Erinnerung an Thomas Klink, Juist, Pferdekutscher

Mit meinen Kindern hab ich unzählige Wochen am Strand von Juist verbracht. Ein fester Bestandteil vom Urlaub war es, auf Juist die Pferdekutsche zur gemütlich eingerichteten Ferienwohnung von Frau Schwips, weit draußen im Ortsteil Loog zu nehmen. War der Urlaub vorbei, wurden alle Taschen wieder in der von „Max und Moritz“ gezogenen Kutsche verstaut, um gemächlich zurück zur Fähre zu rollen.

Dieses Ritual hat mich jeden Urlaub begleitet und fast immer saß Kutscher Thomas mit seinem breitkrempigen Hut vorne auf dem Kutschbock. Leider habe ich kein schönes Portrait von ihm.

Aber das folgende Bild sagt trotzdem ganz viel aus:

Peer / ich – unterwegs mit Kutscher Thomas, vorn auf dem Kutschbock

Im Hintergrund ist Kutscher Thomas zu sehen, mit seinem wettergegerbten Gesicht und einem für ihn typischen, etwas schiefen Grinsen. Davor Peer. Beim Thomas was es nämlich selbstverständlich, daß ich und meine Kinder jedes Mal vorne auf dem Kutschbock mitfahren durften. In meinen Augen: ein typisches, Juister Original. Ich habe wirklich unzählige Urlaubsbilder, welche die Juister Straßen vom Kutschbock aus zeigen, fotografiert über zwei breite Pferdehintern hinweg.

Juist – autofrei

Und einmal hab ich ihn auf einem unserer Wege für das Juist Bilderbuch von Claus interviewt, das ist hier abrufbar:

http://www.juist-bilderbuch.de/podcast/jinpod320.html

Bei meinem letzten Juist Besuch im April 2017 waren zwar „Max und Moritz“ angespannt, aber die Kutsche wurde nicht vom Kutscher Thomas gelenkt.

Ich hab dann erfahren, daß Thomas im Spätherbst 2016 überraschend verstorben ist.

Thomas war sicherlich kein einfacher Mensch. Er war eher verschlossen und in sich gekehrt. Bei einem Gespräch hat man gemerkt, daß er zunächst nach den richtigen Worten suchen musste. Es gab Beschwerden, weil er gelegentlich barsch mit Kurgästen aneinander geraten ist, die z.B. unbedacht auf die Straße vor das Pferdefuhrwerk getreten sind. Allerdings konnte er sehr gut mit Pferde umgehen, ich würde sagen, besser als jeder andere. Seine Pferde gehorchten auf leises zurufen und ich habe ihn kein einziges Mal die Peitsche gebrauchen sehen. Die Zügel schien er eher der Vollständigkeit halber in den Händen zu halten. Sein Naturell war, sich mit Pferden wirklich gut auszukennen, dafür weniger mit Menschen. Zu mir und meinen Kindern war er jedoch stets gut.

Da weder seine Verwandtschaft auf dem Festland noch die Familie Schwips als Arbeitgeber mit seinem Tod etwas zu tun haben wollte, hat er seine letzte Ruhestätte in einem anonymen Urnengrab auf dem Friedhof von Juist gefunden. Natürlich kenne ich seine Vorgeschichte nicht, aber ich weiß, daß er ein sehr einsamer Mensch war. Wie beschrieben hatte Thomas auf Grund seines Verhaltens keinen einfachen Stand auf Juist und nur wenige Freunde. Trotzdem fand ich es schäbig, so aus dem Leben zu scheiden, denn mit dem Tod erlöschen auch alle Streitigkeiten.

Ich hab daraufhin kurzerhand (und in Absprache mit der Gemeinde Juist) eine Plakette für eine der Stelen bei dem dortigen Urnenfeld besorgt und angebracht.

Diese hat mit seinem Namen und seinen Lebensdaten an ihn erinnert.

Stele vom Urnengrab auf dem Friedhof von Juist, Sommer 2017

Hat, muss ich leider sagen, denn entweder hat es sich die Gemeinde Juist zwischenzeitlich anders überlegt – oder – der rachsüchtige Schwips Clan (oder jemand anderes) wollte es nicht auf sich beruhen lassen und hat sich an der Stele zu schaffen gemacht, denn inzwischen wurde die Plakette entfernt und überklebt.

Daher erinnert nur noch mein Blog an den Kutscher Thomas Klink aus Juist, der von 1969 bis 2016 gelebt hat und an den ich gerne zurück denke.

Tagesausklang mit Pferden, am Strand von Juist

Geschrieben am 01.11.2020, Allerheiligen

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