfachen Geländekarte rechts geht überhaupt nicht hervor, dass sich eine leicht mit dem VW Bulli zu fahrende Piste schlagartig in einen sehr anspruchsvollen 4×4 offroad Track verwandeln kann.

Dieses Beispiel demonstriert eindrucksvoll, wie nützlich das Trackbook von Melinda Lindenblatt & Matthias Göttenauer für Abenteurer mit Jeep oder Landrover im Hochland ist. Um so mehr, wenn man als Island Neuling mit einem einfachen Geländewagen, 4×4 Mietwagen oder das erste Mal mit einem grossen LKW unterwegs ist. So kann man optimal abschätzen, welche Strecken empfehlenswert (oder überhaupt machbar) sind und welche nicht.

Eine Ergänzung mit einem elektronischen Navigationssystem oder einer der oben genannten Papierkarten ist jedoch aus meiner Sicht notwendig. Das Pistenbuch wird noch durch eine gelungene Einführung zu Islands Offroad Hochland Pisten abgerundet. Ein extra Kapitel erklärt, wie man sein Fahrzeug optimal für Furten vorbereitet und diese sicher durchfährt.

Fazit: Das Buch ist unverzichtbar, um Island in seiner ursprünglichen Form kennen zu lernen. Abseits daher vom Golden Circle, Geysir, Gullfoss und der blauen Lagune mit seinen Touristenmassen. Bei ernst gemeinten Ausflügen ins Innere von Island sollte diese Bibel für das Hochland unbedingt an Board sein.

Kann man beliebige Papier Landkarten nachträglich wasserfest machen ?

Diese Frage hab ich mir nach dem Test der wasserfesten – aber nicht besonders guten – Karte von ITMB gestellt. Island Abenteurer, die mit dem Motorrad, als Wanderer zu Fuss oder einem Mountainbike unterwegs sind könnten auf Kartenmaterial angewiesen sein, was nicht bei einem kleinen Schauer (oder in der Nähe von einem tosenden Wasserfall) sofort einweicht und kaputt geht.

Für Experimente, Papier Karten nachträglich zu imprägnieren hab ich mir meine inzwischen arg gebeutelte Freytag & Berndt Karte aus 2018 geschnappt – und verschiedene Mittel ausprobiert.

Eine naheliegende Möglichkeit ist es, die Karte mit durchsichtigem Klebeband zu bekleben. Das hatte ich bereits in Island gemacht, weil meine Karte durch die intensive, wochenlange Nutzung an vielen Stellen in den Knicken eingerissen war. Das Ergebnis mit Klebeband ist dauerhaft, repariert Risse zuverlässig und die Karte gewinnt sogar noch etwas an Kontrast. Allerdings dürfte es eine ziemliche Beschäftigung sein, mehr als einen Quadratmeter Papier Karte beidseitig mit 60mm breitem Klebeband zu bekleben. Durchsichtiges Klebeband gibt es dafür überall zu kaufen.

Laminieren kommt nur bei kleinen Karten in Frage, am ehesten bei Kartenausschnitten die etwas kleiner sind als DIN A4. Zum Laminieren (Wikipedia) gibt es aber auch Geräte für das Format DIN A3. Beim Laminieren wird das Blatt Papier, welches man wasserdicht einschweissen möchte in eine Folientasche gesteckt. Das Laminiergerät funktioniert wie ein Bügeleisen und verschmilzt den Kartenabschnitt mit der Folie. So eingeschweisste Karten können sogar längere Zeit unter Wasser verbringen, ohne Schaden zu nehmen. Bietet sich an, wenn ein Island Urlaub vorab tageweise geplant ist und nur ein kleiner Kartenausschnitt für eine bestimmte Tour benötigt wird.

Bequemer und schneller sind Mittel aus der Sprühdose. Ich hab mir zu dem Zweck eine Dose Edding Klarlack gekauft und eine Dose Marabu Fixativ, was speziell für Kohlezeichnungen oder auch Gemälde entwickelt wurde. Vervollständigt wurde der Testaufbau mit einer Dose Taft Ultimate 5+ Haarlack von einem pubertierenden Teenager.

Eine Papier Landkarte wird mit Taft Haarlack, Edding permanent spray und Fixativ behandelt.
Für den Test der drei Produkte hab ich mir eine Schablone aus Pappe gebastelt. Dann wurden drei Abschnitte auf meiner ausgedienten Karte mit den Mitteln eingesprüht. Fixativ hat meine Beschriftung mit Edding (genauer: ein Permanent Marker Edding 3300) leicht verlaufen lassen.
Eine Papierkarte wird für Testzwecke mit grüner Stempeltinte eingeschmiert
Um die nachträgliche Imprägnierung zu testen hab ich dann verdünnte grüne Pelikan Stempeltinte mit einem Schwamm auf der Karte verteilt.

(Notiz an mich selber: das nächste Mal Einweghandschuhe verwenden)

Testreihe mit einer nachträglich gegen Feuchtigkeit imprägnierten Landkarte, die mit Tinte eingefärbt wurde.
Fixativ und der Klarlack von Edding haben die Karte sehr gut geschützt. Über dem „Edding“ Schriftzug ist eine weitere Ecke nicht eingefärbt worden, dort war etwas durchsichtiges Klebeband.

Nach dem imprägnieren kann die Papierkarte nicht mehr mit einem Bleistift, Kugelschreiber oder Faserstift beschriftet werden. Nur noch mit einem Marker wie dem Edding oder Lackstiften.

Fixativ Universal Protection (EAN 4007751691521) der Marabu GmbH scheint Farbe anzulösen. So ist die Schrift vom Edding Permanent Marker beim aufsprühen etwas verlaufen. Ich finde das etwas merkwürdig für ein Produkt, was explizit für Kunstwerke, Grafiken, Zeichnungen und so weiter angeboten wird. Der Schutz der Papierkarte vor Flüssigkeiten funktioniert aber ausgezeichnet.

Edding permanent spray der edding International GmbH (EAN 4004764956487) hat die Karte ebenfalls perfekt geschützt.

Taft Ultimate Haarlack 5+ von Schwarzkopf wird zwar mit „Ultimate Haft + Kristall Glanz“ beworben, aber es schützt Papierkarten leider nicht vor Feuchtigkeit. Auf dem Bild sieht man deutlich, dass der Abschritt ganz rechts durchweicht und tintengetränkt ist.

Fairerweise muss man sagen, dass der Haarlack nicht dafür entwickelt wurde, Papier zu imprägnieren. Ich hab ihn trotzdem in die Testreihe aufgenommen, weil Haarlack unterwegs leicht im Supermarkt verfügbar ist. Im Gegensatz zu den beiden anderen Mitteln, die es nur im (gut sortierten) Baumarkt oder im Onlinehandel gibt. Schade, dass das nicht funktioniert hat.

Dafür riecht Taft von allen drei getesteten Mitteln am besten …

1 Kommentar

  1. Schöne Übersicht – falls ich noch mal nach Island fahren sollte wäre das Trackbook fürs Hochland dabei. Was bei mir noch im Regal steht ist das Taschenbuch ‚Thermal pools in Iceland‘, Beschreibung der bekannten heissen Quellen mit Anreisebeschreibung. Wenn da dann steht ‚im Winter Anfahrt ggf. über den Gletscher ‚ ist klar dass es von Isländern geschrieben wurde…… einige sind halt nur mit grossen Spielzeugen oder zu Fuß erreichbar.

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