MRE Nachbau von MRE*Star – lohnt sich der Kauf ?

Mit den MRE (Meal Ready to Eat) verfügt die US Army über eine patente, sich selbst erhitzende Mahlzeit für ihre Soldaten. Diese Menüs schmecken gar nicht mal soo schlecht und der geniale, chemische Kocher zaubert im Nu eine warme Portion Essen. Das Herumhantieren mit offenem Feuer oder einem Spirituskocher entfällt bei den Amerikanern. An mehr als etwas Wasser und einen Becher muss man nicht denken, alles weitere ist in der Verpackung.

Kaum verwunderlich daher, dass diese clevere Erfindung inzwischen von vielen Ländern kopiert wurde: bekannte Beispiele sind die ebenfalls mit einem chemischen Kocher versehenen militärischen Notrationen der Niederländer und die MRE der Chinesen.

Mit den Menüs von MRE*STAR (Webseite: mrestar.com, oft auch MRESTAR geschrieben) ist inzwischen ein fast originalgetreuer Nachbau der U.S. Army MREs auf dem Markt. Ich hab mir drei Stück aus dem Herstellungsjahr 2026 besorgt, den Inhalt dokumentiert und sie getestet.

Zwei MRESTAR Menüs in der braunen Originalverpackung

Als Erstes fällt auf, dass MRE*Star versucht hat, die original MREs so gut wie möglich zu kopieren. Der Heater ist enthalten, die Wasser- und dreckdichte Plastikverpackung hat das bekannte Braun und wie beim Original gibt es ein Hauptgericht, Nachtisch, Snacks, einen Löffel und Getränkepulver.

Ausgelegt für 8 Stunden und garantiert 3 Jahre haltbar, wie das Original. Aber, wie wir noch sehen werden, gibt es wichtige Unterschiede im Detail.

MRE*STAR Menü 3 – Chicken Noodle

Inhalt von einem MRESTAR Menü 3: Hauptmahlzeit Chicken Noodles, Limopulver für 12 OZ, Kandierte Erdnüsse, Erdnussbutter, drei Tortilla Fladen, Keks aus Weizenmehl, Heater + Zubehör (Löffel, Gewürze, Serviette, feuchtes Tuch)

Inhalt: Hauptmahlzeit Chicken Noodles, Limopulver für 12 OZ (ca. 350ml), kandierte Erdnüsse (sehr lecker!), Erdnussbutter, drei Tortilla Fladen, Shortbread Cookie – Keks aus Weizenmehl, Heater + Zubehör (Löffel, Gewürze, Serviette, feuchtes Tuch)

Flameless Ration Heater von MRESTAR gegen die Sonne gehalten um im Gegenlicht den Inhalt zu erkennen.
Das Heizkissen vom Heater ist eher klein, auf dem Bild füllt er nicht einmal die Hälfte der Tüte aus.

Dafür hat er aber erstaunlich viel Power. Beim Kontakt mit Wasser erwärmt sich das Heizkissen praktisch sofort auf 75°C – 90°C.

Flameless Ration Heater von MRESTAR mit einem Thermometer, was 86,2°C anzeigt
Auf dem Bild sieht man, wie der Heater dampft und schäumt, das Thermometer zeigt 86°C an.

Leider ist das Feuerwerk rasch vorbei und an der Stelle hab ich den ersten markanten Unterschied zwischen MRE*Star und den original MRE bemerkt: es lag keine extra Tüte für den Kaffee bei.

Immer wenn dem US Army MRE Instant Kaffee beiliegt ist auch eine ZIP Tüte in der Packung, um gleichzeitig mit der Hauptmahlzeit eine kleine Portion Wasser für den Kaffee warm zu machen.

Daran hat MRESTAR leider nicht gedacht.

Portion Chicken Noodles aus einem MRESTAR Menü 3, zusammen mit einem Becher der mit etwas Wasser gefüllt auf einem Flameless Ration Heater steht.
Ich hab dann versucht, auf dem Heizpad in einem Becher etwas Wasser zu erwärmen, aber das hat nicht funktioniert. Der Heater hatte sich viel zu rasch verbraucht und war bereits am Auskühlen.

Links auf dem Bild ist die Portion Hühner Nudeln vom Menü 3. Mit offiziell 227g Inhalt eher eine Probierportion (etwas mehr als ein halber Becher), aber durchaus lecker.

MRE*STAR Menü 6 – 2 Bean Chili

Inhalt von einem MRESTAR Menü 6: Hauptmahlzeit vegetarisches Bohnen Chili, Cracker, Schokokeks, Beef Jerky, Getränkepulver, Erdnussbutter, Heater und Zubehör

Inhalt: vegetarisches Chili, getrocknetes Beef Jerky, „Pink Lemon“ Getränkepulver, Keks mit Schokostückchen, Cracker, Erdnussbutter, Heater & Zubehörpaket.

Das Chili war herzhaft lecker und pikant gewürzt, Sojastückchen sorgen beim Essen für eine hackfleischähnliche Konsistenz.

„Pink Lemonade“ ist in den USA eigentlich eine Zitronenlimonade, der ein Schuss Grapefruit oder Cranberry Saft zugesetzt wird. Im Getränkepulver von MRESTAR sorgt dagegen einfach nur etwas Farbstoff für die pinke Farbe. Eine vertane Chance, den Käufern ein klassisches, typisch US amerikanisches süss-herbes Sommergetränk mitzugeben.

Warum das vegetarische Chili im Menü 6 ausgerechnet mit Beef Jerky kombiniert wird, weiss nur MRESTAR selbst. Offenbar haben sie kein Stück nachgedacht, als diese Entscheidung getroffen wurde.

Portion Chili von MRE*Star auf einem Teller mit Erdnussbutter Crackern, Schokokeks und einem Becher in dem eine Portion Limo Pulver steht.
So sieht der Mittagstisch bei MRE*Star aus: warm gemachte Portion Chili, Cracker mit Erdnussbutter, Schokokeks und Limo.

Das Zubehör ist bei MRESTAR immer gleich.

Plastiklöffel, Feuchtetuch, dünne Papierserviette, Instant Kaffee, Kaffee Weisser, Zucker, Portion Salz & Pfeffer, Tüte mit rotem Pfeffer als Flocken, kleine Rolle Bonbons, Zahnstocher.
Inhalt: Plastiklöffel, Feuchtetuch, dünne Papierserviette, Instant Kaffee, Kaffeeweisser, Zucker, Portion Salz & Pfeffer, Tüte mit rotem Pfeffer als Flocken, kleine Rolle Bonbons, Zahnstocher.

MRE*STAR Menü 14 – Mexican Beef

Inhalt von einem MRESTAR Menü 14: Hauptmahlzeit Mexican Beef, kandierte Erdnüsse, drei Tortillas, Weintraubengelee, Haferkeks mit Schokostücken, Fruchtpunsch-Getränkepulver, Heater und Zubehör

Inhalt: Mexican Beef (Eintopf mit Rindfleisch und Kartoffeln), Weintrauben Gelee, Keks mit Schokostücken, 3x Tortillas, kandierte Erdnüsse, Getränkepulver für Fruchtpunsch und das Zubehör Paket.

Mit dem Weintrauben Gelee zieht echtes American Breakfast Feeling ein. Hier ist Weintraubenmarmelade oder Gelee fester Bestandteil eines jeden Pancake Breakfasts, in Europa dagegen nicht erhältlich.

Im Grossen und Ganzen ist die Zusammensetzung aber ähnlich wie bei den anderen Menüs.

Mexican Beef aus einem MRESTAR MRE in einem kleinen, blauen Becher
Die Portionen sind wirklich klein. Das Mexican Beef füllt diesen ziemlich kleinen Becher nicht mal zum Rand. Sparsame 190 Kalorien.

Geschmeckt hat die Portion, die ich in 60 Sekunden aufgegessen habe, jedoch sehr gut. Lecker nach Fleisch, pikant gewürzt.

Vitamine und Zusatzstoffe im MRE*STAR MRE

Obwohl es sich bei den original MREs um Fabriknahrung handelt, die für eine möglichst lange Lebensdauer in Lagerhäusern konzipiert wurde – sind sie ziemlich gesund. Die plastikverpackte Nahrung ist mit jeder Menge gesunder Vitamine und Mineralien angereichert.

Von denen die US Army dachte, dass es ihren Soldaten vielleicht gut tun könnte.

Erfreulicherweise hat MRESTAR das bei ihren Produkten ähnlich gemacht. Insbesondere durch die Verwendung von angereichertem Mehl sind die Brot Beilage, die Kekse und die um zusätzliche Vitamine ergänzte Erdnussbutter im Vergleich zu Notrationen anderer Nationen kleine Vitaminbomben.

An das Vorbild US Army MRE kommen sie jedoch nicht ganz heran.

In den Original MREs sind: Vitamin A, B1 (Thiamin), B2 (Riboflavin), B3 (Niacin), B6, B12, C, D, E, Folsäure (Vitamin B9), Vitamin K. Zugesetzte Mineralstoffe: Calcium, Zink und Eisen.

Voraussetzung, damit die Vitaminbomben einschlagen: man futtert restlos alles auf.

In den Nachbau MRE von MRESTAR sind: Vitamin A, B1 (Thiamin), B2, B3, Folsäure (Vitamin B9), Vitamin C und Eisen. Teilweise jedoch allein durch das in den USA übliche, bereits ab Werk angereicherte Mehl.

Im Gegensatz zu den original US Army MREs sind bei MRESTAR daher die folgenden Vitamine und Mineralstoffe nicht zugesetzt:

  • Vitamin D
  • Vitamin B6
  • Vitamin B12
  • Vitamin E
  • Vitamin K
  • Zink

Die US Army reichert die MRE für ihre Soldaten massiv an, weil sie im Einsatz lange Zeit die einzige Nahrung sein können und den vollständigen, menschlichen Bedarf decken müssen. Offiziell sind sie von der US Army für bis zu 21 Tage (3 Wochen) als alleinige Nahrung freigegeben, erst dann wäre mit einer Mangelernährung zu rechnen, unter anderem auch deshalb, weil die MREs sehr fett- und zuckerreich sind.

(Oder die Soldaten meutern, weil sie die MRE absolut nicht mehr sehen können.)

An der Stelle kann MRESTAR bei der Produktion sparen, weil die Menüs vermutlich eher für private Notfälle, Freizeitausflüge & Zivilisten gedacht sind. Und nicht für eine längere Einsatzdauer im Bunker, der Wüste oder einer Eiswüste, wo es nichts gibt.

Die vielen Infos in diesem Abschnitt hab ich nebenbei gesagt ziemlich mühevoll recherchiert, die MRESTAR Webseite verrät dazu rein gar nichts.

Welche Menüs gibt es derzeit von MRESTAR ?

Das war sehr verwirrend. Zunächst lässt sich feststellen, dass in jedem M-018H Karton 12 Einheiten sind, die sich aus 6 Gerichten x 2 = 12 Portionen zusammensetzen. Was jedoch genau im Karton ist, verrät die Webseite mit dem Bestellshop nicht.

Die MRESTAR Webseite nennt 13 unterschiedliche Gerichte, wobei eins meiner gekauften Menüs die Nummer 14 hatte. Anstatt 12 unterschiedlicher Menüs pro Karton sind es daher nur 6 unterschiedliche, diese dann doppelt.

Ich hab folgende Menüs recherchiert, bin mir aber nur zu 75% sicher, dass es stimmt:

Menü NummerInhalt / Hauptgericht
1Beef Stew
2BBQ Chicken mit schwarzen Bohnen und Kartoffeln
3Chicken Noodle Stew, mit Gemüse
4White Chicken & Rice, mit Gemüse
5Cheese Tortellini mit Marinara
6Vegetarisches Chili / 2 Beans Chili
7Pasta Marinara mit Veggie Crumbles
8Linsen Eintopf mit Kartoffeln und Schinken
9Pinto Bean Stew mit Schinken
10Tuscan Beef mit Cannellini-Bohnen
11?
12Spicy Southwest Chicken mit Reis
13Curry Chicken
14Mexican Beef

Die Webseite nennt weiterhin „Lentil Stew with Vegetables (Vegetarian)“ von dem ich die Menü Nummer nicht herausgefunden hab. Ob es sich dabei vielleicht um das „?“ Menü Nummer 11 handelt ?

Eine Auflistung, welche Snacks und Getränke wo genau dabei sind …? Vergiss es.

Jede Menge Mystery Meat oder die sprichwörtliche Katze im Sack. Dass es der Hersteller nicht hinbekommt zu verraten, was er den Leuten im Jahr 2026 serviert – finde ich ziemlich merkwürdig.

Ich meine, wenn sie offenbar in der Lage sind, 14 verschiedene Menüs zu kochen, könnten sie ja wenigstens 12 unterschiedliche davon in einen Karton packen. Oder etwa nicht ?

Im Vergleich zu den 24 verschiedenen Menüs der US Army steht MRESTAR denkbar schlecht da.

Auch ob Mahlzeiten vegetarisch sind oder nicht, wird nur manchmal verraten, dabei ist dies für viele Menschen aus ethischen oder religiösen Gründen unheimlich wichtig. Von Allergien oder Lebensmittel Unverträglichkeiten will ich lieber gar nicht erst anfangen. Darüber informiert der Hersteller erst, wenn es fast zu spät ist: über die Zutatenliste auf den einzelnen Verpackungen.

Was mir auch aufgefallen ist: auf der Webseite von MRESTAR gibt es den M-018 Karton in zwei Varianten: als M-018 und als M-018H.

Das H steht für „mit Heater“, worauf man beim Einkauf unbedingt achten sollte. Umso verwirrender ist an der Stelle, dass beide Varianten im Shop gleich teuer sind, nämlich 139,95 Dollar (Stand der Information: Oktober 2026). Der Preisvorteil, etwas wegzulassen, wird daher nicht an die Kunden weiter gegeben.

Gekauft habe ich sie auf meiner Flucht vor dem Winter im „Army Surplus Warehouse“ in Idaho Falls (USA). Webseite: www.armysurpluswarehouse.com. Pro Menü hab ich direkt im Laden 14 $ = ca. 12,50 € bezahlt.

Das bittere FAZIT

Abwechslung bei den MREs und der Verpflegung im Feld ist immer super ! Es ist unter den NATO Soldaten bei internationalen Truppenübungen geradezu ein Klassiker, eigene MRE gegen Bundeswehr EPA oder französische Marschverpflegung zu tauschen.

Daher sind die Nachbau MREs zu begrüssen, zumal sie gut schmecken und theoretisch leicht erhältlich sind, zumindest in den USA.

Gegenüber den US Army MREs hat der Anbieter MRE*STAR mit seinen Produkten einen rechtlichen Vorteil, den man erst auf den zweiten Blick entdeckt: der Hersteller fabriziert nicht direkt für das US Militär und erfüllt Verträge, sondern kann an jeden verkaufen.

Dagegen ist der Verkauf von original US Army MREs für Händler immer eine Grauzone, da US MREs eigentlich nicht kommerziell gehandelt werden dürfen. Sie sind theoretisch Regierungseigentum. Trotzdem gibt es seit Jahren einen regen Markt dafür. Aus Sicht von Plattformen wie Amazon oder eBay ist der Handel mit den patenten, sich selbst erhitzenden Mahlzeiten der US Army auch nicht illegal.

Es bleiben trotzdem Defizite: winzige, jedoch gleichwohl wichtige Details wie die fehlende Tüte um Kaffee warm zu machen wurden übersehen. Streichhölzer, um ein Feuer zu machen oder um Müll zu verbrennen fehlen ebenfalls. Und es gibt weniger gesunde Vitamine.

Warum das als vegetarisch beworbene Chili Menü getrocknetes Rindfleisch als Beilage enthält entzieht sich meinem Verständnis.

Der grösste Mangel von MRESTAR ist jedoch die völlige Intransparenz bei den verschickten Menüs. Warum es der Hersteller nicht schafft, 48 Stunden Arbeit in die Aktualisierung seiner Webseite zu stecken um das abzustellen ist mir ein Rätsel.

Ganz nüchtern betrachtet informiere ich in diesem sorgfältig recherchierten Artikel genauer über die Zusammensetzung und den Inhalt der Menüs von MRESTAR / MRE*Star als der Hersteller selbst.

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