Die 4×4 offroad Pisten in Island – richtig furten und fahren.

Um es vorweg zu nehmen: echtes offroad fahren gibt es in Island sowieso nicht, aber die im Sommer offenen 4×4 Pisten im Hochland sind Herausforderung genug. Eis, Schmelzwasser, reissende Flüsse ohne Brücken, im Weg liegende Steine, Schlaglöcher und weggewaschene Pisten bringen Geländewagen schnell ans Limit.

Es gibt Pisten wie die Verbindung zwischen der 35 und der F752 oberhalb vom Hofsjökull: die sind mit absolut keinem Fahrzeug zu schaffen.

Die Isländer unterscheiden bei der Freigabe der Strassen sogar noch zwischen echtem Geländewagen (damit sind keine Stadt SUV gemeint) und hochgerüsteten Super-Jeeps mit Höherlegung, geändertem Fahrwerk, extrabreiten Reifen mit nachgerüsteter Reifendruckregelanlage. Manche Strassen sind offiziell nur für diese aufgerüstete „Mountain Jeeps“ freigegeben. Meiner Erfahrung nach ist das mit einem gewöhnlichen Geländewagen auch zu schaffen. Man sollte sein Fahrzeug jedoch gut kennen und wissen, wie man offroad Situationen souverän meistert.

In diesem Artikel geht es darum, auf Islands Strassen Fehler zu vermeiden und perfekt vorbereitet zu sein.

Vorbereitung: Strassenlage online checken, mit road.is

Road.is informiert über die Strassenlage in Island, teilweise mit stündlicher Aktualisierung. Die Karte zeigt an, welche Strassen geöffnet sind. Messstationen informieren über Temperatur und Wind.

Gesperrte Strassen sind rot und zusätzlich oft noch mit dem runden „driving prohibited“ Zeichen versehen. Geöffnete Strassen sind grün, können aber den Zusatz „montain vehicles“ haben. Ich hab das in der Karte mit zwei roten Pfeilen markiert. Die Strassen sind dann befahrbar, haben aber noch Stellen mit Eis & Schnee – und entsprechende Überflutungen. 4×4 Stadt SUV scheitern dort.

Wie konsequent Verbote durchgesetzt werden kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Ich war auf (noch) gesperrten Strassen im Hochland unterwegs – und wurde von den Mitarbeitern der Icelandic Road and Coastal Administration (IRCA) trotzdem freudig winkend gegrüßt.

Ein dezenter Hinweis (isländisches Understatement) auf möglicherweise erhöhte Kosten, falls Probleme auftauchen.

Wer auf einer für sein Fahrzeug gesperrten Strasse Mist baut und eine Rettung benötigt, sollte eine ganz besonders gute Ausrede parat haben. Und eine Plutonium Level Kreditkarte. Denn in dem Fall ist man klar im Unrecht und war gewarnt. Falls eine aufwändige Bergung notwendig wird zahlt man dann den Preis, der für sowas in Island üblich ist.

Nur die wichtigsten Strassen sind in der Online Karte von road.is gelistet. Viele F-Strassen und nicht überwachte, kleinere Pisten erhalten keine Einschätzung auf der Webseite. Anhand der „offiziellen“ Situation kann man in etwa abschätzen, ob der Weg auf selten genutzten offroad Pisten in der unmittelbaren Nachbarschaft machbar ist. Eine Garantie ist das freilich nicht.

Island Vorbereitung: spezielle 4×4 Strassenschilder & Besonderheiten auf den Strassen
Dieser Weg ist schwierig, aber für gewöhnliche 4×4 Allrad Fahrzeuge geeignet. Einsteiger 4×4 Autos können weiter fahren, für Camper ist hier jedoch Schluss. Diese Strasse besteht aus Rollsplit, weiter oben war die Piste etwas ausgewaschen und hatte zusätzlich eine Steigung von ca 20%. Autos ohne Allrad scheitern daran möglicherweise.
Torleidi bedeutet: sehr unwegsames Gelände. Es muss mit sehr schlechten bis kaum vorhandenen Wegen, Schlaglöchern, tiefen Rillen, Schneeresten, losen Schotterflächen, Matsch und Überschwemmungen gerechnet werden. Flussdurchquerungen sind sehr wahrscheinlich. Für diese Pisten ist ein schwerer Geländewagen erforderlich, die Isländer setzen aufgerüstete Superjeeps ein.
Insbesondere auf Privatwegen oder selten befahrenen Strassen im Gebirge würde ich darauf achten, in welchem Zustand die Schleusen für das Vieh sind. Gut möglich, daß dort alles etwas vergammelt ist und scharfkantige Eisenteile hochstehen.
Auf den Strassen von gibt es darüber hinaus noch zwei Besonderheiten.

In einem Kreisel mit zwei Spuren hat der innere Ring Vorfahrt. Es kann einem daher passieren, im Kreisel links überholt zu werden – dann biegt der Fahrer plötzlich im 90 Grad Winkel vor einem ab, um die Ausfahrt zu nehmen. Und ist auch noch im Recht damit.

Einspurige Tunnel haben Ausweichbuchten, die mit einem blauen M-Schild beschriftet sind. Wenn rechts Buchten sind, muss in diese bei Gegenverkehr ausgewichen werden.

Gibt es rechts keine Bucht mit blauem Schild, hab ich höchstwahrscheinlich Vorfahrt. Die Gegenseite weicht in M-Buchten aus.

Ausnahme: LKW haben immer Vorfahrt. In dem Fall müssen die Autofahrer eventuell links rüber in eine Bucht und den LKW durchlassen. So beobachtet auf der 76 von Siglufjördur nach Olafsfjördur. Krassester Tunnel ever ! Aber zurück zu den Furten:

Vorbereitung zum furten: welches Fahrzeug habe ich ? Welche Bodenfreiheit und Wattiefe habe ich ?

Die Wattiefe legt fest, wie tief das Wasser sein darf, in das das Fahrzeug eintaucht. Die Luftansaugung für den Motor muss dazu möglichst hoch liegen. Elektronik muss vor Feuchtigkeit geschützt sein. Zur Not kann man mit verstärktem Faser Klebeband und zerschnittenen Plastiktüten kreativ werden, um wichtige Komponenten für kurze Zeit wasserdicht zu verpacken.

Im Notfall läßt sich mit Plastikschlauch zum Beispiel für eine Dunstabzughaube aus dem Baumarkt und viel Klebeband die Luftansaugung ebenfalls erhöhen. Eventuell gewinnt man damit die entscheidenden 20 cm.

Wenn die Luftansaugung vom Motor gut aussieht würde ich die Entlüftungsleitungen der Achsen, der Kupplung und vom Getriebe prüfen. Liegen die hoch genug ? Standheizungen sind oft unter dem Fahrzeug verbaut und dort besonders gefährdet.

Mit Bodenfreiheit ist der Abstand zwischen der Strasse und dem tiefsten Punkt der Auto Karosserie gemeint. Wichtige Frage: wie viel Platz ist unter der Achse ? Wenn die Achse aufliegt, hängen die Räder in der Luft und das Fahrzeug steckt fest. Oder ein kleiner Felsen macht die Achse, den Auspuff, die Schraube der Ölwanne oder irgendwelche Leitungen kaputt.

Die Isländer unterscheiden bei Autos mit Allradantrieb die folgenden Fahrzeugklassen:

Einsteiger 4×4: Autos mit 4×4 Antrieb, die bei uns als Stadt SUV unterwegs sind. Zum Beispiel: Dacia Duster, BMX X5, Fiat Panda 4×4

Diese Fahrzeuge haben zwar einen Allrad Antrieb, aber nur eine geringe Bodenfreiheit und meist nur gewöhnliche Reifen mit Strassenprofil. Scharfkantige Steine oder kleine Felsbrocken, die in der Mitte des Weges liegen können bereits zu einer Gefahr für Reifen oder die Unterseite vom Fahrzeug werden.

Echte Geländewagen: Diese haben 4×4 Allradantrieb, zusätzlich Differentialsperren und ein Getriebe mit Geländeuntersetzung. Das erkennt man im Fahrzeug meist an den zwei Schalthebeln.

Zum Beispiel: Toyota Landcruiser, Toyota Hilux, Mercedes G, klassischer Landrover Defender, erster Humvee

Diese Autos haben eine Bodenfreiheit von mindestens 20 cm. Eine Geländeuntersetzung bringt mehr Kraft auf die Strasse und eine weit oben liegende Luftansaugung ermöglicht das Fahren in bis zu 50 cm tiefem Wasser. Auf diesen Fahrzeugen werden robuste Reifen mit einem groben Profil aufgezogen. Oft ist eine Seilwinde zur Bergung anderer Fahrzeuge an Board.

Aufgerüstete, schwere Geländewagen auf Basis vom Heavy Duty Geländewagen, wie dem Ford F-150 oder F-350, Doge Ram.

Üblich ist ein geändertes Fahrwerk, große und sehr breite Reifen, eine Reifendruckregelanlage, zusätzliche Scheinwerfer, permanent befestigte Haken zur Bergung vorne und hinten. Eine Bodenfreiheit von bis zu 50 cm ist nicht unüblich. Diese Fahrzeuge sind zusätzlich oft dafür optimiert, auf Schnee zu fahren ohne einzusinken. Flüsse, die bis zu 75 cm tief sind werden problemlos durchwatet. Viele Motoren haben Chiptuning für mehr Leistung.

Die 35 oder die 550 kann durchaus mit einfachen Einsteiger 4×4 Fahrzeugen befahren werden. Die 35 hat ausserdem keine Furten.

Grüne Hochlandstrassen mit F sind nur für echten Geländewagen frei gegeben. Grüne F-Strassen, die den Zusatz „Mountain Vehicle“ haben sind – offiziell – nur für aufgerüstete Super Jeeps geeignet.

Inoffiziell (das sage daher nur ich) kann man sie befahren, wenn man über viel Erfahrung verfügt und bereit ist, mit seinem Geländewagen bei nicht zu bewältigenden Passagen (Furten) umzukehren.

Beispiel: die F249 ist mit der Krossa Furt im Frühsommer extrem. Neben mir stand in Grettislaug ein MAN. Der Fahrer ist da mit seinem LKW durch, aber das Wasser war 1,20m hoch und die Strömung sehr stark. Selbst mit einem guten Geländewagen war das zu dem Zeitpunkt komplett ausgeschlossen. Ich wäre mit meinem Fahrzeug umgekehrt.

LKWs mit militärischer Vergangenheit wie der DAF T244 spielen durchaus in der Liga der aufgerüsteten Jeeps mit. Schnee & Eis mag der DAF aber nicht so. Wegen dem hohen Gewicht kann er zwar nicht aufschwimmen und abtreiben, aber es ergeben sich andere Schwierigkeiten. Der DAF kann mit den original 12.00 Reifen stärker in Passagen mit Sand einsinken. Eine Bergung ist deutlich schwieriger als beim Geländewagen. Beim DAF ist die Luftansaugung ohne Umbauten mit ca 70 cm auch nicht besonders hoch.

Niemals neben der Strasse fahren
Hinten im Bild hat sich ein kleiner 4×4 Toyota neben der Strasse festgefahren. Der DAF T244 steht auf der stark verdichteten Piste fast so wie auf einer Asphalt Strasse, obwohl er mit 7,5 Tonnen vergleichsweise schwer ist. Die Reifen haben den vollen Luftdruck für Fahrten auf einer Strasse. Andere Fahrer haben die Landschaft bereits ziemlich zerfurcht.

Warum nicht neben der Strasse fahren ? Erstens weil es verboten ist, denn es schadet der Landschaft. In Island ist das Problem der Erosion wegen der leichten, vulkanischen Erde schlimmer als zum Beispiel in Deutschland. Furchen verschwinden erst nach Jahren. Eine Vegetation ist entweder nicht vorhanden oder hat im Jahr nur wenige Wochen Zeit, aufgerissene Stellen zu reparieren.

Zweitens kann der Boden neben der Piste komplett matschig und voller darin versteckter Steine sein. Im Matsch versinkt man bis zur Achse – Steine machen das Auto von unten kaputt. Oder die Reifen. Oder beides.

Insbesondere, wenn auf dem Weg so etwas wie ein See ist würde ich diesen immer langsam durchfahren und nie ausweichen. Drum herum fahren ist im ersten Moment zwar naheliegend, aber die Piste hat einen verdichteten Untergrund und ist daher sicher. Auch wenn sie gerade unter Wasser liegt.

Wenn man trotzdem unsicher ist kann es nicht schaden, erst Mal anzuhalten und das Wasser barfuss oder in Sandalen zu durchwaten. Wenn man nur bis zu den Knien im Wasser steht, schafft es das Auto auch.

Das war eine Stelle, dir mir nicht geheuer war. Auf der 35, Anfang Juni. Ich hab angehalten, mir das erst Mal ganz in Ruhe angeschaut und ein paar größere Steine aus der Spur geräumt. Eis und Schnee mag der DAF nicht so. Ausserdem wollte ich wissen, wie tief das Schmelzwasser ist. Nachdem ein zufällig vorbei kommender Geländewagen problemlos durchgefahren ist, hab ich es auch gewagt. Es ging (natürlich) ohne Schwierigkeiten. Es schadet jedoch nicht, manchmal eine kleine Pause zu machen, um alles gut zu bedenken und sich vorzubereiten.
Material für eine Bergung dabei haben

Mindestens: einen Bergegurt und zwei Schekel, um den Gurt zu befestigen. Vor der Abfahrt würde ich prüfen, ob die Öse zum Abschleppen an Board ist oder eine andere Möglichkeit, Bergemittel festzumachen. Vor einer möglicherweise kritischen Furt würde ich die Öse zum Abschleppen dann schon mal in Ruhe festschrauben. Und Bergematerial bereit legen, für alle Fälle.

Ein dickes Seil ohne definierte Bruchlast ist nicht optimal, aber besser als gar nichts.

Meine Bergegurte vertragen 25 Tonnen und sind damit für LKW und PKW gleichermaßen geeignet. Gurte mit 10 Tonnen sind bei einem 7,5 Tonnen Truck bereits ausreichend.

Richtig furten – erst Mal am Ufer Informationen sammeln …

An der zu furtenden Stelle angekommen besteht der erste Schritt darin, Informationen zu gewinnen und herausfinden, wie tief das Wasser ist. Entweder beobachtet man ein Fahrzeug, was den Fluss durchquert oder man steigt in Sandalen und hochgezogenen Hosen selbst hinein und stapft die Strecke ab. Im eiskalten Wasser.

Fragen: wie tief ist das Wasser ? Wie stark ist die Strömung ? Wie fest oder steinig ist der Untergrund ? Wird die Wattiefe vom Fahrzeug überschritten ?

Morgens ist weniger Wasser im Fluss als am späten Nachmittag, wenn die Sonne im Gebirge Schnee geschmolzen hat. Starker Regen lässt jeden Fluss anschwellen.

Je höher das Wasser ist, um so stärker ist der Seitendruck auf das Fahrzeug. Leichte Fahrzeuge (Suzuki Jimny) können im schlimmsten Fall aufschwimmen und abgetrieben werden.

Es kann nicht schaden, bei gefährlichen Furten auf ein zweites Fahrzeug zu warten und sich zum gemeinsamen furten zu verabreden. Falls etwas schief geht, kann man sich gegenseitig rausziehen.

Am wichtigsten ist jedoch, die Wattiefe vom Fahrzeug zu kennen. Bis zu welcher Wassertiefe kann das Auto verwendet werden ?

Helfen können einem andere Reisende, die einem entgegen kommen und bereits Erfahrung mit der Strecke gemacht haben. Die Park Ranger (wenn man einen trifft) wissen ebenfalls genau Bescheid.

Richtig furten: Fahrzeug am Ufer vorbereiten

Beim DAF T244 wird die Kupplung mit einer extra dafür vorgesehenen Schraube von unten gegen eindringendes Wasser verschlossen. Das kann man auch mit einem Stück Klebeband machen. Ausserdem wird die Lüftung ausgeschaltet und die Lüftungsklappe vom Cockpit aus mit dem Drehregler verschlossen.

Die Mittel Differentialsperre wird mit dem 4×4 Taster aktiviert und der Hebel für die Geländeuntersetzung gezogen. Der Sicherheitsgurt wird nicht angelegt und alle Fenster werden heruntergekurbelt. Die Dachluke wird geöffnet und hinter der Kabine eingehakt.

Diese Prozedur gilt auch, wenn ein fremdes Fahrzeug abgeborgen werden soll.

Material zur Bergung sollte für alle Fälle bereit liegen, daher im Fussraum vom Beifahrer.

Richtig furten – das Wasser beobachten
Stille Wasser sind tief, sagt das Sprichwort. Das gilt ganz besonders für Furten. Hier hab ich eine kleine Furt fotografiert, die nur 10 cm tief ist und problemlos von jedem Fahrzeug durchfahren werden kann. Aber wer vom Weg abkommt, geht unter.
Da, wo sich das Wasser kräuselt ist die Furt ungefährlich. Links fällt es jedoch steil ab und ist einen Meter tief. Flüsse, die aus dem Gebirge vom Gletscher kommen sind meist milchig und trüb. Im Gegensatz zu diesem klaren Bach kann man nicht auf den Grund sehen. Die Wasser Oberfläche kann jedoch verraten, wo es ungefährlich ist.

Bei manchen Furten ist es aber genau umgekehrt: die eigentliche Furt hat eher glattes Wasser, während gefährliche Bereiche große Felsen und damit sehr unruhiges Wasser haben.

Richtig furten – das Fahrzeug im Wasser
Das Fahrzeug ist zu schnell und schiebt eine kleine Welle vor sich her. Papa und Sohn haben allerdings eine Menge Spass bei der Sache ! In der Situation immer noch komplett unkritisch. Das Wasser erreicht noch nicht die Motorhaube und die innen liegende Luftansaugung.
Diese Furt hat eine bogenförmige Markierung mit kleinen Fahnen. Das Wasser kommt von rechts und hat die Kieselsteine in diese Richtung verschoben. Die flachste Stelle ist entlang der Markierung. Der Dacia Duster macht sich hier gerade einmal die Räder nass, fährt langsam und vorbildlich.
Ein kleiner Geländewagen an der gleichen Stelle, abseits der Markierungen. Der Fahrer fährt etwas zu schnell einfach mittendurch. Dieses Fahrzeug liegt in der gleichen Furt zur gleichen Zeit deutlich tiefer im Wasser als der Dacia Duster, kann das allerdings auch sehr gut. (Ausserdem wird gerade ein Handyvideo gemacht: etwas Aktion für die Kamera).

Wenn das Wasser die Unterkante vom Fahrzeug erreicht, wirken plötzlich ganz andere Kräfte auf das Fahrzeug. Das kann etwas überraschend sein. Vor allem dann, wenn der Geländewagen kleinere Furten mit 20 – 30 cm gut bewältigt hat.

Die Grafik (sorry für meinen Mangel an Talent) soll ein Geländefahrzeug darstellen, was eine Fahrt durch Wasser unternimmt. Das Wasser ist 20 cm hoch. Die Räder sind mit Wasser bedeckt, aber das Wasser kann seitlich und von vorne unter dem Auto durchgleiten. Das Auto muss in ROT markiert gegen den Wasserwiderstand arbeiten. Da die Reifen vergleichsweise dünn sind, kann der Motor das gut leisten.

In GELB hab ich Flächen markiert, die vom Fluss angeströmt werden. Hier im Beispiel sind es nur die Reifen. Weitere Kräfte wirken auf das Auto nicht. Aus Sicht des Fahrers ist das etwas abenteuerlich, aber es klappt ja eigentlich erstaunlich gut.

Zweites Scenario: das Wasser ist gestiegen. Nicht viel, gerade einmal 10 – 20 cm ! Der Unterboden ist bedeckt, der Geländewagen fährt etwa 30 – 40 cm im Wasser. Eigentlich nicht weiter dramatisch aus Sicht vom Fahrer, der bereits erfolgreich durch das 20 cm tiefe Wasser gefahren ist.

Obwohl das Wasser nur wenig gestiegen ist, wirken plötzlich ganz neue Kräfte. Das Auto muss gegen den Wasserwiderstand arbeiten und auf der gesamten Front das Wasser wegschieben. Das Wasser fließt nicht mehr unter dem Auto durch. Die seitliche Strömung erfasst nun die gesamte Breite vom Fahrzeug, nicht nur die Reifen. Die Segelfläche (GELB) hat sich dramatisch erhöht. Im Wasser fängt das Auto an, aufzuschwimmen. Auch wenn die Räder noch Kontakt zum Boden haben, verringert sich die Traktion. Eher überraschend ist daher noch eine dritte Kraft hinzugekommen: Auftrieb. Markiert mit den roten Pfeilen.

Sobald das Wasser die Unterseite vom Fahrzeug erreicht stellen sich daher neue Effekte ein. Das Verhalten vom Fahrzeug kann plötzlich ungewohnt sein. Die Lenkung kann anders reagieren, der Motor muss stärker arbeiten und das Fahrzeug hat weniger Bodenhaftung / Traktion.

Ein ertränkter Fiat Panda 4×4, den musste der Island SAR aus dieser Furt ziehen. Der Fahrer meinte, er hätte durch Auftrieb zunächst Traktion verloren, dann wäre Wasser in die Luftansaugung gekommen. Der Fiat Panda 4×4 ist noch eins der „echten“ robusten Autos ohne viel Schnickschnack. Er läuft mit Benzin und nachdem das Wasser auf dem Luftfilter raus war sprang der Motor einfach so an und lief wieder ! Der Italiener war mit dem Fahrzeug bestens vertraut und hatte eine sehr gute Ausrüstung dabei: Funk, Navigation, Notrufsysteme, viel Werkzeug. Laut seiner Karte war er mit dem Fiat auf Hochland Strecken unterwegs, die ich als schwierig einstufen würde.
Richtig furten – Verhalten im Wasser

Im Fluss niemals den Motor ausschalten.

Langsam im zweiten Gang fahren. Nicht schalten. Nicht anhalten.

Möglichst mit der Strömung leicht schräg durch den Fluss fahren. Keine Bugwelle erzeugen.

Zielsicher die Ausfahrt ansteuern und (falls vorhanden) Markierungen folgen.

Wenn man sich gut vorbereitet hat, sollte das eigentliche furten unproblematisch sein.

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