Camping, Campingplätze & Frei stehen in Island. Special: Geld sparen mit der Campingcard

In diesem Artikel erfährst du alles, was du für deinen Urlaub über Campen & Campingplätze in Island wissen musst. Im Vergleich zu anderen Ländern sind die Campingplätze in Island gut & günstig. Viele Campingplätze werden von der jeweiligen Kommune betrieben, bieten reichlich Platz und haben einen unglaublichen Charme. Neben den Kosten geh ich auf Sparmöglichkeiten mit der Campingcard und auf das Thema „frei stehen in Island“ ein. Das ist zwar offiziell nicht erlaubt, aber es gibt gewisse Schlupflöcher und Möglichkeiten.

Ich war im Sommer 2022 satte vier Monate in Island. Obwohl mein autarker 4×4 Truck es anderes vermuten lässt war ich total gerne auf Islands Campingplätzen und habe nur, wenn es nicht anders möglich war, abseits der offiziellen Plätze übernachtet. Wer nur Deutsche Campingplätze kennt, wird von den einladenden Campingplätzen in Island überrascht sein und eine wilde Zeit haben. Speziell auf den abgelegenen, kleinen Campingplätzen hab ich stets gute Erfahrung gemacht.

Ist Camping in Island erlaubt oder nicht ?

Offiziell darf man in Island in unbewohnten Gegenden mit nicht mehr als drei Zelten campen, sofern der Landbesitzer es nicht verbietet. Zum Beispiel mit Verbotsschildern. Damit steht einer Wanderung inklusive zelten im Hochland nichts im Wege. In Nationalparks ist zelten allerdings verboten. Übernachten im Fahrzeug ist kein Zelt. Campingwagen, Geländewagen mit Dachzelt, ausgebaute LKW und Vans müssen laut Gesetz zum nächsten Campingplatz und dort übernachten.

Webseite der Umweltbehörde in Island zu dem Thema: ust.is

Wild campen ist daher offiziell verboten. Aber wirklich sehr, sehr viele Campingplätze in Island fühlen sich total natürlich an. Mit viel Platz zum Nachbarn, mitten in der Natur.

Ich hab mich über die Camping Problematik lang und breit mit den Rangern / Rangerinnen unterhalten. Problematisch wird der massiv zunehmende Tourismus in Island gesehen, vor allem in den Sommer Monaten. In der Vergangenheit haben sich immer mehr Besucher so dermassen daneben benommen, dass 2017 eine Regulierung unvermeidlich wurde. Insbesondere wurde mir mehrfach ein bestimmtes Reiseunternehmen aus der Tschechei genannt, was sich permanent besonders rücklichtslos verhalten hat.

Ein gelber Tatra Gelände LKW

^^ Wild campen als Programm, viele Leute & kein Klo, Unfälle und rücksichtslose Fahrweise. DANKE !

Infos zu den Campingplätzen in Island

„Campingplatz Zwang“ klingt zunächst deprimierend, aber so schlimm ist es nicht. In entlegenen Ecken abseits der Strassen gibt es insbesondere bei den Wanderhütten tatsächlich gratis Stellplätze, die oft sehr einsam und verlassen sind. Viele ganz offizielle Campingplätze bestehen einfach nur aus einer Wiese beim Bauern mitten in der Natur. Sie bieten viel Platz, eine grandiose Aussicht, einen Wasserhahn und ein Klo, für das man kaum etwas bezahlt.

Ein LKW parkt auf einer grünen Wiese mit einem Kinder Klettergerüst und Rutsche. Im Hintergrund ist ein Sandstrand und Berge.
Camping Melanes, in den Westfjorden.

Den kleinen, kommunalen Campingplätzen stehen viele professionell gemanagte Campingplätze gegenüber. Die verfügen manchmal über den Komfort von einem geheizten Aufenthaltsraum, einer Waschmaschine, einem Trockner, einer komplett ausgestatteten Küche, Grillplatz mit Gasgrill, kostenlosem WLAN und Hotpots. Praller Luxus, wenn man möchte. Aber: nicht wesentlich teurer als die einfachen Plätze.

Ich hab in den 120 Tagen Island ungefähr 50 Campingplätze besucht. Manche davon nur eine Nacht, viele mehrere Tage lang. Preislich habe ich zwischen 1.500 ISK und 2.500 ISK bezahlt. Im Hochland oder auf sehr guten Plätzen waren es immer 2.500. Durchschnittlich bezahlt man pro Person in Island im Jahr 2022 um die 2.000 ISK fürs campen = ca 15 Euro. Das geht echt, wenn man Mal überlegt was die Supermärkte, Restaurants und Tankstellen in Island an Geld verschlingen.

Flateyri Fjord in Island mit einem kleinen Campingplatz im Vordergrund.
^^ versteckter, verwunschener Stellplatz in Flateyri. Offiziell: ein Campingplatz. Auf solchen Plätzen ist Ruhe und Entspannung garantiert.

Im Vergleich zu Deutschland, den Niederlanden oder Dänemark, wo ich unterwegs selten weniger als 20 Euro bezahlt habe sind die Campingplätze in Island preiswert und gut. Selbst in touristisch voll erschlossenen, daher stark besuchten Gegenden wie dem Geysir / Gullfoss Gebiet habe ich nur den „normalen“ Preis um 2000 ISK herum bezahlt. Das fand ich schon bemerkenswert. Vollgepackte Campingplätze mit kuschelcamping sind in Island die absolute Ausnahme und leicht zu vermeiden.

Stark belegt sind die Campingplätze in der Nähe der Ringstrasse, im August und generell im Süden von Island um die Hauptstadt herum. Diese Gegend habe ich eher gemieden. Ab 18:00h wird es auf Campingplätzen dort voll und hektisch, nicht immer benehmen sich alle Camper rücksichtsvoll.

Wer eine gewisse Tendenz hat, von „Campingplätzen“ schnell genervt zu sein, hält am besten nach Plätzen Ausschau, die 20 km von der Ringstrasse N1 entfernt sind.

Im Gegensatz zu anderen Ländern haben die Campingplätze in Island nur sehr selten eine Deadline zum auschecken. Ich hab auf vielen Plätzen lang ausgeschlafen und bin erst um 15:00h wieder gefahren: kein Problem. Das ist kulant und gastfreundlich.

Bezahlt hab ich stets mit Kreditkarte. Selbst auf kleinsten Plätzen, wo abends jemand mit einem mobilen Terminal vorbeikommt war das möglich.

Das soll jetzt keine Handlungsempfehlung sein, aber manchmal konnte ich mit zwei oder drei Bier bezahlen. Zwei deutsche Bier mit 0,5 / 5% sind in Island 10 Euro wert. Eine harte Währung. Eigene Kosten für die Übernachtung falls das Tauschgeschäft klappt: 2 Euro.

Luftbild vom Campingplatz am Herdubreid.
Der verlassene Campingplatz an der F88, tagsüber. Das Kreditkarten Terminal war kaputt und ich hatte kein Bargeld dabei. Also haben wir uns auf vier deutsche Bier geeinigt und der Ranger hat dafür die 2500 ISK in die Kasse getan.

Manchmal ist auf den Campingplätzen eine heisse Dusche inklusive, manchmal kostet sie extra. In dem Fall muss man vier oder fünf 100 ISK Münzen in einen Automaten einwerfen. Eine gute Vorbereitung ist es daher, sich einen Vorrat dieser Münzen zu besorgen. Lieber ein paar mehr. Nicht verbrauchte Münzen kann man am letzten Tag im Supermarkt für ein paar Kaugummis ausgeben.

Übersicht über die Campingplätze in Island

In Island gibt es etwa 200 Campingplätze. Leider hab ich kein richtig gutes, offizielles Verzeichnis zum Beispiel von einer Tourismus Organisationen gefunden.

Einer der grössten Anbieter ist noch tjalda.is/yfirlitskort, aber dort sind längst nicht alle Campingplätze verzeichnet. Auf herkömmlichen Papierkarten oder im Navi sind sämtliche Campingplätze als erster Anlaufpunkt aber drin.

Eine recht gute Karte stellt hat HappyCampers über Google Maps bereit: Camping Platz Karte

Die Karte von Happy Campers unterscheidet farblich zwischen Ganzjahres Campingplätzen, solchen die nur im Sommer auf sind und Hochland Campingplätzen.

Aber die besten Option, Campingplätze (oder geduldete Stellplätze) zu finden ist jedoch park4night. Nirgendwo gibt es eine bessere Übersicht inklusive Preisen, Öffnungszeiten, Bewertungen oder Besonderheiten als bei Park4Night.

Die Webseite von unverzichtbaren Stellplatz finder park4night ist: www.park4night.com

Im Grunde kommt man an diesem Anbieter überhaupt nicht mehr vorbei. Neben Campingplätzen listet die App, die für Apple und Android erhältlich ist auch Wanderparkplätze, Picknickplätze und Tagesparkplätze auf. Darüber hinaus viele interessante, abgelegene 4×4 only Plätze.

Luftbild vom Campingplatz Neskaupstadur. Ein LKW steht auf dem verlassenen Platz, im Hintergrund ist der blaue Fjord.
September in Neskaupstadur: nix los, mit Blick über den Fjord. Gefühlt fast wie frei stehen. Top, so gehts doch auch !

Geld sparen mit der Campingcard

Einige Campingplätze haben sich organisiert und bieten mit der Campingcard eine Rabatt Karte an. Diese kostet 19.900 Kronen direkt auf der Fähre und ist ausserdem auf einigen der teilnehmenden Plätze erhältlich.

Webseite der Campingcard: www.utilegukortid.is (Deutsch, Englisch, Isländisch) oder auch:

campingcard.is (wird dann umgeleitet)

Auf der Webseite werden 159 Euro (=22060 ISK) angezeigt, wenn man diese auf Deutsch umstellt. Eine Online Bestellung zum teuren Preis in Euro ist möglich, aber nicht ratsam. In dem Fall kann die Karte dann auch nur im Büro von Reykjavik oder Seydisfjördur abgeholt werden. Mit der Post wird nicht versendet. Schlauer ist es, die Karte auf dem Schiff zu kaufen oder zum Beginn des Urlaubs.

Die Campingcard gilt für ein Fahrzeug mit zwei Erwachsenen und maximal 4 Kindern bis 16 Jahren. Sie ermöglicht 28 Übernachtungen einer Einheit, daher Caravan, Van oder Zelt.

Die teilnehmenden Campingplätze sind hier aufgelistet: Alle Campingplätze der Campingcard

Ich hab 39 Campingplätze gezählt, die sich dem System angeschlossen haben. Natürlich kann man jeden Campingplatz auch besuchen, ohne die Karte zu verwenden. Die Rabatt Karte ist rein optional.

Es gibt ein paar Einschränkungen zu beachten. Erstens ist die Karte nur vom 15.05 bis zum 15.09 gültig. Wer ausserhalb der Hauptsaison Island besucht kann den Rabatt der Karte nicht nutzen. Zweitens rechnet sich die Karte nur, wenn man längere Zeit in Island verbringt. Da sie „pro Einheit“ gültig ist und nicht pro Person lohnt sich die Karte eher nicht für Single Reisende. In dem Fall wird der break even später erreicht.

Extras wie eine Waschmaschine oder teilweise eine Dusche müssen zusätzlich bezahlt werden. Früher kam noch eine „Übernachtungssteuer“ in Höhe von 333 ISK dazu, diese wurde im Jahr 2022 aber nicht erhoben.

Als weiteres Handicap empfinde ich es, dass man durch die Campingcard in seinen Entscheidungen ungewollt festgelegt wird. Anstatt auf den nächsten Campingplatz zu fahren steuert man möglicherweise einen viel weiter gelegenen, weniger schönen Campingplatz an – nur weil der diese Karte akzeptiert und man das ausnutzen will.

Da die Preise der Campingplätze sehr unterschiedlich sind, ist es kompliziert zu berechnen, ab wann sich die Karte lohnt. Ich hab für einen typischen Durchschnittswert eine Tabelle gebastelt, um den Nutzen der Campingcard in etwa abschätzen zu können.

Mal angenommen, eine Übernachtung kostet durchschnittlich 2000 ISK pro Person, dann sieht es so aus:

eine Personzwei PersonenCampingcard 19.900 ISK
1 Nacht20004000
2 Nacht40008000
3 Nacht600012000
4 Nacht800016000
5 Nacht1000020000<Break Even 2 Personen
6 Nacht1200024000
7 Nacht1400028000
8 Nacht1600032000
9 Nacht1800036000
10 Nacht2000040000<Break Even 1 Person
11 Nacht2200044000
12 Nacht 2400048000

Anhand der Tabelle lässt sich ablesen, dass sich die Karte für Pärchen ab der 6. Nacht lohnt. Singles machen erst nach der 10. Nacht plus. Eltern mit zwei kleinen Kindern im Alter von 3 und 5 sind mit einem Pärchen gleich gestellt, da Kinder unter 6 in Island nie etwas bezahlen müssen, meist erst ab 12. Perfekt wäre die Karte für Eltern mit zwei Teenagern im Alter von 13 und 15. Bereits nach drei, vier Nächten wird richtig Geld gespart.

Eltern mit einem Kind über 16 zählen als drei Erwachsene und müssten eine weitere Karte erwerben.

Für den Fall, dass ein Campingplatz nur 1500 ISK verlangt (durchaus der Fall) wird der break even rechnerisch später erreicht. Falls man eher teure Campingplätze mit Grundkosten in Höhe von 2500 ISK ansteuert rentiert sich die Karte jedoch schneller.

Die Tabelle stimmt nur, wenn die Campingcard für 19.900 ISK gekauft wurde, was etwa 145 Euro entspricht und nicht online für 159 Euro.

Im Idealfall rentiert sich die Karte für Pärchen daher innerhalb von einer Woche. Da aber nur ausgewählte Campingplätze an dem Programm teilnehmen und manche Plätze nur 1700 kosten würde ich realistisch gesehen eher von 14 Tagen ausgehen. Wer 21 Tage als Pärchen oder kleiner Familie auf der Insel Camping Urlaub macht, viel unterwegs ist oder drei Tage am Stück auf einem teilnehmenden Campingplatz verweilt, holt die Kosten der Rabatt Karte daher mit Sicherheit rein. In dem Fall ist die Campingcard ein ganz heisser Tipp zum Geld sparen !

Für Singles sind 4 bis 6 Wochen eine sichere Wette. Weil nur 39 der etwa 200 Campingplätze in Island teilnehmen, ist etwas Planung (=Einschränkung in der Reisefreiheit) allerdings unerlässlich. Und es lohnt sich selbstverständlich nur in den Sommermonaten.

Gratis Frei stehen in Island – ein paar legale Möglichkeiten

Wenn man vier Monate am Stück in Island herumkurvt bleibt es natürlich nicht aus, dass man Erfahrung mit dem offiziell nicht erlaubten frei stehen in Island macht.

Manchmal war ich in so dermassen abgelegenen Gegenden unterwegs, dass es illusorisch gewesen wäre noch einen Campingplatz zu erreichen. Frei stehen wird geduldet, wenn man müde ist, es dunkel wird und es zum Beispiel im Hochland abseits der bekannten Pisten keine offizielle Möglichkeit gibt. Nachts fahren die Ranger oder die Polizei auch nicht gerade Streife.

So bin ich einmal auf der sehr hubbeligen F910 mit maximal 20 km/h nicht so schnell voran gekommen, wie geplant. Ich hab dann bei Einbruch der Dunkelheit in der Nähe einer Furt geparkt, um meine Reise am nächsten Tag fortzusetzen. Überhaupt wird das Übernachten an einer Furt geduldet, um den niedrigeren Wasserstand vom Fluss am nächsten Morgen abzuwarten.

Genau erklärt hab ich das Phänomen in meinem Artikel über Furten und 4×4 offroad fahren in Island.

Auf gar keinen Fall darf die Piste jedoch verlassen werden ! Bitte am Seitenstreifen anhalten oder in markierten Parkbuchten.

Eine ähnliche Situation hatte ich im Kerlingarfjöll Mountain Center. Dieses spannende Hochtemperaturgebiet sollte man in Island unbedingt besuchen ! Laut Webseite war der Campingplatz im Mai geöffnet, tatsächlich war dort eine riesen Baustelle.

Der Ranger: „du musst leider zum nächsten Campingplatz“.

Ich: „du siehst doch selbst, was hier los ist. Die 35 nach Norden ist im Moment noch zu. Es wird bald Nacht, ich bin müde und ich fahr jetzt ganz bestimmt nicht 90 Kilometer auf der löchrigen 35 zurück zum Gullfoss. Ich stell mich jetzt neben deine Rangerhütte, dann kannst du ja gucken. Wenn du willst, kannst du noch ein deutsches Bier haben“.

Dem musste er sich fügen. Wenn es nicht anders geht ist Übernachten – da wo man ist – schon okay und in dem Fall war es sogar gratis. Allerdings sollte man manierlich und freundlich bleiben, die total netten und eher fürsorglichen Ranger sind es nämlich auch.

Ein weiteres Beispiel für frei stehen wegen fehlender Campingplätze ist die Stadt Akureyri, immerhin die zweitgrösste Stadt in Island. Akureyri hat seit der Corona Kriese überhaupt keinen Campingplatz mehr. Der nächste ist irgendwo hinter dem Flughafen, 20 Kilometer weiter. Ich hab dann mehrere Tage recht zentral auf dem Parkplatz vom ehemaligen Campingplatz neben zwei seit Ewigkeiten dort parkenden Schrottkisten übernachtet: keine Beanstandungen.

Ähnlich grenzwertig war es in Reykjavik. Soweit ich es recherchiert hab, hat die Hauptstadt exakt einen Campingplatz und der nimmt 50 Euro pro Tag, pro Nase. In dem Fall war ich mehr als bereit, mich auf Diskussionen zum Beispiel mit der Polizei einzulassen. Wenn ich etwas ungerecht finde, bin ich durchaus streitbar. Statt dessen stand ich mit vielen weiteren Monopol Brechern tagelang unten am Hafen, ohne behelligt zu werden. Das war der Parkplatz schräg gegenüber dem Maritime Museum.

Ausserhalb der Saison (Mai bis September) haben viele Campingplätze geschlossen. Auf eigentlich geschlossenen Campingplätzen übernachten wird geduldet. Manchmal hat man Glück, dass Wasser und Strom noch funktionieren. Da man ausserhalb der Saison mit hoher Wahrscheinlichkeit allein ist, fühlt sich das wie frei stehen an. Insbesondere auf kleinen Plätzen, die sowieso nur aus einer Wiese mitten in der Natur bestehen. Das ist ausserhalb der Hauptsaison in der Regel gratis, normalerweise kommt keiner zum Nachschauen oder Kassieren.

Wer sich auf einem Parkplatz einen Übernachtungsplatz sucht sollte sich dabei nicht gerade eine Zielscheibe auf den Rücken malen. Meinem Fahrzeug sieht man nicht an, ob es lediglich parkt oder gerade für eine Übernachtung genutzt wird. Damit provoziere ich niemanden und ich kann mich benehmen: ich steh niemanden im Weg, hab ein Klo und sammle überall Müll ein.

Ein etwas gehässiger Tipp wäre es, draussen in der Natur einfach neben einer der vielen Schrottkarren in Island zu übernachten. Island ist voll mit wilden Müllkippen, wo halb ausgeschlachtete und zerbeulte Autos, Trecker und Trailer vor sich hinrosten. Es wäre völlig absurd, jemanden von dort mit seinem intakten Fahrzeug zu einem Campingplatz zu schicken. Offensichtlich fehlt in solchen Ecken sowieso jegliche Kontrolle. Das hab ich allerdings nur ein, zwei Mal gemacht, als es sowieso schon sehr spät war. Meist sind die privaten Schrottplätze auch auf privaten Grundstücken. Besonders romantisch und Island a like ist das nicht. Aber warum nicht als Gag in einer Mad Max Kulisse übernachten, davon hat Island leider reichlich.

Sorry, wenn das nun Island Romantiker vor den Kopf stösst. Aber 25u.de ist kein weichgespültes wohlfühl Reiseblog mit Kauflinks, sondern realistisch und ehrlich. Und vollgestopft mit nützlichen Informationen. Ich hab kein Problem damit, unangenehme Wahrheiten auszusprechen, die nicht ins übliche Island Bild passen.

Eine Wanderhütte, am Ende der F946 und damit praktisch am Ende der Welt. Ich war einen Tag allein, mitten in der Natur. Dann kam ein Wanderer (total nette Begegnung !) und Abends noch zwei Isländer mit einem Quad um nach dem Rechten zu sehen.

Viele Wanderhütten bieten Parkplätze, wo man übernachten darf. Das ist immer weit draussen, mitten in der Natur. Manchmal ist es sogar gratis, aber üblicherweise sind diese Parkplätze sehr abgelegen und nur auf schlechten Pisten mit einem 4×4 Geländewagen erreichbar.

Eine ähnliche Erfahrung hab ich am Ende der F899 gemacht: eine verlassene, diesmal abgeschlossene Wanderhütte, schwarzer Sandstrand, Seevögel, niemand da. Legales frei stehen und gratis campen auf einem extra dafür gekennzeichneten Platz. Allerdings: 4×4 only – und mit krasser Anreise durch vielen Furten.

Auf Massenveranstaltungen wird ebenfalls geduldet, im Fahrzeug zu übernachten. So haben tausende Menschen den Vulkanausbruch 2022 beobachtet, wofür eine Wanderung von 12 Kilometer über Stock und Stein notwendig war. Viele sind bis spät in die Nacht beim Vulkan geblieben, um dann komplett erledigt in die Koje zu fallen. Freundlich, wie die Isländer sind wurde da auf dem Parkplatz ein Auge zugedrückt.

Fazit

Viele Campingplätze in Island fühlen sich eher wie Camping auf dem Bauernhof an. Es gibt wenig Zwang, in der Regel viel Platz. Vor allem die kleinen, abgelegenen Campingplätze sind in Island vergleichsweise günstig, ruhig und charmant. Die negativen Auswirkungen vom Campingplatzzwang treffen am ehesten Besucher, die nur an den Hauptattraktionen im Süden entlang der N1 interessiert sind.

Sehr dünn besiedelt und ziemlich menschenleer sind das Hochland, der Norden von Island abseits von Akureyri und die Westfjorde. Bei nicht vorhandenen Campingmöglichkeiten oder saisonal geschlossenen Campingplätzen wird es meiner Erfahrung nach geduldet, wenn man eine Nacht abseits in einer ruhigen Ecke stehen bleibt.

Selbstverständlich sollte sein, keinerlei Spuren zu hinterlassen: Müll mitnehmen, kein Feuer, für menschliche Ausscheidungen gibt es inzwischen ultra kompakte Trenntoiletten. Die passen inzwischen in JEDES Fahrzeug.

Wenn man sowas vorweisen kann und nicht pampig wird, drückt der Ranger eventuell ein Auge zu.

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